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Jüdische Presse · 1922-05-26 · 19 (26.5.1922) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
19 (26.5.1922)
Date
1922-05-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 194 JÜDISCHE PRESSE Nr. 19 übermäßigen Gewinn in dieser Weise zu helfen, für arme Schulkinder zu sorgen, so dürfte es nicht schwer sein, auch in Wien etwas ähnliches zu leisten. Franz Oppenheimer — Universitätsprofessor in Japan. Der „Dresdener Anzeiger" bringt die Nachricht, daß der bekannte Nationalökonom Dr. Franz Oppenheimer eine Berufung der Universität in Tokio angenommen hat. Der berühmto Soziologe hat bekanntlich einige Jahre lang eine führendo Rolle in der zionistischen Bewegung inne gehabt, von welcher er sich aber in letzterer Zeit ferne gehalten hat. Er zählt zu den großen Wahrheitssuchern der Gegenwart und konnto seine dreifache Pflicht als Mensch, Jude und Deutscher in ein harmonisches Streben vereinigen. Es ist ein wehmütiger Gedanke, daß er, der mit ganzer Seele an dem nahen Osten gehangon ist, vom fernsten Osten besser gewürdigt wird. Mag auch Oppenheimer den Idealen der Glaubenstreuen nicht entsprechen, so werden sich auch diese nicht der Wahrheit verschließen, daß das Judentum Deutschlands^«^ seinem Scheiden eine wertvolle Persönlichkeit missen muß. Die Vereinigung traditionell-gesetzestrener Rabbiner Deutschlands hält am 10. und 11. Siwan 5682 (6. und 7. Juni 1929) im „Lehrervereinshaus* (Vorsaal zum großen Festsaal), Alexanderstraße 41 (beim Alexanderplatz) ihre IX. Generalversammlung ab. (Freie Zusammenkunft am Montag um 1ja 9 Uhr abends im Sitzungssaal Artilleriestraße 31.) — Tagesordnung: Dienstag, den 10. Siwan 5682 (6. Juni 1922) 3/49 Uhr vormittags: 1. Bericht des Vorstandes (Wahl von 2 Revisoren), 2. Die geistigen Aufgaben der deutschen JudeDheit hinsichtlich a) der allgemeinen Hebung jüdischen Wissens (Rabbiner Doktor Klein-Nürnberg), b) der Apologetik für Talmud und Schulchan Aiuch (Rabbiner Dr. Liebermann-Berlin) (Siehe auch Nr. 7 der Tagesordnung), 8. Allgemeinfragen der Judenheit (Rabbiner Dr. Kohn-Ansbach), Schluß Va2 Uhr; Nachmittags 3 Uhr: 4. Halachische Referate, 5. Antrage. Mittwoch, den 11. Siwan (7. Juni 1922) s/«9 Uhr vormittags: 6. Aufgaben der deutschen Judenheit zur Erhaltung der Gemeindeeinrichtungen und Beamten in den leistungsschwachen Synagogengemeinden (Rabb. Doktor Horovitz-Frankfurt a. M. und Rabb. Dr. Anerbach-Halberstadt), 7. Die geistigen Aufgaben der deutschen Judenheit (Fortsetzung) hinsichtlich c) Schulen und Lehrer: 1. im Besonderen: Jüdische Allgemeinschulen (Schuldirektor Dr. Garlebach-Hamburg), 2. im Besonderen: Religionsunterricht an nichtjüdischen Allgemeinschulen und in Religionsschulen (Rabbiner Dr. J. Bleichrode- Berlin), 8. Anträge (Fortsetzung),* 9. Neuwahl des Vorstandes und der Kommissionen. Der spätere Nachmittag soll möglichst zur Konstituierung und eventuell zu Beratungen der neugewählten Kommissionen freibleiben. Rußland. Im Gouvernement Samara hat das „Idgeskom" eine Küche eingerichtet für 800 Kinder, zwei Kinderheime für 140 Kinder, Schulen und Abendkurse für 200 Kinder, ein Sanatorium mit fünfzig Betten und einen jüdischen Klub. Vier jüdische Kinderheime mit 195 Kindern mußte\n infolge des Hungers nach Hornel überführt werden. Ukraine. Hungertod der jüdischen Bevölkerung in der Ukraina. Einer Mitteilung der American Relief Administration an das J. O. B. zufolge befinden sich in der Ukraina mehr als 3 Vi2 Millionen Juden am Rande des Hungertodes. Gemeinsam mit dem Joint bemüht sich die Ära mit allen Kräften um die möglichste Beschleunigung und Erweiterung ihrer Hilfstätigkeit. Mit dem 15. Mai 1922 sollen 250.000 Kinder in die Verpflegung der Ära übergehen. Auf der Strecke zwischen Odessa— Aiexandrowsk — Jekaterioslaw — Nikolajew — Charkow laufen ununterbrochen Züge mit Lebensmitteln, Sanitätsmaterial, Kleidungsstücken und Gerätschaften für die Hungergebiete. Die Lage ist aber so schrecklich, daß an manchen Tagen die Sterblichkeit unter der Bevölkerung 50 Prozent erreicht. Cirkei. Flüchtlingshilfe der „Ica" in Konstantinopel. In Konstantinopel ist eine Abordnung der ,,Iea" eingetroffen, um die Lage der jüdischen Flüchtlinge zu studieren, sowie um sich mit/den Verhältnissen in der nächst Konstantinopel gelegenen jüdischen Kolonie Mcssilah Ohadaschah vertraut zu machen. Wie verlautet, wird diese Abordnung der Ica konkrete Vorschläge unterbreiten, die jüdische Flüchtlingsfrage teilweise durch Abwanderung, teilweise durch Ansiedlung von Flüchtlingen in Messilah Chadaschah, sowie durch andere Hilfsmittel zu lösen. (J. O. B.) Ein Bericht de9 Patriarchen von Jerusalem. Das „Neue Wiener Tagblatt" schreibt: ' Msgr. Berlassina, der lateinische Patriarch von Jerusalem, sprach in einer Versammlung von höchsten Würdenträgern der Kirche, darunter mehrere Kardinäle. Es war kein erfreuliches Bild, das der Patriarch von dem zionistischen Jerusalem entwirft und wie es im vatikanisch-amtlichen „Observatore Romano" zu lesen ist. Nach einer bitteren Klage über die Gleichgültigkeit der Katholiken gegenüber den Zuständen in Palästina weist der Patriarch darauf hin, daß der Zionismus den Zweck verfolge, mit jedem Mittel, auch mit dem der Gewalt, die bisherige Bevölkerung zu verdrängen und ein rein zionistisches Volkszeutrum zu begründen. Namentlich die Araber, so behauptet der Patriarch, sollen zum Verlassen Palästinas gezwungen werden, da ja (laut dem Amtsorgan der zionistischen Regierung) „außerhalb Palästinas Land genug für sie vorhanden sei." Der Zionismus, fährt der Monsignore fort, habe die Physiognomio des heiligen Landes völlig verändert. Kein patriarchalisches Leben mehr wie früher, sondern Irreligiosität, Unmoral jeder Art, Haß und Vergeudung, denn im Gegensatz zu den eingesessenen Juden seien die Zionisten keineswegs fromm, sie bekümmern sich lediglich um wirtschaftliche und politische Interessen. Eine der traurigsten Errungenschaften des Zionismus aber, sagt der Patriarch weiter, sei die öffentliche Unsittlichkeit. Die unter dem türkischen Regime verbotenen öffentlichen Häuser seien heute erlaubt und vergiften die Bevölkerung. Allein in der „heiligen Stadt" Jerusalem gebe es fünfhundert ......Zu Anfang, als der Weltkrieg das Land zugrunde gerichtet, hatten die Zionisten mit ihren Dollars und Sterlingen leichtes Spiel, und selbst heute noch drängen sich Araber, Muselmanen und Schismatiker herbei, um ihren Grund und Boden für teures Geld an die Zionisten zu verkaufen. Das hindere aber nicht, daß allenthalben, zumal bei den Katholiken, tiefste Entrüstung gegen die neuen Herren herrsche und daß der Einzug des Oberkommissärs durch Mitrailleusen und Flugzeuge beschützt werden mußte. Auch sonst fehlte es nicht an Protestkundgebungen, namentlich der arabischen Elemente. „Trotz seiner gegenteiligen Erklärungen," sagt der Patriarch, „bekämpft der sich bereits schwer bedroht fühlende Zionismus jedes, auch das legitimste Rechtsverlangen. Und zwar wird dieser hartnäckige, kalte, unpersönliche Kampf nicht nur gegen Muselmanen und Christen geführt, sondern auch gegen die palästinensischen Juden selbst oder gegen die ihrer Religion anhängenden ritualistischon Juden, die auf alle Weise drangsaliert und terrorisiert werden, so mit Steuern von 40 Prozent auf das heilige Brot (Azyma)." Nachdem der Redner noch die Mißwirtschaft der zionistischen Regierung darlegt, die alle wirtschaftlichen und finanziellen Interessen des Landes in ihren Händen vereinige, schildert er, wie zwecklos, ja gefährlich jeder Protest sei. denn er könne leicht die Ausweisung nach sich ziehen. Von den christlichen Konfessionen würden namentlich die Katholiken schlecht behandelt, während die Protestanten, die dem Zionismus freundlich gegenüberstehen. Liebkind seien. Nansen zugunsten der Palästina-Immigration. Wie das Wollfsche Telegraphen-Büro aus Genf mitteilt, hat Frithjoff Nansen in seinem dem Völkerbundsrat in seiner letzten Sitzung überreichten Bericht über die Lage der Flüchtlinge aus Rußland auch der besonderen Lage der jüdischen Flüchtlinge Erwähnung getan und hierbei auf die Notwendigkeit hingewiesen, daß der Völkerbundsrat sich nach der Richtung bemüht, die jüdische Emigration nach Palästina und Argentinien zu erleichtern. Dei Einwanderung nach Palästina umfaßt im April 880 Personen. Die Einwanderung von Verwandten in Palästina lebender Personen wurde erleichtert. Eine palästinensisch-mohammedanische Delegation nach Indien. (J. O. B.) Der oberste mohammedanische Rat in Jerusalem hat beschlossen, eine Abordnung nach Indien zu entsenden, die unter den dortigen Mohammedanern Geldmittel für die Erhaltung der Moscheen sammeln soll. Die Delegation soll sich bei dieser Gelegenheit auch auf politischem Gebiete betätigen, um die Stimmung der dortigen Mohammedaner für die Forderungen nach Erhaltung der Souveränität, des Kaliphates über die Heiligen Stätten dienstbar zu machen. Die palästinensiche Agudas Jisroel und der Völkerbund. (J. C. B.) Die hiesige Agudas Jisroel und der Waad Hair Aschkenasi erhielten vom Vorsitzenden des Völkerbundes eine Antwort auf ihre seinerzeit unterbreitete Petition. In dieser Antwort heißt es, daß die Kommission sich mit den in dieser Petition enthaltenen Forderungen befassen werde, sobald das Palästinamandat zur Diskussion gelangen werde. Die Irreligiosität im zionistischen Palästina. Im „Kol Jisroel" vom 5. Mai finden wir ein erschreckendes Bild der um sich greifenden Irreligiosität im Heiligen Land. In einer A rb e i t e r k ü c h e wurde am v e r g a ng e n e n P e s s a c h gesellschaftlich Oliomez gegessen. Man merkte kaum, daß es Pessacli war — erzählt ein Besucher der Küche — wie an einem gewöhnlichen Wochentag, lagen auf dem Tische Brote herum. Mit Recht frägt „Kol Jisroel": Ist es nicht an der Zeit, daß die Orthodoxie in Jerusalem gegen die Erbauer des neuen Jischuw Stellung nimmt. Wird das Judentum in Gallith endlich dem entgegentreten, daß die Religionsschänder auch noch von den Geldern der Zionistischen Organisation unterstützt werden. Ist es nicht an der Zeit, daß unsere Brüder in Gallith wissen sollen, daß mit dem Gelde, das sie zum Aufbau des Jischuw spenden, Chomez am Pessach, Trefe-Fleisch, Zigarren zur Ehre des Sabbat usw. gekauft werden. Ist es noch nicht klar, auf wie weit man sich auf die Versicherungen der Zionistischen Organisation und ihrer Kongresse verlassen kann? In keinem jüdischen Hause fehle die „Jüdische Presse «I Die Sonntagsruhefrage. Daß der „Volksverband" eine Heimsuchung G-ttes sei, wollen wir ohne weiteres zugestehen. Wir leugnen nicht, daß.sie eine Kalamität ist. Wie sie den berufenen Vertretern des Judentums in jeder Frage zwischen die Füße stolpern, mit zigeunerhaftem Lärm jede Angelegenheit vereckeln, wie sie gar in ihrem Blatte jubeln, ja jubeln, daß die Sabbat-Sache „durch die orthodoxe Kanzlei verdorben sei", ist wahrhaftig eine Gesera. „Ein Narr ist ein „Gesar", sagt ein resigniertes jüdisches Sprichwort, an das wir in der Sabbatfrage oft denken müssen. Wie sie die Wahrheit verdrehen. Sie schwindeln darüber hinweg, daß die Sabbatfrage als Landesangelegen hei t, wo die Landeskanzlei mitzusprechen hatte an der Enquete, günstig erledigt war, und erst in der Stadtrepräsentanz, wo der V olksverba n d die V e rt r e t u n g des Judentu m s usurpiert h a t, zur Krise geworden ist. Selbst da war es der Kanzlei möglich, beim Zupanat zu erwirken, daß den Parteien der Stadtrepräsentanz nahegelegt wird, sich in dieser Frage zu vereinigen. Der Entwurf, daß den Sabbathaltendon gestattet sei, am Sonntag offen zu halten, wurde die Bemerkung hinzugefügt, wie man sich es denke, daß die übrige Bovölkerung es ruhig hinnehmen werde, daß es nicht erlaubt sei die Sonntagslosung zu machen. ITebrigens haben Vertreter des Kleingewerbes schon eine Vorstellung gegen die vollständige Sonntagsruhe gemacht, und nur im Vereine mit den anderen ist die Frage zu lösen. In den Zeitungen schlägt Bernat Weiß einen potzdummen Skandal gegen den Präses des Handelsgremiums, der die Sache vollständig diskreditiert. Der Mann ist ein Gesera! Jüdisch-konservative Partei. Audienz der Vertreter der Jüdisch-konservatiren Partei bei Hinister Dr. Micura. Bratislava, 12. Mai. Am 11. dieses Monats wurde vom Minister Dr. Micura der Prager Bevollmächtigte Ungar und Sekretär Dr. J. Diamant, von der Jüdischkonservativen Partei der Slowakei, empfangen. Nach kurzer, einleitender Aussprache über die politischen Richtlinien, wurde vorerst die Lizenzfrage erörtert, zu welcher Ungar bemerkte, daß die jüngste amtliche Verlautbarung, nach welcher die Neuvergebung der Lizenzen als durchgeführt und erledigt zu betrachten sei und die Einbringung weiterer Gesuche zwecklos sei, neuerliche Erregung bei den Juden hervorgerufen habe, welche sich mit der bis heute gehandhabten Praxis nicht abfinden können. Der Minister entgegnete, daß die Neuvergebung der Lizenzen formell tatsächlich zum größten Teile durchgeführt erscheint, doch betont er gegenüber den Vorstellungen, daß er in jedem Falle, wo ihm nachgewiesen würde, daß die Existenz des bisherigen Inhabers einer Lizenz durch die Entziehung bedroht erscheine, unbedingt einschreiten werde. Einen weiteren Verhandlungspunkt bildete die jüngste, die orthodoxe Kaufmannschaft, welche Samstag die Geschäfte gesperrt hält, wirtschaftlich bedrohende städtische Verfügung über die Sonn*

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