Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 19 (26.5.1922)
- Date
- 1922-05-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. If* JÜDISCHE PRESSE Seite 125 tagsruhe. Ungar verwies auf die Tatsache: daß die Sabbatruhe beobachtenden jüdischen Kaufleute de facto, statt der 24 stündigen, eine 60 stündige Ruhepause einzuhalten gezwungen würden. Er beantragte, daß den Geschäftsinhabern gestattet sein soll, Sonntag ihre Waren von 8 bis 10 Uhr vormittags selbst feilzubieten, während die Verwendung von Personal unter schweren Straf Sanktionen ausgeschlossen bleiben muß. Der Minister präzisiert seinen Standpunkt dahin« daß er selbst den Beschluß der Bratislavaer Stadtvertretung nicht aufheben könne, jedoch eine anzustrebende Reassumierung des Beschlusses genehmigen würde und auch entsprechend das hiesige Zupanat informiere. Die Jüdisch-konservative Partei wird auch entsprechende Schritte wegen der Reassumierung des betreffenden Beschlusses einleiten. (Das Parteisekretariat hat in den letzten Tagen mit größtem Nachdrucke in diesem Sinne gearbeitet, hoffentlich mit Erfolg.) Der Minister erklärte schließlich, daß er der Partei?tets gerne zur Verfügung stehen werde. * * * Konstituierung der Bratislavaer Ortsgruppe der Jüdisch-konservativen Partei in der Slowakei. Am 10. und 11. Mai fanden im Sitzungssaale der orthodoxen Kuitusgemeinde in Bratislava Beratungen zwecks Konstituierung der hiesigen Ortsgruppe der Jüdisch-konservativen Partei statt. Ein provisorischer Ausschuß von fünfzehn Herren wird bis zur endgültigen Wahl durch die* Parteimitglieder die Geschäfte führen. Das Sekretariat wird am 1. Juni eröffnet werden. Jeschiwaaktion der Aguda-Jugendgruppen in der Slowakei. Die Jugendgruppe in Bratislava rief auch heuer, wie bereits in früheren Semestern, «■ine Frühstück- und Nachtmahlaktion ins Leben, wodurch Bachurim zu äußerst billigem Preise Frühstück und Nachtmahl erhalten. Leiter der Aktion ist Herr Nandor Kohlmann, der seiner .uifgabe vollauf gerecht wird. Des weiteren sind auf diesem Gebiete die Jugendgruppen in V. Topolcany, Fresov, Nitra, Nove-Zamky, Trnava und andere segensreich tätig, die nach den dort gegebenen Verhältnissen immense Beträge für diese Zwecke aufbringen. Die Rabbinerinstallation in Velke-Topolcany v (Großtopolcany). Oberrabbiner Weiß verließ Montag von der ganzen Gemeinde begleitet Jänoshäza. Auch Nichtjuden haben von dem scheidenden Oberrabbiner warmen Abschied genommen. Eine Deputation hatte den Oberrabbiner bis zur tschechischen Grenze bei Komarno begleitet.' Die Topolcänyer Gemeinde entsendete Dienstagfrüh ein Empfangskomitee unter Führung des Rabbiner Mordchaj Sarkover. der den Oberrabbiner mit einer schönen Rede empfing. Er bat den Rabbiner im Namen der Gemeinde das Hirtentum der führerlosen Schafe zu übernehmen, die sich seiner anvertrauen und den von ihm bezeichneten Pfad folgen werden. Der Rabbiner dankte für die Begrüßung und für das ihm entgegengebrachte Vertrauen. Auf der Fahrt von Nove-Zamky nach Topolcany haben sich immer Gäste angeschlossen und fast bei jeder Station wurde der Zug von einer großen Menge erwartet. Um halb drei Uhr rollte der Zug in der Topolcänyer Station ein, vor der eine große Menschenmenge Aufstellung genommen hatte, die den Oberrabbiner mit begeisterten ,,Jechi"-Zurufen begrüßten. Bei der Station empfing ihn der alt-1 ehrwürdige Rabbiner Mosche Bernfeld. Der Rabbiner antwortete tiefbewegt und innig gerührt. Dann setzt der Zug sich in Bewegung, die unzählige Wagen die große Schar von Menschen, die nachher folgten, bildeten ein imposantes Gesamtbild. Vor der Gasse des Tempels, beim Triumphbogen, blieb der Zug stehen; hier wurde eine Ohupah mit Thora-Rollen entgegengebracht. Der Rabbiner trat unter die Chupah, worauf ein Zögling der Machsike Thora in klassischem Hebräisch und ein Zögling der Bürgerschule ihn in slowakischer Sprache begrüßte. Der Oberrabbiner dankte den jugendlichen Begrüßern sehr herzlich. In Schul angekommen, wurde er von Rosch- Besdin Rabbiner Jizchek Schweiger empfangen, nachher von Rosch-Hakohol H. Gelley zu seinem »Sitz begleitet, und in einer formvollendeten Rede begrüßt. Unterdessen hatte sich der Tempel gefüllt, sämtliche Notabilitäten der Stadt und der katholische Stadtpfarrer hatten sich im Tempel eingefunden. Der Oberrabbiner hielt eine eindrucksvolle Antrittsrede, mit welcher er die Zuhörer anderthalb Stunden fesselte. Er gab kein Programm, er stellte nur die Thora und ihre Interpretierung im Sinne jener Geistesheroen, die in dieser Gemeinde wirkten und zu den Leuchten Israels zählen — als Wegweiser und als Pfaddeuter hin. Und an diesem Vorsatze wolle er mit einer solchen unverrückbaren Konsequenz festhalten, und vor nichts zurückschrecken, den Thora-Erfordernissen Geltung zu verschaffen. Nach der mit großem Beifall aufgenommenen Rede» empfing er die Glückwünsche des Pfarrers und der Stadtrepräsentanz. Oberkantor Abrahamson rezitierte mit seinem ausgezeichneten Chor einige Psalmen, womit die schöne Feierlichkeit .schloß. Am Abend versammelte man sich im Prunksaal des Stadthotels zum Bankette. Der Dajan Rabbiner Mandel Deutsch eröffnete die Rednerliste; es sprachen noch II. Klein im Namen der Pereßlenyer Filialgemeinde. II. Katzburg, H. Schröter im Namen der Jugend, Ii. Weiß, H. Leitner im Namen der Schiffschul und Aguda Wien. Herr Beck und Herr Gelley. Die Feier dauerte bis l Uhr nachts. Das Benschen hatte Herr A. Bernfeld um Kc. 2000 zugunsten der Machsike-Thora gekauft. Bei dem Arrangement waren tätig die Herreu Josef Felsenburg, Taub, Ad. Haberfeld, Max Bernfeld, Freund von der Jugend, F. Schnitter, Jul. Link, E. Schlesinger. A. Rosenberg. E. Gelley, J. Weiß, Fischer und M. Link. Viele Genieinden ließen sich durch Deputationen vertreten, unter anderen Bratislava, Nove Zamky. Trnava, Nitra. V. Surany, Vagschye. Chewra-Kadischa-Tag. Der alte Minhag am $2. Omertag im jüdischen Spitale in Preßburg eine Droschoh zu Ehren der Chewra-Kadischa abzuhalten, wurde auch heuer unter großer Beteiligung der vornehmsten J3ale-Batim eingehalten. Überrabbiner Schreiber hielt zuerst, wie üblich, eine halaehische Abhandlung, hernach eine schöne Droschoh, in der er auf den tieferen Sinn des Gemilus-Ghesed hinwies und die Führer der Ghewrah zur Vertiefung des echt jüdischen Geistes im Rahmen der Ghewrah aneiferte. Bad Luhatschovitz (Mähren) Orth. "W3 HOTEL, RESTAURANT SINGER die JTOTUP werden rP'K bei mir wieder die von vj ü^rtn crmi anerkannten orth. DW11P versehen. b»7vy] -waw nos vn* pnsn pton -12 pr« pnr fotom. WM _ vCfrtv*>'3re» Rabbi AJaba Josef Schlesinger. "TT Aus Jerusalem wird uns das Ableben Rabbi Akiba Josef Schlesinger^ines der größten Gaonim der Jetztzeit, im Alter von 84 Jahren gemeldet. Rabbi Schlesinger, der aus Preßburg stammte, besuchte in seiner Jugend die Jeschiwos des Ksaw Sofer, Mahram Schick, Mahram Schach u. a., wurde in jungen Jahren Mitglied des Besdin in Kolomea und übersiedelte vor 52 Jahren nach Jerusalem. Er lebte dort buchstäblich nur „in den vier Ellen der Halocho", verfaßte zahlreiche talmudische Werke, die alle Weltruf genießen und galt als einer der größten Koryphäen des alten Jischuw, für dessen Erhaltung er sein Leben lang wirkte und kämpfte. An seiner Bahre sprachen die Rabbiner Sonnenfeld, Hoffmann, Jungreis, Wertheimer und Jadler ergreifende Heapedim und eine unübersehbare Menge gab ihm das letzte Ehrengeleit. )T3'2n"n **** Rewe. 3&$&3tB9§ &&&& 7Hr» iW* JSp» Jw» „Das Tagblatt", eine misrachistisch gesinnte Tageszeitung in New York, vom 27. Adar, bespricht in einem längeren Artikel die ablehnende Haltung der Zionistischen Organisation gegenüber der Aguda in beziig auf die „Jewish Agencyv. „Das Vorgehen der Zionistischen Organisation gegenüber der Agudas Jisroel" — schreibt das ..TagblatF" — war sehr unpolitisch, sehr taktlos und unüberlegt... Es ist ein Grundsatz, daß man in der Politik mit jeder Kraft, rechnen muß. die schaden kann, wenn man sie negiert . . . Dr. Herzl. der echte jüdische Staatsmann, hat dies verstanden und seineersten Schritte waren, sich mit der ..Orthodoxie" zu verständigen, aber die gegenwärtigen Zionistenführer haben dafür kein Verständnis. Die Aguda ist eine Kraft, mit der man rechnen muß. Es wird nichts nützen, wenn man sie negiert... Im übrigen darf man nicht vergessen, daß es eben die Orthodoxen sind, die die nationale Idee seit der Zerstörung des Tempels bis zum heutigen Tag hochgehalten haben, sie sind es, die das Judentum vor der Vernichtung gerettet haben, nur Dank der Orthodoxie blieb das Volk, Volk und Zion. Zion. Bis heute schöpfte die jüdische Nation ihre Lebenskraft aus dem Reservoir der jüdischen Orthodoxie, aus dem sie auch künftig Kraft schöpfen wird. Die Orthodoxie ist die Zentrale, für unseren Lebensgeist ... Der nationalen Partei sollte es eine Ehre sein, mit der Orthodoxie zu verkehren, die heute noch das Rückgrat des jüdischen Volkskörpers bildet, und die. wenn sie auch nicht für die zionistische Leitung, doch zweifellos für Zion ist, selbstverständlich für ein Zion ihrer Weltanschauung ... Aber abgesehen davon, wäre es vom politischen Gesichtspunkte ans Pflicht der Zionistischen Organisation gewesen, eine Verständigung mit der Aguda zu suchen. Es hätte gewiß nicht geschadet, wenn in San Remo zusammen mit den zionistischen Vertretern auch Vertreter der Orthodoxie erschienen wären. Schließlich können ja auch orthodoxe Juden in der politischen Welt ganz gut verkehren. Wir wissen, daß orthodoxe Juden, wie zum Beispiel Rabbi Menasehe ben Israel, mit Königen verhandelten und jüdische Politik leiteten, gewiß nicht schlechter als unsere heutigen Führer, wenn nicht besser ... Misrachi gegen das zionistische Palästina. Der bekannte Misrachist Oberrabbiner Emial in Antwerpen — hoffentlich wird ihn die zionistische Presse nicht als Verräter stigmatisieren — wendet sich in einem Leitartikel in dem Warschauer „Misrachi" vom 11. Mai gegen das zionistische Palästina und fordert von der misraehistischen Leitung einen radikalen Frontwechsel. „Was das misrachistische Programm anbetrifft: ,Erez Jisroel dem, jüdischen Volk, auf Grund der Thora',.mit Betqiiung. auf die letzten zwei Worte, .müssen wir gestehen, — schreibt Rabbi Emiol — daß wir dieses Ziel gegenwärtig nicht im entferntesten erreicht haben. In dem zionistischen Erez Jisroel begegnet man allen Lehren der Welt, auch der allerneuesten, nur nicht der jüdischen Lehre ... Und die Wahrheit läßt sich nicht leugnen, alle Gelder der zionistischen und misrachistischen Fonds werden nur für das zionistische Erez Jisroel verwendet. Unsere Führer aber, die Leiter der misrachistischen Weltbewegung, haben nicht die Kraft, dem Unwesen Einhalt zu gebieten, weil wir sie nicht genügend unterstützen ... Es soll daher niemanden Wunder nehmen, daß unsere Führer abdanken. Gewiß wird an Stelle des abdankenden Führers ein anderer kommen, ein besserer oder schlechterer. Damit ist jedoch nichts getan... Unsere Weisen sagten schon, und noch mehr ist dies durch die Erfahrung bestätigt: „Ein Kleiner an seinem eigenen Tische ist groß, ein Großer an einem fremden Tische ist klein." S o 1 a n ge wir a m z i o n i s t i c h e n Tisch s i t z e n w e r d e n, w erden wir k 1 ei n sein... Die Frage des Sein o d e r Nichtsein des M i sra c h i fo rde r t von uns radikale W e g e z u s u c h e n, um die L a g e z u v e r b e s s e r n." KALENDARIUM. Tag Mai Sivvan Notizen Sonntag 28. 1. Bosch Chodesch. — Märtyrertod Wormser Gemeinde 4866 — Tod R. Jisroel, Rohoncz 5460 Sefira 45 Montag 29. 2. Sefira 46 Dienstag 30. 8. Jeme hagbolo. — Mainzer Judenverfolgung 4856 — Tod R. Moses Jungreis, Kaschau 6666 Sefira 47 Mittwoch 81. 4. Brand Preßburger Ghetto 1913 Sefira 48 Donnerstag Juni 1. 5. Erew Schewuos. — Judenverfolgung, Bachrach 4856 — Krakau 5218 — Märtyrertod Brüder Reizes, Lemberg 5583 — Tod R. Gerson Aschkenazy (Awodas Hagerschuni) Mez 6463 —. Eruw Tawschilin. Sefira 40 Freitag 2. 6. I. Tag Schewuos. — Haftora: Wajhi bschloschim Schono. — Tod König David (Sabbat Mincha) — Märtyrertod R. Meir-Elkisch — Kreuzfahrer zerstören Synagogen in Köln 4856 (1096) Samstag 3. 7. II. Tag Schewuos. — Haftora: Tfilo lachawakuk. — Mazkir. — Rabbenu Tarn wird von den Kreuzfahrern aufs Feld geschleppt und schwer verwundet 4856 — Tod des Bai schem tow 5520 — Araber plündern Juden in Saft'ed 5599 — Tod R. Dow Ber Ziditschew 5595