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Jüdische Presse · 1922-05-19 · 18 (19.5.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
18 (19.5.1922)
Date
1922-05-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 18 JÜDISCHE PRESSE Saite 117 NACHRICHTEN. Deuuclwterrcicb. Generalversammlung der Adas Jisroel. Am Sonntag, den 14. Mai 1.922, fand die Generalversammlung der Adas Jisroel unter ungewöhnlich .starker Beteiligung statt. Mehr als 400 Mitglieder hatten sieh schon vor Beginn derselben eingefunden. Zur festgesetzten Stunde eröffnete Dr. Reiniger dieselbe. Er widmete den verstorbenen Mitgliedern, Herrn Ignaz Alt, Salomon Baron, Lazar Baiinisteiger, Hermann Blaß, Josef Bonyhady, Baruch FeSngold, dabrie.1 Fischer, Wilhelm Fleischmann, Josef Fried, Samuel Goldmann, Hermann Groß, Lazar David Hirschler, Hermann Keßler, Wilhelm Klaber, Max Kronfeld, David Kohn, Heinrich Leitner, Arfiold Lemberger, Bernhard Lichtschein, Max Pappenheim, Leon »Sehorr, Max Schreiber, Wilhelm Schreiber, Jakob $putz, David Stern, Moses I. Strom, Abraham Teweles, Ignaz Ticho, Julius Weiner, Simon Weiß, und insbesondere dem verstorbenen Obmann und Ehrenmitglied Philipp Back, und dem Vorstandsmitgliede, dem Obmanne der Jesod Hathorah, Wilhelm Kritzler, einen ehrenden Nachruf, den die Versammlung stehend anhörte. Sodann verwies er auf' die mannigfachen Auf-' gaben, welchen die Adas Jisroelin der nächsten Zeit die größte Aufmerksamkeit widmen müsse, um für den Augenblick gerüstet zu sein, wenn an sie die Pflicht heranträte, sich selbständig zu organisieren. Er lud die Versammlung ein, den vorgelegten Rechenschaftsbericht zu prüfen; jede Bemänglung einer bisherigen Leistung wird für die Männer des Vertrauens, die in den Vorstand berufen werden, eine Anregung bilden, die sicherlich gewissenhaft beachtet werden wird. Die Adas Jisroel ist sich ihrer Pflicht bewußt, immer für Thora, Awodah und Gmiluth Ghasodim zu wirken. Die Methoden, durch welche dieses Ziel erreicht wird, mögen verschieden sein. Je nach dem Temperament ist der eine stürmischer, der hindere bedächtiger. Darin stimmen wir alle ohne Unterschied überein, an den Grundsätzen des unverfälschten überkommenen gesetzestreuen Judentums immer treu festzuhalten. Sodann begrüßte er den Vertreter der Kultusgemeinde Dr. Josef Ticho, sowie die zahlreich erschienenen Vertreter der verschiedenen Bethaus- und sonstigen jüdischen Wohlfahrtsvereine: Talmud- Thora, Marpe Lanefesch, Einheit, Sehomre Schabbos, Bethaus Stumpergasse, Zabner Klaus, Tomech Ewjonim, Tiferes Bachurim, Thorah Ez Chaim, Krankenhausverein usw. Die Debatte über den Rechenschaftsbericht leitete Herr Wolf Pappenheim mit einem gründlichen Referate ein. Ueber die Gebarung berichtete Herr Jakob Stern, für die Revisoren sprach Herr Arthur Sputz. An sehr eingehenden Debatten beteiligten s?ich unter anderen, Herr Leopold Lederer, Isidor Frommer, Dr. Freudmann, Max Hofbauer, Geza Braun, Isidor Austeiii'tz, Rudolf Leitner, Dr. Leo Nasch, Julius Winkler, Martin Goldschmidt, Eduard Deutsch, Sigmund Bondi usw. Nachdem der Bericht und Gebarungsausweis von der Versammlung genehmigend zur Kenntnis genommen war, schritt man zur Wahl des Vorstandes. Es wurden mit sechsjähriger Amtsdauer gewählt die Herren: Siegmund Bondi, Emil Kritzler, Franz Neumann, Dr. Isidor Reiniger, Salomon Schreiber, Julius Steinfeld, Jakob Stern, Michael Sternfeld, Bert hold Stroh mit 347 Stimmen. Mit dreijähriger Mandatsdauer die Herren: Bernhard Klein und Josef Schick. Die Kandidaten der Misrachi- Gruppe erhielten zwischen 30 und 40 Stimmen. Sodann gelangte eine Reihe von Initiativ- Anträgen der Vereinsmitglieder zur Besprechung, von denen der Antrag Austerlitz, auf Entfernung der Agudas Jisroel von der Spendenliste der Adas •Jisroel, besonders hervorgehoben werden soll. Nach einer eingehenden Debatte, über welche wir ebenso wie über die Besprechung des Rechenschaftsberichtes nächstens ausführlich berichten werden, wurde der Antrag vom Antragsteller zurückgezogen. Nach sechsstündiger Dauer »schloß die glänzende Versammlung. Ein Talmudist kein geistiger Arbeiter? Diese überflüssig scheinende Frage ist diese Woche gar stramm verneint worden von dem Leiter der Aktion von Kondensmilch-Beteiligung (Berggasso 7) an geistige Arbeiter. Ein mittelloser Talmudist, der auch Schüler unterrichtet, wurde dort zurückgewiesen mit der Begründung, daß ein Talmudist kein geistiger Arbeiter sei. Er mußte beschämt aus dem Kordon der jungen Studenten, die alle ihre Kondensmilch erhielten, ausscheiden und konnte seiner Familie keine Milch bringen, weil er ein solch grobes, geistloses Gewerbe wie Talmud-Thora betreibt. Zur Vermeidung von Mißverständnissen sei bemerkt, daß es sich hier um eine jüdische Institution handelt, wo allerdings zionistischer Geist dominiert. Verlobung. Dienstag abends fand in dem bekannten Patrizierhaus Oskar Neurath ein intimes Familienfest statt, und zwar die Verlobung des Fräulein Aranka Krauß, Tochter des Herrn Wilhelm Krauß und Frau Anna geb. Neurath, mit Herrn Isidor Steiner, Sohn des Herrn Koloman Steiner und Frau Sophie geb. Hofbaucr, statt. Das gemütliche Familienfest wurde durch schöne Ansprachen und Diwre Thora der Herren Oskar Neurath, Rabbiner Flesch, Sigmund Bondi, Bernhard Hofbauer usw. geistig gehoben, welche dem jungen Paar Glück und Segen auf ihrem neuen Lebensweg wünschten. Polen. Die Boykott-Agitation in Polen. (J. C. B.) Die Rozwoj-Organisation hat in Przemysl Plakate anbringen lassen, in welchen sie die polnische Bevölkerung zur Boykottierung der Juden auffordert. Die Proklamationen wenden sich an die polnischen Schüler, Soldaten und Arbeiter mit der Aufforderung zu Tätlichkeiten gegen die jüdisch sprechende Bevölkerung. Aerztliche Zeugnisse für „Mohelim". Der Gesundheitskommissär in Czenstochau. hat verordnet, daß die „'Mohelim" sich einer ärztlichen Untersuchung zum Zwecke der Feststellung, ob sie nicht an Infektionskrankheiten leiden, unterziehen müssen. Bis nun wurden von fünf Untersuchten vier als zur weiteren Ausübung ihres Berufes geeignet befunden. * Rumänien. Die Waisenfürsorge in Transylvanien an der Arbeit. Ueber Einladung der Aguda-Ortsgruppe in Großwardein begibt sich das Vorstandsmitglied der Wiener Ortsgruppe Herr Jo&ej J3_rody, welcher sich bei Einrichtung und Fühlung des Badener Waisenhauses und der meisten übrigen Wohlfahrtsinstitutionen der Aguda hervorragend betätigte, nach Transylvanien, um seine hiebei gewonnenen Erfahrungen in den Dienst -der dort in Errichtung befindlichen Waisenhäuser zu stellen. Albanien. Albanien engagiert ausschließlich arische Professoren. (J. 0. B.) Der albanische Konsul in Wien, Dr. Pekmezi, erhielt von seiner Regierung den Auftrag, einige Spezialärzte, wie Bakteriologen, Chemiker und Syphililogen, von der Wiener Aerztekammer für den albanischen Regierungsdienst anzuwerben, ^aut schriftlichem Ersuchen des Konsulats kommen ausschließlich Arier in Betracht. Amerika. „Vorwärts"-Jubiläum. . Das größte jüdische Blatt der Welt, das sozialistische Tageblatt „Vorwärts" in New York, feierte das 25. Jubiläum. Der Redakteur Abe Kahan steht seit der Gründung an der Spitze. Das Blatt hat eine tägliche Auflage von J4 Million Exemplaren und besitzt ein zehnstöckiges Redaktionsgebäude im jüdischen Zeitungsviertel East-Broadway. Trotz der sozialistischen Tendenz verrät das Blatt starkes jüdisches Empfinden und hat manches zur Förderung der jüdischen Rechte und zur Bekämpfung der Verfolgungen von Juden getan. Redakteur Kahan ist auch hierzulande durch seine häufigen europäischen Reisen bekannt und erfreut sich allgemeiner Sympathie. Die New Yorker „Zeit" eingegangen. (J. C. B.) Die poalezionistische Tageszeitung „Die Zajf'in New York ist nach 20-monatlichem Erscheinen aus Mangel an Geldmitteln eingestellt worden. Die Liquidation wurde einem gerichtlich bestellten Verwalter übergeben. Die gesamte jüdische Presse bedauert den Eingang dieser großen jüdischen Tageszeitung, die eine große Lücke und eine angesehene Stellung im jüdischen öffentlichen Leben Amerikas ausfüllte. Der amerikanische Kongreß. (JPZ) Die Delegierten- Wahlen . zum jüdischen Kongreß in Amerika, der am 21. Mai in Philadelphia abgehalten werden soll, haben bereits in ganz Amerika eingesetzt. Die Stadt New York ist berechtigt, 100 Vertreter zum Kongreß zu entsenden, zu welchem Zwecke New York in 12 Wahl-Distrikte eingeteilt wurde. Unter den Gewählten befinden sich Mack, Nathan Strauß, Untermyer, Elkus, zahlreiche Rabbiner und andere prominente jüdische Persönlichkeiten. Aguda-Versammlung. (JPZ) Am 24. April fand in New York im Broadway-Central-Hotel ein Meeting der Agudas Jisroel statt, an dem 100 Synagogen durch ihre Delegierten vertreten waren. Nach einer Eröffnungsrede des Vorsitzenden, Mr. Goldstein, wurden unter anderem Referate gehalten von Rabbiner Dr. Rosenberg (Yonkers), Rabbiner Ben Zion Horowich und anderen. Rabbiner N. Garfinkel, der Leiter der Aguda- Zentrale in Amerika, erstattete einen eingehenden Bericht über die Tätigkeit der Aguda in der Diaspora und in Palästina. Es wurde einstimmig beschlossen, die Kommission zur Heilighaltung des Sabbat zu vergrößern, alle thoratreuen Juden Amerikas unter dem Banner der Aguda zu organisieren und dieselbe moralisch und materiell zu unterstützen, ferner telegraphisch der Jerusalemer Aguda Dank zu votieren für ihre unermüdliche Arbeit, Palästina im traditionellen Geiste aufzubauen. Die Schlußrede wurde von Dr. Simon aus Heidelberg, der gegenwärtig in Amerika weilt, gehalten. Die Entwicklung des jüdischen Parmwesens in Amerika. (J. C. B.) Die jüdische Ackerbau- und Gewerbeförderungsgesellschaft hat soeben ihren Tätigkeitsbericht veröffentlicht, der interessante Daten über die Entwicklung des jüdischen Farmwesens in der Union enthält. Vor 22 Jahren, als die Gesellschaft begründet wurde, gab es in der Union 21G jüdische Farmerfamilien. Heute beträgt die jüdische landwirtschaftliche Bevölkerung in den Vereinigten Staaten mehr als 00.000. Der Besitzstand der jüdischen Farmer stieg von 12.029 Acres im Jahre 1900 auf über eine Million Acres im Jahre 1922. Der Wert des den jüdischen Farmern gehörenden Vermögens übersteigt gegenwärtig 100 Millionen Dollar. Die Kampagne gegen den „Ku Klux Klan". (J. C. B.) In einer in Dallas (Staat Texas) stattgefundenen Versammlung der lokalen Bnei Brith- Loge sprach der gewesene Gouverneur Colquith über die berüchtigte Geheimorganisation „Ku Klux Klan" (eine Art weißen Terror-Verbandes). Mr. Colquith wies darauf hin, daß die Grundsätze dieser Geheimorganisation im Widerspruch mit der Verfassung der Vereinigten Staaten und den Grundgesetzen des Staates Texas stehen» Diese Organisation, die bestrebt ist, die Oeffentlichkeit gegen Juden und Katholiken aufzuhetzen, scheine es vor allem auf eine Kontrolle der Regierangsgeschäfte von Texas abzuzielen. Es sei bereits bekannt, daß viele Staatsbeamten und solche, die sich um eine öffentliche Stelle bewerben, dem „Ku Klux Klan" als Mitglieder angehören. Ea müsse daher von jedem, der sich um ein öffentliches Mandat bewirbt, verlangt werden, daß er sich unwiderruflich verpflichtet, die Staatsverfassung zu respektieren. Trankreich. Für Rußland. - (JPZ) Der Grand-Rabbin von Frankreich, Dr. Israel Levi und die Alliance Israelite, richten einen Aufruf an die Juden Frankreichs und die Länder französischer Zunge zugunsten einer Aktion für die hungernden Juden Rußlands und die hungernden Flüchtlinge. . Reale Arbeit. Von der Marmorek-G nippe wurde in Paris unter dem Namen „Societe Fonciere et Immobiliere" eine Palästina-Gesellschaft gegründet. Das Anfangskapital wurde auf 200.000 Francs, eingeteilt in 800 Aktien zu je 250 Francs, festgesetzt. Die Leitung bezieht keinen Sold. €nglatt<l. Die „League of British Jews" für Auflösung der zionistischen Kommission. Der Jahresbericht der „League of British Jews", deren Präsident TELEPHON 40.324 EN GROSs: EN DETAIL KLEIDER-IHDUSTRIE WIEN, lUTnBORSTRilSSE 39 (HOTEL BAYRISCHER HOF) tSJStO*4S>4K A_»r«-iWAIIIv IJV HBRRBNKrvKinBRX WHTIO IJJVO NACH

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