Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 20 (2.6.1922)
- Date
- 1922-06-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 132 JÜDISCHE PRESSE Nr. 20 der Aguda am Mittwoch, den 7. Juni (Vorabend des 12. Siwan), 7 Uhr abends, im Festsaale des Hotel Continental, II., Taborstraße 2, eine große Versammlung. Rechtsanwalt Dr. Isaac Breuer, Frankfurt a. M., und andere hervorragende Persönlichkeiten des orthodoxen Judentums werden Festreden halten. Mitglieder und Freunde der Aguda sind willkommen. (Siehe auch Inserat.) Seforim-Leihaktion der Aguda-Jugendgruppe Wien. Um einem längst empfundenen Mangel in den Chadorim abzuhelfen, ist die Bibliothek der Aguda-Jugendgruppe Wien bestrebt, durch Aufbringung der nötigen Mitteln, den Wiener Chadorim, die zum Lernen unerläßlichen Seforim zu verschaffen. Es ergeht daher an alle Förderer der Thora die dringende Bitte, diese Aktion durch Seforim und Geldspenden nach besten Kräften zu unterstützen. Gleichzeitig ergeht die dringende Mahnung an alle jene, die Seforim von der ßibliothek der Jugendgruppe entliehen haben, dieselben zurückzustellen. Seforim und Geldspenden sind zu richten an die Bibliothek der Jugendgruppe Wien, IL, Obere Donaustraße 69, mit dem Vermerk Leihbücher. Ziegenspende für das Aguda-Waisenhaus, Baden. Herr Kalew, Baden, Helennenstraße 110, spendete dem Badener Waisenhause der Aguda 3 Ziegen, wofür ihm hiemit vom Kriegswaisenfonds des Aguda-Wnisenhauses in Baden bestens gedankt sei. Ungarn. Die ungarische Advokatenkammer gegen den numerus clausus. Der dem Justizministerium vorgelegte Jahresbericht der hauptstädtischen Advokatenkammer spricht sich in scharfer Form gegen die gesetzeswidrige Einführung des numerus clausus an den ungarischen Universitäten, sowie gegen die noch immer triumphierende Reehtsunsichevheit in Ungarn aus. (J. C. B.) Eine neue Talmud Thora in Budapest. Der Budapester orthodoxe Talmud Thora-Verein hat wieder einen Punkt seines großzügigen Programme» verwirklicht, indem er bereits die sechste Talmud Thora-Schule gründete, welche am Sonntag, den 21. Mai, eröffnet wurde. Für die Erhaltung der neuen Schule haben die Herren Harry Wohl 10.000 und Alexander Repes 30.000 ungarische Kronen gespendet. Polen. Rabbinerinstallation. Vor zwei Wochen fand in Sanok der feierliche Einzug des neugewählten Oberrabbiner, Rabbi Mayer Spira aus Glinyany, statt. Aus den benachbarten Ortschaften waren zahlreiche Gäste herbeigeströmt, um an dem begeisterten und imposanten Empfang, den ihm die jüdische Bevölkerung bereitete, teilzunehmen. Deutschland. Die Generalversammlung des „Hilfsvereins der deutschen Juden" fand am 21. Mai in Berlin statt. Der Vorsitzende Dr. James Simon eröffnete die Versammlung mit einer großangelegten Rede, in der er die Arbeit der Vereines während des abgelaufenen Jahres schilderte. Der Verein arbeitet in engster Fühlung mit JOA und JDC, insbesonders auf den zwei Hauptgebieten: Emigration und Hilfe für die Ukraine. 50.000 Emigranten passierten die Hilfsstellen des Hilfsvereines. Nunmehr steht eine Zentralisierung der gesamten ßinwanderungsfiirsorge in Deutschland bevor. Für die Ukraine wurden Millionen Mark gesammelt, wovon eine halbe Million nach Odessa überwiesen wurde. Der HV beteiligt sich an der „schnellen J-lilte^ durch die Küchenaktion, ferner sandte er Sämereien und Werkzeuge nach den jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien Südrußlands und arbeitet hierbei mit ORT und JOA Hand in Hand. Man hofft die Sammlung bald auf drei Millionen zu bringen. Der Kassabericht wurde genehmigt und hierauf die Ergänzungswahlen in den Vorstand vorgenommen. Wirtschaftliche Unternehmungen für Palästina in Deutschland. Berlin, 22. Mai. (J. O. B.) Wie wir erfahren, ist in Deutschland die Gründung einer jüdischen Palästina-Export-Gesellschaft in die Wege geleitet. An den Vorbesprechungen haben eine Reihe führender Kaufleute und Industrieller und die Führer der Zionistenföderation ..Binyan Haarez" teilgenommen. Da ein beträchtlicher Teil der erforderlichen Mittel bereits gezeichnet ist, kann das Unternehmen als gesichert angesehen werden. Amerika. Der Joint Tür die russischen Hungernden. Das JDO in Amerika hat den Betrag von 5000 türkische Pfund monatlich für die Dauer von drei Monaten der „Federation zur Hilfe der russischen .Juden" in Konstantinopel zur Verfügung gestellt für die Hungernden in der Krim. — Durch Vermittlung des JDC sind bisher für 70.000 Dollar Lebensmittelpakete nach Sowjetrußland abgeschickt, worden, an welchen Sendungen 120 Vereine respektive Landsmannschaften beteiligt sind. Rücktritt Dr. Magnes. Der Vorsitzende des Exekutivkomitees der jüdischen Gemeinde in New York. Dr. Magnes. ist mit Rücksicht auf seine beabsichtigte Studienreise durch Mittel- und Osteuropa und durch Palästina von seinem Posten zurückgetreten. — Zwecks Neugestaltung der Tätigkeit der jüdischen Gemeinde wurde ein Rat von 70 Personen eingesetzt, der die Geschäfte bis zum nächsten Delegiertentag zu führen hat. (J. G. B.) Der „Orthodoxe Rabbinerverband der Vereinigten Staaten und von Kanada" feierte vor einigen Tagen das Jubiläum seines zwanzigjährigen Bestandes. Das amerikanische .Judentum hat in den letzten .Jahren für die Gesamtheit des .Judentums eine Bedeutung gewonnen, wie sie vor wenigen Jahren noch nicht geahnt werden konnte. Das orthodoxe Judentum der ganzen Welt nimmt an der Entwicklung der religiösen Idee und der religiösen Lebensbetätigung aller Gruppierungen der nach Amerika eingewanderten Millionen Juden aus den östlichen Ländern das regste Interesse. Der „Orthodoxe Rabbinerverband" vereinigt in sieh im großen und ganzen die Rabbiner der Gemeinden und Bethäuser der ostjüdischen Einwanderer und das Gedeihen des amerikanischen Judentums hängt vielfach von dem (Jeiste ab. der diesen Rabbinerverband beseelt. Rumänien. Eine „National-jüdische Religionsgemeinschaft". Der frühere Rabbiner der orthodoxen Gemeinde in Klausenburg, Moses Glasner, hat seinen Kampf gegen die orthodoxen Rabbiner der Gegenwart wieder aufgenommen. Er beschuldigt die Rabbiner, daß sie allein an dem geistigen Verfall weiter Kreise des Judentums schuld seien. Er propagiert jetzt die Gründung einer neuen jüdischen religiösen Gemeinschaft auf streng nationaler Grundlage unter dem Namen ..National-jüdische Religionsgemeinschaft". Diese neue Konfession soll sowohl Orthodoxe wie Reformer umfassen, sofern sie den Nationalismus als Grundlage de!* Judentums anerkennen. Zur Propaganda für diese Idee begibt sich der neue Religionsstifter demnächst nach Amerika, wo er Anhänger zu finden hofft. Das Schiedsgericht der orthodoxen Landeskanzlei. Aus Klausenburg wird uns berichtet: Das Schiedsgericht der orthodoxen Landeskanzlei, das zwecks Regelung und Schiedsspruch, über die seit acht Monaten bestehenden Zwisligkeiten innerhalb der hiesigen orthodoxen Kultusiremeinde und Rabbinat, eingesetzt wurde, welches schon vergangenen Winter getagt, und zu keinem endgültigen Resultat gelangte, ist nun am 22. Mai wieder zusammengetreten. Es ist zu hoffen, daß das Problem, welches die Gemüter sämtlicher hiesiger Mitglieder, wie auch weiter Kreise des Judentums bewegte, endlich gelöst weiden wird. Die Schiedsrichter sind die Rabbiner Miksa Brisk aus Tasuad, David Schlüssel, Vize-Rabbiner aus Munkäcs (vorher in Zborov) und Salonion Heller, Vize-Rabbiner aus M.-Sziget. wie auch eine Anzahl von Laien. Enquete zur Regelung der Judengemeinde. Am 22. Mai fand in Bukarest eine vom Kultusministerium einberufene Enquete zur Regelung der Judengemeinden statt. Die Regierung möchte für ganz Großrumänien ein einheitliches Gesetz erlassen, wodurch auch für Altrumänien. Beßarabien und Bukowina die Trennung zwischen orthodoxen und neologon Gemeinden statuiert werde, nachdem zufolge der Friedensverträge und auf Wunsch aller dortigen Juden einschließlich clor Neologen die Trennung in Siebenbürgen aufrecht bleiben muß. Dagegen sprachen sich mehrere Teilnehmer aus, so daß ein engeres Komitee eingesetzt wurde zwecks Ausarbeitung von Vorschlägen. — Von siebenbürger orthodoxer Seite nahmen an der Enquete teil: der Präses der orthodoxen Landeskanzlei Ober- Rabbiner Ullmann aus Bistritz, die Oberrabbiner von Szatinär und Großwardein, ferner die Herren Sebestyen, Tischler und Ullmann; aus Ozernowitz war Dr. Straucher erschienen, die bessarabisc-hen Ansichten vertrat Rabbiner Zirelson. Belgien. Die belgischen Juden für die ukrainischen Pogromwaisen. {A. (.'. B.) Der hier seit einigen Tagen weilenden Delegierten der jüdischen Welthilfskonferenz, Frau Dr. Buchinil, ist es gelungen, unter dem Vorsitz des „Ica"-Präsidenten, Franz Philipson und des fbelgischen Grandrabbiners Bloch, ein Hilfskomitee für die Ausspeisung der Pogromoufer in der Ukraina zu begründen, dem die angesehensten Mitglieder der belgischen und russisch-jüdischen Gemeinde angehören. Herr Philipson erlegte seihst einen großen Betrag und es wird erwartet, daß die beiden jüdischen Gemeinden Brüssels die Erhaltung einer großen Zahl von Kindern übernehmen werden. Daneben wurde ein zweites aus demokratischen Elementen bestehendes Hilfskomitee geselwil'fen. das .inch unter den minderbemittelten russischen ^migrainen in Belgien monatliche Geldsammhmiren einheben wird. TranKreicD. Hilfsaktion der Alliance IsraSlite Universelle. Die von der ..Alliance Israelit* Universelle" kürzlich für die Juden Osteuropas veranstaltete Subskription hat. wie die JPZ aus Paris eilten, bereits beträchtliche Resultate gezeitigt. So wurden bisher 800.000 Pres, überwiesen für die Kinderküchen in Odessa und für die Lebensmittelversorgung der jüdischen Bevölkerung in den Gegenden von Kiew, Dwinsk. Jekat.'vinoslaw. Gherson und der Krim. Diese Hilfsmittel werden durch Vertreter der ..American Relief Administration"' verteilt. Ferner wurden vor der Alliance Jsr. Universelle in Paris 200.Ono Pres, dem zentralen Hilfskomitee in Warschau zur Verfügung gestellt, um das Werk, das dieses Komitee zugunsten der jüdischen Flüchtlinge aus Ru'Uann und der gemäß dem Rigaer Vertrag aus Rußland nach Polen repatriierten polnischen Juden, sowie der Kriegs- und Pogrom-Waisen unterm crimen hat, zu unterstützen. Ferner hat die Alliance noch 250.000 Francs nach Rußland überwiesen, zwecks Errichtung von Koscher-Küehen in Oherson. Kiew, Jekaterinoslaw. Dwinsk, Simperopol, Theodosia und Sebastopol und zur Erweiterung der bereits bestehenden Koseher-Küche in Odessa. Italien. Einladung des „Hias"-Direktors nach Genua. (J. ('. B.) Der Kommissär der Emigrationsabteilung des Völkerbundes, Dr. Fritjof Nansen, hat den Direktor der europäischen Hias-Abteüung Herrn Adolf Held (New York) zu einer Konferenz nach Genua eingeladen, wo die Frage der rassischen und ukrainischen Auswanderer erörtert werden soll. * Ukraine. Große Kleideraktion des „Joint" für die ukrainischen Flüchtlinge. (J. C. B.) Das „Joint'- Komitee schloß in Lodz einen Kaufvertrag auf Kleider und Stoffe aller Art im Werte von "100 Millionen Mark ab, die teilweise unter den ukrainischen Flüchtlingen in Polen und teilweise in der Ukraina verteilt werden sollen. Rußland. Opfer der Hungerkatastrophe. Aus Odessa wird gemeldet, daß dort die Frau des bekannten jiddischen Schriftstellers Mendele Mo eher Sforim an Hunger gestorben ist. In der Krim hungern 40.000 Juden, täglich kommen fast 300 Todesfälle vor. Die Toten liegen tagelang unbestattet. Aus Odessa wird ferner gemeldet, daß dort fast 100.000 Juden hungern. Dr. Jochelmann, der Präsident des englisch-amerikanischen Hilfskomitees, berichtet in englischen Blättern: „Die Lage ist so schrecklich, daß jüdische Männer, Frauen und Kinder täglich zu Hunderten sterben und haufenweise in großen Gräbein bestattet werden. Aus einer Mitteilung, die ich soeben von Dr. Kholodny, dem Beauftragten des Roten Kreuzes in der Ukraine, empfangen habe, entnehmen wir, daß der jüdische Friedhof in Gherson überfüllt ist und keine Toten mehr aufnehmen kann. Das einzige Mittel, um die ganze jüdische Bevölkerung vor dem Untergang zu retten, sind die Nahrungsmitteln der Hoower-TCommission, die soeben Rußland erreicht haben." Ein Revolutionstribunal für antijüdische Ausschreitungen. (J. ('. H.) Im Zusammenhang mii den vor kurzem stattgefundenen antijüdischen Ausschreitungen in Sehuja wurde, russischen Blättern zufolge, in Iwanowo Wosiiesensk bei .Moskau ein Revolutionstribunal eingesetzt, da!) das Verfahren gegen die der Teilnahme an diesen Ausschreitungen Schuldigen durchführen soll. Angeklagt sind 24 Personen. Tod eines amerikanischen Hilfsdelegierten in Rußland. (J. U. B.) Der Delegierte der Minsker Landsmannschaft in Amerika, Mr. Byegun. der nach Mosir gekommen ist, um unter den dortigen Einwohnern Spenden und Hilfsmittel zu verteilen, ist plötzlich gestorben. Die Beschlagnahme von Synagogenschätzen in Rußland. Die Sowjetbehörden in Symbirsk haben gegen drei Juden, die der Verheimlichung von Synagogenschätzen zwecks Verhinderung ihrer Beschlagnahme beschuldigt wurden, das Strafverfahren eingeleitet. — Im Zusammenhang mit der Beschlagnahme der Synagogenschätze fanden in Minsk Zusammenstöße zwischen jüdischen