Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 20 (2.6.1922)
- Date
- 1922-06-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 JÜDISCHE PRESSE Seite 131 Gemeindemitglieder stand. Die Ursachen der Aushungerung der Rabbiner und Lehrer waren wechselvoll, aber die Tatsache selbst über jeden Wechsel erhaben. Diese Gemeinde besitzt einen hübschen Tempel gerade am Eingang zur frommen Judengasse. Drinn brummt eine Orgel, welche einst die Pascha- Laune eines Vorstehers gegen den Willen der Oemeindemitglieder bescheert hat. Sie ist gleich, als Rabbiner Dr. Funk vor 23 Jahren eingezogen ist, der Zankapfel in der Gemeinde geworden. Der Rabbiner hält die Reform für einen verfehlten Versuch und will die ganze Gemeinde wieder auf Basis •des Schulchan aruch stellen. Sonst ist ja in der Reformgemeinde — mangels eines eigenen Religionsgesetzes — jeder Präsident ein Possek, der nach Belieben Dinim fabriziert. Der permanente Zwist wird verschärft als der Advokat Dr. Lichtner Präsident der Gemeinde wird, und den starken Gottlieb spielen will. Wenn aber auch die Reformgemeinde kein anderes Gesetz als die Laune des Gemeindevorstehers kennt, so gibt es noch ein Landesgesetz, das den Rabbiner schützt. Der Gemeindepräsident beruft die Repräsentanz zusammen und diese beschließt die Pensionierung des Rabbiners. Darauf erhält Doktor Lichtner eine Zuschrift der Behörde, worin ihm bedeutet wird, daß die Gemeinde nicht das Recht habe, den Rabbiner gegen seinen Willen zu pensionieren; dies könnte nur durch die Verwaltungsbehörde geschehen, falls der Rabbiner von einem Disziplinargericht disqualifiziert werde. Damit wird die Sache publik und die gesamte Presse, ob deutsch, tschechisch, slowakisch oder ungarisch, ob liberal, antisemitisch oder sozialistisch wendet sich mit Entrüstung gegen den Gewaltstreich des Präses. Nun aber erwacht der juristische Ehrgeiz des Doktor Lichtner, der sonst „Alles durchführen kann" und verführt ihn zu einem unglaublichen Schritte. Er beruft eine Vollversammlung der Mitglieder im großen Spiegelsaale des Primatialgebäudes, um die Pensionierung zu beschließen. Eine derartig öffentliche Verunglimpfung des Rabbinerstandes ist selbst in den Annalen der Neologengemeinde ohne Beispiel. Zur aller Ueberraschung erschien aber der Bürgermeister Dr. Lederer im Auftrage des Zupans bei der Versammlung, verlas dort die oben erwähnte Zuschrift, wonach eine gewaltsame Pensionierung eines Rabbiners widergesetzlich sei. Nachdem sich der Bürgermeister entfernt hatte, hielt Dr. Lichtner eine lange Obstruktionsrede an die Versammlung, die wir im Interesse der Ehre des Judentums mit Schweigen übergehen. Diese Versammlung im Spiegelsaale des Primatialpalais bleibt ein dunkler Fleck in der Geschichte dieser Gemeinde. Es erfolgte nachdem Dr. Földes und Herr Elbogen sich für den Rabbiner eingesetzt hatten eine Abstimmung, bei welcher sich 131 für die Pensionierung und 96 gegen dieselbe ausgesprochen hatten. Viele Mitglieder waren gleich nach der Rede des Bürgermeisters weggegangen, in der Meinung, daß nunmehr keine Abstimmung erfolgen dürfe. Es wäre falsch zu konstatieren, daß hier 131 gegen 96 gestimmt haben, es haben 131 gegen 100.000, denn es herrscht in der ganzen Stadt die größte Entrüstung über diesen Fall. Es muß hier auch nachdrücklich betont werden, daß der Rabbiner laut Gesetz von der Gemeinde nicht abgesetzt werden kann, wohl aber darf und soll der Gemeindepräses in solchem Falle abdanken. Wenn wir gesagt haben, daß sich die ganze Presse gegen Dr. Lichtner wendet, waren wir nicht genau. Die „Jüdische Volkszeitung8, deren einziger wertvoller Mitarbeiter Dr. Funk war, der auch 20 Jahre lang in ihrem Sinne gewirkt hat, ergreift anscheinend gerne wieder einmal die Gelegenheit, die ihm geläufige Judasrolle zu spielen. Abschiedsworte. Mit der heutigen Nummer beschließe ich meine Tätigkeit als Chefredakteur der „Jüdische Presse", welche ich seit der vor genau zwei Jahren erfolgten Gründung geleitet habe. Das Ziel, das uns bei der Gründung vorgeschwebt hat, dem Thorajudentum seinen alten Ehrenplatz Wasserheilanstalt Bratislava (Preftburg) Erstklassige Universal-Heilanstalt für Spezialbehandlung der Inneren-, Herfen-, Zucker-, Gallenstein-, Nieren-, Magen-. Darm-, Herz- und Blufgefaßkrankhelten. Mast- und Entfettungskuren. Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie und fieburtshllfe, Urologie, Dermatologie, Ortop&dfe, Augen-, Ohren-, Nasen-und Ken ikopfkranke. Täglicher Pauschalpreis von 6K83 aufwärts. Wasserheilanstalt in vollen Betriebe auch fOr Auswärtige. Streng rituelle "j^O Küche unter Aufsicht des Preßburger Oberrabbinates Leitender Chefarzt: DR. SIGMUND AR AN Yl. im öffentlichen Leben wieder zu erringen, geht in diesen Tagen der Erfüllung entgegen. Auch in der Slowakei hat die Orthodoxie wieder die Suprematie im Judentum erlangt; die Gefahr der jüdisch-nationalistischen Landespolitik ist überwunden. Trotz der ungemein bescheidenen Mittel, die unserem Blatte zu Gebote standen, konnte es dank der selbstverleugnenden Arbeit der Beteiligten seiner Aufgabe gerecht werden, und sich einen geachteten Platz in der jüdischen Zeitungswelt erwerben. Es ist mir aus privaten Ursachen nicht länger möglich, die Redaktion des Blattes weiterzuführen. Ich wünsche dem Blatte bestes Gedeihen und hoffe, daß es den gebahnten Weg weiter schreiten werde. S. Bettelheim. Dcutscbosttrrekft. An die gesetzestreüen Knltussteuerzahler Wiens! Auf unseren letzten Aufruf haben bisher insgesamt 476 Steuerzahler ihre Zustimmung zu unseren Bestrebungen mitgeteilt. Wiewohl die Steuersumme dieser Gemeindemitglieder horrend ist und ausreichen würde, um die schönste orthodoxe Kultusgemeinde — soferne sie vernünftig geführt wird — zu erhalten, sind noch lange nicht alle Gesinnungsgenossen aus ihrer Reserve getreten und fehlen sehr viele Namen, die. bekanntermaßen unsere Bestrebungen fördern. Um unsere Forderungen bei der Kultusgemeinde und bei den Behörden mit Nachdruck vertreten zu können, ist es notwendig, daß wir im Namen möglichst vieler Orthodoxen sprechen und bitten wir, die Anmeldungen zu unserem Komitee bis 14. Juni (18. Siwan) an Herrn Leopold Leder er, IL, Nestroygasse 11, gelangen zu lassen, da wir dann mit den Verhandlungen beginnen werden. Das Komitee gesetzestreuer Kultussteuerzahler. Konstituierung des Vorstandes der Adas Jisroel. In der am Sonntag, den 15. Mai, abgehaltenen konstituierenden Vorstandssitzung wurde Herr Kommerzialrat B o n d i zum Obmann gewählt. Obmann-Stellvertreter sind die Herren Dr. Isidor Reiniger und Wolf Pappenheim. Schriftführer Herr Moriz L e i t n e r, Kassaverwalter Herr Jakob Stern, Obmann der 1. Sektion (Verwaltung) Herr Michael Sternfeld. 2. Sektion (Finanz-Angelegenheit) Herr Natan Schiff. 3. Sektion (Bethaus-Angelegenheit) Herr Jakob Stern. 4. Sektion (Unterricht) Salamon Schreiber. 5. Sektion (Aprovisionierung und Kaschruß-Angelegenheiten) Herr Franz N e u m a n n. Mit der Vertretung des Vorstandes in der „Jessod Hathora" wurden die Herren Bernhard Klein und Berthold Stroh betraut. Subvention der Adas Jisroel. Die Adas Jisroel hat dem „Talmud Thora-Vereine" im XII. bis XIV. Bezirk einen Betrag von K 50.000 als Subvention bewilligt. Die Israelitische Allianz in Wien hat eine Hilfsaktion für die hungernden Juden Rußlands eingeleitet und sich mit einem Betrag von Agudas Jisroel, Wien IL,Malzgasse J2a Einladung zu der anläßlich des zehnten Jahrestages der Gründung der Agudas Jisroel am 11. Siwan, 7. Juni (Vorabend des 12. Siwan) dieses Jahres, 7 Uhr abends, im Festsaale des Hotel „Continental" II., Tabördtraße 2, stattfindenden Versammlung Festredner: Herr Dr. Isaac Breuer (Frankfurt a. M.) und andere hervorragende Persönlichkeiten der Orthodoxie. Wien, Siwan 6682. Mai 1922. Der Vorstand. K 1,500.000 an die Spitze einer Sammlung gestellt. Es ist eine Sendung von Lebensmittelpaketen in großem Umfange und die Errichtung von Küchen und Fürsorgewerken in verschiedenen Städten der Ukraine in Aussicht genommen. Die Verwaltung des amerikanischen Joint für Europa ist von Paris nach Wien überführt worden. Jahresfeier des Aguda-Waisenhauses, Baden. Sonntag, 28. Mai, Rosch Ghodesch Siwan, fand anläßlich der ersten Jahreswende der Eröffnung des Badener Aguda Waisenhauses, eine öffentliche Prüfung der Waisenkinder statt. Herr Oberrabbiner E. Reich, Baden, prüfte die Kinder im Beisein vieler Gäste, in Talmud, Chumisch und Raschi, und konnte großartige Fortschritte, welche die Kinder in jeder Hinsicht machten, feststellen. Im Garten, wo sich ein großes Publikum versammelte, sprach Direktor Philipp Friedmann den Gästen für ihr Erscheinen den besten Dank aus, dann hielt Herr Oberrabbiner Reich die eigentliche Festrede, in welcher er die Erziehung der Kinder dieser Aguda- Anstalt als Musterbild vieler Gemeinden und Schulen feierte. Herr Oberkantor Kreutzstein dirigierte einen schönen Chor und trug einige ergreifende Stücke vor. Als Vertreter der Aguda-Zentrale waren erschienen: Die Herren Lipe Türkl, Samuel Nüssenbaum, Ign. Brody und A. Stroh, in Vertretung der Badener Kultusgemeinde die Herren Präses Alexander Braun, D. Daniel und Jacob Kohn, der Aguda-Ortsgruppe die Herren Weismann und Bernat Löwy und der Jugendgruppe die Herren Perlstein, Komet und Spitzer. An Spenden ging eine bedeutende Summe ein. Aufruf des „Für sorge verein es für die jüdische, nicht vollsinnige Jugend". Welcher große Kummer bedrückt die Eltern, die sehen müssen, daß ihr Kind nicht hört, nicht den Mutterlaut erfaßt, nicht den Glanz der Sonne schaut, Gehör und Gesicht besitzt und doch nicht das Gehörte und Gesehene erfaßt. Und wie mächtig wird erst der Jammer, wenn das Kind weder spricht hoch hört hoch sieht. Der Gipfelpunkt menschlichen Elends ist erreicht, wenn das Kind Menschenantlitz trägt, aber bewegungs- und gefühlloser ist als die Pflanze, wenn es nur atmet und ißt und keine seelischen, keine geistigen Regungen offenbart. Solchen geschädigten Menschen Stütze und Hilfe zu sein, sie vom Elternhaus in fachkunde, liebvolle, zielbewußte Umgebung zu bringen, um sie zu bessern, aufzurichten und die vorhandenen Kräfte nutzbar zu machen, ist Aufgäbe des „Fürsorgevereines für die jüdische, nicht vollsinnige Jugend". Er will die jüdische Wohltätigkeit, das jüdische Herz auch für diese Aermsten entflammen, um vor allem den geistig Armen eine Stätte der Erziehung, des Unterrichtes und der Pflege zu errichten, um sie zu glücklichen, zufriedenen Menschen zu machen. Die Menschen- und Nächstenliebe beginne bei den Aermsten 1 Der Vorstand des „Fürsorgevereines für die jüdische, nicht vollsinnige Jugend" bittet daher alle Eltern gesunder Kinder um Beistand und Hilfe. Selbst die kleinste Gabe ist willkommen! Rechtsanwalt Dr. Josef Mises, Obmann; Mathias Pell er, Obmann-Stellvertreter; Guido Rendelstein, Schriftführer; S. Kurfürst, Kassier; Direktor Dr. S. K r e n b e r g e r, pädagogischer Leiter. Die Vereinigung jüdischer Akademiker, Wien, IL, Im Werd 13, veranstaltet allwöchentlich Kurse über „Talmud" und „Jesaja". Anmeldungen für diese nimmt stud. techn. Feiger täglich zwischen 12 und 2 Uhr nachmittags im Mensalokale IL, Im Werd 13, entgegen. Vortragender: Rabbiner Wundermann. Die Kurse sind unentgeltlich. — Anläßlich des Schwuosfestes findet Freitag, den 2. Juni 1922, um 3 Uhr im Mensalokale, Wien, IL, Im Werd 13, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Wundermann, mit anschließender Diskussion statt. Aguda-Versämmlung. Anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr der Kattowitzer-Versammlung, an der die Führer des orthodoxen Judentums aller Länder die Aguda gründeten und sie als Organisation des Judentums auf Grundlage der traditionellen Gesetzestreue erklärten, veranstaltet die Wiener Ortsgruppe TELEPHON 40.324 Eli GROS» EN DETAIL KLEIDER-INDUSTRIE RIEH. IL, TÜBORSTHASSE 39 (HOTEL BAYRISCHER HOF) grosse; Auswahl ijv iiiSKKBiVrci^iiiroure^v bärtig uivr> nach mass