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Jüdische Presse · 1922-05-26 · 19 (26.5.1922) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
19 (26.5.1922)
Date
1922-05-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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dem bedrängten Thorajudentum Freunde und Helfer, von denen wir uns nicht, träumen ließen. Die schamlose Unterdrückung des thoratreuen Judentums in Erez Jisroel, jener ehrfurchtgebietenden Pionniere, die treue Wacht am Jordan gehalten haben, noch als Liebe zu Zion ein Martyrium und nicht ein politischer Schacher war, wird mit tiefer Entrüstung in den größten Tagesblättern der Welt besprochen, wo doch die bezahlten zionistischen Wochenblättchen gewähnt hatten, daß sie imstande wären, den Notschrei der Orthodoxie zu überlärmen. Unvergessen seien hier die hohen Verdienste des Professors de Haan, der allen Anfeindungen und Gefahren trotzend der Wahrheit eine Bahn gebrochen hat. Ein Hilferuf ans Sowjetrußland. Der in der jüdischen Welt bekannte Rabbi von Lubawitseh, der gegenwärtig in Rostow a Don sich befindet, hat an die Aguda die Aufforderung ergehen lassen, den ohne Kleidung und Nahrung darbenden Jüngern der russischen Jeschiwos und Talmud-Thora zu Hilfe zu eilen. Wir wiedergeben hier die wortgetreue Uebersetzung dieses Appells an das jüdisch empfindende Herz, und können nicht umhin, wiederholt auf die ungeheure Notwendigkeit unseres Sammelwerkes hinzuweisen. Jeder «Jude sei sich der Verantwortung bewußt und tue seine Pflicht. :!: An die bekannten Notablen, Freunde der Thora und Freunde der Liebe und Güte usw. Frieden und Segen! Unser Land, das Land unseres Erbsitzes, stolz unserer Macht, das bis dahin so reich war. an Thora und Weisheit und in erster Reihe stand bei der Heranbildung von Weisen, das Land, das Geistesgrößen der Wissenschaft stellte und daher den Ruhm aller Länder genoß — heute dagegen sind hier fast alle Grundpfeiler der Weisheit im Wanken und schier sind die Quellen der Lehre verstopft. Ich wende mich mit diesem Briefe an euch, die ihr warmem Herzens seid und die Wichtigkeit der gegenwärtigen Stunde erfaßt habt, klar und offen mitzuteilen, wie groß jetzt die Notwendigkeit der mit Rat und Klugheit geleiteten Hilfe ist. Mgrke und horche auf, IeraelLDie Thora ist in unserem Lande in Not und Bedrängnis gekommen, der Hunger steigert sich mit jedem Tage, ebenso Kälte und Krankheit, daß sich G-tt erbarme. Reich ist unser Land an jungen Kräften von wundersamen Fähigkeiten, die einen furchtbaren Heldenkampf mit der Not des Lebens kämpfen. Junge zarte Kinder ringen mit Aufbietung der letzten Kraft, um die Thora Israels zu erlernen, die uns durch Moses, dem Knecht G-ttes, übermittelt wurde. Die Augen der Lehrer und Leiter der Talmud-Thora-Schulen und Jeschiwaus sind aber voller Tränen und ihr Herz Trägern ihrer jüdischen Wissenschaft zujubelte. Und wahrlich, es sind nicht die welksten Blätter aus dem Lorbeerkranze, den eine dankbare Nachwelt diesem großen Denker gewunden, die Blätter die sich mit dieser seiner Leistung beschäftigen. Und selbst in unseren Kreisen scheint man diese seine Leistung nicht nach Gebühr zu würdigen. Selbst in unseren Kreisen ist die Meinung vorherrschend, der Herr Kirchheim Worte verlieh, daß Hirsch mehr die dogmatische Seite der Grätzschen und Frankischen Arbeiten verdammte, als ihre wissenschaftlichen Resultate zerpflückte. Daß dem nicht so ist, brauchen wir nicht erst zu sagen, nicht erst zu beweisen, daß Hirsch die Wahrheit sagt, wenn er schreibt, daß „wir haben nirgends verdammt und immer bewiesen, haben es nirgends mit der dogmatischen Wahrheit und immer mit der wissenschaftlichen Wahrheit der Grätzschen Schrift zu tun gehabt, haben nirgends den Maßstab des Dogma, sondern überall den Prüfstein der Kongruenz mit den historischen Quellen gehandhabt, aus denen diese Schrift geschöpft haben soll. Wir haben das Grätzsche Buch zur Hand genommen, wie wir es dennoch jetzt in Händen haben und es noch ferner in Händen halten werden und haben das, was uns dort als Geschichte der .luden, insbesondere als Geschichte der talmudschen Lehrentwicklung geboten wird, a n d e n Q u e 11 e n w i s s e ns c h a f 11 i c h g e p r ü f t. Daß durch Aufdeckung der Ungründlichkeit, Unwissenheit, Flüchtigkeit — der oft unbegreiflichen Mißhandlung und Verstümmelung der Quellen, sowie der willkürlichen Subjektivität, aus welchen diese Geschichte hervorgegangen, das System erschüttert werde, welchem diese Geschichtsdarstellung zur Stütze dienen soll, mag Herrn Das glaubenstreue Judentum sieht der Begegnung der Aguda mit Sir Samuel mit Vertrauen entgegen. Die Vertreter der Orthodoxie sind durch ihr hohes Verantwortungsgefühl gefeit gegen jede Versuchung der Politik. Sie tritt im Besitze großer Chancen in die Beratung, ßle Jewish Agency, von welcher sie noch vor kurzem, gegen alle Rechtsbegriffe hohnsprechend, ausgeschlossen war, kann ohne die Orthodoxie nicht mehr gedacht werden. Wenn die Jewish Agency überhaupt von der mohammedanischen Welt und vom Vatikan konzediert wird, wird es nur mit der Bedingung geschehen, daß der Orthodoxie ein entscheidender Einfluß in Palästina eingeräumt wird. Die Agudadelegation wird in London nicht mehr übermütige Zionistonhäuptlinge krampft sich in ihrer Brust zusammen, ob der Not und des Hungers, die ihre Klagestimnie erheben, ob des jüdischen Feuers, das immer mehr in die Tiefe sinkt, ohne Aufenthalt vor der Fülle des Llends und der Mühseligkeit. Die Thora umgürtet sich mit einem Sack. Und ich rufe mit der Stimme G-ttes: Erbarmt euch Kinder Israels und nehmet euch an des letzten Restes, kommet zur Hilfe den Kindern und gebt uns die Möglichkeit, ihnen das Wissen vom G-tte Israels zu vermitteln. Gründliche Hilfe ist nötig für Bücher, Lebensmittel, Kleider und Geld, auch für Einleitung einer wirksamen Hilfsaktion, die bis in alle Ecken und Enden des Landes hinreicht. Und ihr unsere jüdischen Brüder, die ihr in den Städten des Elends wohnt, achtet auf die Lage, wie sie ist, auf das Los von Brüdern, die sich reinen Herzens nach der Thora sehnen, das in eurer Hand ist. Haltet Versammlungen ab, laßt eure Stimme ertönen, vereinigt euch, seid der Geist, der die Räder belebt und bewegt, nehmet Anteil in vorderster Reihe und kommt zur Hilfe mittels eines Komitees oder Vereines, deren Ziel sein soll, die Thora in jeder Stadt in ihrer Reinheit zu erhalten, wie sie von G-tt geschrieben und uns überliefert ist. Jeder jüdische Mann, der teil hat am Erbe der jüdischen Nation, jeder Jude, in dessen Herzen ein Strahl G-ttes wohnt, wird seine Hand bieten der Thora und dem Volke G-ttes, wird die alte Fahne ergreifen, deren leuchtende Buchstaben die Worte ergeben: „G-tt seine Thora und sein Volk bilden eine Einheit," eine Fahne, die sich über Blutströmeh aufpflanzte, Blut unserer Väter, Brüder und Schwestern zu allen Zeiten. Unsere Thora ist unsere Seele und alles, was sein eigen ist, gibt der Jude her für die Zwecke der g-ttlichen Thora. Alle Söhne Israels, alle wie ein Mann, leget Hand an, der Thora zu helfen, keiner aus unserem Volke ist befreit von seinem Beitrag, sei es materieller oder geistiger Art, im Namen G-ttes, des verehrungsvollen und ehrfurchtgebietenden. Schicket treue Delegierte, die Verhandlungen eingehen mit der gegenwärtigen Regierung, die Kirchheim leid sein, mag Herrn Kirchheim verdrießen; uns würde es freuen — wir sagen es offen — uns würde es freuen, wenn wir auch nur einen Beitrag geliefert hätten, daß einem unserer Zeitgenossen die Augen über die morsche, unwissenschaftliche Hohlheit des Bodens aufgehen mögen, der mit so vielem Gepränge als eine durch wissenschaftliche Forschung gesicherte -Basis für die Zeitansichten über Judentum airsgegeben wird." Nicht die Resultate der Forschung für das religiöse System trafen Hirschs vernichtende Pfeile, sondern die Methode und die Art der Forschung selbst. Die rationalistische Methode leidet in der Geschichtsform Schiffbruch. Geschichte ist eine Wissenschaft von Tatsachen, und Tatsachen sind nicht immer so liebenswürdig, vorgefaßte Meinungen zu bestätigen. Sie mußten es sich daher, den vorgefaßten Meinungen und dem hohen Gesichtspunkte zuliebe gefallen lassen, hinterher ein wenig korrigiert zu werden. Die einzig richtige Methode ist daher die analytische, „die trockene Gelehrtenarbeit, die den historischen Stoff als totes Wissen registriert", wie der moderne Gelehrte so spöttisch meint. Die Analyse ist aber bloß der Weg, die Synthese das Ziel, das heißt aus der Gleichmäßigkeit und dem Rhythmus der Erscheinungen gelangen wir zu Regeln, wir erkennen das, was den wechselnden Erscheinungen als immanentes Prinzip zugrunde liegt, als innerer Trieb und treibende Kraft der jüdischen Geschichte. Diese Regeln sind und sollen nur das Endergebnis eines vorurteilsfreien Studiums sein, nicht aber die Brille, durch die wir alles historische Geschehen betrachten und nicht die Krücke, mit deren Hilfe wir das Gebiet des Werdens und Vergehens historischer Phänomene, die Jahrtausende durchwandern. (Fortsetzung folgt.) finden, die ihr schüchternes Anerbieten zur Mitarbeit mit dem dreisten Wörtchen vom Mi sehe torach beerew sabbos zurückstoßen werden. Nun entsteht die Frage: Darf die Orthodoxie das zusammenbrechende Weizmannsche System durch die Zusage eines Eintrittes in die Jewish Agency neu beleben? Darf die Orthodoxie sich auf den Boden der Balfour-Deklaration, welche der Vatikan und die mohammedanische Welt als den Span im Fleische Palästinas bezeichnen, stellend Wir legen die Lösung dieser Frage beruhigt in die Hände der Agudaführer. in Rußland. Sache gesetzlich zu ordnen. Das Glück der Nation wird sich an euren Namen knüpfen und ihr werdet in den Annalen der jüdischen Geschichte euch ewiges Ruhmgedächtnis verschaffen und auch Er, der Schenker des Gesetzes, wird euch seine Schatzkammer öffnen und alle Wünsche des Herzens jedem einzelnen erfüllen nach den Gelüsten seiner Seele, in materieller wie geistiger Hinsicht, nach dem Satze: „Langes Leben zu ihrer Rechten und ihr zur Linken Reichtum und Ehre!" Mit Gefühlen der Ehrerbietung und des Segens. Unterschrift. Die Sammlung. Bisheriges Ergebnis: dö. K 13,623.885. Eine orthodoxe Korporation sendet eine Million Kronen, ohne ihren jNamen zu nennen. So sei sie gesegnet mit dem aFten gjiten Bibelwort: Es lebe, wer im Geheimen spendet! Die orthodoxe Gemeinde zu Spiske Podhradie (Kirchdrauf) sendet durch ihren Oberrabbiner L. Spitzer ö. K 632.000, die orthodoxe Chewra Kadischa in Nitra ö. K 360.000. Aus dem kleinen Margißan langte eine Viertel Million österr. Kronen ein. Es ist interessant genug, daß der Großteil unserer Sammlung aus der Slowakei von jenen Juden stammt, die verschrieen sind, an der Not der Ostjuden niemals Anteil genommen zu haben. Die kleine Zabner Klaus in Wien hat sich dank der Bemühungen des Herrn Kamm einen unverhältnismäßig großen Teil an der Sammlung herausgenommen. Die junge Orthodoxie in Wr.-Neustadt stellt sich mit der ersten Rate von K 300.000 würdig ein, wobei Herr Harry Schiff mit K 100.000 partizipiert. Das slowakische Judentum ragt in der russischen Hilfsaktion etwas zu einsam heraus. Aber selbst dort vermissen wir noch Namen von angesehenen Gemeinden. Wir erinnern jedermann ernstlich an seine große Pflicht. Wer an der Hilfsaktion mitwirken will, möge sich sofort an das „Zentralbureau der Aguda, Wien, II., Malzgasse 12a, Telephon Nr. 49-0-54', wenden, Geldsendungen sind unter Stichwort „Rußland-Aktion" dem Konto 124.904 der Aguda Wien bei der österr. Postsparkasse; oder an das Bankkonto der Aguda beim „Wiener Bankverein, II., Hollandstraße 1", zu überweisen. Sammelbogen sind im Aguda-Bureau erhältlich. Spendenausweis für jüdische Hungernde in Rußland. (Fortsetzung.) N. u. W. K 40.000, Eugen Baß durch Siegmund Stern 200, Anna Brandstätter 1000, Oswald Kofier 2000, N. N. 176, Isaak Jägerndorf durch Verein Gemilas Chesed 1000, BethjJHamidrasch „Talmud .Thora" (erste Sammlung) 63.340, Salomon Aschkenasi 10.000, M. Keusch durch Rabbiner Heachl 6000, N. N. durch Isidor Erster 5000, Bethaus verein „Malchus Jeschuoh" 6770, Alexander Hefter 100, Moritz Poller durch Dr. Pollak 10.000, Hugo Stein durch D. ßonyhady (Salzburg) 5000, durch Leopold Löwy (N. N. 1000, Paula Freund 200) zusammen 1200, David Holzer 200, Bethausverein „Machsike Hadas" Judengasse Latzenhof (erste Sammlung) 18.000, Bethausverein IU., Erdbergstraße 15 (erste Sammlung) 6400, Markus Dänemark (Brünn) Dollar 3, Frau Josefine Stern 1, Israelitische Gemeinde Kirchdrauf (Slowakei) <5K 3498, durch Oberrabbiner Spitzer, Kirchdrauf aus der Gemeinde Margizan 1400, Gemeinde und Chewra Kadischa in Nitra (erste Rate) 2000, Jugendgruppe (Nitra) 200, aus Presov 50; zusammen K 174.385, Dollar 4, cK 7148 Summe K 1,614.385. „Buer" Regen. . . . Das aber ist das letzte Geheimnis, das in seiner Güte uns der Allmächtige erschlossen hat, der Zusammenhang zwischen dem Verhalten der Menschen und dem Natur geschehen. Das Gesetz ist in die Schöpfung gelegt, daß dann, wenn die Menschen nach dem göttlichen Willen leben, die Natur ihnen das gibt, was sie zum Leben bedürfen, dies aber versagt, sobald die Menschen ihrer Bestimmungen zuwiderhandeln. Man sagt das zwar täglich in Schmäh, allein vielleicht infolge dieser Alltäglichkeit ist dieser Gedanke nicht unbestrittenes Eigentum aller gläubigen Juden geworden. Das Für die Opfer der Hungerkatastrophe

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