Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 15 (28.4.1922)
- Date
- 1922-04-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 JÜDISCHK PRESSE Seile 99 Wäschesammlung für Pogromwaisen. Unter diesem Titel schreibt Fr. Dora Wurm in Zürich folgenden Brief an das „Isr. Woch. f. d. Schw.*: „ Vor wenigen Wochen erhielt ich ein Schreiben, in welchem die Direktion des Kriegswaisenhauses Baden bei Wien mich um Unterstützung für Beschaffung von Wäschestücken dringend ersuchte. In der Anstalt, wo 42 bedauernswerte Pogromwaisen wieder ein Heim fanden, fehle es vor allem an ausreichender Bett- und Tischwäsche, an Hand- und Taschentüchern. Mit wenig Begeisterung entschloß ich mich zu einer Sammlung dieser gewünschten Gegenstände, weil ich sehr befürchtete, daß ich bei den hiesigen Juden, die in letzter Zeit von ähnlichen Bittgesuchen nahezu überschwemmt wurden, wenig Gegenliebe finden werde. Doch wie freudig überrascht war ich, als alle diejenigen, an deren Mildtätigkeit ich appellierte, wieder das alte echt jüdische Rachmonus bewiesen. HO Paar Strümpfe, 10 Dutzend Taschentücher, Handtücher, einige Stücke Flanell stoffe, Knabenblousen, Hemden, Hosen, Kragen usw., war der erste Erfolg der nur achttägigen Sammlung. Nachstehende Firmen spendeten in hochherzige]' Weise all die wertvollen Sachen: Gebr. Brandeis, Jul. Brann A.-G., Binder, Gh. J. Eiß, Fessel, Günsburg, Langstr., Frau S. Glaß, J. Horn, J. M. Herz, Isbitzki, Leszinsky, Leibowicz, M. und C. Lang, Rubinstein, Limmatquai, Frau Rosenzweig. Ihnen sei auf diesem Wege der innigste Dank jener armen Kleinen, denen ein unerforschliches Schicksal Eltern, Vaterhaus, Heimat und die heitere, Frohsinn atmende Jugend geraubt hat, ausgesprochen. Es wäre dankbar zu begrüßen, wenn auswärtige Firmen sich an der Judenheit Zürichs ein Beispiel nehmen und durch Zusendung der dem Waisenhause mangelnden Wäschestücke (hauptsächlich Bett- und Tischwäsche), an die Unterzeichnete, ihren Dank dafür bezeugen wollten, daß ein gütiges Geschick sie vor Gleichem bewahrte." (Der edlen Sammlerin und allen Spendern herzlichen Dank.) Italien. Jüdische Staatsmänner in Genua. Zwei jüdische Minister nehmen in Genua an den Beratungen teil: Rathenau, und der griechische Finanzminist er M. Mallach. Trankreicb. Eine neue Synagoge in Paris. Der Reformrabbinei* Louis in Paris, gründete eine neue Synagoge für die Anhänger der Philosophie Henry Bergson, welche bekanntlich Erez Jisroel eliminiert. Das Testament der Baronin Salomon de Rothschild. Die jüngst verstorbene Baronin Salomon de Rothschild testamentierte unter anderem Frcs. 1,000.000 füi den „Jewish Board of Guardians", Frcs. 1,000.000 für das „Jüdische Heim für junge Mädchen" und Frcs. 100.000 für die jüdische Gemeinde in Paris. England. Angebliche Unstimmigkeiten zwischen Samuel und der englischen Regierung. (JPZ) Die „Pall Mall Gazette" verbreitet das Gerücht, daß das Verbleiben Herbert Samuels im Nahen Osten wahrscheinlich nur mehr von kurzer Dauer sein wird. Laut „Daily Sketch" sollen zwischen Samuel und Churchill Differenzen entstanden sein, wegen der palästinensischen Gendarmerie. Samuel behaupte, er habe keine Fonds zu seiner Verfügung und die Schaffung der Gendarmerie sei ausschließlich Churchills Werk. Churchill dagegen stehe auf dem Standpunkte, daß die Gendarmerie nur Palästina angehe und der Reichsschatz außerstande sei, diese Last zu tragen. Mehrere ziemlich lebhaft verlaufene Kabinettsitzungen sollen sich angeblich mit dieser Frage befaßt haben. (Im Golonial Office wurde erklärt, daß man dort von den angeblichen Rücktrittsabsichten Samuels nichts wisse. — Auch die Meldung von den Differenzen zwischen Churchill und Samuel ist mit Reserve aufzunehmen. JPZ.) Rolland. Zentralisierung des Emigratenwerkes in Holland. Unter Vorsitz des Oberrabbiner Onderwijzer fand in Amsterdam eine wichtige Konferenz statt, zu dem Zweck, die Wege und Mittel zu besprechen, um die Tätigkeit der 24 Vereine zur Unterstützung jüdischer Emigranten zu zentralisieren. Außer Rabbiner Asscher (Groningen) und Rabbiner Hirsch (Zwolle), waren die Vertreter der 24 Hilfsvereine anwesend. Es wurde beschlossen, ein Komitee zu bilden, das sich mit dieser Frage befassen und genaue Vorschläge entwerfen soll. Ehrung* eines holländischen Juden durch Prankreich. M. J. Duparc, Referent im Unterrichtsministerium, früher des Innern, wurde von der französischen Regierung zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. Indien. Montague der Indierfreund. (JPZ) Die demokra- : tische Partei der Gesetzgebenden Versammlung in . Indien hat vorgeschlagen, daß alle Mitglieder des I indischen Parlamentes Beiträge leisten sollen für i die Errichtung einer Marmorbüste im Sitzungssaale : zu Ehren Montagues, als Dank für dessen wohl-; wollende Gesinnung für die Indier und die Durch- I führung der konstitutionellen Reformen.! Rußland. j 3 Millionen Dollar für ukrainische Hilfe. (J. C. B.) In einer in London zwischen Vertretern des „Joint"; und der American Relief Administration stattj gefundenen Konferenz wurde ein großzügiges Pro-! gramm für die Hilfstätigkeit in der Ukraine entworfen, | das einen Aufwand von 3 Millionen Dollar vorsieht. | Die Hälfte dieser Summe wird vom Joint gedeckt. Die jüdischen Pogromopfer fordern Entschädigung. (J. C. B.) Der Aufruf der jüdischen proletarischen Organisationen an die jüdischen Pogromopfer, in Genua eine Entschädigung zu fordern, hat in vielen Städten Rußlands Anklang gefunden. In Kiew, Minsk, Charkow, Hornel usw. haben Volksversammlungen stattgefunden, in welchen beschlossen wurde, die russische und ukrainische Delegation in Genua zu bevollmächtigen, Entschädigung für die Pogromopfer zu fordern. Appell Dr. Nansen für jüdische Plüchtlingshilfe. (J. C. B.) Der Oberkommissär des Völkerbundes, Dr. F. Nansen, richtete an Mr. Lucien Wolf ein Telegramm, in dem er aut die wertvolle Mithilfe jüdischer Organisationen für sein Hilfswerk in Rußland hinweist und um weitere tatkräftige und rasche Unterstützung der russisch-jüdischen Flüchtlinge bittet. CürKei. Eine jüdisch-türkische Deputation in Genua. „Jewish Chronicle" berichtet: Eine Deputation von jüdischen Gemeinden im Dardanellendistrikt ist nach Genua abgegangen, um vorstellig zu werden, daß in dem Friedensvertrag mit der Türkei die Worte Schutz der christlichen Bevölkerung auf „nichtmoslemitische Bevölkerung" geändert werde; die britischen Vertreter seien für die Erfüllung dieser Forderung. Die Beziehungen zwischen Türken und Juden. (J.C.B.) Entgegen den Behauptungen eines griechischen Staatsmannes, daß die Juden in der Türkei Verfolgungen und Massakers drohen, erklärte der Konstantinopeler Chacham Baschi, Chaim Bedjarano Effendi, dem Vertreter einer türkischen Zeitung gegenüber: Die Juden bekundeten immer öffentlich ihre große Anhänglichkeit an die Türkei. Seit 450 Jahren führen wir in der Türkei ein glückliches und freies Leben. Wir zweifeln nicht daran, daß dies auch in Zukunft so bleiben wird. Eure Schmerzen sind auch unsere Schmerzen. Persien. Rabbiner Kornfeld — als Botschafter. Der neue amerikanische Gesandte in Persien Rabbiner Kornfeld hat sein Amt bereits angetreten. Die persischen Juden begrüßten ihn durch eine Deputation und waren sehr begeistert, aus dem Munde des amerikanischen Gesandten eine mit hebräischen Zitaten durchwirkte Rede zu hören. Sr. Ehrwürden der Gesandte sagte u. a., es gäbe in den angelsächsischen Ländern keinen Antisemitismus. Ford hätte Fiasko erlitten. Man müßte — sagte er — nicht nur die Mäuselöcher verstopfen, sondern die Mäuse selbst vernichten. Krise in der Leitung des IftisracDi. Rabbi Fischmann demissioniert. Das orthodoxe hebräische Wochenblatt,MachsikeHadas4 in Jerusalem meldet, daß Rabbi Fischmann, dem Vernehmen nach abdanken wird und das von ihm geleitete misrachische Wochenblatt „Hator" eingestellt werde. Der Artikel Rabbi Fischmanns. Die Abdankung Rabbi Fischmanns, die große Bestürzung in dortigen misrachischen Kreisen hervorzurufen scheint, wird von ihm selbst in einem Artikel im „Doar Hayom" mitgeteilt. Die Leitung des Misrachi erleidet an ihm einen unersetzlichen Verlust. Rabbi Fischmann erregte bereits an der ersten konstituierenden Weltkonferenz des Misrachi in Preßburg große Aufmerksamkeit durch sein profundes talmudisches Wissen verbunden mit großer Tatkraft. Wie immer man von ihm denkt, ist Rabbi Fischmann keinesfalls geeignet, sich zur Kreatur der zionistischen Leitung herzugeben. Rabbi Fischmann erklärt im „Doar Hayom", daß er bereits in Karlsbad zurücktreten wollte, „als einer der im Misrachi seit Beginn seiner Gründung gestanden ist, war ich mir stets bewußt, daß die misrachische Organisation nicht geschaffen wurde, um nur ein Werkzeug der zionistischen Organisation zu sein". In warmen Worten spricht Rabbi Fischmann von der Pflicht des Misrachi, das ganze Leben religiös zu durchdringen „nicht nur die misrachische Stampiglie auf die zionistischen Schekelblocks zu setzen, sondern seinen geistigen Stempel auf die ganze Bewegung aufzudrücken". Er habe in Karlsbad nicht eher mitarbeiten wollen, bis ihm die misrachischen Funktionäre dies versprochen hätten, sie haben aber ihr Versprechen nicht gehalten. „Einerseits — sagt Rabbi Fischmann — versinke die misrachische Organisation im Auslande gänzlich in der zionistischen, ohne überhaupt einen religiösen Einfluß auszuüben, andererseits sind sie derart in politischer und kultureller Arbeit vertieft, daß sie ganz an ihre Pflicht gegenüber Erez Isroel vergaßen. Er könne die Verantwortung für die Haltung der Misrachim in Chuzloorez nicht übernehmen." Erklärung der Misrachi-Leitung. Rabbi Schönfeld und Pick geben im Namen der Leitung eine höchst unmännliche Antwort ab. Sie können Rabbi Fischmann wegen seines Schrittes (daß er mehr Religion verlangt) nicht tadeln; sie anerkennen ebenfalls alles was er sagt, aber sie fühlen sich verpflichtet zu bleiben (Schweres Opfer!), Sie hoffen, daß Rabbi Fischmann erfolgreich für seine Anschauung kämpfen werde (sie haben nichts dagegen, wenn dermisrachische Einfluß in der Bewegung wachsen würde) und fordern die Genossen in Chuzloorez auf, besser ihre Pflicht zu erfüllen. — Sie aber bleiben auf alle Fälle. Ein neues Industrieunternehmen in Palästina. (J. C. B.) Hier wurde ein Unternehmen unter der Firma: „Binjan Haarez, Ltd." mit einem Kapital von 15.000 Pfund registriert. Die der Aguda nahestehende Keren Hajischuw Cie. Ltd. beteiligt sich an der ersteren mit 1000 Pfund Sterling. 70.000 Dollar für sanitäre Zwecke. Das „Joint" in New York hat für sanitäre Zwecke in Palästina einen weiteren Betrag von 70.000 Dollar votiert. Die Organisierung der jüdischen Gemeinden. „Kol Jisroel" meldet: Erew Rosch Chodesch Nissan fand zwischen Rabbi Chaim Sonnenfeld und dem Sekretär der jüdischen Abteilung bei der Regierung Bentwich, eine Besprechung statt. Bentwich bat Rabbi Sonnenfeld den Waad hoir ho'aschkenasy aufzufordern, ein Programm auszuarbeiten, auf Grund dessen die jüdischen Gemeinden in einer Weise zu organisieren wären, daß alle Parteirichtungen zufriedengestellt wären. An der Besprechung hat auch de Haan teilgenommen. Uebersiedlung des Nationalfonds nach Palästina. (J. C. B.) Im Einvernehmen mit dem hier anwesenden Generalsekretär des jüdischen Nationalfonds wurde beschlossen, die Uebersiedlung der Hauptbüros des jüdischen Nationalfonds aus dem Haag nach Jerusalem im Juli des Jahres durchzuführen. „Hakatar", hebräische Eisenbaltnerzeitung. Die jüdischen Eisenbahner geben eine Zeitschrift,Hakatar' heraus, die hauptsächlich Fachausdrücke fürs Verkehrswesen pflegt und die Interessen der Gewerkschaft verteidigt. Einführung des Metermaßes in Palästina. Bisher herrschte in Erez Isroel ein Durcheinander von verschiedenen Größen- und Gewichtsmaßen. Nunmehr führt die Regierung den Meter, das Gramm und den Liter ein. Sir Herbert Samuel wird den von uns bereits gemeldeten Aufenthalt in England bis Ende Juni ausdehnen. Die Araber für Herbert Samuel. Wie „Doar Hayom" mitteilt, ist eine moslemitische Deputation von Delegierten aus allen Teilen des Landes in Jerusalem eingetroffen, um ihre Forderungen beim Sekretariat vorzulegen. Die Forderung besteht aus folgenden Punkten: l.DerHighCommissioner Samuel möge im Amte verbleiben. 2. Die zionistische Einwanderung möge den bisherigen Begrenzungen unterworfen bleiben. 3. Der Nationalverband der Moslims möge die Erlaubnis erhalten, überall Ortsgruppen zu errichten. Der Papst und die Araber. Omar el Bitor, Präsident der Araber in Jaffa, hat den Papst anläßlich der Wahl begrüßt und erhielt einen telegraphischen Dank des Papstes als Antwort. Protest der Araber an die Orientkonferenz. Die Verbände der christlichen und moslemitischen Araber in Haifa und Jaffa haben an die Orientkonferenz Proteste gegen die Tätigkeit der Zionisten gesendet. Zwei Mitglieder der arabischen Delegation haben sich bemüht, diesen Protest Geltung zu verschaffen. En gros En detail Wasserdichte enmöntel GUMMI-INDUSTRIE Wien, TaborstraOe 39 Hotel Bayrischer Hof. Teleph. 40324 »