Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 18 (19.5.1922)
- Date
- 1922-05-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 2× ep/1000834
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Seite 118 JÜDISCHE PRESSE Nr. 18 f 1 Grand Sanatorium Wasserheilanstalt Bratislava (Prtßburg) Erstklassige Universal-Heilanslalt für Spezialbehandlung «ler inneren-. Nerven-, Zucker-, Gallenstein-, Nieren-, Magen-. Darm-, Herz- und BlutgefäDkrankhelfen. Mast- und Entfettungskuren. Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Urologie, Dermatologie, Ortop&die, Augen-, Ohren-, Nasen-und Kehlkopfkranke. Wohnung, Beheizung, Beleuchtung, Bedienung, Krankenpflege, ärztliche Pflege, 5 Mahlzeiten von Kc 83*— aufwärts. Wasserheilanstalt in vollem Betriebe auch für Auswärtige. Streng rituelle Küche unter Aufsicht des Preßburger Oberrabbinates Leitender Chefarzt: DR. SIGMUND ARANYI. Lord Linoel de Rothschild und deren Vizepräsidenten Lord Swaythüng, Lord Bearsted und ►Sir Philip Magnus sind, erwähnt, daß die Leugne mit den Schlußfblgerungen des „Times"-Korrespondenten, Graves, in seinen bekannten acht Artikeln aus Palästina, in welchem er die Auflösung der zionistischen Kommission fordert, übereinstimen. Die Tätigkeit der arabischen Delegation. Die arabisch-palästinische Delegation setzt ihre Tätigkeit fort. Sie hielt in der Provinz diverse Meetings ab. Der „Manchester Guardian11 hat ein zwei Spalten langes Interview mit ihr gebracht. Am 4. Mai fand im Londoner Claridges Hotel ein Lunch zu ihren Ehren statt, an dem sich etwa :$0 Mitglieder der Aristokratie und der Militärkreise beteiligten. Der arabische Sprecher, Shibly Jamal, sagte unter anderem, d a ß o Ii n e B a 1f o u r-D e k 1 a r a t i o n J u d e n u n d A r a b e v in Frieden leben w ü r d e n. Die Juden könnten ruhig' unter ihnen wohnen, reich und glücklich werden, einwandern und mit den Arabern an der Entwicklung1 Palästinas mitarbeiten. Aber politischen Zionismus mit der Absicht, die Herrschaft im Lande auszuüben, können die Araber aus Selbstachtung nicht zulassen. Jakob solle nicht zum zweitenmal Esau um das "Recht der Erstgeburt betrügen. Tfaliem „Osservatore Romano", das offizielle Organ des Vatikans, greift in einem Artikel die Zionisten an, daß sie' die Araber unterwerfen wollen und behauptet, daß in England sich eine antizionistische Tendenz immer mehr ausbreite. In einem Kommunique an die Presse widerlegt die zionistische Föderation Italiens diese Behauptungen. Rußland. Ein grausames Bild derjHungerkatastrophe enthüllt ein Brief, den Dr. M. Schwarzmann, Präsident der jüdischen Gemeinde in Odessa, der sich gegenwärtig in London aufhält, von einem Freunde in Odessa erhielt, und welchen die „Londoner Zeit" veröffentlicht. In dem Brief heißt es unter anderem: In Odessa, in Nikolajew, sterben ganze Familien vor Hunger. In den Gassen hört man ein unendliches Heulen und Jammern von Tausenden hungernden Menschen, die Brot betteln. Nicht bloß arme Leute, sondern auch die vornehmsten und intelligentesten Menschen unseres Volkes fallen als Opfer. Vorige Woche verstarb an Hunger der junge Pianist und Lehrer des Konservatoriums, Katzmann. Ich bitte Sie, die jüdische Bevölkerung in London und die jüdischen Gemeinden der ganzen Welt für ein Hilfswerk für das ukrainische Judentum zu organisieren. Die Hilfe muß aber schnell kommen, den jeden Tag gehen Hunderte jüdischer Menschen zugrunde. In Odessa allein führt man Hunderte jüdischer Männer, Frauen und Kinder auf den Friedhof. Die Frage ist jetzt, ob man das ukrainische Judentum vor dem Hungertod retten oder ob man sie unter den schrecklichsten Umständen aussterben lassen soll. Die Juden leiden unter der Hungersnot weit mehr als die nichtjüdische Bevölkerung, die in die Dörfer geht, um dort Brot oder Kartoffeln zu kaufen, den Juden fehlt aber auch diese Gelegenheit. Die russische Gentm-Delegation über die jüdischen Verluste. (J. C. B.) In den von der russischen Delegation in Genua geforderten Entschädigungen für die Verluste in den Kämpfen mit den gegenrevolutionären Armeen spielen die Verluste der jüdischen Bevölkerung in den von diesen Armeen veranstalteten Pogromen eine bedeutende Rolle, lieber das Ausmaß dieser Verluste geben folgende, den Gesprächen mit Mitgliedern der Sowjetdelegation entnommenen Einzelheiten Aufschluß: In der Gegend von Kiew haben über dreihundert Ortschaften Pogrome mitgemacht. Die Gesamtzahl der unmittelbaren Opfer dieser Pogrome beträgt 500.000, worunter sich größtenteils Greise, Frauen und Kinder befinden. Die Zahl der Ermordeten, Verbrannten und lebendig Begrabenen beläuft sich auf 200.000. Manche Städte* wurden nicht weniger als zwanzigmal von Pogromen heimgesucht. Von den von den' Pogromen betroffenen Orten hat keiner weniger als drei Pogrome mitgemacht. Die Gesamtzahl der Pogrome überschreitet 1000. In manchen Orlen wurden ohne Ausnahme sämtliche Frauen geschändet. Hunderte von Juden wurden verbrannt oder lebendig begraben. Es wurden Leichen mit abgeschnittenen Köpfen, Füßen und Händen gefunden. Zahlreiche Städte sind von der Erdoberfläche weggefegt. Das „Idgeskom" bürgt für die Genauigkeit dieser Angaben. Ungefähr dreißig- bis vierzigtausend Kinder verloren beide Eltern, noch mehr haben entweder Vater oder Mutter verloren. Technische Berufsausbildung* von Juden in Rußland. (J. (.'.'. B.) Das jüdische Gesellschaftliche Komitee „Idgeskom*', die Moskauer Sektion der Gesellschaft „Ort" und die jüdische Abteilung des Sowjetbureaus für professionelle Ausbildung befasse sich gegenwärtig mit der professionellen technischen Ausbildung der Juden in Kußland und der Ukraina. Die früheren Handwerksschulen der Ica sind in verschiedenen Städten reorganisiert worden und werden nun von dem Idgeskom finanziell unterstützt. Auch die Farmerschule der Ica in Minsk ist vom Idgeskom wieder eröffnet worden. Orthodoxes Hilfskomitee. (JPZ) Mit Erlaubnis der Sowjetregierung.wurde in Moskau ein Hilfskomitee orthodoxer Juden gegründet, um die orthodoxe jüdische Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Kleidern zu unterstützen. Litauen. Eine Palästina-Zentrale der Aguda. Chol hamoed fand unter Vorsitz des Gaon von Slobodke, Rabbi Mosche Mordechaj Epstein, eine Plenarsitzung der litauischen Aguda-Leitung statt, in der nach einem Referate des Herrn Wölk die Gründling einer litauischen Palästina-Zentrale der Ae'uda beschlossen wurde. Die Zentrale soll sich den Sammlungen des Keren Hajischuw und der Unterbringung von Anteilen der neu gegründeten Baugesellschaft Binjan Haaretz in Jaffa widmen. Brasilien. Zionistenfreundliche Araber in Brasilien. Aus Rio de Janairo wird gemeldet: Hier ist ein großes arabisches Blatt unter dem Titel „Großpalästina" erschienen, das von hier wohnenden Arabern aus dem Libanon gegründet wurde und ein Zusammenarbeiten mit den Zionisten propagiert. Australien. Mr. Blaschky empfiehlt Australien zur Einwanderung. Mr. Blaschky, der Gabbai der großen Synagoge in Sydney, besucht' Palästina und auf dem Wege auch Ypern, wo sein Sohn, Kapitän Roy Blaschky, im Kriege gefallen ist. Blaschky empfiehlt im „J. Ghrle" Australien als außerordentlich gutes Feld für Auswanderer, die Agrikultur betreiben wollen. Es gebe dort keinen Antisemitismus. Ein Jude, Isaacs, ist Richter im obersten Gerichtshof und John Cohen beim Gounty Court. Die Montefiores waren eine der ersten geachtetsten Kolonisten, und eine Stadt heißt auch nach ihnen Montefiore. Es gibt im ganzen 15.000 .luden in Australien und die leben auch in zwei Städten. Jüdische Emigranten können auf freundlichen Empfang rechnen. Die Krisis im Misrachi. Wie aus Jerusalem gemeldet wird, kämpft das Zentralbureau des Misrachi mit finanziellen Schwierigkeiten. Die Beamten haben seit zwei Monaten kein Gehalt ausbezahlt bekommen. Rabbi Fischmann und Dr. Schönfeld werden in kurzem nach Amerika reisen, um für den Misrachi Geld zu sammeln. Sabbatentweihung. Wie „Kol Jisroel" meldet, reiste die oberste Klasse des hebräischen G y in n a s i u m s auf der Rückkehr von ihrem Ausflüge nach Galiläa an einem Sabbat zu Wagen von Haifa nach Jerusalem unter Aufsicht des Lehrers Ladsinski. Solcherart ist die Heiligkeit des Salbats in Erez Jisroel durch die Schüler einer jüdischen Schule, in Jerusalem entweiht worden. Die Araber protestieren Heißig. Der Verband der Muselmänner und Christen in Jaffa sandten durch den französischen Konsul einen Protest an tliö französische Regierung wegen des Empfanges VVeizmauns durch den Präsidenten. — Ebenso überreichten sie durch den Verband der palästinensischen Araber in New York einen Protest an den Senat gegen den Antrag Lodge's. Hingegen hat der arabische Journalist Chairlalla. der Vertreter des „Temps"1 in Paris, in ägyptischen Blättern erklärt, daß Frankreich den'Arabern' bestens geneigt sei. Zurückweisung jüdischer Einwanderer in Palästina. (J. C. ß.) In der allerletzten Zeit vergrößert sich die Zahrder zurückkehrenden, in Palästina nicht eingelassenen Emigranten. Fast jedes Schiff, das nach - Palästina Chaluzim und andere Palästinawanderer gebracht hat. führt bei seiner Rückkehr einige „unqualifizierte'* Emigranten an Bord, die aus irgend einem Grunde nicht ans Land gelassen wurden. Das Merkwürdige dabei ist, daß alle die Emigranten im Besitze ordnungsmäßiger Dokumente, des englischen Visum und der Einladung ihrer palästineiisiscjien Verwandten sind. In den meisten Fällen unternahmen die Zurückgewiesenen zum zweiten Male die Reise und werden dann anstandslos hineingelassen, wobei es sich herausstellt, daß bei ihrer ersten Reise ein Irrtum der Hafenadministration vorlag. Die ungeheure Mühsal und die Kosten einer abermaligen Schiffsreise werden den Emigranten jedoch von niemandem ersetzt. Die zionistische Organisation wurde über diese Mißverständnisse informiert und gebeten, sich füT die Abstellung derselben einzusetzen. (Die Intervention der Zionisten schadet noch mehr. D. R.) Tabakfabrik. (JPZ) Die Firma.Ben Israel & Co.' hat in Safed eine Tabakfabrik mit einem ansehnlichen Kapital gegründet. Das Unternehmen beschäftigt vorläufig 15 Arbeiter. Regierungsbericht über die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas. (JPZ) Aus angeführten Zahlen geht hervor, daß in Palästina der Export bedeutend geringer als der Import ist. So betrug der Import im Jahre 1920. 4,191.060 engl. Pfund, der Export in derselben Zeit 773.443 engl. Pf., im Jahre 1921 der Import 5,210.633, der Export dagegen 771.701 «engl. Pf. Wenn man das Uebergewicht des Imports über den Export vergleicht, so sieht man, daß sich die passive Bilanz von 3,417.617 auf 4,444.932 engl. Pf. erhöht hat. Dieselbe Tendenz ist auch im laufenden Finanzjahr zu bemerken. So ist im ersten Halbjahre der Import um 700.000 Pf. gestiegen. Der Export dagegen hat sich nur um .58.348 engl. Pf. vermehrt, so daß das Uebergewicht vom Import heuer viel stärker als im Vorjahr ist. Vom Ausland werden u. a. Kohle, Zucker, Mehl, Petroleum, Eisen, Stahl, Heis, Textilwaren, Zigaretten und Maschinen bezogen. Trotz der großen passiven Bilanz ist die wirtschaftliche Lage Palästinas nicht schlecht. Die schlechte Bilanz wird durch die Gelder, die ins Land aus nachstehenden Quellen gelangen, gedeckt: a) Reexport der importierten Waren nach Syrien und den Nachbarländern, b) die Geldbeträge der zion. Kommission und der verschiedensten religiösen und Hofgesellschaften, c) die Okkupationsarmee, ä) sonstige Gelder, die vom Ausland und durch die Touristen ins Land gebracht werden. Dank diesen Quellen ist der wirtschaftliche Zustand Palästinas normal und die Valuta fest. Die Mehrzahl der importierten Waren, ungefähr 30 Prozent, kommt aus England. Aegypten steht an zweiter Stelle; dann folgen Amerika und Indien. In den letzten Monaten vergrößerte sich der Import der deutschen Waren, der bereits 140.399 engl. Pf. ausmacht. Die Bauindustrie hat in letzter Zeit bedeutend zugenommen. So wurden in Jaffa allein im letzten Jahre 140 Neubauten fertiggestellt und eine noch größere Anzahl begonnen. In letzter Zeit wurde auch eine ganze Reihe von Unternehmungen auf dem Gebiete der Bauindustrie errichtet, so die Ziegelfabrik „Silikat" in Jaffa und eine Zementfabrik in Haifa. In Palästina herrscht noch ein großer Bedarf an Holz, Glas und anderen Bauartikeln, die ebenfalls vom Ausland bezogen werden müssen. In letzter Zeit wurden auch mehrere Webereien, Wollwäschereien, Oelfabriken, Konfektionsindustrien und Mühlen gegründet. Der Bericht stellt fest, daß die Agrikultur derzeit noch sehr klein ist und daß nur ein Viertel des anbaufähigen Bodens bearbeitet wird. Sollte die Agrikultur vergrößert werden, könnte Palästina auf den Import von Getreide und anderen Lebensmitteln verzichten und selbst bedeutende Getreidemengen exportieren. Der Export umfaßt zumeist Orangen, Seife und Wein. Im Jahre 1919/20 hat Palästina 647.000 Kisten Orangen für 162.000 Pf., im Jahre 1920/21 830.959 Kisten Orangen für mehr als 200.000 Pf. exportiert. Dagegen ist der Export von Seife und Wein verkleinert worden. Vor dem Kriege wurde Wein hauptsächlich nach Amerika exportiert. Zufolge des Alkoholverbotgesetzes in Amerika hat der Weinexport bedeutend gelitten. Zu den besten Abnehmern zählt Aegypten, welches 70 Prozent des Exports resorbiert. Im Jahre 1919/20 wurden in Palästina ungefähr 300 größere und kleinere Gesellschaften und Unternehmungen registriert, von denen die meisten Juden gehören.