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Jüdische Presse · 1922-06-02 · 20 (2.6.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
20 (2.6.1922)
Date
1922-06-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE Seile 129 T b o ter i v s >;\ .■ i" G WOv N' , i an •rein. >ür ]:'}< t; ..ii der hungerne f ü v ei i e S c e 1 e a n <>• o h ö r i g e r. b e i ti u n e n wolle man unter Stichi. u ß 1 a n d - A k t i o n"" dem Konto 4 .!) o 4 der ..Agudas Jisrocl. Wien" bei iferreiehisehen Postsparkasse oder an das der Agudas Jisroel beim ..Wiener Bank- Ii. Hoilandstraße \" für das ..Hilfskomitee lisclie Hungernde in Rußland*" überweisen. Man verlange Posterlagscheine! Sammelbogen sind im Bureau erhältlieh! der Aguda Spendenansweis für jüdische Hungernde in Rußland. (Fortsetzung.) Durch A. G. Hornstein und S. Kohn, Obmann des Bethauses „Obel Abraham" (zweite Sammlung): Rabbiner David Fränkel K 2000, A. G. Hornstein 76.000, Simche Jolles 50.00O, Viktor Bauminger 20.000, S. Ungar 15.000, Aron Perlberger 10.000, J. B. Seidmann, W. Leser, O. Perl, Jacob Landau, O. Oppers ä 5000, L. Schreck, S. Schweles, Koppe ä 3000, D. Tennenbaum, Müller. Dr. Rißfeld, A. Trachtenberg, Markus Frisch ä 2000, Gelerter 1500, L. Horowitz, Leitner, M. Buchwald ä 1000) 220.500, Bethaus „Rino Utefilo«, XX., MathildenplaAz 5 (dritte Sammlung: Familie Peller Dollar 1, Wittles K 500, N. N. 100) — (500, Dollar 1, Sammlung der Tischgesellschaft im Cafe „Liber\ II., Praterstraße 50, K 19.000, Regine Bettelheim 50, Altar Pedaver durch , Wiener Morgenzeitung" Dollar 10, Grand Rabbiner Dr. E. Weil (Colmar, Elsaß), franz. Frcs. 20, durch , Gruppen verband der Aguda in Deutschland* (Halberstädt) Mark 42.157, durch Rabbiner H. Twersky (Backenroth, Direktor Max Hochmann ä K 20.000, Chaim Weinberger 18.000, Haber 10.000) 68.000. zusammen K 308.150, Dollar 11, franz. Frcs. 20. Mark 42.157. Zum 12. Siwan 5682. Zehn Jahre Aguda. Hin ernster Menscb wird seinen Geburtstag ( trist begehen, wird prüfend Rückschau halten, das Erlebte und Erreichte an seinen Hoffnungen und seine Hoffnungen an dem Erreichten messen. [n der Geschichte einer Bewegung bedeuten 10 Jahre dann besonders viel, wenn es die ersten zehn Jahre sind. Was im Jahre 5072 erhofft, wurde, in den Tagen des Siwan. ist zum Teil noch nicht er-vicht. zum Teil hei weitem übertroffen. Die furchtbaren Ereignisse, die mit dem Jahre 1014 einsetzten, räumten viele »Schwierigkeiten aus dem Weg. brachten die Meuschen einander naher und lernten in Stunden schwerer Not einander schätzen und lieben, helfen und raten. Die Sorge also, wie könnte eine Brücke zwischen Ost und West gesell lagen w \-<L'n. ist behoben. Es gilt aber nun in der Aguda der Aufgabe, diese Erkenntnis zu vertiefen und sich stets zu vervollkommnen in dem Bestreben, einander gerecht zu werden. Das ist und bleibt ein wichtiges Problem gemäß der Grundforderungen der Aguda. alles, auch das scheinbar Materielle, in die Höhe idealen Wollens emporzutragen. Hier wird die Aguda, immer im Hintertreffen bleiben gegen andere Be wegungen. Da wäre ferner festzustellen, daß das Fundament der Aguda, um dessen adäquaten Ausdruck anfangs so heiß gestritten wurde, das Prinzip der Autorität sich überall durchgesetzt hat, von der kleinsten Ortsgruppe angefangen bis zu den Entschlüssen und Beschlüssen des Zentralrates. Diesem Prinzip freie Bahn eröffnet zu haben, ist eine Tat, eine große Tat, in der Zeit der sogenannten Umwertung aller Werte, in der alles blind gegen die Autorität anrennt und schrankenlose Willkür sich in den Mantel des demokratischen Gedankens hüllt. Darum besteht begründete Hoffnung, daß diejAguda in dieser Richtimg geradezu providentiellen Charakters sein dürfte. Nur so ist es erklärlich, daß einige hervorragende .Männer noch abseits stehen, weil sie einerseits fürchten, daß der Organisationsgedanke zu sehr nivellierend wirken möchte und paragraphenmäßige Führung an Stelle der geistigen setzen könnte und weil sie anderseits nicht erkennen, daß gerade die Aguda ihrer ganzen inneren Konstruktion nach diese Befürchtungen ausschließt, die Aguda es ist. welche a lle auf Autorität aufgebauten Gebilde innerhalb des Judentums gestützt, geschützt und erhalten hat. Wir könnten dies mit Tatsachen beweisen, erklären, wir lehnen es aber ab, die Geduld des Lesers mit Aufzählung Mirjams Vergehen erhalten hätte. Das ist die unglückselige Tragödie des Wüstenvolkes, daß es nur in der Masse denkt und fühlt, daß es Niemals neben den Wenigen gegen Viele, neben den Schwachen gegen die Starken stehen kann, nicht wenn der Einsame ein Moses ist und nicht wenn es seine eigene Schwester ist. Wie wagte er, Zwerg, da zu klagen! Daraus ist alles Unheil in Israel erstanden, daß sie „wie die Schafe nur eines hinter den anderen" ziehen wollen. Darum gibt es keine Erlösung in Israel, außer von G-lteshand. „Wie du Bileams Flueli xam Segen verwandeltest, so verwandle (die Träume von Fluch xu Seyen." Welche Fülle Segen gäbe es da, wenn all ihr Fluch sich ins Gegenteil wandeln wird. Ist dieser Fluch gar als Objekt des Segens notwendig? Mußte Bileam erst fluchen, au! daß daraus sich Segen erschloß? „Behüte du mich, nehm du mich auf und begnade du mich. A nten!" Mit steigendem Staunen durchflog er zum zweitenmal und nach seiner Tradition — diesmal wie gerne — zum drittenmal das erkannte Gebet, mit ihm die große gedankenlose Masse ... so schritten sie durchs ganze Leben, unbewußte Werkzeuge des höchsten Gedankens, wie unter einer vieltausendjährigen Suggestion unbewußt, unwillig, somnabulisch handelnd . . . Der seltsame, mysteriöse, wortlose Sang der Priester näherte sich dem Finale. Megaphone, die unbewußt G-ttes Segen durch die Geschlechter schallen. „Friede/ riefen die Kohanim . . . Bewegter als je, sagte mein armer Freund : Amen! solcher Ereignisse zu erschöpfen, die jedem bekannt sind, der sie wissen will, denn die Aguda ist innerhalb dieser zehn Jahren Erscheinungsform geworden, in die sich das alte Judentum, welches sich vor einein Jahrhundert der Reform zu erwähren hatte und wußte, heute mit allen Bestrebungen auseinandersetzt, die gegen die dominierende Stellung der Religion in welcher Form auch immer sich bewegen, ob in der völligen Entthronung der Religion, in der Degradieruiig derselben zur Privatsache oder in der Richtung einer Romantik ohne Pflichtgefühl. Das alles wiederholt sich, auch die Methode unserer _ Gegner, die stets dieselbe geblieben ist, und zwar diejenige, welche Rabbi Akiba als die Kampfesart des Am Haaretz bezeichnet und diese zehn Jahre Aguda geben reichlich Gelegenheit, von denen zu sein, die den Schmähern gegenüber ruhig bleiben. Dies zu erreichen war nicht leicht, wir knüpften daran die Hoffnung, daß ernst- Juden, wie es bisher auch bei vielen in den Reihen Andersdenkender der Fall war, die Aguda als geschichtliche Notwendigkeit begreifen. Denn um das Begreifen handelt es sich. Daß viele, die wir stören, uns übel empfinden, ist so schwer eben nicht zu verstehen, denn was das zweite Prinzip der Aguda fordert, das ist — so seltsam es klingt — Nüchternheit, Nüchternheit des schrankenlosen Verantwortlichkeitsgefühls, das, wen es wirklich vorhanden ist, die Zukunft soweit erschaut, als es ohne unmittelbare prophetische Berufung möglich ist. Die Religion lehrt ganz genau, für welche Ideale man sein Leben einsetzen oder das Leben, das irdische Glück anderer aufs Spiel setzen darf und muß. All den Möglichkeiten gegenüber, welche die zehn Jahre geboren haben, hat Aguda die Stellung eingenommen, ob die Jugend anstürmte und nach „Taten" rief, ob man hämisch auf die in „Negativen" sich erschöpfende griesgrämigen „Trennungs-Orthodoxen" hinwies, Aguda kann sich ruhig sagen, daß sie in dem oben beschriebenen Rahmen viel getan und viel erreicht hat. Es ist ein kleinlich Ding zu zeigen, daß man „Recht" gehabt hat, allein, wenn heute die vollkommene Aussichtslosigkeit der auf rein nationalen Momenten aufgebauten autonomen Bestrebungen allgemein anerkannt ist, so wird man objektiv sagen können, daß die Aguda durch die kühle mahnende Stellungnahme zu diesem Problem eine Tat von weitester Auswirkung geleistet hat. Legt man aber über die zehn Jahre Rechenschaft ab, so genügt es nicht, zu erzählen, daß in den Ländern der jüdischen Massensiedlung sie einen breiten Boden gefunden, in den Ländern Leitende Ideen in der jüdischen öeschichte. Von Rahbiner Dr. Hermann Klein (Berlin), i Fortsetzung.) Wenn wir also, sage ich, die Tatsache auf uns wirken lassen, so werden wir finden, daß gerade die Auffassung über das Wesen des jüdischen Staates, das Bestreben, den jüdischen Geist auch in seiner äußeren Manifestation, in seiner Ursprünglichkeit und Reinheit zu erhalten, als treibende Kraft der jüdischen Geschichte anzu- I sehen ist. Die verschiedene Auffassung über j Wesen und Bestimmung des jüdischen Staates i führte zu inneren Kämpfen, und diese Kämpfe führten schließlich zur Auflösung im Innern und j diese zum äußeren Zusammenbruch. Den Einen j war der jüdische Staat nur der äußere sichtbare » Zusammenschluß zur Verwirklichung der g-ttgeoffenbarten Zwecke, er war ein G-ttesberg, auf dessen Gipfel das Thoraheiligtum leuchtete. ..Dem Heiligtum, dein Thoraheiligtum das Land! Das Ziel, welches das Heiligtum symbolisch zeigte, die Wege zu diesem Ziele, die vor dem Heiligtum symbolisch gelehrt wurden, sollten in dem Leben dieses Volkes, auf diesem Boden ihre Verwirklichung finden.-' Der Prophet Jesaia hat in unübertrefflichen Worten die Bestimmung des jüdischen Staates geschildert: „Den König in seiner Schöne sucht dein Auge, wenn es sehnsüchtig nach dem fremden Lande blickt? Traurig sinnt dein Herz: Wo ist der Kanzler, wo der Seckler, der Pfleger unserer BurgenV O, nicht den machtstolzen Staat ersehne dir, nicht den Staat diplodes Westens last alles was religionstreu denkt und fühlt, den Anschluß an die Aguda vollzogen hat. es muß vielmehr immer wieder und wieder der größte Wert, wenn der Ausdruck gestattet ist, den Ewigkeitswert der Aguda in der Vertiefung des Klal-Gedankcns liegen, in der Renaissance der religiösen Orientierung, im positiven Aufbau des Gedankens der gegenseitigen Verantwortlichkeit. Wenn nun diese Universalität an einem bestimmten konkreten Fall sich bewähren kann, so ist diese Bewährung ein Prüfstein für die Richtigkeit und Stichhaltigkeit des (rrundgedankens. Solch ein Fall liegt aber nur im Palästinaproblem und es ist bedeutsam, festzustellen, daß die Aguda stets ihre Energie für dieses Problem eingesetzt hat. stets in derselben Linie, stets mit demselben Endziel. Dessen könnte am besten Zeugnis ablegen die —Zionistische Organisation, wenn sie sich erinnern wollte, was in Konstantiuopel im Jahre 1917 getan und verhandelt wurde; sie wird zugeben müssen, daß die Aguda sehr loyal vorging und daß es unwahr ist, wenn minderwertige Organe und Menschen behaupten, die Aguda hätte ihre Palästinaarbeit, ihr Palästinawollen erst seit St. Remo entdeckt. Wäre die seit H)18 plötzlich so ganz anders gewordene Organisation, die so tut, als habe sie auf dem Schlachtfeld gesiegt und als müsse sie in den Spuren der Diktatsfriedensschlüsse wandeln nur halb so loyal und — unpolitisch wie die Aguda. so wäre vieles besser. Fazit: Die Aguda hat während der ersten zehn Jahre ihre Lebensfähigkeit erwiesen, hat gezeigt, daß es den Gesaintheitsaufgabeii des Judentums eine Lösung im Geiste der Thora geben kann und hat diese Lösung begonnen. Sie wird sie vollenden, so lange es Treue gibt und das wird ewig sein. P. K. Zehn Jahre nach Eattowitz. Im Leben eines Volkes sind zehn Jahre eine gar kleine Spanne Zeit und in normalen Zeiten hat man keinen Anlaß, einen zehnjährigen Bestand festlich zu begehen. Gar bei orthodoxen Juden, wo es nicht tiebrauch ist, Jubiläen zu feiern. Wenn trotzdem die Aguda auf dem ganzen Erdenrund des 12. Siwan mit Freude gedenkt, hat dies den wohlbegründeten Zweck, unseren Freunden und Mitarbeitern zu zeigen, daß wir in diesen zehn Jahren, von denen die ersten zwei den elementarsten Vorbereitungsarbeiten gewidmet waren, die darauf folgenden fünf Jahre dem matisch tiefer Rede, absichtlich stammelnder. Unverständlichkeit erstrebender Zunge; auf Zion schau", unserer Zukunft Burg, Jerusalem sehe dein Auge, als Friedensstätte, als ein Zelt, das nichi immer wieder aufs Neue gespannt, das seine Pflöcke nicht immer lockert und von dessen Haltern keiner reißt! Denn wenn dort machtherrlich G-tt uns wird, dort in dem flußreichen Land, nut den weitgeuferten Strömen wird doch kein Kriegsschiff dort kreuzen, kein mächtig Fahrzeug schiffen: sondern G-tt. unser Richter, G-tt unser Gesetzgeber, G-tt unser König, Er ist's, der dann uns hilft." Das Volk ward zum Träger der Sinai- Ich rc berufen, mit der (Tebernahme der Verpflichtung, dieser Lehre auf Erden eine Stätte zu bereiten, ist es dem Volke geworden und alle Institutionen, die es schuf, sollten diesem einen Zwecke dienen. Heiligtum und Staat, beide einzig und allein Mittel zu diesem Zwecke. Aber ein großer Teil des jüdischen Volkes erblickte in seinem Staate auch einen Staat wie die anderen Staaten, lediglich als eine Organisation zur Erreichung bestimmter politischer Ziele und sein Land, nicht als G-!tesheiligturn. sondern als die Heimstätte, als den eigenen Herd. Die politischen Ziele sollten mit politischen Mitteln erstrebt und erreicht werden. Die Religion sollte im Heiligtum eine Stätte finden, aber im Staatsleben sollten die Politiker, die Heerführer und Diplomaten das letzte Wort zu sprechen haben. Ein großer Teil |cs Volkes litt nämlich au Nachanrnungssucht, die Gier nach dem Fremden, dem Unbekannten brannte in ihren Seelen. Schon in Aegypten, so berichten die Weisen, sprach ein Teil des Volkes: „Wir wollen den Aegyptern gleichen!1" Und diese

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