Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 15 (28.4.1922)
- Date
- 1922-04-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 JÜDISCHE PRESSE Seite 97 Hundert von der gebenschten Künstlerhand selbst signierten, von Aleph bis Kuf numerierten Exemplaren) austoben wird. Just Schir-ha-schirim als Inspiration zu erotischer Kunst ausersehend, das schönheitsumflossene hehre Gleichnis im Zerrspiegel des eigenen verstörten Geistes karrikierend, den bedauernswerten ohnedies all zu sehr bescherten zionistischen Mäzen nochmals zu parteipflichtigen Neuanschaffungen von schlotterigsten Aktgespenstern nötigend, denen der Kunsthandel vielleicht keinen Mehrwert über Makulaturgewicht zubilligen würde, die aber mit unholden Hebraisken, in futurisierter Bezalelmanier verbrämt, von der Parteipresse (falls der „Künstler" politisch verläßlich ist) organisationsämtlich als eines jener Meisterwerke punziert werden wird, die auf keinen jungjüdischem Tische fehlen dürfen. Die bühnenmäßige Ausschrottung dieses Exzesses stellen wir uns etwa in einem auf yiddischen Varietes gebrachten Singspieles „Schi-ha-schirim" vor, das nach der Idee des Dr. Gh. von Maly Picon getanzt wird. — Aber am vergangenen Pessachfeste, das im Zeichen des unsterblichen g-ttlichen Dithyrambe steht, haben, mehr als je, Hunderttausende von frommen Seelen mit gebotener Inbrunst Schir-haschirim gesagt. Da fällt dem Rezitierenden ein Begleitwort des Talmud in Traktat Synhedrion auf: „Wer auch nur einen Vers aus Schir-ha-schirim nimmt und ihn zu einem weltlichen Sange machen will, bringt das Böse über die Welt, denn da gürtet sich dieThora mit Sack, tritt vor Hakodosch-boruch hin und sagt: Deine Kinder haben mich zum Instrument gemacht, das man spielt vor den Zynikern." Wie merkwürdig! Auch da muß sich die Geschichte wiederholt haben! Der Geist jeder Epoche weist eine Einheitsfront von Literatur, Kunst, Kehgion und Politik auf; eines influenziert das andere; leichtfertige demagogische Politik und leichtfertige Auffassung der Thora, um sich vor seinem Gewissen zu rechtfertigen; hastende, das Schönheitsgesetz scheuende, entnervte Künstlerhand sowie flügellahmer am Irdischen haftender, das herbe G-ttesgesetz scheuender Geist, die ihre sittliche Unmacht erbittert gegen den Druck der ewigen Gesetze des Schönen und Guten verteidigen — sie gehörten damals wie heute zusammen. Darum ist schon die Sucht nach der Zerstörung des Glaubens an die reine Heiligkeit des Schir-ha-schirim Maßstab für die Gefahr, die dem Volkswohl seitens dieser Zyniker droht. So ward das Lied der Lieder auch in unserer Zeit wieder zum Prüfstein für das reine Gold wahrer Jüdischkeit, zu einem Zauberspiegel, in dem der Eine nichts als Helena erblicken kann, nichts als das erotische Ich widerspiegelt sieht; in dem aber dem Anderen eine wundersame Apokalypse von der Vereinigung der jüdischen Volksseele mit ihrem ewigen Schöpfer zu erblicken vergönnt ist. B. IT! Grand Sanatorium CUa$$crbeilan$talt Bratislava (Prepurg) Erstklassige Universal-Heilanstalt für Spezialbehandlung der inneren-. Nerven-, Zucker-, Gallenstein-, Hieren-, Magen-. Darm-, Herz- und Blutgefaßkrankheiten. Mast- und Entfettungskuren. Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Urologie, Dermatologie, Ortopädie, Augen-, Ohren-, Nasen-und Kehlkopfkranke. Wohnung, Beheizung, Beleuchtung, Bedienung, Krankenpflege, ärztliche Pflege, 5 Mahlzeiten von Kc 83-— aufwärts. Wasserheilanstalt in vollem Betriebe auch für Auswärtige. Streng rituelle "")tiD Küche unter Aufsicht des Preßhurger Oberrabbinates Leitender Chefarzt: DR. SIGMUND ARANYI. In keinem jüdischen Hause fehle die „Jüdische Presse". NACHRICHTEN. Deut$cfto$terreicft. Große Rückwanderung von polnischen Juden. In den letzten Monaten ist in Wien eine außerordentlich starke Rückwanderung von polnischen Juden nach der alten Heimat zu konstatieren. Als Ursache wird von den Rückwanderern selbst die in Wien herrschende große Teuerung und Geschäftsstagnation bezeichnet. Dadurch, daß die Warenpreise in Wien die Weltparität erreicht haben, sind besonders die in Händen der Galizianer befindlichen Geschäftsbranchen lahmgelegt worden. Die Abwanderung würde größere Dimensionen annehmen, wenn die in Aussicht gestellten Transportmittel zur Verfügung stehen werden. Ein Waggontransport nach Polen kostet gegenwärtig K 400.000 bis K 500.000, was sich nur Gutbemittelte leisten können. Es war schon die Rede davon, daß das „Joint" diese Transporte besorgen verde, die Sache blieb aber in Schwebe. Das amerikanische Hilfskomitee für Thoraanstalten. Das Central-Relief-Comite in New-York hat an Oberrabbiner S. Fürst K 1,827.591 zur Verteilung an folgende Anstalten gesendet: Für die Talmud Thora K 620.695 als vierteljährige Subvention zu Händen des Herrn Markus Bondi, K 517.241 für Machsike Hadaß zu Händen des Herrn J. März, ferner K 689.655 für Jessod Hatora und Or Thora und eventuell noch andere Thoraschulen. Dem Zentral-Hilfskomitee und besonders dem Finanzsekretär Herrn Engelmann, der stets für die Interessen der Orthodoxie eintritt, sei hier der wärmste Dank ausgesprochen. Das „J.C.B." und die Aguda. Das „Jewish Korrespondenz-Bureau" versendet folgenden Bericht: Der Zentralrat der Aguda veröffentlicht einen Aufruf an die in der Aguda organisierte jüdische Orthodoxie, eine ausgibige Hilfsaktion für die Hungernden in Rußland zu organisieren. — Dieser Bericht verrät in zwei Dingen die Absicht, den Wert dieser Aktion herabzumindern. Vorerst in der unrichtigen Bemerkung, daß der Aufruf an die extreme Orthodoxie gerichtet ist, er ist vielmehr an die ganze Oeffentlichkeit gerichtet; zweitens ist es überhaupt unwahr, daß in der Aguda nur die extremste Orthodoxie organisiert ist. Die Aguda ist gegenwärtig die einzige Organisation der glaubenstreuen Juden. Es besteht keine zweite extremere oder freisinnigere! „Misrachi" organisiert ja nur diejenigen konservativen Juden, die den Schekel bezahlen; sie ist ja daher um den Schekel und nicht um die Thora organisiert. Die „J.C.B/ wird letzterer Zeit wiederholt des Mangels an Objektivität ihrer Berichte geziehen, und eine Berücksichtigung dieser Beschwerden wäre sehr zu empfehlen. Abschied des Rabbi Meir Arak sohl. Der „Buczaczer Raw", Rabbi Meir Arak, der einer Berufung nach Tarnow Folge leistet, war dieser Tage anläßlich seiner Abreise von Wien, wo er mehrere Jahre hindurch als Kriegsflüchtling lebte und für die Erstarkung des Thorageistes mit großem Erfolge wirkte, Gegenstand großer Ovationen. Die Nachricht von der bevorstehenden Abreise des großen Ben-Thora weckte in weiten Kreisen der orthodoxen Juden Wiens ein Gefühl tiefsten Bedauerns. Von allen Seiten bemühte man sich, dem neugewählten Oberrabbiner von Tarnow Liebe und Verehrung zu zollen. Besonders war es der Anhängerkreis der Aguda und der Talmide Ghachomim von Wien, die dem Meister in diesen Tagen seine Wertschätzung zum Ausdruck bringen wollte. Am 7. Tage Pessach fand sich ein Kreis hervorragender orthodoxer Juden von Wien in der „Zabner Klaus" ein, deren Einladung Rabbi Arak Folge gegeben hatte, um dem geistreichen Vortrag des scheidenden Lehrers zu lauschen. Während der Verlesung aus der Thora wurde zu Ehren des Rabbi für verschiedene religiöse und wohltätige Zwecke, insbesondere für die Aktion der Aguda zur Linderung der Hungersnot in Rußland reichlich gespendet. Einer der anwesenden Agudaführer gab durch eine Spende von K 72.000 den Anstoß zur Ehrung des Rabbi durch die Gründung einer Anstalt, in der unter den Augen des Rabbi in seinem neuen Wirkungskreise Tarnow jüngere, durch Kenntnisse sich besonders auszeichnende Gelehrte mit Kost versehen werden (Bes Tawschil), um sorgenfrei ihre Kenntnisse zu vervollständigen. Am Sabbat vormittag folgte 4er Rabbi der Einladung des Beth Hamidrasch des Adas Jisroel (Schiffschul) und hielt einen halachisch-exegetischen Vortrag von erlesener Geistigkeit. Am Schlusses seines Vortrages dankte der Rabbi für all die Gastfreundschaft, die er in Wien genossen hat und legte allen treuen Söhnen des Judentums die Förderung der Aguda ans Herz. Beim Ausgang des Sabbats versammelte sich die gesetzestreue Jugend, die chasidischen und aschkenasischen Bachurim, bei gedeckter Tafel um den großen Rabbi zur Feier der Melawe Demalko. Selbstverständlich waren auch viele ältere führende Persönlichkeiten anwesend. Diesmal benützte der Rabbi die Gelegenheit, um die Jugend mit herzgewinnenden Worten zur fleißigen Erforschung der Thora und der Befolgung ihrer Lebenslehren anzueifern. Zum Schlüsse wurde das Benschen zugunsten der neuzugründenden Anstalt in Tarnow versteigert. Der Erlös ergab K 128.000. Bei der Abreise am Dienstag morgens erschienen viele hunderte Verehrer des Rabbi am Bahnhofe. Viele gaben ihm mehrere Stationen das Geleite. Eine Abordnung des Zentralrates der Aguda und der Jugendgruppe begleitete den Rabai bis Tarnow. Rabbi Meir Arak gehört seit der Gründung der Aguda dem obersten „Rabbinischen Rate" an. Von seinem Wirken in Tarnow wird allseitig ein neues Aufblühen des Thorastudiums in diesem hervorragenden Zentrum des Judentums erhofft. Der Munkacser Rabbi schl. in Wien. Der gefeierte Ghassidim-Rabbi reist über Preßburg, Wien und Budapest nach Warschau. Der Rabbi kam Sonntag abends in Bratislava an, wo er von einer großen Menge begrüßt wurde. Er übernachtete bei Herrn W. Neumann. Montag nachmittags reiste der Rabbi nach Wien, wo er im Hause des Sassower Rabbi abgestiegen ist. Auf der Reise hatte unser Mitarbeiter Gelegenheit, mit dem Rabbi über seine Stellungnahme zu den jüdischen Fragen zu befragen. Der Rabbi, der die zionistischen und misrachistischen Bewegungen in schärfster Weise mißbilligt, findet, daß auch die Aguda sich in gleichem Fahrwasser befinde. Er hält weder die deutschen noch die polnischen Methoden für richtig, sondern würde eine orthodoxe Weltorganisation nach dem Prinzipe, welche die ungarischen Gedolim im Jahre 1868 ausgesprochen haben, gegründet sehen. Er weist mit scharfem Tadel darauf hin, das man in Polen schon ein Zusammengehen mit dem Misrachi erwogen habe. Der Rabbi hat im Interesse der Kolels eine wichtige Sache, die noch im alten Außenministerium abhängig war, sehr günstig erledigt. Auf Einladung des gewesenen Grafen Schönborn besuchte der Munkacser Rabbi ihn in seinem Schlosse bei Wien. Agudaführer haben den Raw aufgesucht und eine längere Besprechung gepflogen. Mittwoch ist der Munkacser Rabbi in Budapest, von wo er nach Warschau fährt, um die Grabstätten seiner Ahnen zu besuchen. Er wird da auch Gelegenheit nehmen, mit dem Gerer Rabbi schl. Besprechungen zu pflegen. Oberrabbiner Fürst in der Schönlatern-Synagoge. Die „Schönlaternschul" ist eine alte, wenn auch halbverfallene Burg der Orthodoxie. Hier hat Rabbi Lazar Horowitz s. 1. gewirkt. Es bestand daher auch die Tradition, daß der Wiener Oberrabbiner am Sabbat vor Pessach eine Droscho in der Schönlaternschule hielt. Zuletzt hat der sei. Oberrabbiner Güdemann diese Tradition bestätigt. Da die Mitglieder der Schönlaternschule aber strengkonservativ orientiert sind, haben sie nun Sr. Ehrw. Oberrabbiner Fürst zur Abhaltung der traditionellen Droscho eingeladen. Am Parschas Ha-chodesch hielt nun Oberrabbiner Eürst eine tiefdurchdachte und zu zu Herzen dringende Droscho und weihte gewissermaßen die Schönlaternschule nochmals als Stätte streng traditionstreuen Jüdischkeit. „ Wechol chacham lew bochem jowoiu wejaasu", sagte der Redner unter anderem. „Nur Männer, die die Volkspersönlichkeit Israels vollauf begreifen, das innerste Wesen des Judentumes erkennen, können als Führende das Mischkan errichten. „Frauenhilfe". Eine unschätzbar edle Tätigkeit wird in diesem Vereine von einem Kreise hochsinniger Frauen ausgeübt; hunderte von Familien werden in wahrhaft jüdisch-schwesterlicher Weise von den Nöten der Armut, die vielfach hart drückend in der Zeit der bitteren Teuerung empfunden wird, bewahrt. Es ist besonders Herrn Hofbauer zu verdanken, daß der Verein in diesem Winter seiner Aufgabe gerecht werden konnte. Eine größere Aufmerksamkeit und Mithilfe der größeren Oeffentlichkeit brächte mehr Licht und Glück in viele Wohnungen, wo hilfsbedürftige jüdische Schwestern unter dem Joche der Armut seufzen. Der Lohn des Beschützers der Armen wird da nicht ausbleiben. Dr. Nathan Birnbaum und die Aguda. Wir sind ermächtigt, zu erklären, daß die in mehreren Blättern erschienene Nachricht als ob Dr. Birnbaum aus der Aguda ausgetreten sei, unwahr ist. Ungarn. Samu Bakonyi — gestorben. Der gewesene Vizepräsident der Unabhängigkeitspartei, Samu Bakonyi, gewesener Abgeordneter von Debrezin, ist im Alter von 60 Jahren in Budapest gestorben. Er war im Parlamente von Altungarn von allen Parteien geachtet. Bemerkenswert war seine Haltung bei den Wehrgesetzvorlagen. Er nahm auch Anteil am jüdischen Leben. Bakonyi war ein Schwager des Vizepräsidenten der isr. (neol.) Landeskanzlei kgl. Rat Dr. Franz Mezey. Mit ihm schwindet Ihre Spende genügt nicht! JjSrs, ÄÄX Penken Sie daran! ^^^f^^^^mmmm^^mmmmmmmmmmmmaammr Massen in Rußland zu spenden! ^mmmmaammmmmmmmam^mmmmr