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Jüdische Presse · 1922-05-05 · 16 (5.5.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
16 (5.5.1922)
Date
1922-05-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 1« JÜDISCHE PRESSE Seite 10S Juden, Mohammedanern und Christen gegen die sich immer mehr ausbreitende Ungläubigkeit in der Well vorbereiten soll. Dr. Birnbaum erklärte, er fühle sich einem frommen Katholiken mehr verwandt als einem jüdischen „Apikoros". Darauf sandte ich dem Korrespondenz-Bureau folgende Berichtigung ein: „Es ist nicht wahr, daß ich aus der Agudas Jisroel ausgetreten bin, beziehungsweise meine Verbindungen mit ihr gelöst habe, und ebenso ist es nicht wahr, daß ich diese Lösung in einem vor kurzem in Wien gehaltenen Vortrage bekannt gab. Wahr ist vielmehr, daß ich, wenn auch schon ein halbes Jahr nicht mehr besoldeter Beamter der Agudas Jisroel, doch weiter ihr tätiges Mitglied bin, sowie ich den auch in Rede stehenden Vortrag in ihrer Wiener Jugendgruppe hielt. Und wahr ist femer, daß ich in meinem Vortrag — dem einzigen, den ich seit sieben Monaten hielt — meine Beziehungen zu Agudas Jisroel überhaupt nicht erwähnte." „Es ist nicht wahr, daß ich die Gründung einer Organisation vorschlug, die die Gläubigen aller Religionen vereinigen und die Bildung einer Einheitsfront von religiösen Juden, Mohammedanern und Christen gegen die sich immer mehr ausbreitende Ungläubigkeit in der Welt vorbereiten soll. Wahr ist, daß ich auch die Bedingtheit der jüdischen „Freigeisterei" von der außerjüdischen, allgemeinen hinwies und daran die Wahrung an die gläubigen Juden knüpfte, sich nicht aus lauter Angst vor dem Antisemitismus zu einer den frommen Christen unfreundlichen Orientierung bestimmen zu lassen, woraus nur der Welt-Atheismus Nutzen ziehen könne. Von Grüdung einer Organisation, in der die tatsächliche Interessensolidarität aller Gläubigen im Kampfe gegen den Unglauben wirksam werden solle, war nicht mit einem Worte die Rede." „Es ist nicht wahr, daß ich erklärte, daß ich mich mit einem frommen Katholiken mehr verwandt fühle als einem jüdischen „Apikoros". Ich habe von meinen persönlichen Gefühlen gegenüber den „Apikorsim" überhaupt nicht und in Besondern nicht von diesen Gefühlen im Vergleiche zu meinen Gefühlen gegenüber den frommen Nichtjuden gesprochen. Ich konnte dies gar nicht, weil ich mich in den betreffenden vom Thema („der Sinn des Judentums") etwas abweichenden Ausführungen meines Vortrages nur mit der Einstellung der frommen Juden zu den allgemeinen nichtjüdischen Weltanschauungslagern, nicht aber mit ihren seelischen Beziehungen zu den ungläubigen Juden befaßte." Hoffentlich ist das Korrespondenz-Bureau so loyal, diese meine Berichtigung in ihr nächstes Bulletin aufzunehmen und so allen Blättern, die es mit Nachrichten versorgt, zugänglich zu machen. Aber auch, wenn es dies tut, ist kaum zu erwarten, daß alle Blätter, die der Sache, der gesetzestreuen Juden oder mir unfreundlich gegenüberstehen, von der Berichtigung Notiz nehmen. Ich bitte daher alle befreundeten Blätter, diese Berichtigung nachzudrucken, und meine Freunde in allen Ländern mir von jedem Falle Mitteilung zu machen, in dem ein Blatt wohl die Lügenmeldung über mich, nicht aber meine Berichtigung bringt. Berlin-Charlottenburg, Horstweg 24/1, 24. April 1923. Dr. Nathan Birnbaum. Zu schwarz. Von Zeit zu Zeit tut es gut, sich so stark zu fühlen, daß man auch Exzesse im eigenen Kreise einer ernsten Kritik unterwirft. Und da dürfte es an der Zeit sein, unsere jüngsten Gesinnungsgenossen zu etwas Selbstkritik einzuladen. Das Wesen der Orthodoxie gelangt zum Ausdruck in dem Satz: Kol hamachmir tovau olov berocho. Aber bei sehr sehr vielen liegt da ein kleiner Uebersetzungsfehler vor; sie übersetzen Machmir mit „schwarz" und wenn sie sich unbelauscht glauben, sagen sie: "zu f 1 Grand Sanatorium Wasserheilanstalt Bratislava (Pre&burg) Erstklassige UniversaMIeilnnstalt für Spezialbehandlung der inneren-. Nerven-, Zucker-, Gallenstein-, Bieren-, Magen-. Dann-, Herz- und Biutgefäßkrankheitei. Mast* und Entfettangslnren. Abteilungen für Chirurgie, 6yn&kologie und Stfurtsliilft, Urologie, Dermatologie, Ortopldle, Augen-, Ohren-, Nasen-und KenIkepfkranke. Wohnung, Beheizung, Beleuchtung, Bedienung, Krankenpflege, ärztliche Pflege, 5 Mahlzeiten von Kc 83'— aufwärts. Wasserheilanstalt In vollem Betriebe au oh für Auswärtige. Streng rituelle *yjJ2 Küche unter Aufsicht des Preflburger Oberrabbinates Leitender Chefarzt: DR. SIGMUND ARANYI. schwarz"; und daß ihre Gutmeinung von diesen „zu schwarz" sehr stark in den Gedankenkomplex einer berocho sich einfugt, dürfte man bezweifeln. Aber es ist uns nicht die Aufgabe gegeben, Musar zu sagen, wir wollen bloß als ernsten Ausblick die Befürchtung ausdrücken, daß diese Herren der Farbenangst, die so herrisch die Attacke gegen rechts reiten und so rührend zärtlich, in Verbeugungen sich erschöpfende Rücksicht gegen links sich üben, Verräter sind, ohne es zu wollen. Sie dürften die Farbenblindheit eine Stunde zu spät verlieren. Wir wollen sie warnen; das ist unsere Pflicht. Ein Schwarzer. Warten Sie nicht! bis man Sie um Spenden für die russischen Hungernden angeht. Geben Sie spontan und reichlich NACHRICHTEN. An die gesetzestreuen Kulttmtctwzabler Wim! Die Wiener Kultusgemeinde hat es für richtig befunden, die gesetzestreuen Gemeindemitglieder bei der Besteuerung weitaus stärker heranzuziehen als die übrigen, wohl in der Annahme, daß sie sich denselben gegenüber alles erlauben könne, da sie nicht aus der Kultusgemeinde austreten würden, wo doch vielmehr zu berücksichtigen wäre, daß die gesetzestreuen Steuerzahler ohnehin für die Erhallung ihrer eigenen Institutionen außerordentlich in Anspruch genommen sind. Angesichts dieser Tatsache hat sich ein Komitee gebildet, das von der Kultusgemeinde fordern wird, im Prinzip zuzugestehen, daß die Steuergelder, die aus gesetzestreuen Kreisen eingehen, ausschließlich für solche Institutionen verwendet werden, welche auch von den orthodoxesten Juden in Anspruch genommen werden können und diesem Komitee die Kontrolle über die Verwendung der Gelder zu gewähren. Sollte die Kultusgemeinde darauf nicht eingehen wollen, so wären wir veranlaßt, von der seitens maßgebender politischer Faktoren in Aussicht gestellten Möglichkeit eine zweite Kultusgemeinde zu gründen, Gebrauch zu machen, und bitten wir alle gesetzestreuen Mitglieder, welche sich dieser Aktion anschließen wollen, uns ihre Adresse freundlich bekanntzugeben, bei gleichzeitiger Mitteilung, mit welchem Satze sie besteuert worden sind. Jedenfalls verabsäume niemand, sofort gegen die Vorschreibung der Steuer zu rekurieren. Gefällige Zuschriften bitten wir an Herrn Leopold Leder er, IL, Nestroygasse 11, zu richten. Das Komitee gesetzestreuer Kaltassteuerzahler. Dtufscbfcftrrticl). Bedauerliche Verschärfung des Konfliktes Innerhalb der Kultusgemeinde. Niemand möge diesmal der Orthodoxie den Vorwurf des Separatismus machen. Die Orthodoxen Wiens haben entgegen den Vorstellungen inländischer und ausländischer Freunde mit der traditionellen Methode gebrochen und sind in die Kultusgemeinde eingetreten. Sie sind aufs Tiefste enttäuscht worden. Sie waren permanent den derbsten, oft salonunfähigen Angriffen der Garde des Herrn Rabbiner Dr. Chajes ausgesetzt. Im Organe des Rabbiners Dr. Chajes ist die Tätigkeit der orthodoxen Kultusvorsteher, ihre Bestrebungen, ihr Ideal, ihre ehrwürdigen Mitarbeiter in den Nachbarstaaten in unerhört gemeiner Weise von unreifen, unwürdigen Menschen verhöhnt und beschimpft worden. — Ein neuerlicher Schmähartikel der „Wiener Morgenzeitung" gegen die slowakische Orthodoxie hat endlieh den gewiß loyalen und unpersönlich wirkenden R. Josef Baiimgarten n. j. veranlaßt, in einer Droscho vor der Jugendgruppe mit ungewohnter Schärfe gegen dieses Treiben aufzutreten und die Glaubenstreuen vor der Alternative zu stellen, ob sie weiterhin dieses auch von Misrachim unterstützte, am Sabbat geschriebene, hergestellte und verkaufte Organ in seinen maßlosen Beschimpfungen der Thoraträger bestärken und ermutigen wollen. — In diesem Momente gerechter Erbitterung der Orthodoxie kam die heillose Steuerbemessung der orthodoxen Mitglieder so mal-ä-propos wie möglich. Während Krösusse aus anderem Lager aufs Mildeste besteuert wurden, da sie mit denr Austritt (nach links) (1 rollten, wurden die ohnedies mit der Erhaltung der orthodoxen Institutionen belasteten Orthodoxen horrend besteuert. Der vorhergehende Aufruf zeigt ja, daß es sich hier nicht — trotz der ungerechten Höhe der Besteuern ng — um materielle Schmerzen handelt. Die Kultusgemeinde wird wohl rechtzeitig einlenken; gleichzeitig wird sie auch wohl daran tun, dem ehrwürdigen Schutzpatron der „Morgenzeitung*, den Wert des Friedens begreiflich zu machen. Der Munkacser Rabbi schl. und die Aguda. Unsere diesbezügliche Notiz in der letzten Nummer ist vielfach mißverstanden worden. Wir haben den gegnerischen Standpunkt des Munkacser Rabbi als bekannt vorausgesetzt. Dieser bisherigen Haltung gegenüber bildet die Aussprache, welche der Rabbi mit unserem Mitarbeiter gepflogen hat und seine Besprechungen mit den Agudaführern eine Annäherung an die Idee der Aguda, mit welcher sich der Munkacser bei einigen Modifikationen der Organisation befreunden könnte. „Frauenhilfe." Unser Appell in der letzten Nummer hat erfreulicher Weise Erfolg gehabt. Es ist eine ansehnliche Summe an Spenden eingefloßen. Wir hoffen, daß das Interesse an dieser schönen Institution rege bleiben wird. Spenden können auch an die Administration dieses Blattes gesendet werden. „J. C. B." und die Aguda. In der Notiz gleichen Titels in der vorigen Nummer ist dem Zitate des Berichtes der J. 0. B. das Wort „extreme" ausgeblieben, wodurch unsere daran geknüptfe Beschwerde gegen das Jewish Correspondence Bureau weniger verständlich ist. Der Bericht des J. 0. B. lautete nämlich: „Der Zentralrat der Aguda veröffentlicht einen Aufruf an die in der Aguda organisierte extreme Orthodoxie, eine ausgiebige Hilfsaktion für die Hungernden in Rußland zu organisieren" — eine frei erfundene Einschränkung, die geeignet ist, der Sammlung zu schaden. Der Aufruf ergeht an alle Juden und Menschenfreunde, und ist tatsächlich auch schon von Nichtjuden berücksichtigt worden. Tomehe ubikur Cholim-Verein. Unter diesem Titel wurde vor kurzem, Dank der Initiative des Herrn Jakob Schaffer, im XX. Bezirk ein Unterstützungs¬ und Krankenpflege-Verein ins Leben gerufen, der sich, wie schon sein Name besagt, bedeutsame humanitäre Aufgaben zum Ziele gesetzt hat. Bei der Aufnahme von Mitgliedern ist keine Altersgrenze vorgesehen. Der Verein will nicht nur verarmte Mitglieder mit angemessenen Geldbeträgen unterstützen und in Krankheitsfällen unentgeltlich Arzt und Medikamente beistellen, sondern auch notleidenden Juden und jüdischen Familien, welche die Hilfe des Vereines anrufen, mit allen demselben zu Gebote stehenden Kräften beistehen. Um dieser idealen Bestrebung, in einem Kreise von mehr als Sechzigtausend, zumeist den unbemittelten Ständen angehörigen Juden, auch die volle wirksame Tat folgen zu lassen, erscheint es von eminenter Wichtigkeit, daß jeder Glaubensgenosse dem Vereine, sei es als ordentliche oder unterstützende Mitglieder, beitrete. Dem Ueberhandnehmen katastrophaler Verarmung in den Reihen der hiesigen Judenschaft kann einigermaßen gesteuert werden, wenn die be- TELEPHON 40.324 EN GROSs: EN DETAIL KLEIDER-INDUSTRIE WIEN, II., TflBORSTRflSSE 39 (HOTEL BAYRISCHER HOF) GROSSE IJV HERHlüNKIvKIDBRK KEHTKi III*» NACH AJASÖfc*

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