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Jüdische Presse · 1922-05-26 · 19 (26.5.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
19 (26.5.1922)
Date
1922-05-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 19 JÜDISCHE PRESSE i- Seite 123 eifrige Studium der Naturgesetze hatte nur allzuoft in dem Denken der Menschen über dieses Gesetz den souveränen Gesetzgeber vergessen lassen, das Gesetz über den Gesetzgebern gestellt; vielleicht liegt hierin volkspsychologisch einer der schärfsten Gegensätze zwischen Heidentum und Judentum beschlossen. In Erkenntnis der Abhängigkeit, auch des animalischen Lebens, von den Kräften des Himmels und der Erde, erhoben die Heiden diese Kräfte selbst in den Rang der Götzen. Der Jude aber erkennt im Walten dieser Kräfte seinen Schöpfer und dankt dem Allmächtigen, daß er ihn zum Meister dieser Kräfte geschaffen hat; daher das stolze Glücksgefühl, wenn man von jedem Regentropfen sagen kann und darf, daß ist mein Regen, das ist g-ttlicher Lohn ob des guten Werkes des sterblichen Menschen, daher auch die unbegrenzte Verantwortlichkeit in den Stunden, in denen die Kräfte von Himmel und Erde, den Menschen ihren Dienst versagen. In echt jüdischen Gemeinden kommt dieses im Gebet bei all zu starker Mehrung oder Minderung des Regens zum Ausdruck. Damit aber dieses Geheimnis nicht in Vergessenheit gerate und des lebendigen Zeugen nicht entrate, hat der Allmächtige ein kleinwinziges Stückchen seiner Erde dazu ausersehen, sich ganz und gar nach dem Verhalten seiner Einwohner zu richten, sich zu empören, wenn die Bewohner den Allmächtigen höhnen und seinem Worte trotzen. Und dieses Stückchen Erde heißt uns das Heilige Land, dem Modernen Palästina. Das Wort heilig ist nicht etwa bloß der Ausdruck geschichtlich großer Erinnerung, es ist vielmehr ein Zeugnis dessen, daß dieses Land Unreines nicht erträgt und ausstößt, mit den Kräften, die sein Schöpfer in dieses Land genau so gelegt hat, wie in alle Teile des Erdballs und darum spricht das Bibelwort von dem furchtbaren Verbrechen, dieses Land zu einer Sache der Unreinheit zu machen. Wir wissen, wie viele uns ob dieses Gedankens belächeln: es ist selbstverständlich konsequent, daß, wenn man im politischen Größenwahn Judas Enkel zu einem Volke gleich anderen gestaltet, dann auch Palästina nur ein Feld im Schachbrett politischen Strebens und Wirkens ist. Und das ist die Bedeutung des ganzen Gedankenganges; hier scheidet sich klar der wahre Gläubige vom Ungläubigen und Halbgläubigen. Nur derjenige, für den jeder Regentropfen, der im Heiligen Lande niedergeht, „euer" Regen ist, und jedes Mißlingen Ausdruck der Schuld entarteter Bewohner geworden, nur der darf und wird wohnen im Heiligen Lande. Und nun möchten wir uns noch etwas sagen, worüber noch mehr gelacht wird: Wir können nur das eine tun, wir können nur beten, daß die denn doch nicht ganz entschwundene Treue schützend und sorgend walten möge, ob des Heiligen Land, um Verzeihung zu erwirken denen, die des Landes Heiligkeit entweihen. Das ist eine große Tat für und in Palästina. P. K. » Kritische Rundschau. Misrachi-Stil. Das Zentralorgan des Misrachi, „D. J. Pr." in Berlin, tendiert augenscheinlich die rationelle Wirtschaft auch auf geistige Betriebe auszudehnen und zu demonstrieren, wie ein solcher Betrieb mit dem denkbar kleinsten Verbrauch von Geist aufrecht erhalten werden könne. Der erstaunliche Mangel des Geistes in einem in Berlin erscheinenden Zentralorgan einer Kulturbewegung (einer jüdischen! talmudischen!) hat anderseits zur ernsten Annahme geführt,- daß die Berliner Misrachi- Leitung von einer falschen, antiquierten, längst überholten Ansicht befangen sei, daß ein konservatives jüdisches Blatt weder Stil, noch Bildung oder höhere Intelligenz verraten dürfe und es ihren Journalisten aufs nachdrücklichste eingeschärft hätte, an sich zu halten und im Interesse des Vertrauens der orthodoxen Masse so wenig Kultur wie nur möglich zu verraten. Par exernple! In der letzten Nummer veröffentlicht „D. J. Pr." einen Artikel des Schweizer Agudaführers Botschko. (Pardon: Agudda! „D. J. Pr." schreibt Aguda konsequent mit Zwillings-D, mit Dogosch-Ghosok. Diese Errungenschaft bildet ihren Stolz, doch wäre es wissenschaftlich korrekter, wenn sie sich zu diesem Behufe bei ihrer Schriftgießerei ein deutsches d mit einem Dogosch chosok in der Mitte anschaffen würde.) Dieser Artikel des Herrn Botschko ist bereits Ende März in dem „Isr. Farn, f. d. Schw.* erschienen und mutet jetzt, von den Ereignissen überholt, völlig anachronistisch an. Herr Botschko scheint bei aller guten Gesinnung der Suggestion der Presse zu unterliegen und macht unnötige Anstrengung, den „Verrat der Aguda" zu kommentieren. Eine Wirkung dieser Suggestion ist es auch, wenn Herr Botschko den Tag von San Remo, von welchem alte führende Zionisten behaupten, daß er eine schwere Enttäuschung bedeutet habe, als einen Sieg der Palästinasache ansieht. Die Deklaration war nichts als ein Wechsel, der in San Romo liquidiert werden sollte, er wurde aber dort nicht bezahlt, sondern prolongiert, das Versprechen wurde nicht erfüllt, sondern nochmals gegeben. Die Suggestion der zionistischen Presse zeigt sich auch in der Behauptung des Herrn Botschko, daß die Londoner Audienz der Aguda im Golonial office ein „Fehler" gewesen sei. (Die zionistische bezahlte Presse schrie freilich „Verrat", die Aguda hatte verraten, daß sie existiert.) Die totgeschwiegene Aguda hatte jawohl die Pflicht, einmal ihre Existenz zu beweisen; wenn der erste Versuch nicht gelang, wer zweifelte daran, daß ein zweiter besser gelingen würde? Eine Wahrheit, wie Thoratreue, kann doch nicht wie eine Börsenchance besprochen werden. Aguda ist kein politisches Hasardspiel, wie die Weizmanniade. Das Thorajudentum wird von seiner Bestimmung zum Ziele getragen. Die Ereignisse haben auch den Artikel des Herrn Botschko desavouiert. Die Aguda wird in einigen Tagen die ehrenvollste Aufnahme in London erfahren; ohne politische Winkelzüge steht die Aguda mit einem Male im Mittelpunkt des Interesses. Professor de Haan hat große Verdienste um diesen Erfolg und es ist ein Unrecht, daß Herr Botschko, vom Irokesengeschrei „der Keren-hajessod-Presse erschreckt, rasch den Professor de Haan preisgibt. - Herr Botschko irrt auch, wenn er es als Fehler der Aguda bezeichnet, daß sie nicht mit Misrachi verhandelt habe. Wir übergehen die Frage, auf wessen Seite die Pflicht der Initiative war. In der übrigen zivilisierten Welt hat die Partei, die am Ruder ist, die Pflicht zur Opposition zu gehen; in der Welt außerhalb des Golusjudentums wird nur derjenige für Alles verantwortlich gemacht, der die Macht, das Geld des Volkes in der Hand hat. Bei uns Erfolganbetern ist es so paradox verkehrt! Der „Fehler" ist bei uns immer Sache des Schwächern. — Aber es entspricht gar nicht den Tatsachen, daß keine Versuche gemacht wurden, mit Misrachi Friedensverhandlungen zu pflegen. Wir erklären es hier, daß von berufenen Faktoren monatelange, unermüdliche Bemühungen gemacht wurden, ein friedlicheres Verhältnis anzubahnen und daß gerade die Misrachisten den Frieden verhindert haben, weil sie wohl bei einem Frieden t f Grand Sanatorium Wasserheilanstalt Bratislava (Preßburg) Erstklassige Universal-Heilanstalt für Spezialbehandlung der inneren-. Nerven-, Zucker-, Gallenstein-, Nieren-, Magen-. Darm-, Herz- und Blatgefäflkrankhelten. Mast- und Entfettungskuren. Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Urologie, Dermatologie, Ortopädie, Augen-, Ohren-, Nasen-und Kehlkopfkranke. Täglicher Pauschalpreis von ÖK 83 aufwärts. Wasserheilanstalt in vollem Betriebe auch für Auswärtige. Streng rituelle "NPD Küche unter Aufsicht des Preßburger Oberrabbinates Leitender Chefarzt: DR. SIGMUND ARANYI. zwischen Aguda und Zionismus um ihre Position gekommen wären. Es gibt freilich auch ehrliche Misrachisten! Im New Yorker „Tagblatt", dessen Redaktion der Misrachist Bublik ist, wird klipp und klar herausgesagt: „Die Haltung der zionistischen Organisation gegenüber der Aguda war derart unpolitisch, derart taktlos, derart leichtfertig, wie die Haltung der Zionistenführer in Erez Israel gegenüber den Orthodoxen. Die erste Regel der Politik ist mit jeder Kraft zu rechnen. Die Aguda ist eine solche Kraft; sie war nicht zu zerstören. . . Die Zionisten haben es nicht verstanden." Aber „DL J. Pr." setzt zu diesem seltsamen, mehr als konzilianten Artikel des Herrn Botschko einige Bemerkungen hinzu. Herr Botschko hätte einen Passus aus Weizmanns Rede in Wien aus „dem Wiener Aguda-Blatt geschöpft, das an Entstellungen das Menschenmögliche leistet". „D. J. Pr." rektifiziert unsere angeblich entstellte Darstellung mit einer vollständig erlogenen Version. Diesmal ist die „D. J. Pr." in Berlin wieder einmal mit einer ihren Lügen tüchtig hereingefallen. Der von uns zitierte Passus aus der Rede Weizmanns, ist vollständig der „Wiener Morgenzeitung" entnommen und lautet wörtlich: „Wiener Morgenzeitung", 30. Dezember 1921, Seite 4. „Viele Juden, die bis heute mit dem Aufbau Palästinas wenig zu tun hatten, wollen jetzt diese jüdische Agency an sich reißen. Diesen Juden sagen wir: Ihr könnt die Jewish Agency haben, wenn Ihr das Eintrittsgeld bezahlet, eine Million Pfund jährlich für den Aufbau Palästinas. Billiger verkaufen wir es nicht, teuerer vielleicht. Wenn ein Geschäft verkauft wird, so werden auch die Imponderabilien mitverkauft, nicht nur die realen Werte, der gute Name und das wollen wir auch einschätzen." (Wie nobel gedacht, wie fein ausgedrückt!) „D. J. Pr." schließt ihre abderitischen Ausführungen wirkungsvoll mit einem Satze, der einem Normalschüler zum Durchfall in deutscher Sprache verhelfen würde.. Hört!: „Wir werden aber weiter wie bisher die Aeußdrungen von Seiten der Agudda registrieren, die gleich Herrn Botschko uns die Politikasterei von de Haan und anderen unverantwortlichen Stellen bekämpfen und für Gemeinsamkeit der so dringend Erez-Israel-Arbeit eintreten." Dieses fürchterliche Deutsch ist nicht etwa von einem Korrespondenten, nicht in einem eiligen Bericht, verbrochen worden, sondern ist die stylgerechte Schlußvignette einer wichtigen, offiziellen Aeußerung der Leitung einer Kulturbewegung. Und das will uns führen! NACHRICHTEN. Deut$cl)5$terreicl>. Heimkehr der jüdischen Flüchtlinge. Dienstag', den 2?». Mai, ging der erste Eisenbahntransport mit jüdischen Heimkehrern nach Galizien ab. Im Laufe der nächsten Wochen dürften noch mehrere Transporte abgehen, für welche zirka 500 Familien vorgemerkt sind. Die Transportkosten werden durch die Flüchtlingsabteilung des „.Joint" gedeckt, die Arbeit besorgt die Delegation des jüdischen Nationalrates für Ostgalizien. Prüfung im Badener Waisenhause. Sonntag, den 28. Mai (an der Jahreswende der Eröffnung), findet im Badener Waisenhause ((ieimerstraße 48) die öffentliche Prüfung der Waisen in Talmud und Ghumeseh statt, wozu alle (Jönner und Freunde geladen sind. D i e L e i t u n g. Auch ein wichtiges Gespräch. Das unter diesem Titel in unserem Blatte erschienene Feuilleton hat in der jüdischen Presse große Aufmerksamkeit erregt und wird von vielen Blättern ganz oder auszugsweise publiziert. Ungarn. Die Parlamentswahlen in Ungarn, welche bekanntlich am 3. Juni hätten stattfinden sollen, wurden mit Rücksicht, daß dieser Tag auf einen Samstag fällt, nach Rücksprache mit führenden jüdischen Persönlichkeiten für den 1. Juni ausgeschrieben. Polen. Rabbiner vom Militärdienst befreit. Ueber Aiv trag des agudistisehen Seymdeputieiten Mendel- | söhn wurde in einer der letzten Bitzungen der Seyrnkouimission für .militärische Angelegenheiten nach einer längeren Debatte die Bestimmung angenommen, wonach Rabbiner und Rabbinatskandidaten vom Militärdienst befreit werden. Deutschland. Nachahmenswert. Der Bund gesetzest Teuer Gemeinden in Deutschland, Sitz in Halberstadt., hat von der Finna M. Lehrberger & Comp, in Frankfurt, a. M. 1000 Gebetbücher zum Preise von 10 Mark erstanden und bringt dieselben an Bedürftige gratis zur Verteilung. Diese Tat gewinnt an Bedeutung, wenn man weiß, daß es sich um die sogenannte Sefath Emes-Ausgabe handelt, die bekanntlich fehlerfrei und korrekt ist. Wenn sich in Oestorreich irgend eine Buchhandlung finden wird, die sich entschließen könnte, ohne En gros En detail Wasserdichte Regenmäntel GUMMI-INDUSTRIE Wien, II., TaborstraBe 39 Hotel Bayrischer Hoff. Teleph. 40324

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