Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 17 (12.5.1922)
- Date
- 1922-05-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 110 JÜDISCHE PRESSE Nr. 17 Dr. Adolf Roiniger 500, Hermine Brill 100, Abraham Landau 100' Finanzrat Dr. Freud 600, Michael Figdor 1000, Leopold Richter 2000, W. Kaufmann 5600, Markus Mittler 2000, K. Deutsch 5000, Frau Dr. Kolib 2000, Jenö Löwenstein ä 1000) 91.628, W. Freistadt 500. Durch Ch. I. EiO (Zürich) Schweizerischer Kriegswaisenfond der Aguda Frcs. 1000, Simson Rosenstark ron „Chewra Kadischa* Frcs. 100, Wolodarsky Frcs. 5, Sammlung Vogelmann Frcs. 20, Ch. I. Eiß, Monatsbeitrag Frcs. ä 5) Frcs. 1180. Zusammen: K 388.888, ung. K 35.000, Dollar 15, Mk. 8520, öK 265, Schweizer Frcs. 1130; Summe K 2,821.849. Anregungen zur Generalversammlung der flda$ 3i$roel. Am 14. Mai findet die Generalversammlung der Adas Jisroel statt, bei der auch die Neuwahlen in den Vorstand stattfinden. Wir wissen aus langjähriger Erfahrung, wie diese Versammlungen zu verlaufen pflegen. Jede Anfrage oder Interpellation wird in der Form erledigt, daß die Antwort in eine Lobeshymne auf die bisherige Verwaltung ausklingt und festgestellt wird, daß die Einrichtungen der Adas Jisroel tadellos und mustergültig sind. Wer etwas rügt, wer es wagt, Kritik zu üben oder gar etwas auszusetzen, wird als Ketzer oder Lästerer oder gar als unwillkommener Reformer verschrieen und verdammt. — Wir sollten doch vermeinen, daß es sich lohnen würde, von dieser Form abzugehen und im Rahmen einer Wählerversammlung eine Aussprache herbeizuführen, in der die Kandidaten den Wählern vorgestellt werden und diese ihr Programm entwickeln, ihre Ziele und Aufgaben, die sie sich stellen, beleuchten und begründen. Längst sind die Gegenwartsaufgaben der Adas Jisroel über den Rahmen eines Bethausvereines hinausgewachsen und die Männer des Vorstandes sind nicht nur für die innere Verwaltung verantwortlich, sondern es müßte auch geistige und kulturelle Arbeit geleistet werden, um die Adas Jisroel zum dauernden Mittelpunkt der Wiener Orthodoxie zu erhalten und zu erstreben. Um dies zweckdienlich zu erreichen, müßte der Vorstand in Sektionen gegliedert sein. 1. Eine Bethaussektion, die für einen würdigen G-ttesdienst, Aufrechterhaltung der Ordnung, Gebäudeverwaltung usw. sorgt. 2. Eine Sektion für rituelle Angelegenheiten, die sich ausschließlich damit befaßt, daß möglichst alle rituellen Bedürfnisse befriedigt werden können. 3. Eine Sektion für Wohlfahrtswerke, die auch in allen orthodoxen Wohltätigkeitsvereinen vertreten sein muß, damit alle diese Vereine mit der Adas Jisroel verknüpft bleiben. 4. Eine Sektion für Schule und Unterricht, die den Auf- und Ausbau eines orthodoxen Schulwerkes durchführt. 5. Sektion für Beerdigungsangelegenheiten. Eine orthodoxe Chewrah, die den letzten Liebesdienst in selbstloser Weise ausübt und die auch in der kleinsten Kehillah nicht fehlt. Nur wenn der Vorstand in solche selbständig wirkende und. arbeitende Sektionen eingeteilt wird, kann die Fülle der Arbeit befriedigend erledigt werden. — Je nach Talent und Begabung, nach Neigung und Sachkenntnis müßten sich die einzelnen Kandidaten für eine dieser Sektionen entscheiden und kandidieren. Um diese Anregung erfolgreich zu verwirklichen, die auch der geeignetste Uebergang zur selbständigen Aktivierung zu einer orthodoxen Kultusgemeinde der Lüge zeihen können, wenn sie ihm einen falschen Bericht über die Züricher Notierung gebracht hätte. Noch mehr! Während er seinem Leibblatte selbst erwiesene Täuschungen leicht verzeiht, obwohl er — wenn er sich Zeit nähme — den unermeßlich großen Schaden, welche die Kriegslügen seines Leibblattes angerichtet haben, berechnen könnte, wäre er aber maßlos entrüstet und würde es seinem Blatte fühlen lassen, wenn dieses ihn durch eine falsche Börsennotiz zur frühzeitigen Lösung seines Hausse-Engagements verführt hätte; allerdings ein imaginärer Fall, weil er, wie gesagt, in solch wichtigen Dingen, wie Börse, sein Leibblatt durch Studium anderer Blätter kontrolliert. Sonst glaubt er seinem Blatte blindlings, daß „Weizmann in Genua erwartet wird", daß der natürliche Schritt der Aguda, ihr Anspruch auf Berücksichtigung in Palästina, Hochverrat sei, daß der große Mandatsjäger vor dem Herrn, Robert Stricker, eine Idealgestalt sei, daß Petljura keine andore schlafraubende Sorge habe, als seine eigenen Soldaten von einer jüdischen Gendarmerie niederschießen zu lassen, falls sie — G-tt behüte! — einem Juden etwas zuleide tun würden, daß Professor Pick ein Talent sei, daß Weizmann den Weltkrieg durch seine Erfindung entschieden habe, daß er als Preis dafür nichts als Palästina verlangt und daß er es auch Euphrat bis zum großen Meere verschrieben erhalten habe und ähnliche Groteskdichtungen' seines Leibblattes, die ihn als würdigen Nachfahren des Juden Appelles, dessen Leichtgläubigkeit von römischen Dichtern hoch gepriesen wird, erscheinen läßt. wäre, müßten schon für die einzelnen Sektionen, bei der Wahl selbst anläßlich der Generalversammlung, die Kandidaten sich für eine bestimmte Sektion entscheiden, respektive die Wahl der einzelnen Kandidaten müßte für eine bestimmte Sekton erfolgen. Fachkenntnisse und Erfahrung einerseits, Vorliebe und Neigung andererseits würde ganz andere Resultate zeitigen, als Universalvorsteher, die ein Amt anstreben oder erhalten, ohne zu wissen, was von ihnen verlangt oder erwartet wird. Nur durch Arbeitsteilung und Einteilung in einzelne Ressorts kann ganze Arbeit geleistet werden. Mögen sich Männer finden, die für unsere Wünsche Verständnis haben, die Zeitverstehen und erfassen und einen klaren, ungetrübten Blick für das zu Bessernde besitzen. Es sei sich deshalb jeder seiner Pflicht bewußt, einer Pflicht gegen sich und die Zukunft unserer Jugend, seiner Pflcht gegen unsere Gemeinde, seiner Pflicht gegen unsere Thora, die Besten und Geeignetsten zu wählen, Männer, die nicht nur unserer Gemeinde zur Zierde und Ehre gereichen sollen, sondern ihr segensreiches Wirken soll dem Thorajudentum in seiner Gesamtheit geweiht sein. Dann wird auch die Adas Jisroel zu herrlichster Blüte, zu gedeihlichster Entwicklung sich entfalten. O. N. Zur Generalversammlung der ScbiffscbuL Die Generalversammlung der Schiffschul (Adas Jisroel) findet Sonntag, den 16. Ijar 5682 (14. Mai) statt. Sie ist die erste Generalversammlung seit die Aguda in Wien Wurzel gefaßt, seit das Zentralhureau der Aguda in Wien einen Mittelpunkt für die Bestrebungen der Weltorthodoxie wurde. Sie ist die erste Generalversammlung, seit es,dem Kriegswaisenfonds der Aguda gelungen ist, in Baden ein großartiges Heim für Kriegs¬ und Pogromwaisen zu schaffen, seit die großangelegte „Soziale Fürsorge" der Aguda auf dem Gebiete der Linderung der Not und Schaffung von modernen Fürsorgewerken für die Bestrebungen der Orthodoxie auf diesem Gebiete in Wien achten, geschaffen hat, seit die Idee der Aguda, die Blüte unserer orthodoxen. Jugend zur gemeinsamen Arbeit zusammengebracht hat, sich ganz, sowohl auf geistigem als auch auf charitativem Gebiete im Rahmen der Orthodoxie, auszuleben. Bei dieser nie geahnten Entwicklung ist es selbstverständlich, daß die Schiffschul, welche in Wien die einzige Vertreterin der Idee der souveränen selbständigen Orthodoxie und somit auf demselben geistigen Boden steht, wie die Aguda durch die Identität der Anschauungen, der Lebensweise und der Bestrebungen aufeinander unterstützend, fördern und schöpferisch wirken. In der ganzen Welt sind Bestrebungen, den alten Charakter der jüdischen Kehilo zu verwischen und die alten Grundfesten früher oder später zu unterminieren, welche Bestrebungen an unseren Verhältnissen gemessen, vor allem erzielen wollen, daß die Schiffschul nicht die Verkörperung einer jüdischen- Kehilo, Bondem bloß em orthodoxer Bethausverein (Einer anter den übrigen), und somit unter eine Oberleitung gestellt werden soll und erzielen wollen, das so schwer aufgebaute Werk zu zerstören. Aus diesem Grunde ist es Pflicht aller Agudafreunde, durch eine imposante Kundgebung bei der Generalversammlung dafür einzutreten, daß die Schiffschul vor allem das bleibe, was sie ist, die Verkörperung einer jüdischen Kehilo, welche auf den Grundlagen des souveränen Willens der Thora aufgebaut, ihrer Aufgaben in der jüdischen Welt gerecht bleibt. J. P. Ausbau der Jlguda^Organisation. Man braucht nicht den Vorwurf zu fürchten, daß man in zionistische Gusmatik verfalle, wenn man feststellt, daß der Aguda dreimal so viel Menschenmaterial zur Verfügung steht als der zionistischen Organisation. Die Aguda hat kaum ein Zehntel ihrer latenten Kräfte in Energie verwandelt, währenddem die zionistische Organisation ihren bisherigen Besitzstand kaum noch im nächsten Jahre behaupten können wird. Der Aguda winkt nicht allein durch die numerische Ueberlegenheit bei Mobilmachung aller ihrer Kräfte eine bessere Zukunft; auch die Qualität und der bessere Korpsgeist ihrer Anhänger bedingen eine günstigere Entwicklung. Zudem ist die korrekte politische Haltung der Aguda, die auf alten gebahnten Wegen wandelt, geeignet, sie über aller wechselnden Chancen des politischen Lebens zu erheben. Außer der aktiven Armee der Aguda verfügt dieselbe nicht allein über große Sympathien in Assimilationskreisen, welche, trotz der Gegnerschaft der Orthodoxen, dennoch in der großen Frage, ob das Golusjudentum religiös oder ganz im Gegenteil nationalistisch orientiert sein soll, sich an die Seite der Aguda stellen; sondern auch die nichtjüdische Welt bringt dem glaubenstreuen Judentume mehr Verständnis und Vertrauen entgegen, als seinen Gegnern im jüdischen Lager. Die Bibel ist die große goldene Bulle, die unser Recht auf Erez Israel und unseren Anspruch auf Duldung und Achtung im Golus dokumentiert. Je näher das Judentum der Bibel steht, desto mehr wird sein Recht auf Erez Isroel und sein Anspruch auf Brüderlichkeit im Golus wachsen. Hätte Israel im Geiste der Bibel gewirkt, wo gäbe es einen Antisemitismus im Golus oder Antizionismus in Zion? Darumist unser Zuversicht begründet, daß sich das Recht der Orthodoxie als wahre Vertreterin des Judentums in allen Dingen der alten Heimat und des Golus durchringen wird. Allein die Thora „ist nicht im Himmel", sie bedarf unseres „Mundes und Herzens sie zu erfüllen*. Wenn die nieversiegende sich immer erneuernde Urkraft der Thorabegeisterung, die in reichen Vorkommen in allen Teilen der sich über beide Welten ziehenden Diaspora brachliegt, in eine leistungsfähige Organisationsmaschinerie geleitet werden wird, wenn diese große Summe sittlicher und auch materieller Kräfte, die in der Weltorthodoxie schlummern, endlich sich in systematischer Betätigung auswirken können wird, das würde sich zu einem Ideal eines Volkslebens hinanentwickeln können, nicht allein vergleichsweise jene Bewegung übergipfelnd, die sich, ihren eigentlichen Zielen entrückt, anmaßt, die Thora ihres dreitausendjährigen Thronrechtes zu berauben, sondern einen Zustand des Kidusch-haschem in dem Verhältnisse des Judentums zu seiner Unweit in Golus und ein unerschütterliches Fundament des künftigen wahr-jüdischen Volkslebens in Erez Isroel schaffen würde. Allein diese Maschinerie ist noch und vielleicht zu langsam im Aufbau begriffen. Die Ereignisse haben sich mit vulkanischem Ungestüm überstürzt; gewaltige Probleme heischen von der Aguda Lösung und Ausführung des Erkannten. Die Aguda schreitet vorwärts, kann aber den Sturmschritt der Entwicklung der Dinge nicht mit einhalten. Die wahrhaft heroischen Leistungen der Führer, die unvergleichlich große Opferfähigkeit und Selbstverleugnung der Einzelnen vermag nicht den Mangel eines Ausbaues der Organisation ersetzen. Die hohe Qualität der agudistischen Führer ersetzt nicht den Mangel der Quantität. Auch Moses konnte nicht ohne Sore Alofim, Sore Meos und Sore chamischim wirken. Besonders schmerzlich empfindet die orthodoxe Presse, deren Issachars und Sebuluns mehr als es in anderen Lagern üblich ist, Zeit, Mühe und Mittel opfern müssen, um das Manko der Organisation auszugleichen. Wir denken dabei, bewahre, an den sogenannten „demokratischen" Ausbau der Organisation. Selbst Männer wie Zangwill haben zugegeben, daß das Golus nicht reif für eine auf breiter demokratischer Basis aufgebaute Selbstverwaltung sei. Die Agudaorganisation hat eine weise Einrichtung in der regulierenden Macht des Moezas Gedole hador geschaffen, die allen Gefahren der Demagogie, die wir als abschreckendes Beispiel in der zionistischen Organisation verheerend wirken sehen, für die späteste Zeit, einen Damm setzt. Allein, die Zahl und die Kraft der ausübenden Organe müssen vermehrt werden und was besonders wichtig ist, systematisch und rationell verwertet werden. Sonst besteht der Uebelstand weiter, daß große Massen der Orthodoxie außerhalb des Rahmens ihrer Organisation bleiben, daß reiche Möglichkeiten an Menschen und Mitteln unerschlossen bleiben, und es müßte der tragische Zustand eintreten, den Jissro selbst einem Moses vor Augen halten mußte: „Müde wirst du werden, sowohl du, als auch das Volk". m. Hritiscbe tiundscba». Misrachiin Wien. Der führende Kreis der Mis rachim in Wien besteht aus Personen, die als Privatmenschen alle Achtung verdienen. Es gilt von ihnen schier das gleiche Wort, das der alte Berettyo-Ujfaluer Raw s. 1. von seiner Gemeinderepräsentanz sagte: „Sie sind wie Fleisch und Milch, jedes für sich ist ja ganz koscher, aber wenn sie zusammenkommen sind sie trefe." Schade genug, daß der Misrachi in Wien nicht auf der Höhe der Situation stellt, und die unschlitzbare Mission, die Vermittlungsorganisation zwischen Aguda und Zionismus zu sein, nicht begriffen hat. Statt dessen führt Misiachi in Wien den unsinnigsten, kleinlichsten Kampf nach rechts. In den jüngsten Tagen haben sie sich dazu verstiegen, gegen das Agudatäfelchen am Almemor zu agitieren, pürschten wochenlang auf Unterschriften und brachten es wahrhaftig auf eine Massenadresse von 80 Unterschriften. Die Leichtfertigkeit dieser Unterschriften verdient Würdigung. Der Reiz schien in der Kostenlosigkeit zu liegen. Vermutlich hätte es größere Schwierigkeit gekostet, dieselben Unterschriften auf den Sammelbogen für Rußland zu erhalten.. Ebenso wäre der schon zu Raschkomo arbeitende Unterschriftenjäger wohl schwer zu bewegen gewesen, dieselben Bemühungen für die Erhungernden in Rußland zu riskieren. Wir vermissen schmerzlich diesen Feuereifer, der sich bei den edlen Gelegenheiten einer Justamentpolitik kundgibt, bei positiven, ersprießlichen guten Werken. Was bedeutet die Forderung eigentlich'? Eine Gleichstellung des Misrachi mit der Aguda, quasi Minoritätsrechte in der Synagoge'? Das kann nicht einmal eine Majorität erzwingen, das ist eine religiöse Frage, deren Entscheidung dem Besdin zusteht, und gewiß nur dem Besdin dieser Gemeinde. Misrachi hat weder ein religiöses, noch ein moralisches Recht, die Gleichachtung mit der Aguda zu beanspruchen. Welche Tätigkeit, welche Leistung des Misrachi in Wien gibt ihm