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Jüdische Presse · 1922-05-05 · 16 (5.5.1922) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
16 (5.5.1922)
Date
1922-05-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 104 JÜDISCHE PRESSE Nr. 16 das jüdische Ausland bei der Brandkatastrophe bewiesen hat (es sind damals ca. K 400.000, das hieße vier Millionen Sokol gesammelt worden), zu vergelten. An zweiter Stelle steht merkwürdigerweise die kleine Synagoge „Emunas Owos" in der Storchengasse in Wien. Sie hat K 502.000 gesammelt. Dem Rabbiner Aron Weiß und dem wackeren Vorstand sei hier der Dank im Namen der Aermsten der Armen ausgesprochen. An dritter Stelle folgt die Stumpersynagoge mit der ersten Sendung von K 255.000, dann die Jugendgruppe mit K 240.000. Die zehn größten Einzelspenden rangieren in folgender Weise: Abraham Hornstein 60 Dollar N. N. durch R. A. Heschel 25 Dollar Familie Friedmann-Twersky 25 Dollar K. P. 20 Dollar N. N. durch Dr. Kohn 7000 Mark N. N. 18 Dollar Abraham Backenroth K 100.000 Ph. Türkei K 100.000 A. L. & B. K 90.000 M. C. H. K 80.000 * * * Die Ueberweisung der Lebensmittel in Zehn Dollar- Paketen geschieht in der Weise, daß auf Grund des Uebereinkommens des Hilfskomitees mit einer amerikanischen Kinderhilfsorganisation, die bereits in Rußland in verschiedenen Depots lagernden Lebensmittel an die Adressaten telegraphisch überwiesen werden, sobald der Gegenwert bei der Wiener Vertretung der Organisation durch die Aguda in Dollar erlegt ist. Die Lebensmittel werden zu den Einkaufspreisen berechnet und stellen einen mehrfachen Wert des Erstehungspreises dar. In der Hauptsache werden, wenn irgendwie tunlich, folgende Lebensmittel abgegeben: Mehl, Reis, Zucker,Kondensmilch, Kochfett, Tee, Kakao usw. Das Hilfskomitee der Aguda (Vorsitzender: Herr Abraham Hornstein) richtet an alle diejenigen, die an diesem Hilfswerk mitarbeiten wollen, die dringende Bitte, sich unverzüglich mit dem Zentralbureau der Aguda, Wien, IL, Malzgasse 12 a, in Verbindung zu setzen. Gelder wolle man an das Postsparkassenkonto Nr, 124.904 der Aguda unter Stichwort „Rußland-Aktion" oder an deren Bankkonto beim Wiener Bankverein, Wechselstube, Aus altersgrauer Zeit dringt zu uns die Kunde, daß einst in sonnerfüllten Frühlingstagen furchtbares Leid über Israel kam. Da saßen Tausende von Schülern zu den Füßen des Meisters Rabbi Akiba, als viel verheißende Menschen, von denen man erwarten durfte, daß sie mit geistigen Leben und der Widerstandskraft des leidumtosten jüdischen Volkes Führer sein werden. Da hub bei diesen Menschen ein furchtbares Sterben an, sie hatten das Leben verwirkt, weil sie, wie uns berichtet wird, sich gegenseitig nicht mit der genügenden Achtung entgegenkamen. Das war ein doppeltes Unglück, weil sie als Talmide Chachomim umso eher verpflichtet waren, Annäherung zu suchen. In dieser Kunde, welche den Wiedererrichtung des jüdischen Palästinas fällt mit der Zeit zusammen, wo,, kein Volk gegen Volk mehr das Schwert erheben wird". „O, Herzl," sagte der Andere, „der wird bei uns jetzt mit Achtung genannt. Er kam zu uns, verhandelte mit uns, ward aucli vom Sultan mit allen Ehren empfangen; er wollte nichts ohne unsere Einwilligung tun." Ich erwiderte, daß die Orthodoxen auch durch das Religionsgesetz verhalten seien, das Wohl des Stammes zu fördern, unter welchem sie leben. Die Orthodoxie ist freilich auch religionsgesetzlich verpflichtet, die Behörden strenge zu respektieren; sie wird daher die englische Behörde mit ihr doppelt gebotenen Pflichterfüllung respektieren, aber niemals falsch gegen den Volksstamm handeln, unter welchem sie lebt und dessen noble Behandlung das Judentum seit Jahrhunderten genossen hat. Was wir erreichen' wollen, darf nur im friedlichsten Einverständnis mit den Arabern geschehen. Wir sind kein kriegerisches Volk. Gegenwärtig, wo noch Weltkriege drohen, deren Schauplatz sich gar noch immer mehr gegen den Orient verschiebt, kann von der Errichtung eines jüdischen Staates keine Rede sein. Der Judenstaat, sowohl nach den Traditionen der Propheten, als nach den realen politischen Erwägungen der großen ehrlichen Zionistenführer, kann nur entstehen durch einmütige Anerkennung als neutralen Staat seitens sämtlicher Nationen der Welt und vor allem seitens der Mohammedaner. Wenn uns der Judenstaat nicht mit dieser von allen Nationen garantierten Neutralität geboten wird, könnten wir ihn nicht einmal akzeptieren, wenn er in anderer Form uns angeboten würde. II., Hollandstraße, überweisen. Telephonische Auskünfte werden auf Anruf der Nr. 49.054 erteilt. * ♦ * Weitere Lehensmittelsendungen. Diese Woche sind weitere sechs Pakete mit Lebensmittelsendungen nach Rußland bestellt worden, und zwar nach den Orten: Zitomir, Skwira, Ruzin, Biala Czerkow, Zlatopol, Faßtow, Prista-Wodisa und Pogrebischtsch. Bisher sind 63 Sendungen von Lebensmitteln expediert worden. * * * Spendenausweis für jüdische Hungernde in Rußland. (Fortsetzung.) Durch Administration der „Neuen Freien Presse" K 80.000, Verein „Thora Ez Ghaim* (erste Sammlung) K 54.200, Gustav Liebesny K 100, Rosenstock, durch W. Pappenheim K 200, Otto Feigel K 5000, A. L. und B. K 90.000, Adolf Kober K 10.000, durch Rabbiner H. Twersky (Bankier Mehrer, Samuel Nüssenbaum, Frau Rabbiner R. s. Friedmann, M. Streifler, Nuchem Lewy ä K. 10.000) K 50.000, Wolf Engelberg (durch Rabbiner H. Twersky) Dollar 10, durch Rabbiner Dr. Kohn Mark 7000, Gh. Karmel K 1000, Herman Bachner K 500, M. Rojak K 1000, Aba Goldfeld K 200, J. L. K 1000, Leopold Rothberg K 3000, Grüner K 5000, Frau Helene Mayer K 3000, Bethaus verein „Adaß Jeschurun" (erste Sammlung) K 4520, Moritz Weiß K 5000, Jechiel Topper K 100, J. S. K 200, Frau Helene Moser K 600, Mina Torczyner K 500, Frau Rottenberg K 300, Frau Menkes K 1000, Eduard Herzog K 300, David Malamud K 1000, Bethausverein „Emunas Avos" (XIV, Storchengasse) K 502.000, Karl Lövventhal K 1000, durch Verlag der Aerztlichen Standeszeitung „Die Heilkunde" K 1500, Gustav Schletter K 5000, Bethausverein „Marpe Lenel'esch" (erste Sammlung) K 50.000, Eduard Mandl K 1000, Frau Fanny Hopfinger K 100, Kollmann durch Leopold Löwy K 1000, durch S. Aschkenasy (Moses Preschl, Glaser ä K 200, Aufenberg K 100) K 500, durch Rabbiner Abraham Heschl (Pinkas Kappeler K 5000, Chaim Isak Metzger K 1000, Rabbiner Moses Kahlenberg K 200) K 6200, durch Rabbiner Abraham Heschl (Isidor Erster, Rabbiner Abraham Heschl ä Dollar 2) Dollar 4, Krakauer durch Hirschler K 500, Bethausverein „Achdus Jisroel" Rembrandtstraße (erste Sammlung): Brüder Toch K 23.000, Altmann K 15.000, Brüder Schön, Rabbiner Dr. Joel Pollak a K 5000, Rudolf Klein, Jülisch ä K 3000, Gabel, Gandel ä K 2000, Singer, Dr. Brendel-, Reichmann, Kamil, Georg Meyer, Heinrich Schön, Abraham Reichner, Einhorn, Gruschka, Leopold Neumann, Solem Neumann ä K 1000, Robitschek, Dr. Fantl, Eduard Haas ä K 500, Winter, Dünger ä K 300, Kirschner, Friedmann, Fleischmann ä K 200, Schachter, Karl Schön, Ardek ä K 100, Wodak Walter K 50) K 72.050, Beamtenkörper der Agudas Jisroel (Dr. Pollak K 10.000, Braun K 4000, Lerner K 2000, E. Freund, A. Weinstein, G. Baumgarten, E. Grünberg ä K 1000, Ch. Weißmann, A. Hochmann ä K 500) K 21.000, N. N. durch Abraham Heschl Dollar 25, Lajos Brisk (Klausenburg) K 5000; zusammen K 975.070, Mark 7000, Dollar 89 Summe K 1,497.070. Trauercharakter der Sephira Zeit mit bestimmt, liegt ein furchtbares ernstes Memento für unsere Zeit. Von denen, die in das Wissen eingedrungen sind, und dabei die Treue gegen das Religionsgesetz bewahrt haften, " verlangt die Zeit gebieterisch, daß sie eine große Front bilden, welche alle Geschehnisse und, was vielleicht noch schwieriger ist, alle Hoffnungen an diesem Geist mißt. Das war der große Ruf, welchen die Aguda vor nun etwa zehn Jahren an die Welt ergehen ließ. Daß sämtliche Kreise, die entweder das Wissen der Thora nicht besitzen, oder sich trotz dieses Wissens in eitler Ueberhebung in Theorie und Praxis von dem Diktat der Religion abgewendet haben, diesen Ruf der Aguda als eine „Sehen Sie," sagte der Türke nachdenklich, „es eröffnen sich den Juden ja bei uns die schönsten Aussichten. Der ganze Handel lag bisher bei uns in den Händen der Griechen und Armenier. Diese werden bei uns jetzt boykottiert, weil sie sich gegen uns mit dem Feinde verbündet haben. Die Juden sind doch einmal ein Handelsvolk. Sie können bei uns jetzt glänzend vorwärts-, kommen. Wir sind mit ihnen ja gut befreundet. Bisher haben sie spaniolisch gesprochen, aber die Jugend spricht schon türkisch und fühlt mit uns. Wir haben n i c Ii t s dagegen, wenn die Juden aus unseren Lände r n n a c h Palästina einwandern; sie kennen unsere Sitten und respektieren sie; sie fühlen mit uns. Und wer weiß, fügte er hinzu, wenn sie mit uns leben, sich treu und verläßlich erweisen, ob wir nicht einst sagen: Dieser Teil ist Eue r, wir wissen, daß Ihr zu uns gehört und stets mit uns in Freundschaft leben werdet." Dieses Gespräch war ohne abgezielte Absicht, in selbstvergessener Weise von allen Dreien, ferne jeder diplomatischen Schlauheit, aus wirklich empfundenem Bedürfnis, die Situation mit friedlichen Mitteln zu klären, geführt worden. Ich heiße weder Nathan, noch der Weise, aber ich Jude konnte die Frage der drei Ringe wieder nicht lösen und auch meinerseits wieder nur einen Aufschub von hundert Jahren verlangen, wo ein anderer gerechter Richter da sein wird, vielleicht kein anderer als der allerhöchste. Gefahr für ihre Bestrebungen erblicken mußten, leuchtet ein, denn die Gewalt der Thora ist so groß, die sieghafte Macht des religiösen Lebens so gewaltig, daß alle diese kleinen Geister und das ganze Gelichter der egoistischen Streberei mit gutem Grunde für ihre Existenz fürchten, falls erst einmal die Einheitsfront der Religionstreue geschaffen wäre. Und wahrhaftig, es fehlt nicht mehr viel dazu. Wenn Einzelne, mit großer und minder großer Bedeutung noch beiseite stellen, so darf das zum Mindesten nicht wahrhaft auf den Gedankengang zurückgeführt werden, der den Todeskeim in die Reihen der Schüler Rabbi Akibas warf. Wir erklären ohne Rückhalt folgendes: Ist irgend eine Persönlichkeit so stark, daß sie den Anspruch darauf hat, durch ihren Ruf, durch ihren Willen, jene Einheitsfront zu schaffen, so beugen wir uns ohne weiteres und verlangen nur in aller Demut, daß jene starken Personen die volle Verantwortung in voller Oeffentlichkeit auf sich nehmen, in klarer Erkenntnis der Tatsache, daß es sich, abgesehen von allen Nuancen der Parteikämpfe, um die allmähliche Zuspitzung zu dem Endakmpfe zwischen Religionstreue und Religionslosigkeit, oder gar Religionsleugnung handelt. Wie glücklich wäre Aguda, wenn sie erst einen solchen Mann erzeugt hätte, wie glücklich wäre unsere Zeit, wenn in einer großen, gewaltigen Persönlichkeit das ganze Streben unserer Tage schöpferisch zum Ausdrucke käme. Wir haben auch allenfalls Verständnis dafür, wenn im bangen Zagen, den einen oder den anderen Mutlosigkeit ergreift und es ihm so ergeht, wie es in jener Mitteilung von den Gerechten in jener Welt heißt, daß sie angesichts der berghoch aufgetürmten Möglichkeiten zum Schlechten weinen, und sich fragen, wie könnten wir dieser Wucht Herr werden . . . Viele sind verzagt und glauben, es ist nicht wahr, daß nocli eine Hoffnung bestehe, man könne in diese Welt der Entartung, in diese auotritätsfeindliche Jugend die Opferfreude heischende Begeisterung für die Wahrheit tragen. Und in dieser Verzagtheit, und in dieser Mutlosigkeit zieht man sich zurück auf seinen engsten Kreis und hat nicht mehr das Vertrauen zu sich, daß ehrliches Wollen noch immer das Wort des Allmächtigen zum Siege führt. Diese Mutlosigkeit wird dereinst angeklagt werden von der dem Unglück preisgegebenen Jugend, die deshalb scheinbar stürmisch gegen die Führung ankämpft, weil sich ihr kein Führer bietet. Diese jungen Seelen weinen, weil sie sterben müssen, deshalb, weil man ihrer Sehnsucht nicht die Achtung entgegenbringt, die nötig ist, um sie durch die Wirrnisse der Zeit zur Klarheit zu führen. Krieg und Not, Hunger und Leid, Hoffnung und Entbehrung rufen Abrahamstreiie Enkel an die Front, das Zeichen ist schon längst gegeben und Agudas Jisroel beugt sich dem Führer und ruft die Mutlosen; es wird nicht der Ruhm bei denen sein, die gemächlich zu Hause bleiben. P. K. Die „€ime$" für Auflösung der zionistischen Kommission. In dem achten und vorläufig letzten Artikel der „Times" zieht Mr. Graves die Schlußfolgerung aus allen vorausgegangenen Artikeln und meint, die Lage in Palästina könne sich sehr verbessern, wenn England den gemäßigten Zionismus im Gegensatz zu dem extremen politischen Zionismus unterstützen würde. „Die Ursache unserer gegenwärtigen Schwierigkeiten in Palästina" — meint Mr. Graves — „liegt nicht in der Balfour-Deklaration, sondern in der Auslegung derselben. Der Zustand im Lande und die gegenwärtige Spannung, die vom militärischen Standpunkt nicht gefährlich, j edo ch lästi g sind, könnten bedeutend verbessert werden, wenn das Mandat ratifiziert, die zionistische Kommission aufgelöst und durch eine Jewish Agency ersetzt werden^würde, die die Gesamtheit der Juden und nicht die extremen Zionisten repräsentierenwird."DieZionisten seien außergewöhnlich schlechte Politiker, bemerkt hier die „Times" und stimmt zu: „die zionistische Kommisson mit ihren politischen Zielen und Privilegien muß zu existieren aufhören". mmeilnng und Bitte. Ein jüdisches Korrespondenz-Bureau druckt in ihrem Bulletin vom 13. April folgende Meldung ab: Dr. Nathan Birnbaums Austritt aus Agndath Jisroel, Wien. Dr. Nathan Birnbaum hielt vor kurzem einen Vortrag, indem er bekannt gab, daß er seine Verbindungen mit der Agudath Jisroel gelöst habe. Dr. Birnbaum schlug die Gründung einer Organisation vor, die die Gläubigen aller Religionen vereinigen und die Bildung einer Einheitsfront von religiösen Ein offenes Wort. Jedermann gebe ^fZSSpf Männer, Frauen und Kinder

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