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Jüdische Presse · 1922-05-19 · 18 (19.5.1922) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
18 (19.5.1922)
Date
1922-05-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite U6 JODISCHE PRESSE Nr. 18 mit guter Valuta sich der Verantwortung bewußt werden, die auf ihnen angesichts dieses Elends in Rußland lastet. Wer an der Hilfsaktion mitwirken will, möge sich sofort an das „Zentralbureau der Agudas Jisroel, Wien, IL, Malzgasse 12 a, Telephon Nr. 49054", wenden. Geldsendungen sind unter Stichwort „Rußland-Aktion" dem Konto 124.904 der Agudas Jisroel Wien bei der österreichischen Postsparkasse, oder an das Bankkonto der Aguda beim „Wiener Bankverein. IL, Hollandstraße 1", zu überweisen. Satnmelbogen sind im Aguda-Bureau erhaltlich. * Spenden&asweis für jüdische Hungernde in Rußland. (Fortsetzung.) Durch Leopold Glück (N. N. K 11.000, Grünwald K 1000, Reiß (Graz) 1000) 13.000, Israel Abraham Kohn 1000, durch Rabbiner H. Twerski (Jacob Nestler, Jacob Halpern ä 20.000, Hersch Mermelstein, Schmelke Nagler ä 10.000, Rabbiner Schlome Friedmann 3000) 63.000, Jonas Streifler durch Rabbiner H. Twerski Dollar 1, Max Kokisch (Bad Gastein) K 1000, S. Horowitz 1000, von einer orthodoxen Korporation 1,000.000, Josef Geier 600, David Neumann (gefundenes Geld) 5000, Sammlung durch Aron David Herz 11.666, Sammlung durch Kornstreicher 1000, Kikenes durch David Spitzer 1000, durch Rabbiner Dr. P. Kohn aus Ansbach 10.000, Heinrich Fleiscbmann 60, Bethaus verein „Ahavas Israel" XIII., Reindlgasse (erste Sammlung) 6000, durch „Neue Freie Presse* 200.000, Bethausverein „Machsike Thora" (erste Sammlung) Wiedner Hauptstraße 100.000, Josef Kruger 3000, Dr. Emil Fisler 1000, Markus Offer 500, „Zabner Klaus" II., Leopoldsgasse 16 (Erste Sammlung) Jude Großbarth 18.000 und schw. Fr. 5, Markus Kamm K 15.000, Josef Bondi 7800, Jacob Türkl 7600, Leib Hudes 7500, Emanuel Blankenstein, Abe Stein, Gedalje Müller ä 6000, Esra Pipes 7000, Josef L. Wiener, Hirsch Blum ä 3800, Abraham Mermelstein, Ch. Sch. Biegeleisen, Josef Weiß, Herz Franzos ä 3000, Elias Schlosser 2500, Juda Klausner, Abraham Appenzähler, Moses Mermelstein, David Horowitz, Leopold Lederer ä 2000, N. H. Bernstein 1700, Pinkas Zwibel, Osias Frankel, I. M. Horowitz, Josef Kuppermann, Wolf Pappenheim a 1000, Jeremias Kaufteil 200, Salomon Advokat, Leib Pipes ä Dollar 1) K 116.950, schw. Fr. 5, Dollar 2, Harry Rüben (Kopenhagen) durch Oberrabbiner S. Fürst K 40.000; zusammen K 1,517.760, Dollar 3 und schw. Fr. 5. Cobnf es der ,,m.=Z.' zu antworten? Von einem alten Wiener Orthodoxen. Ist es nicht doch der Ehre zu viel, in einer Nummer des Leibblattes des Herrn Oberrabbiners zweimal in spaltenlangen Artikeln angeflegelt zu werden? Die Trennungsorthodoxie, sagen sie, wolle die Gemeinde zertrümmern? Orthodoxe Denunzianten? Ad I. Wissen die Nationalen ganz genau, wie die Orthodoxie sich um die Erhaltung der Gemeinde bemüht — für die Nichtorthodoxen.— Daß die Orthodoxie verpflichtet ist, aus einer Gemeinde auszutreten, welche 1. eine Anzahl Religionslehrer besoldet, die vor ihren Religionsschülern den Sabbat entweihen, den Religionsunterricht damit ad absurdum führen; 2. deren Fleischverschleiß von der kompetentesten (nicht orthodoxen) Stelle als trefe bezeichnet wurde; 3. von deren Institutionen keine einzige dem Religionsgesetze entspricht, Ist jedem denkenden Menschen klar. Nicht daß wir keine Förderung seitens der Gemeinde hatten! Das orthodoxe Judentum von der Gemeinde, sondern es mußte um jeden Schächter, um jedes Minjan kämpfen. Der Kampf hat allerdings aufgehört, weil die religionsfreien Juden nicht einmal mehr das Interesse aufbringen, das Alte zu bekämpfen. — Die letzte Generation war in dem Wahn erzogen worden, der Mannheimer Szidur (Szidur als Gebetbuch und als Kultus-- ordnung) biete ein geläutertes, bestandfähiges, konservatives Judentum und bekämpft alles was hievon nach rechts oder links abwich. Dabei begegnete man den Orthodoxen wenig freundlich, ließ sie Steuern zahlen, ohne im mindesten für ihre religiösen Bedürfnisse zu sorgen. Mit Rücksicht darauf, daß die Schiffschul, die einzige orthodoxe Korporation in Wien, die sich nicht auf das Bethaus beschränkte, für die Befriedigung der orthodoxen Postulate: Rabbinat, Schechita, Religionsunterricht ungewöhnliche Opfer brachte, deren Mitglieder für Wohlfahrt ein Vielfaches dessen leisteten, als die reichsten Mitglieder der Gemeinde, wurden die Mitglieder der Adas Jisroel bei der Steuerbemessung anständig behandelt. schehnisse. Ueberali sieht und hört man das Wehen und Rauschen des jüdischen Geistes in der materiellen Betätigung jüdischen Lebens, immer schwingen Wellen des Geistes mit, wenn das Meer jüdischen Lebens in Bewegung gerät. Und dieses Wehen und Rauschen des jüdischen Geistes empfindet nur der, der Geist von diesem Geist ist. diese Wellen jüdischen Geistes tragen nur dem etwas ins Ohr, der dieser Sprache kundig ist. Wer als Jude die Stätten der Vergangenheit betritt, wer als Jude die riesigen Folianten, den Niederschlag jüdischen Geistes durchblättert, wird objektive Kunde von der Vergangenheit bringen. Geschichte soll ja Lehrmeisterin der Menschheit sein und jüdische Geschichte Lehrmeisterin der Judenheit. Nicht aus der Gegenwart sollen wir die Vergangenheit verstehen. Die Vergangenheit lehre uns die Gegenwart begreifen. Und was sehen wir in der Vergangenheit als treibende Kraft, als immanentes Prinzip der jüdischen Geschichte, als dasjenige Moment, das jedem geschichtlichen Ereignis eine ewige Bedeutung, einen dauernden Gehalt gibt? Die meisten, die berufsmäßig Geschichte treiben, tappen im Dunkeln und verlieren das Ziel der historischen Erkenntnis aus dem Auge. Sie holen stets neuen Stoff aus den Tiefen der Vergangenheit hervor und schichten ihn turmhoch auf; unübersehbar dehnt sich die Fülle der Tatsachen vor uns aus, von denen die Forscher uns Kunde geben, und wir müssen gestehen, daß wir verzweifeln, je diesen Stoff bewältigen zu können. Aber alles Wissen ist ja nur eine Vorstufe der Weisheit, Kenntnis nur ein Mittel zur In diesem Jahre, wo die Bedürfnisse der Gemeinde ins Gigantische gewachsen sind, ist das Wort gefallen: Die Orthodoxen wenden so viele Millionen für ihre Zwecke auf, warum nichts für die Kultusgemeinde? Dieses Wort, scheint bei den Schfttzungskommissionen wie eine Erleuchtung gewirkt zu haben. Da sind Leute, die unbegrenzte Opfer bringen, versuchen wir, sie auch für die Gemeinde heranzuziehen. Es wird in dem Aufruf zum Rekurse mit keinem Worte von einer bösen Absicht gesprochen, es wird nur betont, daß man die Orthodoxen heranzieht, weil sie gewohnt seien, Opfer zu bringen. Nur übersehen die geehrten Schätzmeister, dal beispielsweise der Schiffschul- und Agudakonzern für Pessach 20 Millionen aufbringen mußten, nachdem von den bekannten 40 Millionen auch nicht ein Heller den Armen dieser Korporation zugute kam. Es ist dies die überall geübte nationale Praxis auch neutrale Gelder, die den Herren Nationalen in die Hände gelangen, nur den Anhängern zugute kommen zu lassen. Wir sind nicht in der Lage, zu hohe Kultussteuern zu bezahlen und unsere Institutionen, die nur Lebensbedingung sind, entsprechend zu erhalten und auszubauen. Die Herren Nationalen denken, ihr Lesepublikum habe schon vergessen, daß sie durch nahezu zwei Jahre die Steuerzahler auffordern, keine Steuern zu zahlen, bis ihr Wahlrechtsprogamm angenommen sei. Daß sie durch mehr als ein Jahr jede vernünftige Arbeit im Kultusvorstande sabotierten mit endlosen Debatten über die Wahlreform. Die Herren wurden aufmerksam gemacht, sie sollten doch die Wahlreformdebatten, die erst in drei Jahfen aktuell werden, zurückstellen, nur um Zeit zu geben, die katastrophalen Zustände in den Finanzen der Gemeinde zu mildern. Sie wurden auch aufgefordret, zuzuwarten, ob nicht durch ein praktisches, erfolgreiches Zusammenarbeiten sich die Gegensätze mildern werden und auch für die Wahlreform eine Einigung sich ergeben könne. Nichts verfing. Die Gefahr des Zusammenbruches konnte die Herren nicht veranlassen, auch nur eine ihrer bombastischen Reden, darunter einige zum Fenster hinaus, in öffentlicher Plenarsitzung, auch nur einen Hetznrtikel zu unterlassen. " Erst als die Majorität erklärte, sie lege ihre Mandate.zurück, wenn nicht Raum für Bearbeitung der Finanzlage geschaffen werde, mußten die Herren nachgeben. Es dämmert ihnen die Erkenntnis auf, daß die allgemeine Entrüstung sie vernichten würde, wenn es ihnen gelänge, die Kultusgemeinde zu begraben. Und diese Herren haben die Stirne, zu sagen, die Orthodoxie sei es, die die Gemeinde zerstört. Die ausschließliche Verwendung der orthodoxen Steuergelder für religiös-jüdische Zwecke wird in der großen Frankfurter Gemeinde seit Dezenien zugestanden, weil sonst alle religiösen Elemente ausgetreten und zur Hirsch-Breuer-Gemeinde übergegangen wären. In Bayefn ist seit einem Jahre die Möglichkeit gegeben, auszutreten und schon haben bayerische Gemeinden, als erste Nürnberg, den Orthodoxen zugestanden, ihre Steuergelder nur dahin zn verwenden, wo die Orthodoxie ihre Bedürfnisse befriedigen kann. Daß die Nationalen kein Verständnis dafür haben, es könnten wirklich liberale Nichtjuden in verantwortlicher Stellung begreifen können, daß Gewissenszwang ein gar häßlich Ding sei, ist bei der Mentalität der Nationalen selbstredend. Toben sich doch selbe allenthalben gegen die nicht wiederstandsfähigen Orthodoxen im wüstesten Terrorismus aus. Nun zu den orthodoxen Denunzianten. Merkwürdig ist, wenn ein nationales Blatt über Denunziationen klagt. Soll man doch im Hause des Gehängten nicht von einem Strick reden. Wer hat denunziert und denunziert noch immer die Aguda als „deutsche Organisation", obwohl die Nationalen wissen, daß die Aguda Hunderttausende ' von Mitgliedern (die mit ihren Familien Millionen Seelen umfassen) zählt. Die Orthodoxie in ganz Deutschland zählt kaum Hunderttausend Seelen und trotzdem* hat diese Denunziation bei der englischen, französischen und polnischen Regierung der Aguda große Schwierigkeiten bereitet. Wer hat die Wiener Aguda denunziert, daß sie entgegen dem Abkommen, Nichtpalästinenser nach Palästina schickte, obwohl die beiden angeführten Familien noch viele Monate nach der Denunziation in Wien weilten. Was den Verrat betrifft, gegen den jüdischen Nationalismus zü sein, erklären wir frank und frei, daß wir uns unseres Volkstums, basierend auf dem Sinaigesetz, vollauf bewußt sind, daß wir aber daraus keine politischen Forderungen ableiten wollen. Die Frage der Minderheitsrechte kann in den verschiedenen Ländern nicht einheitlich gelöst werden. Die Judenschaft verzichtet nicht auf das Minderheitsrecht. Nachdem aber der Völkerbund ganz andere Dinge zu tun hat, als sich um die Juden zu kümmern (siehe Ukraine, Ungarn usw.) halten wir es im Interesse der Judenschaft für richtig, unsere Interessen in allen Ländern von den Landesvertretungen und Behörden gewahrt zu verlangen, als diese letzteren durch die stetige erfolglose Anrufung der Minoritätsrecht zu reizen. Erkenntnis und die Kunde dessen, was in der Vorzeit geschehen ist, ist an sich ohne Wert, wenn wir nicht die leitenden Ideen, gleichsam die elektrischen Ströme wahrnehmen, welche die Tatsache durchzittern. Die Geschichte wäre eine armselige Wissenschaft, wenn sie nicht Lehrerin der Gegenwart würde, wenn sie nicht schonend und warneud, begeisternd und beruhigend auf die Gemüter wirkte. Aber das kann sie nur dann, wenn wir den Zusammenhang der Dinge erkennen. Unsere Mühe ist verloren, wenn wir uns in der Fülle der Erscheinungen verlieren. Es soll zwar diesen Forschern nicht jegliches Verdienst abgesprochen werden. Sie gleichen dem Taucher, der aufs Geradewohl auf den Meeresgrund niedersteigt; hastig sammelt er, was auf dem Grunde ruht und trägt es an die Oberfläche; oft ist es ein nutzloses Gerölle, das ruhig auf dem Meeresboden hätte bleiben können, aber wollten die Menschen nun stets die Mühe und Gefahr scheuen und niemals niedertauchen in die dunkle Flut, wie käme die Perle ans Tageslicht. Jedoch darf uns nicht zugemutet werden, nun auch dem Schlamm und Stein unsere Aufmerksamkeit zu widmen. Viel Wissen ist noch keine Weisheit, so wie viele Bausteine noch kein Haus sind. Erst die ordnende Idee bringt Zusammenhang in die ungeheure Masse der Erscheinungen. Die Geschichte ist dazu da, daß wir ah den vergänglichen Erscheinungen die ewigen sittlichen Ideen erkennen, die Offenbarung der G-ttheit; denn das ist jüdisch© GesclÜQhte. _ (Forteetaung folgt.) Sollten Vernunft und Gerechtigkeitsinn nicht zum Durch brach gelangen und die Anrufung des Völkerbandes Aussiebt auf Erfolg bieten, bleibt uns dies eine übrig zu tun. Wenn in einzelnen Ländern die Minderheitsrechte angerufen werden müssen, werden die Orthodoxen davon Gebrauch machen. Die Generalversammlung der Adas Jisroel. Die großen Ereignisse der Welt, welche die Juden in verschiedene Lager gespaltet haben, sind auch an der Schiffschul nicht spurlos vorübergegangen. Eine kleine Gruppe von Misrachisten hat den Umstand, daß auf der Spendentafel der Schiffschul auch Aguda steht, alsl Herausforderung gegen Misrachi aufgefaßt. Daher gingen ihre Bemühungen dahin, auch für Misrachi eine solche Spendentafel zu erreichen. Nachdem ihnen jedoch bedeutet wurde, daß dies unstatthaft sei. verlangten sie, daß die Spendentafel der Aguda entfernt werde. Da aber der Kampf um eine Spendentafel ihnen, wenn nicht albern, so doch kleinlich vorkam, wußten sie diesem Bestreben ein großes Schlagwort als Verschönerung beizugeben. Die fEntpolitisierung der Schiffschul* sollte das Programm sein, du« Misrachi die Möglichkeit gibt, Agudas Jisroel "aus der Schiffschul zu verdrängen. Daß dieses Programm der Entpolitisierune: die selbstverständliche Folge hat, die Schiffschul zum bloßen Bethausverein zu stempeln, wahrend sie eine jüdische Kehilo sein sollte, ist klar. Sie will eine jüdische Kehilo sein, nicht, nur zum Beten sondern auch um die jüdischen Arbeiten zusammenzufassen und zu führen. Eiue solche Kehilo kann nicht entpolitisiert werden, sie muß an den großen Bestrebungen der thoratreuen Judenheit teilnehmen, denn sonst ist sie nicht würdig, den Namen einer jüdischen Kehilo zu führen. Siesehen in der großen Agudabewegung bloß eine politische Kampagne gegen Misrachi und Zionismus, welche mit allen Mitteln bekämpft werden muß. Selbstverständlich haben diese Bestrebungen die anders Gesinnten aufgerüttelt und zur energischen Mitarbeit bestimmt. Diese dokumentierten in imposanter Weise, daß Adas Jisroel als orthodoxe Gemeinde für das misrachistische Prinzip, welches die Einheit des Judentums durch unermüdliches Nach laufen nach irreligiösen Ideen und Menschen dokumentiert, ] keinerlei Platz hat. Erfreulich an der ganzen Wahlagitation war, daß der Gegensatz nicht persönlicher sondern prinzipieller Art war. Prinzipielle Kämpfe und offene Aussprache in prinzipieller. Fragen können, wenn ihre Leitmotive nicht außerhalb des« Schulchan Aruch liegen, für die Entwicklung der Schiffschul nur von Vorteil sein. Durch die prinzipielle Bedeutung der diesmaligen Vorstands wähl war das Interesse für die übrigen wichtigen Fragen, insbesonders solche wirtschaftlicher und finanzieller Natur, abgeschwächt und es wird Aufgabe der s. G. w. im Herbst stattfindenden neuerlichen Generalversammlung sein, die diesbezüglichen Anträge, Anfragen und Anregungeu (Haschgochoh, Einnahmeerhöhung, Gehalte, Schulfrage, Konservenregelung, Tempelbau usw.) einer eingehenden Behandlung zu unterziehen. An anderer Stelle des Blattes berichten wir kurz über das Ergebnis der Generalversammlung, die im großen ganzen würdevoll verlief und beredtes Zeugnis ablegte für das große Interesse, dem die Schiffschul allenthalben begegnet. Zu rügen wäreu bloß die temperamentvollen Zwischenrufer, wie die jungen Stürmer, die nach Schluß der Versammlung beim Ausgang den Misrachisten fragend zusangen: „Aud lau owdoh tikwossenu?. Oberrabbiner Sonnenfeld bei Sir Samuel. Ueber diese Audienz berichtet „Kol Jisroel* folgendes : Am ersten Tage des Ghol-hamoed-Pessach ist eine Deputation des „Waad hoir aschkenasy", bestehend aus Oberrabbiner R. Chaim Sonnenfeld n. j. und den Rabbinern R. Moses L. Bernstein, R. Ruwen Schlomo Jungreiß sowie Professor de Haan bei dem High-Commissioner erschienen. Oberrabbiner Sonnenfeld drückte vor allem im Namen der Orthodoxen die Freude über die Genesung des High-Commissioner aus, und sprach die besten Wünsche für das Gelingen der fruchtbaren Tätigkeit des High-Commissioner aus. Sir Samuel drückte seine Freude darüber aus, daß er die ehrwürdigen Rabbiner wieder bei sich sehen könne; er hoffe von dieser Audienz gute Erfolge für den Frieden im Lande. Oberrabbiner Sonnenfeld führte aus, daß es keine Möglichkeit der Reibungen und der Spaltung gebe, wenn die jüdische Gemeinschaft ihre eigentliche Aufgabe die Realisierung der Thora erkennen würde. Die Deputation legte dem High-Commissioner die Forderung der Orthodoxen dar, die Anerkennung der vollständigen Unabhängigkeit der Orthodoxen, die unter dem Namen „Waad hoir aschkenasy" organisiert sind, und zwar auf dem Programm der orthodoxen Weltorganisation „Agudas Jisroel". Sie wiesen auf die Inkompetenz des Waad ha-leumi hin, an dessen Wahl der Großteil der Orthodoxen in Palästina nicht — der Waad aschkenensi überhaupt gar nicht — teilgenommen hat. Die Deputation überreichte auch ein Memorandum, welches diese Forderungen erörtert. Der High-Commissioner durchlas das Memorandum sehr aufmerksam und sagte, daß er die Angelegenheit womöglich noch vor seiner Abreise erledigen werde. Die Audienz dauerte nahezu eine Stunde und wies einen herzlichen Charakter auf. Drei Tage nachher besuchte Mr. Bentwich den Oberrabbiner Sonnenfeld in seiner Wohnung, um über die Ordnung der Gemeindeangelegenheiten zu beraten. Das Gespräch dauerte zwei Stunden. Oberrabbiner Sonnenfeld erklärte dezidiert, daß nur die vollständige Autonomie der Gemeinden die Möglichkeit des Zusammenarbeitens der verschiedenen Strömungen verbürge und daß nur eine gerechte Mitbeteiligung der Aguda an der Jewish Agency die Mitarbeit der jüdischen Gesamtheit an dem Werke der Entwicklung von Erez Jisroel bewirken könne. Mr. Bentwich versprach das Thema dieser Besprechung dem High-Commissioner zu unterbreiten.

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