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Jüdische Presse · 1922-04-28 · 15 (28.4.1922) · page 6

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
15 (28.4.1922)
Date
1922-04-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 100 JÜDISCHE PRESSE Nr. 15 TSCHECHOSLOWAKEI. Das Komifee der K©rt$eroatto»jiidi$cl>en Partei beim minister Ittiöura. Unter Führung der Parteipräses Herrn Hermann Steiner hat das leitende Komitee der Partei, bestehend aus den Herren Fürst (Bratislava), Gelley (Topolcany), Schweid (Kosice), Rosman (Bardiov), sich beim Minister Micura vorgestellt. Präses Oberrabbiner Weber stellte dem Minister die Herren vor, indem er auch einige Informationen über die Ziele der Partei gab. Mangel an Mäßigung und Vorbedacht in der Politik haben die Weltkatastrophe gebracht und derselbe Mangel habe die Konsolidierung der Verhältnisse verhindert. Die konservative Partei wolle Mäßigung und Vorbedacht bei der Vertretung und Tätigkeit des Judentums walten lassen. Präses Hermann Steiner begrüßte hierauf den Minister im Namen der Partei und legte die Gründe dar, welche die Orthodoxie veranlaßt habe, aus ihrer Reserve herauszutreten. Redner wies auf die sogenannte „Vereinigte jüdische Partei" hin, die mit diesem Namen den Anschein erwecken wollte, als ob sie die Exponenten des gesamten Judentums wären. Es bedeute eine eminente Gefahr für das Judentum, das ja in der Slowakei mehr als drei Viertel des Judentums bildet, wenn die gewählten Mandatare jener Partei sich noch weiterhin als Vertreter des Gesamtjudentums gerieren könnten. Es war ein Gebot der Selbsterhaltung der Orthodoxie, auf den Plan zu treten und ein Gebot des Staatsinteresses, weil sie im Gegensatze zu den jüdischen Nationalisten keine Minoritätspolitik machen wolle, sondern das gleiche Recht aller Bürger des Staates beanspruchen. Bevor sich die Partei an ihre Aufgabe mache, sah sie sich verpflichtet, sich hier vorzustellen, von der Gründung der Partei Mitteilung zu machen und den Kontakt mit der Regierung herzustellen. Minister Miöura erwiderte mit warmen Worten, daß Mäßigung und Vorbedacht tatsächlich die Vorbedingungen zum Gedeihen jeder Gemeinschaft sei. Die anderthalbjährige Tätigkeit der orthodoxen Landesorganisation habe gezeigt, daß diese das beste Vertrauen rechtfertige. Er nehme die Gründung der Partei gerne zur Kenntnis und werde sogleich alle Zupanate davon amtlich verständigen lassen. Der Minister verabschiedete darauf die Mitglieder des Komitees in herzlicher Weise. Beriebt des Präsidenten Oberrabbiner Weber. (Fortsetzung.) Die Landeskanzlei als solche wünscht keine besondere aktive Rolle inne zu haben, vindiciert sich bloß das Recht der Kontrolle, uiirüber zu wachen, daß kein orthodoxes Interesse Schaden erleide und das Bollwerk der unverfälschten Jüdischkeit die, Selbständigkeit unserer Organisation keine Erschütterung erfahre. Die Landeskanzlei ist mit Arbeit überbürdet und wäre froh, wenn sie all ihren Aufgaben entsprechen könnte. Ihre höchste Aufgabe steht in der Zusammenfassung aller Gleichgesinnten zum Schutze unserer religiösen und konfessionellen Interessen und wartet unserer bewährten Landeskanzlei in der nächsten Zukunft eine große und wichtige Aufgabe. In Poclkarpatska Ruß — ein Gebiet, das zur Tschechoslowakei gehört — leben 100.000 Juden, die durchgehends der streng orthodoxen Richtung angehören. Sie haben sich bis nun noch nicht organisiert, teils wegen der dort noch unkonsolidierten Verhältnisse, teils aus Gründen, die ich hier nicht näher auseinander setzen möchte. Vor einigen Wochen wurden wir nun ämtlich verständigt, daß das Kultusministerium in Parg an das Gouvernement von Rusinsko eine Zuschrift gerichtet hat, in welcher die Aufmerksamkeit der dortigen Verwaltung auf die Unorganisiertheit der Rusinskoer Judenheit gelenkt und beauftragt wird, die Judenheit aufzufordern, sich ähnlich wie dies bereits durch die Bratislaver orthodoxe Kanzlei geschehen, zu organisieren. Falls die dortige Judenheit es wünscht, sich der Preßburger Kanzlei anzuschließen, würde dem seitens der Regierung gar keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden. Ich glaube nun, geehrte Landeskanzlei, daß Juden die gleichen Ziele, die gleichen Interessen und gleichen Ideale besitzen und in dem Verbände eines einheitlichen Staates leben, nur von Vorteil sein kann, wenn sie sich gemeinsam organisieren und wirksam für den Schutz der gemeinsamen Interessen eintreten können. Dem hat nun der Kosicer Delegiertentag bereits Rechnung getragen, indem dort der Beschluß erbracht wurde, aus unserer Mitte eine Kommission zu entsenden, die gegebenen Falles Verhandlungenmit den maßgebenden Faktoren der Rusinskoer Judenschaft führen soll. Heute findet nun der Delegiertentag in Ungvar statt, wo darüber entschieden wird, ob sich die dortige Judenheit selbständig organisiert, oder mit uns vereinigen soll. Wie immer aber der Beschluß lauten mag, in Angelegenheiten die uns gemeinsam interessieren, müssen wir gemeinsam vorgehen und gegen eine Gefahr, die uns gemeinsam droht, müssen wir uns gemeinsam verteidigen. Und das es heute eine große Gefahr gibt, die alle strenggläubigen Juden in ein L^ger drängen muß, daß wissen sie wohl, meine Herren, ohne daß ich selbe aussprechen müßte. Offiziell heißt diese gefahrvolle Bewegung Zionismus, respektive jüdischer Nationalismus, für uns ist sie antireligiös ... Die Orthodoxie hat niemals den Kampf gesucht, sie hat sich von den anders-gesinnten losgetrennt, weil sie der fortwährenden btreitigkeiten müde, in Ruhe und Frieden leben will. Und wenn ihr schon der Kampf aufgezwungen wird, so prüft sie ihre Waffen zehnmal, ob sie genügend rein und gehörig blank sind. Die Orthodoxie würde den ihr aufgezwungenen Kampf in der konziliantesten Form führen. Wenn dennoch in der Nachkriegsperiode der Kampf gegen Zionismus unlieusame Formen angenommen, die wir lieber unterblieben sehen möchten, so ist es nicht die Schuld der um unsere heilige Emunan besorgten Orthodoxie, sondern liegt in erster Reihe der Grund darin, daß der Zionismus seine schädliche Tätigkeit auf Gebiete ausdehnt, wo sie absolut nicht hingehört. Wir fragen jeden geistig Normalen, welche Berechtigung hat der Zionismus in dem innerpolitischen Leben der Golusländer? Was hat beispielsweise der Zionismus in der Preßburger Stadtrepräsentanz ' zu suchen? oder in Kultusgemeinden, Körperschaften, deren ausscließlicher Zweck in der Erhaltung religiöser Institutionen und in der Förderung aller zum glaubenslebensnotwendigen Einrichtung'en bestrebt, deren höchstes Ziel üie Verbreitung von Thora und Jiras-Schomajim und die Erhaltung und Betätigung unserer allererbten heiligen Emunoh, in den traditionellen Formen bilden muß? Ich frage nun, mit welchem Recht darf eine Bewegung, die die Religion als Privatsache deklariert, die Ruhe und den Frieden in diesen Körperschaften stören u.'id untergraben? Die Orthodoxie würde sich gegen die heiligsten Interessen unserer Religion versündigen, wenn sie kampflos die Hände in den Schoß leeren würde. Der Zionismus möge sich auf seine Ziele zurückziehen und wir werden ihn aus rein religiösen M oliven in vornehmster Weise befehden. Insclange diese zersetzende Bewegung sich auf Gebiete wagt, die ihr fremd bleiben sollten, dürfen wir nicht ermüden, alle Vorkehrungen zu treffen, daß die Gemeinden, die Institutionen, die Orthodoxie und die geistigen und materiellen Interessen der Judenheit unberührt erhalten bleiben. Denn auch der materielle Schaden, der durch diese Bewegung der Orthodoxie und allen zum religiösen Leben notwendigen Institutionen zugefügt wird, ist unberechenbar. In der ganzen Welt wird eine fieberhafte Tätigkeit entfaltet, um das vielgerühmte jüdische Herz und die allezeit erprobte jüdische Opferfähigkeit ausschließlich in den Dienst der Ziele dieser Bewegung zu stellen. Eine Sammelpropaganda, wie sie die an Sammeln und Spenden reiche Vergangenheit der Juden nicht kennt, zieht durch alle Kreise und Schichten der jüdischen Bevölkerung aller Länder. Unter den verschiedensten und mannigfachsten Titeln und Titelchen wird die Gebekraft der Massen angesprochen im Dienste politischer Schimären, während die realen Interessen, die wirklichen Notwendigkeiten in unerhörter Weise verkürzt werden. Unsere frommen Brüder in Jerusalem, im Jisuv Hajoson (Alt-Kolonisation) waren und sind wirkliche Zionisten, die auf Kosten eines entbehrungsreichen Lebens das Interesse an Palästina bis auf den heutigen Tag wach gehalten haben, diese hungern und müssen entsagen, weil die Spenden für das Heilige Land, die in erster Reihe ihnen zugute kommen müßten, an eine ganz andere religionsfeindliche Richtung gegeben weiden. Diese finanzielle Vergewaltigung der Armen der Aermsten schreit zum Himmel. Ja, in letzter Zeit ist der Terrorismus in Jerusalem so weit gediehen, daß zwei hervorragende Vertreter der orthodoxen Judenheit tätlich insultiert wurden. Und Amerika, das edelgesinnte und freig lbige Amerika, das während der ganzen krisenhaften Zeit die glänzendsten Proben seines Mitgefühles für die in Not geratenen jüdischen Brüder gegeben und überall mit ganzem Herzen, mit vollen Händen gab, wo Hilfe notwendig war, auch diese Hilfe ist leider der Orthodoxie und ihrm Instittuionen nur in geringstem Maße zuteil geworden. Wir haben uns daher veranlaßt gesehen, direkt uns an Amerika zu wenden, und können da von einen wirklichen Erfolg sprechen. Seit anderthalb Jahren kommen fortlaufend Unterstützungsgelder, die wir in der Weise verwalten, daß wir das uneingeschränkteste Vertrauen unserer amerikanischen Brüder erworben haben. In einem Schreiben an uns wird gesagt: ..Es reizt die Spender zu neuem Geben, wenn man sieht, mit welcher Gewissenhaftigkeit bei der Verteilung vorgegangen und wie jeder Heller mit der peinlichen Genauigkeit verrechnet wird." Im vergangenen Sommer hat in Karlsbad eine Konferenz stattgefunden, an der mehrere hervorragende amerikanische Juden teilgenommen, die auf Grund des uns entgegengebrachten Vertrauens uns direkt aufgefordert haben, ein größeres nuiskomitee zu gründen, in dem Herren aus den verschiedenen Gegenden der Slowakei vertreten sein sollen, das sich in mehrere Sektionen gliedern unu alle Zweige der Untorstützungsüeuiirttisren leiten soll. Wir haben dieser Aufforderung entsnrochen, indem wir Sie, meine Herren, für heute hierher geladen und ich bin überzeugt, daß das heute konstituierte Landeslliifskomitee eine segensreiche Wirkung wird enthalten können. Icn möchte keine übertriebenen Hoffnungen an das Wirken dieses ivomitees knüpfen, ich möchte überhaupt unsere Leistungen nicht vergrößern, es ist nicht Art der Orthodoxie sich mit v erdiensten zu prahlen, im Gegenteil, wir sind uer Meinung, daß wir unsere Pflichten nur zum ±eil und auch diesen hueust unvollständig erfüllt haben. Aber wir versichern Sie, geehrte Landesrepräsentanz, daß wir bei all unserem Tun und Lassen ausschließlich die höheren Ziele vor Augen halten, uns immer nur vom Klal-Interesse leiten lassen, dem wir mit ganzem Herzen und mit eranzer Seele dienen wollen und zu dem wir die Hilfe G-ttes erflehen und Ihre hoch werte Unterstützung erbitten. Die Umtriebe der 3üdi$cb-1UtiMäli$ten. Ungvär (Uzhorod), den 22. April 1022. Der telegraphischen Berichtigung in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes bezüglich der falschen Nachrichten über eine Fusion zwischen konservativer, bürgerlicher und zionistischer Partei wäre noch folgendes nachzutragen. Mit Mitteln, die selbst hierzulande Kopfschütteln erregten, versuchten es einige der Herren, die unter dem Motto „Einigkeit" nichts anderes anstreben, als ihre persönliche Macht unter dem Schutze des Prager Nationalrats zu befestigen die für unsere Verhältnisse geradezu katastrophale Judenpolitik des letzteren hier zu etablieren. So wurde der Frau eines Hauptfunktionärs der konservativen Partei in Abwesenheit des Mannes eine Visitkarte abgenommen und zu einer sogenannten Fusionierungsversammlung nur solche Leute einberufen, deren Einverständnis vorwegs gesichert war. Eine Klärung brachte schließlich eine in der Peßachwoche nach Uzhorod einberufene Plenarsitzung der jüdisch-konservativen Partei, die allen lügenhaften Gerüchten entgegentrat und aussprach, daß sie eine einige Partei wohl sehr begrüßen würde, aber nur auf einer ehrlichen und prinzipientreuen Grundlage eine Organisation schaffen könne, die der verantwortlichen Aufgabe, das Gesamtjudentum des Landes zu vertreten, gerecht werden kann. Interessant waren die Darlegungen des Ausschußmitgliedes T., der berichtete, daß ihm vor kurzem in Prag eine Zuschrift vorgewiesen wurde, nach welcher sich die jüdischbürgerliche Partei dem Prager Nationalrat bereits angeschlossen habe, was auf die „Einigkeitsbestrebungen* der Wortführer dieser Partei das richtige Licht wirft und der beste Beweis dafür ist, daß die ganzen Zwistigkeiten hier auf nichts anderes als auf Eroberungsgelüste der sattsam bekannten zionistischen Prager Reklamehelden zurückzuführen sind. Spendet rar den 3eschivafonds! Erklärung* In dem Organe der sogenannten „Vereinigten Jüdischen Partei", das in letzterer Zeit voll der häßlichsten, persönlichen Invektiven ist, wird das Finanzgebaren der orthodoxen Landeskanzlei in der diesem Blatt eigenen Weise besprochen. Es widerstrebt uns. auf die Kampfesweise dieses Blattes einzugehen. Wir wollen uns bloß auf die Tatsachen be- . schränken, die die Art und Methode gewisser Elemente beleuchten wird. So wird uns eine angebliche Unterlassung der Verrechnung von Zuckergeldern und anderer Einnahmen angedichtet. Was nun die Zuckergelder betrifft, haben wir mit Zustimmung der Regierung den Osterzucker ausschließlich zugunsten des Pensionsfonds mit einer kleinen Steuebelegt. Diese Steuer hat im Jahre 1920 50.149 Kö abgeworfen. Im zweiten Jahre 105.378 Kö getragen, welcher Betrag ohne mindesten Abzug in einer hiesigen Bank hinterlegt wurde, wovon wir wiederholt den berufenen Faktoren der Orthodoxie Mitteilung machten. Die ganze Summe fällt, wie bestimmt, dem nunmehr von der Landesrepräsentanz angenommenen, von der Regierung zu sanktionierendem Pensionsstatut zu. Bloß über die Zinsen dieses Betrages hat die Landesrepräsentanz über Antrag des Oberrabbiners Reich beschlossen, daß sie schon jetzt an Witwen und Waisen der Angestellten zur Verteilung gelangen sollen. Was hinwieder die Verrechnung der Einnahmen und Ausgaben der Kanzlei betrifft, enthält das Landesstatut hier» über Vorschriften, die genau eingehalten werden.

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