Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 17 (12.5.1922)
- Date
- 1922-05-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 JÜDISCHE PRfiSSB Seite Ul ein Recht dazu? Aguda führt Waisenhäuser, ein verzweigtes Wohlfahvtswesen. zahlreiche Lehranstalten. Des Wiener Misraehi einzige Leistung besteht aus einein allwöchentlichen gemeinsamen Nachtmahl bei Wienea. bei welchem ein Neworech-leelokenu zu den unerreichbaren Idealen zählt. Lud soll in der Schiffschul für den Keren hajessod gespendet weiden, auf dessen Kosten fleißige Oiientexpreß-Reisende im Speisewagen dinieren, der nicht — unter Schiffschul-Aufsicht: steht, den Keren hajessod. von welchem Personen und Blätter ausgehalten werden, welche die Orthodoxie mit unerlaubten Mitteln der Lüge und Verleumdung zu untergraben «liehen, finden Keren hajessod. gegen dessen Tätigkeit sich ganze zionistische Landesorganisationen auflehnen, gegen dessen wenig gewissenhafte Verwendung die bedeutendsten Führer der eigenen zionistischen Partei auftreten? Unwahr ist die Behauptung, daß Aguda eine politische Organisation sei. Die Aguda macht nur in Ländern, wo der unselige Wahn einer jüdisch-nationalen Autonomie tobt. Abwehrpolitik. Selbst diese wird womöglich auf eine zu diesem Tiehufe gegründete Partei überladen. Die Orthodoxie ist erst durch den — mich Herzls Ausdruck — ,.potzdummen," Diaspora-Nationalismus zur Abwehr genötigt worden. Die Aguda hat: Thora. Awoda und Gemilat chassodim auf ihre Fahne geschrieben. Und Misrachi? Im anderen Teile des Blattes befindet sich das vernichtende Urteil des eigenen zionistischen Organes über den Unwert des Misrachi, der fähigste Führer dankt ab. weil Misrachi in ehuz loorez nur Politik treibt und nichts für Erez Jisroel tut. Woher haben die Wiener Repräsentanten dieser in so pitoyablem Zustande befindlichen Bewegung den Mut genommen, zu einem Vergleiche herauszufordern? DeutsclwtwcicD. Jahresbericht der Adas Jisroel. Die Adas .Jisroel versendet den Rechenschaftsbericht über ihre Tätigkeit während der letzten drei Jahre. Der Bericht gibt das Bild einer sehr umfangreichen Arbeitsleistung einer großen Kehila. Alles, was das jüdische Leben benötigt, hat hier Raum gefunden. Für die Entscheidung ritueller Fragen, für Thoraunterrielit, für alle Fragen des Kaschruth, für Wohltätigkeit ist eine intensive Arbeit geleistet worden. Bemerkenswert sind die Ziffern, von denen einzelne herausgegriffen werden sollen. Die Anzahl der Mitglieder, die im Jahre 1018 452 betrug, ist im Jahre 1ÜUJ auf ülb\ im Jahre 1920 auf 743 und zu Beginn 1021 auf 70b* gestiegen. Die Mitgliedsbeiträge sind von K 7501 im Jahre 1018 auf K 11.020, im Jahre 1020 auf K 47.128, im Jahre 1021 auf K. 98.000 angewachsen. Die Einnahmen für Sitzmieten waren in den Jahren 1010, 1020 und 1021 K 28.300, 50.884, 1,238.600. Die Anzahl der Trauungen stieg in den Jahren von 13 im Jahre 1018 auf 08, 03 und beziehungsweise 108, davon unentgeltlich 3, 10, beziehungsweise 15. Brautausstattungsstiftungen wurden 3, 8, beziehungsweise 10 im Betrage von K 3500, 9000, beziehungsweise 33.000 gewährt. Die Fürsorge für die Angestellten drückt sich in den Ziffern aus, die für Gehälter ausgegeben wurden. Von K 56.805 im Jahre 1918 stieg die Gehaltsziffer in folgenden Jahren auf K 109.000, 278.000 und 1,634.000 jährlich. Im April 1922 wurde der Betrag für Gehalt und Remunerationen K 2,221.000 ausbezahlt. Erfreulich ist der Bericht über die Tätigkeit in den Unterrichtsanstalten. In sieben Abteilungen wurden mehr als 200 Knaben und 150 Mädchen von 5 Lehrern unterrichtet; 30 Knaben wurden soweit vorgebildet, daß sie sofort eine Jeschiwa mit Erfolg aufsuchen konnten. Die Kosten der Unterrichtsanstalt beliet'en sich im letzten Jahre auf K 2,235.000. Ansehnlich sind die Beträge, die den verschiedenen Wohltätigkeitsanstalten überwiesen wurden. Sie beliefen sich im Jahre 1918 auf K 123.000, im Jahre 1910 auf K 215.000, im Jahre 1020 auf K 1,100.000 und im Jahre 1021 auf K 3,900,000. Bei Erwähnung der Wohltätigkeitsaktionen der Adas Jisroel soll auch hervorgehoben werden, daß im laufenden Jahre dieselbe den Betrag von ungefähr K 7,000.000 darauf verwendet hat, um Mazzot unentgeltlich und zu bedeutend ermäßigtem Preise an Einzelhaushaltungen und Wohltätigkeitsanstalten abzugeben. Diese Leistung ist um so bemerkenswerter und gibt für die Mitglieder das ehrendste Zeugnis ab, da der Adas Jisroel von den reichen Mitteln, die der gesamten Wiener Judenschaft aus Sammlungen in Amerika und England zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellt waren, nicht ein einziger Heller überwiesen wurde. Der Bericht widmet einer großen Anzahl verstorbener Mitglieder, besonders dem heimgegangenen Ehrenmitgliede und Obmanne Philipp Back und dem Vorstandsinitgliede und Obmanne der Jesod Ilathorah Herrn Wilhelm Kritzler warme Worte des Nachrufes. Unter Hinweis auf die sehr erfreuliche Tätigkeit und rühmenswerte Arbeit der Jugendgruppe schließt der Bericht mit einem hoffnungsvollen Ausblick in die Zukunft. — Die Generalversammlung der Adas Jisroel findet Sonntag, den 14. Mai, um halb 3 Uhr nachmittags, im großen Saale des Beth Hamid rasch statt. Kindervorstellung zugunsten der Talmudthora. Dieser Tage fand im Turnsaale der Talmudthora eine sehr gelungene Kindervorstellung' zugunsten der Schule statt. Nebst musikalischen und deklamatorischen Darbietungen fand die Aufführung dos von Fräulein Alice Freistadt in flotten Versen verfaßten Schauspieles ,.Josef und seine Brüder" statt. Das gut einstudierte und reizend gespielte Stück fand viel Beifall. Konzert-Akademie. Die am 27. April im großen Festsaale der Neuen Hofburg zugunsten der Volksschule veranstaltete Konzert - Akademie nahm einen glänzenden Verlauf. Die mitwirkenden Künstler: Konzertpianistin Nelly Friedländer. Professor J. Sulzer, Konzertmeister J. Zimbler, Opernsänger J. Tauber, brachten die einzelnen Piecen mit klassischer Meisterschaft zum Vortrage. Auch der Kinderchor unter der bewährten Leitung der Frau Professor Knapek fand allseitige Anerkennung. In der Klavierbegleitung teilten sich Herr Walter Hahn und Herr Kurt Lüftschitz. Die Vereinigung jüdischer Akademiker veranstaltet allwöchentlich am Dienstag um halb 8 Uhr abends und Samstag um halb 3 Uhr nachmittags Kurse über Talmud, Bibel und Jeschajahu. Vortragender Rabbiner Wundermann. Anmeldungen für die Kurse, die unentgeltlich sind, nimmt stud. techn. Feiger im Mensalokale. IL, Im Werd 13, entgegen. Niederösterreichische Escompte-Gesellschaft. Die neunundsechzigste ordentliche Generalversammlung der Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft findet am 81. Mai 1922 statt. — Deponierungstermin: 6. bis 28. Mai 1922. — Deponierungsstellen : Niederösterreichische Escompte-Gesellschaft Wien oder Böhmische Esccmpte-Bank und Credit-Anstalt Prag und deren Filialen. Ungarn. Apponyi und die Orthodoxie. Die ungarischen Tagesblätter berichten ausführlich über einen Besuch des größten ungarischen Staatsmannes, Graf Apponyi, bei Gustav G. Ehrlich. In bezug auf die jüdische Tradition bemerkte Apponyi unter anderem: „Als ich Kultusminister war, berührte mich immer schmerzlich der zeitweilige Bericht der Schulinspektoren, daß die jüdischen Schüler nicht hebräisch beten können. Dies ist ein sehr trauriges Zeichen, weil es den Untergang der Religiosität bedeutet. Jeder lebe nach seiner Religion und finde in ihr sein seelisches Gleichgewicht. Die Religionslosigkeit ist überall ein Zeichen der Destruktion und darum — ich gestehe es offen — hatte ich im Judentum die Orthodoxie weit höher geachtet, als die mit der alten Tradition nicht so genau nehmende Neologie." Ein jüdischer General. Dieser Tage wurde Generalmajor Julius Bauer zum Feldmarschalleutnant ernannt. Bauer, der sich während des Krieges öfters ausgezeichnet hat, ist heute der einzige jüdische General in Ungarn. Interessant ist, daß der verdienstvolle Heerführer in seiner Kindheit als Chorknabe im Omer jüdischen Tempel mitwirkte und sein Judentum stets stolz betonte. Als die Ghewra Kadische in Ofen, ihn vor Jahren zu ihrem Ehrenmitglied wählte, erschien er bei der Feierlichkeit in Galauniform, geschmückt mit allen Auszeichnungen, und erklärte, daß er noch nie so stolz war auf ejne Auszeichnung als auf diese und es freue ihn, Ehrenmitglied zu sein, dort, wo er einst ein armer Chorknabe war. Deutschland. Einigrationskoiü'erenz. Dieser Tage fand in Berlin eine Konferenz des „Vereinigten jüdischen Emigrationskomitees" statt, welche drei Tage dauerte. Es wurde beschlossen, eine Delegation nach Rußland zu entsenden, um mit der Sowjetregierung in Verhandlungen zu treten, wegen einer freien Einigration von russischen Juden. Ferner wurde beschlossen, eine Emigrationsbank mit einem Kapital von 50.000 Pfund Sterling zu gründen. 20.000 Pfund sind bereits gesichert. Der Verband der russischen Juden in Deutschland. (J. C. ß.) Laut den vorliegenden Präliminarien soll das Budget des Verbandes der russischen Juden in Deutschland 1,750.000 Mark betragen. Der Verband habe mit der Berliner jüdischen Gemeinde eine Vereinbarung getroffen, wonach die Kinder der jüdischen Flüchtlinge während der Sonnnerferien in den Kinderkolonien der Berliner jüdischen Gemeinde untergebracht werden sollen. Eine neue Synagoge in Berlin. In der Markgraf- Alhrechtstraße in Berlin wird dieser Tage mit dem Bau einer neuen Synagoge, die 1500 Plätze erhält, begonnen werden. Die Einweihung dürfte noch Ende dieses Jahres stattfinden. Ausgrabung eines alten jüdischen Friedhofes. Bei den Erdarbeiten zur Vergrößerung des Güterbahnhofes Bonntor in Köln stieß man auf Särge, Leichen und Grabsteine des altjüdisehen Friedhofes, auf dem die Bnale Tossefos. die Familie des Rasch und andere Gedolim ihren Ruheplatz gefunden hatten. Trotz großer Bemühungen gelang es nicht, die Eisenbahnverwaltung zur Aussetzung der Ausgrabuiiß'sarbeiten zu bewegen. Daher bemühen sich die Verwaltungen der Kölner Synagogengemeinden unter Aufbringung großer Geldmittel, die Gebeine auf dem neuen Friedhofe zur erneuten Ruhe zu bringen. Jugoslawien. Der Konfessionsfrieden in Jugoslawien. (J.C.B.) Das ..Jüdische Volksblatt'" verzeichnet folgende interessante Episode aus dein friedlichen Zusammenleben der christlichen und jüdischen Bevölkerung in Jugoslawien: Der Bürgermeister von Pancsvo erschien am ersten jüdischen Pessachabend in der Synagoge, hörte den Gottesdienst an und wünschte zum Schluß den Führern der Kultusgemeinde angenehme Feiertage mit der Bitte, diese Wünsche den Gemeindemitgliedern zu übermitteln. Dieses Vorgehen machte Schule, indem am Gottesdienst des nächsten Abends auch die römisch-katholische Geistlichkeit und mehrere Christen vertreten waren. Polen. Die polnische Orthodoxie an die Konferenz in Genua. Das Zentralkomitee der polnischen Aguda ließ durch den Seym folgendes Telegramm an die Konferenz in Genua richten: Auf der Konferenz der orthodoxen Organisation (Aguda Jisroel) in Polen, an welcher 1220 Vertreter aus 570 Ortschaften im Vereinigten Polen teilnahmen, wurde folgende Resolution angenommen: Die Konferenz protestiert gegen die inquisitorische Handlungsweise, die die Sowjetregierung gegen die jüdische Religion, gegen die jüdischreligiösen Institutionen und gegen die Rabbiner in Anwendung bringt. Die Konferenz wendet sich an die zivilisierte Welt, mit der Bitte, ihren Einfluß 'dahin geltend zu machen, daß der Geist der Versklavung eingestellt werde. Rabbi Perlmutter, Seym-Deputierter. Mendelsohn. Die Wahlbewegung in Polen. (J. O. B.) Die innerpolitiehe Atmosphäre in Polen wird ganz der im Hinblick auf die bevorstehenden Sejmwahlen einsetzenden Wahlbewegung beherrscht. Die polnischen Parteien suchen sich gegenseitig auf Kosten der Juden Mandate abzuringen. Um die Gegenpartei in der Oeffentlichkeit bloßzustellen, werden ihr mit Vorliebe Geschäfte mit Juden vorgeworfen. Das bemerkenswerteste ist, daß sogar der gewesene Premierminister, Witoa das Geschäftemachen mit den Juden als ein großes Verbrechen betrachtet, und sich dieser Vorwürfe bedient, um die unter Stapinskis Führung stehende radikale Bauernpartei zu diskreditieren. Letzterer behauptet wiederum, daß f f Grand Sanatorium Wasserheilanstalt Bratislava (PreDburg) Erstklassige Uniyersal-Heilanstalt für Spezialbehandlung der inneren-. Nerven-, Zucker-, Gallenstein-, Nieren-, Magen-. Darm-, Herz- und Blutgeföfikrankheitea. Mast- und Entfettungskuren. Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Urologie, Dermatologie, Ortopädie, Augen-, Ohren-, Nasen- und Kehlkopf kranke. Wohnung, Beheizung, Beleuchtung, Bedienung, Krankenpflege, ärztliche Pflege, a Mahlzeiten von Kc 83*— aufwärts. Wasserheilanstalt in vollem Betriebe auch für Auswärtige. Streng rituelle *"lttO Küche unter Aufsicht des Pretiburger Oberrabbinates Leitender Chefarzt: DR. SIOMUND ARANYI.