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Jüdische Presse · 1922-06-16 · 21 (16.6.1922) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
21 (16.6.1922)
Date
1922-06-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 21 JÜDISCHE PRESSE *■ Seite 137 Die „Schiffschtd". Als die Wogen der Reform am heftigsten wüteten, die Grundpfeiler unseres Gottesdienstes zu erschüttern drohten, haben einige g-ttesfürchtige Männer die Gründung eines Tempelvereines beschlossen, welcher auf der unverrückbaren Grundlage traditioneller Ueberlieferung basieren soll. Die Geldmittel waren gering, der Kreis Gesinnungstreuer begrenzt, die Schwierigkeiten unübersehbar und dennoch wurde das Gotteshaus errichtet durch die Opferwilligkeit seiner Gründer, die es sich zur Lebensaufgabe setzten,' in Wien einen Tempel zu errichten, der das Zentrum der glaubens- und gesetzestreuen Ueberlieferung bilden sollte. Was die „Schiffschul" in den Jahrzehnten ihres Bestehens der Orthodoxie war und ist, würde verdienen, in einer Geschichte der „SchifTschul" festgehalten zu werden! Sie war und ist. uns mehr als bloß Tempel und G-Üeshaus, sie gab uns Ziel und Richtung, Lebensauffassung und Programm. Sie wurde zur Festung der Glaubenstreue, an der alle feindlichen Angriffe abprallten. Die „Schiffschul" ist uns aber auch persönlich lieb und teuer. Sie ist das G-tteshaus, in der schon unsere Eltern und Großeltern in Leid und Freud ihre Andacht verrichteten und dieses Erbe wollen und müssen wir erhalten. Noch bis in die letzten Jahre hatten wir immer den Plan im Auge, an den Tempelumbau zu schreiten, der den Ansprüchen der Neuzeit in Größe und Schönheit entsprechen sollte, doch die Not der Zeit, die noch täglich wächst, macht die Verwirklichung dieses Wunsches für die nächsten Jahre unmöglich. Wie könnte auch jetzt daran gedacht werden, diese Riesensummen aufzutreiben, wo selbst die Erhaltung schon so große Beträge verschlingt. Solche Aufgaben sind einer glücklicheren Zukunft vorbehalten. Aber eine unabweisliche Ehrenpflicht bleibt es, unser G-tteshaus zu erhalten, an dem Jahre nicht spurlos vorübergegangen sind und dringend nach Verschönerung, Verbesserung und Erweiterung schreit! Die Wiener Orthodoxie hat stets Beweise ihrer Opferwilligkeit geliefert und Institutionen geschaffen, die allgemeine Bewunderung erregen. Ihre Religion und ihre Religiosität erschöpfte sich nicht in architektonischen Prachttempein mit weltlichem {Gepräge, wenn es aber gilt, unser altehrwürdiges G-tteshaus vor dem Verfall zu retten, wer würde da nur einen Augenblick zögern, wer seine Mitarbeit versagen? Im Einvernehmen mit dem löblichen Vorstand hat sich ein Komitee gebildet, welches noch im Laufe dieses Sommers die vollständige Renovierung der „ Schiffschulu durchführen soll. Architekten und Fachleute sind bereits eingeladen, Gutachten abzugeben, welche Arbeiten keinen Aufschub erleiden dürfen, um die Sicherheit zu erhöhen, die sanitären Einrichtungen zu verbessern. Das Komitee plant eine große Propagandaversammlung einzuberufen, um die Durchführbarkeit dieser unabweislichen Aktion zu beraten. Es ist zu wünschen, daß auch der bedeutsamste Mittelträger unseres Glaubensgebäudes — die Awaudoh — das gleiche Interesse begegnet, wie in unseren Kreisen Thauroh und Gemilath chassodim gepflegt wird. 0. N. Für die Opfer der Hnng Die Sammlung. Bisheriges Ergebnis: Fünfzig Millionen Kronen. Mit dem heutigen Ausweis sind bei der Aguda- Zentrale in Wien bisher mehr als fünfzig Millionen Kronen an .Spenden für die Opfer der Hungersnot eingegangen. Dem aufmerksamen Leser wird es nicht entgangen sein, dal.) ein Großteil dieser bedeutenden Summe aus Ländern mit entwerteter Valuta stammt. Die Länder mit hochwertiger Valuta melden sieh noch immer nicht in dem AI alle, wie es erwartet werden nml.>. Doch sind in der Zentrale Nachrichten eingelaufen, wonach die Hilfsaktion auch in diesen Ländern Kaum zu gewinnen anfängt. Mit Spannung sieht man den Resultaten der Sammlung in der Schweiz, in Ii o 1 l a n d und in den S k n n d i n a v i s c Ii e n L ä n d e r n entgegen. D e u t s o h 1 a n d arbeitet, auch bei diesem Hilfswerk zielbewußt mit gutem Erfolge mit. In jedem Orte, wo Juden wohnen regen sich die Herzen zum Spenden und überall hat die Aguda Herren- und Damen-Komitees organisiert, um die Spenden entgegenzunehmen und die Säumigen an dieses Gebot der jüdischen Mensehenpf lieht zu mahnen. Außer den bereits ausgewiesenen Spenden sind von dort noch beträchtliche Summen avisiert. In der Slowakei ist in verschiedenen Gemeinden die Sammlung noch im Gange. In manchen anderen Gemeinden, besonders in der Ostslowakei, und gerade in den größeren wohlhabenderen, wird es wohl noch einer abermaligen dringenden Aufforderung bedürfen, um die Gemüter zu bewegen. Anerkennung gebührt den kleineren Gemeinden, die aus treuem jüdischen l'ilichtbewutßsein heraus spontan an der Aktion teilnehmen. In L i t a u e n leitet der ..Rabbiner-Verband" die Aktion im ganzen Lande. Selbst in den kleinsten Gemeinden kommen unsehnliche Summen zusammen. Mehrere Rabbiner reisen im Lande umher, und eifern in Gastpredigten und Versammlungen das Volk zu Spenden ein. In Pole n hat die Landes-Aguda nunmehr die Propaganda für die Hilfsaktion über das ganze Land entfaltet. Der ..Jud" veröffentlicht Spenden- Ausweise von zahlreichen Gemeinden und Bethäusern. Auch aus 0 s t g a 1 i z i e n meldet die Lemberger Aguda-Zentrale einen befriedigenden Verlauf der Sammlung. In Wien wurde während des Schewuos- F e s t e s in vielen Bethäusern für die Hungernden gespendet. Erwähnenswert ist der Tempel in d e r S t u m p e r g a s s e, dessen Besucher in hervorragendem Maße zum Erfolg der Aktion beitragen. Die Spenden im Bethause des 0 z o r tk o w e r H a b b i haben bis jetzt benahe eine Million Kronen erreicht. Aus 1! u ß 1 a u d laufen Nachrichten ein, wonach die Hilfe von Tag zu Tag dringender wird. featastrophe in Rußland. Viele n Ta u 8 e nd e n kann geholfen w e v d e n, w e n n die A g u «i a - Z e n t r a 1 e i n die L a g e vers e t z t w i r «l, i h r e L e b e n s m i t t e 1 - S e n d u n gen z u v e l - v i e 1 f a c h e n. W i r v e r s a g e n d e m B r u d e r d i e K e t t u n g v o m H u n g e r t o d e, w e n n w i r u i c h t s o f o r I. s ]> e n d cn, so viel w i r e r ü b r i g e n k ö n n e n! Verlanget Erlagscheine der Aguda für die ..R u ß 1 an d - A k t i o n"! Benützet die Summe 1 bogen der Aguda- Zentrale und erinnert Verwandte. Freunde und Bekannte an ihre B r u d e r p f 1 i c h t! S p e n d cn s i n d z u r i c h t e n a n: Agudas Jisroel für ..Hilfskomitee für Rußland", Wien, II. Malzgasse 12a. T e 1 e p h o n - Nummer 49-0-54. Konto der „Agudas Jisroel" bei der Oester. P o s t s p a rk a s s e Nr. 124.904. B a n k k o n t o: Wiener Bankverein, Wechselst übe Hollandstraße 1. * Spendenausweis für die jüdischen Hungernden in Rußland. (Fortsetzung.) N. N. durch Ernst Stern K r>00(), Verlorene Wette Steiner-Grünhut 1000, Hermann Hochheid MOO, L. K. 5000, N. N. durch Siegfried Richter 3000, Tempel- und Schulverein Stuinpergasse durch Obmann Moritz Felsenburg (dritte .Sammlung 150.000, Sali (■'uggenheiin (Alschwill), anläßlich der Vermählung seiner Tochter Frl. Irene mit Dr. Eugen Fraenkel (München) 20.000, H. J. Unger 25.000, Aron Klein durch Bethau.sverein „Montefiore" 1000, N. Bernstein 2000, Sammlung durch Rabbiner II. Twersky (Großrabbiner Israel Friedmaim (Czoitkow) 26.000, Rabbiner H. Twersky 10.000, Raruch Haimowitz 15.000, Rabbiner Aron Friedmann, Rabbiner Nuchim N. Frietlmann, Rabbiner Ber Frietlmann je 5000, Mordechai Halpern 3000), zusammen 69.000, Frl. Klara Höht 1000, Nathan Löffler 3000, eine Wette durch (Jina B. 1000, T. & Söhne 200.000, Sandor Adler 30.000, Max Bettelheim 20.000, Samuel Nüs.senbaum 10.000, Agudas Jisroel Wiener-Neustadt (erste Sammlung) •400.000, «hula Großbart Dollar 1, Bethausverein „Adass .leschurim", IX. Pfluggasse, 1000, Markus Friedmann N. Jakalevjani (Slowakei) tsch. K 51, durch Rabbiner Dr. Josef Wohlstein, Malmö (Schweden) Sammlung Direktor E. Lewin deutsche Mark 20.000, Sammlung Albert Engelsrat und Frl. Holländer (Fiume) Lire 225, Dinar 60, Orthodoxe israelitische Kultusgemeinde Komarno (Slowakei) tsch. K 2000, Sammlung der Herren J. Schlesinger und D. Löw-Beer, Velke Tapolczany (Slowakei) tsch. K 2000, durch Rabbiner Sch. J. Lewitan (Christiania) Mk. 2000, durch Gruppenverband der Agudas Jisroel in Deutschland (Halberstadt) Mk. 178.317, Beth Hamidrasch „Talmud Thora" (Nachtrag) Mk. 11.000, Jüdische Fürsorgezentrale, Prag (erste Sammlung) tsch. K 2805, durch Rabbiner Dr. P. Kohn von J. H. (Berlin) Rmk. 3000, Bethausverein „Adas Jisroel" (zweiter Ausweis) Thoraspenden; K 53.290, B. M., Prof. Max Eisler, Michael Weigl je 5000, Robert Klein 1000, zusammen K 69.290, Bethausverein „Achdus Jisroel", Rembrandtstraße 32, (zweite Sammlung) 13.800, durch Skandinawisk Bureau for Agudas Jisroel (Kopenhagen): Felix Strauß Dollar 50, Aguda Frankfurt a. M., Max Kahan, K 1,000.000, Uruppenverband der Agudas Jisroel in Deutschland (Halberstadt) Dollar 810, durch Rabbiner Sch. J. Lewitan: Sammlung der orthodoxen Gemeinde „Adas Jisroel, Israelitiske Menigheit" (Christiania) Rmk. 40.000. Zusammen: K 2,044.690, tsch. K 6856, d. Mk. 243.317, Dollar 861, Lire 225, Dinar 60, zusammen K 34,567.420. NACHRICHTEN. Mit der vorigen Nummer der „Jüdischen Presse" schied Herr Samuel Bettelheim von der Leitung unserer Redaktion. Das orthodoxe Judentum verfügt über nur wenige geistvolle und schriftstellerisch befähigte Journalisten von dem Range des Herrn Bettelheim, der überdies noch seine langjährige Erfahrung auf dem Gebiete der Klallarbeit sein Eigen nennen kann. Selbst die Feinde unserer Richtung wie die Gegner Bettelheims werden sein Talent anerkennen müssen. Wir hoffen, daß Herr Bettelheim auch nach seiner Abreise aus Wien uns ein wertvoller Mitarbeiter bleiben wird. Die Richtung unseres Blattes erfährt durch diesen Personenwechsel keine Veränderung. Wir wollen unseren Charakter als rechtsstehendes orthodoxes Organ unabhängig von jeder Partei und Vereinigung auch weiterhin wahren. Unser Verhältnis zu den Führern der Orthodoxie, speziell zu den leitenden Faktoren der orthodoxen Weltorganisation Agudas Jisroel wird womöglich noch inniger gestaltet werden. Wir bitten unsere P. T. Freunde auch fernerhin um tatkräftige Förderung. Jüdischer Verlag, 6. m. b. H., Wien II. Dtut$cbo$ferrcicl). Eine Talmud Thora-Schnte für den 12., 13., 14. und 15. Bezirk. Die heutigen schwierigen Wohnungsverhältnisse bringen es oft mit sieh, daß man sieh, losgelöst von den jüdischen Zentren, in den äußeren Bezirken Wiens ansiedeln muß, wiewohl die Gefahr, seinen Kindern weder das jüdische Milieu, noch eine halbwegs entsprechende Schule bieten zu können, ganz enorm ist. Es ergibt sich daher die Notwendigkeit, in all diesen Stadtteilen Talmud Thora-»Schulen zu gründen, zumal da der Religionsunterricht in dortigen öffentlichen Schulen noch weitaus assimilierter ist und sich völig jeder Kontrolle entzieht. Es ist daher mit besonderer Genugtuung zu begrüßen, daß das unter dem Präsidium des Herrn Thurner stehende Bethaus, XIV. Storchengasse 21, die Stätte der segensreichen Tätigkeit Sr. Ehrw. des Herrn Rabbiner Abraham Weiß, dank der unermüdlichen Arbeit des Herrn .Jakob Omer, eine solciie Talmud Throa-Sehule gegründet hat, die sich eines recht großen Zuspruches seitens der dortigen Kinder erfreut. Ein Internat für verlassene Kinder. Seit Jahien ist die Aguda bemüht, Kinder, die das Unglück gehabt haben, durch die israelitische Kultusgemeine in christliche Waisenhäuser oder bei christlichen Pflegeeltern untergebracht zu werden, zu sammeln und sie durch entsprechende Erziehung zu nützlichen Gliedern der jüdischen Gesellschaft zu machen. Bisher wurden diese Kinder meistens bei kinderlosen Ehepaaren unter gebracht. Es ergab sich aber die Notwendigkeit, einerseits den Kindern, für die noch keine Pflegeeltern gefunden wurden, eine provisorische Unterbringung in einem Heime zu ermöglichen und anderseits auch einer Anzahl von Knaben, eine ganz besondere Erziehung, die ihnen nur in einem geschlossenen Internat gegeben werden kann, zugute kommen zu lassen. Aus diesen Erwägungen wurde von der Soziaion Fürsorge der Aguda im 1). Bezirk, Schimmelgasse G, ein Gebäude erworben, das für fünfzig solche Kinder Raum faldv.. Die Vorarbeiten für die Eröffnung sind schon weit vorgeschritten. Oberrabbiner S. Fürst im Aguda-Waisenhaus, Baden. Oberrabbiner S. Fürst n. j. besuchte am Montag, den 9. Siwan, das Aguda-Waisenhaus, Baden, bei welcher Gelegenheit Sr. Ehrw. die Waisenkinder eingehend in Chumisch, Raschi und Gemoro prüfte. Herr Oberrabbiner Fürst war hoch erfreut über die Leistung der Anstalt. Frau Oberrabbiner inspizierte die wirtschaftliche Führung der Anstalt und sprach ihre Anerkennung aus. En gros En detail Wasserdichte Regenmäntel GUMMI-INDUSTRIE Wien, II-, TaborstraGe 39 Hotel Bayrischer Hof. Teleph. 40324

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