Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 17 (12.5.1922)
- Date
- 1922-05-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 112 JÜDISCHE PRESSE Nr. 17 die Witos-Partei von jüdischem Kapital finanziert wird und führt, eine Reihe bekannter jüdischer Bankiers an, die angeblich ihr Kapital in den Dienst der antisemitischen Witos-Partei gestellt haben. (Das könnte nicht der Fall sein, wenn diu Juden wie in Rumänien mit den anderen Parteien zusammengehen würden.) Eine Aguda-Deputation beim Ministerpräsidenten. Am 2G. April erschien beim Ministerpräsidenten Ponikowski eine Deputation des Zentralrates der polnischen Aguda, bestehend aus den Herren Rabbi Perlmutter, Mendelsohn. Rathinann und Kirschbraun. Es wurden unter anderen wichtigen Tagesfragen die Sonntagsfrage, wie auch die Frage der Abschaffung der aus der zaristischen Zeit übergebliebenen Judengesetze behandelt. Die Audienz dauerte eine Stunde. Schaloni Asch gegen die Radaupolitik. (J. C. B.) Schalom Asch hält sich seit einigen Tagen in Danzig auf, um die jüdische Durchwanderung zu studieren. Der Dichter stellt sich zur Möglichkeit eines friedlichen Zusammenlebens zwischen Polen und Juden in der polnischen Republik durchaus optimistisch und drückt sich einem J. C. B.¬ Vertreter dahin aus, daß jüdischerseits zur Hetze gegen Polen nicht beigetragen werden dürfe. Jimerika. Der arme Ford. Zu den vielen Torheiten, mit welchen jüdische Schmocks den Antisemitismus zu bekämpfen glauben müssen, gehört die unbetamte Art und Weise der persönlichen Angriffe gegen jeden auftauchenden Kritiker des Judentums. Irgendeine Quelle betrachtete es als klug und zweckdienlich, über die Vermögensverhältnisse Fords ungünstige Nachrichten zu verbreiten. Aus „New York Times?' erfahren wir aber, daß Fords Unternehmen eine Steuer von 96 Millionen Dollar zahlen, daß Ford nach Rockfeiler der reichste Mann der Welt sei. In diesem Monate (Mai) wird die Ford Company einen Rekord mit der Erzeugung von 120.000 Autos aufweisen, wozu die Company neue 5000 bis 10.000 Arbeiter anstellen muß. Die Zeitungen berechnen — echt amerikanisch—, daß Ford jede (P/2 Sekunden ein Auto fabriziert. Dabei ist Ford ungemein populär durch sein vielgerühmtes menschenfreundliches Verhältnis zu den Arbeitern. Was bedeutet die Torheit der Verbreitung falscher Nachrichten über seinen Vermögensstand? Warum sucht man ihn — der doch keinesfalls professioneller Antisemitenfresser ist, nicht zu überzeugen, zumal man doch in Amerika weiß, daß er zu den intimsten Freunden des Präsidenten Harding zählt? Da9 „Jüdische Waisenasyl" hielt im Hippodrom, ein zehntausend Personen fassendes Theater in New York, die Feier seines hundertjährigen Bestandes ab. Der Präses, Richter Neuburger, Felix Warburg und Coler sprachen. 14.000 Kinder wurden da seit Beginn erzogen. Flora Blieden ist im Alter von 75 Jahren in New York gestorben. Sie war eine Tochter des Schriftstellers Josef Israels, der unter dem Namen Benjamin Tudela schrieb und von mehreren Potentaten ausgezeichnet war. Sie kam vor zwei Monaten aus Palästina nach New York, um für ihr Waisenhaus in Palästina zu werben. Rabbi Leopold Zinsler starb im 6G. Jahre seines Lebens im Krankenhause in der Maclison Avenue. Er stammte aus Böhmen und ist vor 89 Jahren nach Amerika ausgewandert, wo er Rabbi der damals existierenden böhmischen Gemeinde wurde. Seit 26 Jahren war er Rabbiner der Ansehe Emes Congregation. Susanne Brandeis, die Tochter des obersten Bundesrichters Brandeis, hat mit zwei Partnern eine Advokaturkanzlei in New York eröffnet unter der Firma Kirsch, Rosemann und Brandeis. Eine Kaschrut-Bill in Amerika. Albany. Gouverneur Miller unterzeichnete voikurzem ein neues Gesetz — „Kosher Bill" —, demzusolge jüdische Fleischhauer, die ihre Kunden durch die Abgabe von Treifefleisch betrügen, schweren Freiheitsstrafen unterliegen. In solchen jüdischen Fleischbänken dürfe Fleisch überhaupt nicht gehandelt werden. Ein ähnliches, weniger strenges Gesetz ist in diesem Staate bereits seit dem Jahre 1915 in Kraft. (Albany ist die Hauptstadt des Staates New York.) Ausbreitung der Aguda-Bewegung. Wie die Frankfurter „Blätter" melden, fand eine Woche vor Pessach im BroadAvay-Hotel ein Meeting statt, an welchem fast alle Ohassidirn-Rabbinen New Yorks teilnahmen, unter anderen der Dembitzer, Wisnitzer, Kolomeaer, Tolner, Sassover Rebbe u. a. m., welche von der Agudas Jisroel-Exekutive einberufen, eingehend die Frage erörterten, wie Aguda in Amerika zu propagieren sei. Es darf als ein großer Erfolg der Exekutive registriert werden, daß nunmehr ein Aufruf an die New Yorker Judenheit, unterzeichnet von 15 der hervorragensten Rabbinen gerichtet wurde, sich der Aguda anzuschließen. Für den 17. April wurde dann eine Versammlung einberufen, zu welcher alle Synagogen ersucht werden. Delegiert.».' zu entsenden. Rumänien. Gyulafehervär will orthodox werden. ..Jesurun" meldet: Die status-quo Gemeinde in Gyulafehervär will sich in eine orthodoxe Gemeinde umwandeln. Der bisherige Oberrabbiner will sich pensionieren lassen, um der Gemeinde freie Hand zu lassen. (Die Gemeinde, die vom greisen, hochachtbaren Oberrabbiner Fischer wohl im streng konservativem Sinne geleitet wurde, zeichnete sich sonst durch Indolenz seiner Mitglieder aus; es ist daher doppelt erfreulich, wenn ein neuer Geist der Traditionstreue auch dort erweckt worden ist.) Kindertransporte aus Rußland nach Rumänien. (J. C. B.) Die rumänische Regierung hat ihre Erlaubnis zum Aufenthalte von 4000 Kindern aus den russischen Hungergebieten in Rumänien erteilt. Auf Grund dieser Erlaubnis hat der in der Ukraine tätige Vertreter der Hilfsaktion Dr. Nansens, Dr. Bacillieri, mit den Vertretern des „Joint" und der jüdischen Welthilfszentrale sowie mit denen der Alliance ein Uebereinkommen getroffen, demzufolge diese jüdischen Organisationen die Fürsorge für den Transport und Aufenthalt der jüdischen Kinder übernehmen. Namentlich der „Joint" verpflichtete sicli zur Deckung der Reisespesen der Kinder, ferner der Verpflegskosten während der 40tägigen Quarantäne sowie der Kosten für ärztliche Behandlung und Sanitätsinittel. Danzig. Danzig als Flüchtlingszentruiu. (J. C. B.) Da die polnische Regierung ihre Erlaubnis zum Aufenthalte der ukrainischen Flüchtlinge in Rowno und Umgebung verweigerte, begab sich eine aus Vertretern der „Hias" und des ukrainischen Zentralhilfskomitees bestehende Abordnung nach Danzig, um mit der Regierung des Freistaates diesbezügliche Verhandlungen zu pflegen. Diese Verhandlungen haben nun mit einem vollen Erfolg geendet. Die Regierung des Freistaates Danzig erteilte die Erlaubnis, daß die ukrainischen Flüchtlinge nach Danzig kommen, um dort bis zur Erlangung der Ausvvaiiderungsmöglichkeit zu verbleiben. Die Flüchtlinge werden in einem Konzentrationslager in der Nähe von Danzig untergebracht werden. Italien. Die „Begegnung" Weizmann-Samuel. Das „J. C. B." meldet aus Venedig vom 80. April: Der High-Commissioner Sir Herbert Samuel ist in Begleitung von Lady Samuel hier eingetroffen. Er erklärte, daß in Palästina gegenwärtig überall Ruhe und Ordnung herrsche. Auf der Weiterreise nach London wird der High-Commisisoner auch von Dr. Weizmann begleitet werden, um bei dieser Gelegenheit eine Reihe wichtiger, auf Palästina Bezug habende politischer Fragen zu besprechen. (Tatsächlich scheint aber Sir Samuel auf das angetragene Geleite Weizmanns nicht reflektiert zu haben. Die öfteren Anbiederungen Weizmanns an Samuel berühren diesen aufs Peinlichste, und der High-Commissioner Avar schon genötigt, Weizmann zu desavouieren, Avie dies von der „Times" klar herausgesagt wurde.) Noch Einer. Der italienische Zionistenführer Feiice Ravenna, der seit Beginn der zionistischen Bewegung an der Seite Herzls gewirkt hat, ist wegen Bedenken gegen den Keren hajessod zurückget reten. England. Sir Samuel in England. „Daily Telegraph" meldet: Der High-Commissioner langte am 1. Mai, um ^45 Uhr nachmittags, in Viktoria Station in London an, in Begleitung seiner Frau und seines Sohnes Godfrey. Er lehnte jedes Interview ab, aber es wird mitgeteilt, daß er hauptsächlich aus Gesundheitsrücksichten nach London gekommen sei: er werde allerdings seine Anwesenheit benützen, um mit der Regierung, dem Kolonialamt und der Zionistischen Organisation zu verhandeln. Ankauf einer Statue Glicensteins durch die polnische Regierung. (J. C. B.) Der hiesige polnische Gesandte Dr. Wroblewski besuchte offiziell die Ausstellung des jüdischen Bildhauers Glicenstein und kaufte für die polnische Regierung die Bronzestatuo „Gebet". Drahtloser Verkehr mit Palästina. (J. C. B.) Einer offiziellen Kundmachung zufolge ist der drahtlose Verkehr mit Palästina dieser 'Jage aufgenommen worden. Sämtliche Postämter nehmen Radiodepeschen nach Aegypten, Palästina und Syrien an. Es wird Vorsorge getroffen werden, daß auch diese Länder den drahtlosen Dienst nach auswärts einführen. Für Rußland. In England hat sich ein jüdisches Hilfskomitee gebildet, in dessen Namen Lionel de Rothschild, Claude Montefiorc und Lord Swaytliling einen Appell an die englische Judenheit richten, zugunsten der Opfer der russischen Hungerkatastrophe Geldsammlungen zu veranstalten. Das Komitee arbeitet in engster Fühlung mit Joint, der Ica und der Alliance. Eine neue Aguda-Zeitschrift. Die englische Aguda-Jugendorganisation gibt seit dem 1. April unter dem Titel „Die jüdische Stimme" eine doppelsprachige (englisch-jüdisch) Monatsschrift heraus. Palästina. Die Krisis im Misrachi. Der „Doar Hayom" schreibt zur Abdankung Rabbi Fischmanns einen längeren kritischen Artikel, in welchem er" dem Misrachi in Palästina jedwede Existenzberechtigung abspricht. „Blättert nur — schreibt der „Doar Hayom" — im offiziellen Organ des Misrachi und ihr werdet sehen, daß bloß Beschlüsse auf Beschlüsse und Resolutionen auf Resolutionen, euere ganze Tätigkeit in Erez Jisroel bildet. Mehr als einmal wurde beschlossen, große Arbeit zu leisten, aber nichts ist geschehen. Wahrlich der Misrachi versteht es, sich mit fremden Federn zu schmücken und auf seine Rechnung Leistungen zu buchen, die er nicht geleistet hat, zum Beispiel die Talmud- Thora in Tiberias usw. Dies kann aber nur als Propagandamaterial in Chuz-loorez gelten und nicht hier in Erez Jisroel. Die Abdankung Rabbi Fischmann kam eben zur rechten Zeit und wenn es dem Misrachi ernst ist, so würde die ganze Misrachi-Leitung in Erez Jisroel verschwinden." Nachdem der Verfasser die Haltlosigkeit der Annahme, als ob der Misrachi als Vertreter der ge-? samten Orthodoxie zu gelten habe, und die Zwecklosigkeit seiner Tätigkeit in Palästina nachweist, schließt er den Artikel mit den Worten: Es ist unmöglich zu denken, daß der Misrachi als Vertreter der orthodoxen Judenheit gelten soll, wo doch die Zahl seiner Mitglieder so beschränkt ist. Die Zahl der Orthodoxen, der Extremen und der Gemäßigten ist weit größer, als die Masse, auf die sich der Misrachi berufen kann. Auch die Forderungen stimmen nicht überein. Mit welchem Recht spricht also der Misrachi im Namen der orthodoxen Judenheit? Dieses Recht würde weit eher dem Oberrabbinat zustehen, falls er sich seiner Rechte wirklich bedienen wollte und anstatt sich beeinflussen zu lassen, selber seinen Einfluß auf andere ausüben würde. Der Zweck heiligt die Mittel. Aus Jerusalem kommt die befreundliche Mitteilung, daß mehrere Körperschaften, deren Namen auf dem Proteste gegen die Deputation des Waad aschkenasy bei Northcliffe unten beigefügt waren, diese Unterschrift als Fälschung erklären, und daß auch ein schwerer Mißbrauch von Stampiglien vorliege. (So traurig diese Praktiken sind, so wenig überraschend klingen sie; wir kennen zwei ähnliche Fälle, die sieh in unseren Ländern zugetragen haben. D. R.) Aenderungen in der arabischen Delegation in London. (J. C. B.) Die arabische Presse verlangt die Abberufung aller Mitglieder der in London weilenden arabischen Delegation, die die englische Sprache nicht vollkommen beherrschen. Nur der Präsident der Delegation, Mussa Kiazim Pascha und der Sekretär Shibly «Jamal sollen auf ihren Posten weiter verbleiben. Es wird ferner die Einberufung des palästinensisch-arabischen Kongresses verlangt, der diese Frage entscheiden soll. (Die Araber haben dm Kraft, unpassende Füh rer a bzu be rufen.) Für das orthodoxe Schulwerk. Der paläst inen sische „Kol Jisroel" veröffentlicht in seiner jüngsten Ausgabe einen warmen Aufruf an die allweltliche Orthodoxie für dio Erhaltung des En gros En detail Wasserdichte BUMIHI-INDUSTHIE Wien, II., TaborstraBe 39 Hotel Bayrischer Hof. Teleph. 40324