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Jüdische Presse · 1922-05-19 · 18 (19.5.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
18 (19.5.1922)
Date
1922-05-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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/V V. b. b. JÜDISCHE oth^v ^'ft-t^^^Mi r*^enPring T, P („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion nnd Administration: Wien, II., Obere Donanstr. 91. — Telephon 48.142. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. grscheint jeden Freitag. — Eedaktionsschlufl: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Hontag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Österreich £3000, Ungarn K 350'—, Tschechoslowakei Kö. 70-—, Deutschland Mk.150'—, Schweiz Frcs. 10*—, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 70 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Polen Mk. 1500*—. Einzelnummer d.-ö. K 60 —, Kc. 1*50. Zahlungen für Oesterreich: Pestsparkaflaenamt Wien, Konto Nr. lä.468; für Polen: Pestsparkassenaait Waraohan, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Badapeat, Konto Nr. 60.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenantt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsparkassen««} t Agram, Konto Nr. 40.217; für Rumänien: Banea Marmaroseh' Blanc & Co. fnr Josef Florenz A Co., Bukarest. 18 Wien-Bratislava, 19. Mai 1922 ♦S'snn -pk rtraDDjr» m jtjd 18. Jahrg. ■WP-ÄW Ein verhängnisvoller Irrtum. Wie wir hören, hat an ein bedeutendes Bethaus ein Häufchen Misrachisten und ein Haufen von Mitläufern das Ersuchen gerichtet, daß seitens des Vorstandes ein Verbot ergehen möge, des Inhalts, daß künftighin das Gelöbnis beim Thoraruf nicht mehr für Aguda erfolgen dürfe. Welche Antwort die Bittsteller^erhalten haben, ist uns nicht bekannt. Wir fragen uns erstaunt, wie es soweit kommen konnte, daß dieselben Menschen, die tatenlos bleiben angesichts der schrankenlosen Verhöhnung des jüdischen Gesetzes, welches uns Prinzip alles Tuns und Lassens ist, wenn diese Verhöhnung erfolgt seitens der Partei, der sie einverleibt sind, während sie uns, die Aguda, mit einem wichen Starrsinn bekämpfen. Es gäbe dafür zunächst eine psychologische Erklärung, welche in der Richtung des Versuches der eigenen Rechtfertigung liegt und welche unter dieser Voraussetzung das ganze Arerhalten zu jener logischen Notwendigkeit macht, mit der einst König Achab an den Propheten Elia die Frage richtete: Bist du es, der Israel betrübt? Achab aber konnte zu dieser perfiden Frage nur durch den verhängnisvollen Irrtum kommen, daß er für seine und Isebels Anschauung gleichberechtigte Stellung beanspruchen zu dürfen glaubte, und daß Elia füglich nichts anderes war als eine Partei. Nun ist freilich eine derartige Entartung seit Achaws Zeit kaum in der jüdischen Geschichte* zu verzeichnen und wenn in späteren Zeiten grundlegende Differenzen auftraten, sprengten-sie den Rahmen■rd-er- Partei und den Rahmen der Zugehörigkeit zum Judentum. Um aber Mißverständnissen zu begegnen, erklären wir hiermit feierlichst, daß uns nichts ferner liegt, als etwa der Versuch eines Vergleiches der Misrachisten lehavdil mit Achab. Wir wollten aber an diesem extremen Beispiel klarlegen, wohin es führen muß, wenn man die konsequente Betätigung des Gedankens, daß im Judentum alles ausschließlich an der Religion, an dem Diu orientiert werden muß, als Partei betrachtet. Vielleicht ist das nur ein Schritt vom Wege, aber es ist eben ein Schritt vom Wege. Wir haben ja dieselbe Erscheinung auf anderen Gebieten; weil, sei es aus Schwäche der Ueberzeugung, sei es aus Furcht vor Antisemitismus, die Apikorsim heute zufällig ihre aggressive Stellung gegen die Orthodoxie etwas gemildert haben, kann man sich nicht genug tun in Verhöhnung und Beschimpfung derer, die in den Zeiten des bitteren Kampfes nach Klarheit gerungen und dieser Klarheit gesetzmäßig Ausdruck zu geben versucht haben. Man hat das hübsche Wort Trennung-Orthodoxie geprägt. Wir sind überzeugt, daß die Höhner und Spötter, ganz abgesehen vom religiösen Standpunkt auch rein menschlich sich dessen nicht bewußt sind, welch ein widriger Abklatsch aus dem parlamentarischen und journalistischen Parteileben es ist, M^enn man den Kessav Sofer s. A. oder Rabbi Hirsch s. A. als solchen Menschen darstellt, die rein parteimäßig gedacht hatten. Schließlich ist ja Aguda auch nichts anderes als in neuer Form der alte Versuch, das Judentum, wie es 3000 Jahre lang gelehrt und gelebt wurde, unverfälscht unseren Nachkommen zu überantworten. Eine solche Bestrebung als^f^rtei zu kennzeichnen und sie in eine Linie zu stellen, mit den Bestrebungen, welche in der Religion die Geschichte und Kultur Judas leugnen, ist ein verhängnisvoller Irrtum, den jeder beklagen möge, der da weiß, daß solcher Irrtum nach der Verkündigung des Allmächtigen Unheil hervorrufen würde für die jüdische Gesamtheit. So werdet denken und fühlen die, denen das Wort unserer Weisen Richtschnur des Lebens ist. Und die Geschichte wird entscheiden, wer Israel betrübt hat. An die Glieder der Aguda gehe diese Mahnung, sich loszulösen von dem Wahn, als wäre die Aguda nur eine Partei und sich zu hegreifen als' d\e Stelle, die verantwortlich ist, in unserer Zeit für des Glaubens Reinheit und des Glaubens Sieg. P. K. Für die Opfer der Hungerkatastrophe in Rußland. Die Nachrichten aus den Hungergebieten Rußlands lauten immer betrübender. Direkte Berichte, Telegramme von Nansen und Mitteilungen in der Tagespresse wissen von Erscheinungen zu melden, die für Millionen Menschen und besonders für die in den Städten seßhaften oder dorthin ge- -flüchtefcen,--jüd:ischen Mssmai* d-as Schlimmste be~ fürchten lassen. Lebensmittel haben selbst im Schleichhandel vollständig aufgehört und die von den ausländischen Hilfsaktionen überwiesenen Bedarfsartikel reichen für das Allernotwendigste nicht aus. Im Auslande regt sich das Mitgefühl mit den Aermsten in allen Kreisen. Man scheint sich aber immer noch nicht ein richtiges Bild von der unermeßlichen Größe der Katastrophe zu machen. Sonst würde es kaum einen Mann oder eine Frau geben, die sich mit ruhigem Gewissen an den gedeckten Tisch setzen könnte, ohne zuvor zur Linderung der Not beigetragen zu haben. Im Zentralbureau der A g u d a s J i s r o e 1 fanden dieser Tage abermals Besprechungen statt, um Maßnahmen für . die Ausdehnung der Propaganda für die Hilfsaktionen zu treffen. Die Sammlung von Geldern wird in allen Ländern emsig betrieben. Neuerdings hat die Leitung der polnischen Landesorganisation einen Appell an die jüdische Bevölkerung Polens gerichtet, in welchem die Not der russischen Juden geschildert und zu reichlichen Spenden aufgefordert wird. Es wäre zu wünschen, daß die Juden in den Ländern Eeitende Ideen in <kr jüdischen Geschichte. Von Rabbiner Dr. Hermann Klein (Berlin). H erde r, in seinen ,,Ideen zur Philosophie der <iesehichte der Menschheit", charakterisiert das Volk der Ebräer folgendermaßen: „Es ist ein Volk, das in der Erziehung verdarb, Aveil es nie zur Reife einer politischen Kultur auf eigenem Boden, mithin auch nicht zum wahren Gefühl der Ehre und Freiheit gelangte. In den Wissenschaften, die ihre vortrefflichsten Köpfe trieben, hat sich jederzeit mehr eine gesetzliche Anhänglichkeit und Ordnung, als eine fruchtbare Freiheit des Geistes gezeigt und der Tugenden eines Patrioten hat sie ihr Zustand fast von jeher beraubt. Das Volk G-ttes, dem einst der Himmel selbst sein Vaterland schenkte, ist Jahrtausende her, ja fast seit seiner Entstehung eine parasitische Pflanze auf den Stämmen anderer Nationen: ein Geschlecht schlauer Unterhändler beinahe auf der ganzen Erde, das trotz aller Unterdrückung nirgend sich nach eigener Ehre und Wohnung, nirgend nach einem Vaterlande sehnet." Kein sehr schmeichelhaftes Urteil, und doch muß man sich sagen, daß es das Urteil eines Mannes ist, der auch dem jüdischen Volke gegenüber objektiv ist und an vielen Stellen seiner Schriften für die geistigen Schöpfungen des Judentums Worte aufrichtiger Bewunderung und Verehrung findet. Woher also dieses geradezu vernichtende Verdikt? Kant, in seiner Rezension der Herderschen „Ideen", faßt sein Urteil über Herder in den Worten zusammen: „Daher möchte wohl, was ihm Philosophie der Geschichte der Menschheit heißt, etwas ganz anderes sein, als was man gewöhnlich unter diesem Namen versteht: nicht etwa eine logische Pünklichkeit in Bestimmung der Begriffe oder sorgfältige Unterscheidung und Bewährung der Grundsätze, sondern ein sich nicht lange verweilender, viel umfassender Blick, eine in Auffindung von Analogien fertige Sagazität, im Gebrauche derselben aber kühne Einbildungskraft, verbunden mit der Geschicklichkeit, für seinen immer in dunkler Ferne gehaltenen Gegenstand durch Gefühle und Empfindungen einzunehmen, die als Wirkungen von einem großen Gehalte der Gedanken oder als vielbedeutende Winke mehr von sich vermuten lassen, als kalte Beurteilung wohl, geradezu in denselben antreffen würde." Einer , oberflächlichen Betrachtung nun wird allerdings die äußere Geschichte dos jüdischen Volkes als die Geschichte eines Volkes erscheinen müssen, das entweder nicht fähig war, seine äußere Selbständigkeit, die „Reife politischer Kultur auf eigenem Bode_n" zu erreichen und zu behaupten, oder aber als ein solches, dem an der äußeren Selbständigkeit nicht gelegen ist und gar keine Sehnsucht nach einem Vaterlande empfindet. Daß das Letztere nicht der Fall ist, brauchen wir wahrlich nicht zu betonen. Jahrhunderte sind seit dem Untergärige des jüdischen Staates vergangen, und doch brennt die Wunde, die der Schmerz um den Verlust unserer staatlichen Selbständigkeit uns geschlagen, noch wie am ersten Tage. Keip Volk der Erde hat solche Töne tiefsten innersten Schmerzes für seinen Niederbruch gefunden als gerade das jüdische, Töne, in denen die jüdische Volksseele schluchzt und vor Sehnsucht sich verzehrt. Doch vielleicht geben uns gerade diese Töne des Schmerzes Aufschluß. Denn die Trauer gilt nicht in erster Reihe dem staatlichen Zusammenbruch. „Am 10. Teweth' ging das Land verloren, um sein verlorenes Land trauert der Jude nicht, am 17. Tamus ging die Stadt verloren, um seine verlorene Stadt trauert der Jude nicht, am 9. Aw wurde das G-ttesheiligtum ein Raub der Flammen, um dieses trauert das Judentum." Es scheint, als ob das ganze jüdische Staatsleben sich gar nicht in das Schema aller übrigen staatlichen Erscheinungen eintragen ließe, daß das Wesen des jüdischen Staates von allem anderen spezifisch verschieden gewesen wäre, daß demnach auch der Sinn seiner Geschichte ganz so anders zu suchen sein dürfte, als wo ihn der nichtjüdische Denker gesucht zu haben scheint. Der Sinn der jüdischen Geschichte erschließt sich nur dem, der sich ihr als Jude naht, der sich als Jude den Denkmälern -der Vergangenheit naht, der sich als Jude liebevoll in die geistigen Schätze versenkt, die Kunde bringen von dem Leben der Vorfahren. Die jüdische Geschichte ist zum weitaus größeren Teil Literaturgeschichte, denn unser Leben hat durch die Thora eine Durchgeistigung erfahren, daß unsere Geschichte mehr eine Geschichte des jitdisöhen Geistes ist, denn eine Geschichte physischer Ge- Engros und Erzeugung i I., jUjteruwkt 24 (pelce Fl^cb^rkt) :-: Tel«3p 67-302 Detailveckaufs "Niederlage: lM Graben £8 Filfcle: I£fa***plb**ci9 Ai*e Wim* mi'i iiumi 'iihu i ""um

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