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Jüdische Presse · 1922-04-07 · 14 (7.4.1922) · page 9

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
14 (7.4.1922)
Date
1922-04-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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9 Kr. 14 JÜDISCHE PRESSE Seite 91 Brief aus Ru$$okarpatbien. Im Nachtrage zu meinem vorwöehentliehen Berichte nuß ich bezüglich der Munkacser Versammlung vom?0. März noch ergänzen, daß die Hauptreferenten der Versammlung Dr. Färbstein aus Eperjes und Guttmann junior aus Szöllüs waren. An Dr. Färbstein wurden wenige Tage vorher die Direktiven für diese Sitzung nogav durch einen persönlichen Boten aus Frag überbracht. Nichtsdestoweniger erklärte selbstverständlich der Präses der Eperjeser Neologengemeinde Dr. Färbstein, der schon wiederholt bei uns, zuletzt, in Beregsas als zionistischer Agitator auftrat und der Delegierter am letzten Karlsbader Zionistenkongreß war, daß es sich bei der kommenden Einheitspartei ihm sicher nicht um Z i o n i k m li s, sondern nur um die „Einigkeit" handle und er fand ebenso, wie sein enger Gesinnungsgenosse «Juttmann in dieser Versammlung Leute genug, die ihm glaubten. Die „Bürgerliche Partei" hatte nämlich unter dem Vonvande, daß bei dieser Tagung die Frage der Bodenpacht-Ablösung erörtert würde, eine große Anzahl kleiner Landwirte herbeigelockt. Von diesen meist armen Leuten wurde schon vor Monaten Geld genommen, es hat jedoch die von Prag zurückgekehrte Deputation der „Bürgerlichen", welche zwecks Abänderung des betreffenden Gesetzes „unter Führung des Prager Nationalrates" — wie man seinerzeit reklamehaft berichtete — in Präsidenten-Audienz erschien, diesen Leuten bisher ihren vollkommenen Mißerfolg verschwiegen und die armen Leute werden unter falschen Hoffnungen noch immer hingehalten. (In Wirklichkeit dürfte der von der „Konservativen Partei" vorgebrachte Antrag zu dem Gesetze, das man leider nicht mehr ändern kann, wenigstens eine menschliche Durchführungsverordnung zu machen, etwas Linderung bringen). Ich hin über das Ergebnis der weiteren „Friedens- Terhandlungen" noch nicht unterrichtet, man gibt sich jedoch, zumal es leider gelungen ist, mit Mitteln, die ich nicht näher andeuten will, einige „Konservative" weich zu machen, der Hoffnung hin, daß die von Prag und den hiesigen Gesinnungsgenossen ausgegebene Devise, u m jede n P r e i s die „Konservative Partei" u m z ub r i n g e n, gelingen werde. Dieses hehre Ziel wurde in den letzten Tagen um so energischer verfolgt, als die Nachricht von der Gründung der großen „Jüdischkonservativen Partei" in der Slowakei hierher gedrungen war und nun wirklich die „Gefahr" besteht, daß die Majorität der Juden in der Republik auf einer ehrlichjüdischen Grundlage organisiert, werden könnte. Die nächsten Tage dürften vielleicht Aufklärung bringen und kann ich nur bestimmtest versichern, daß selbst finden Fall, daß wiederum ein Teil einwandfreier und ehrlicher Juden auf den „Prag-Munkäcser zionistischen Leim" gehen sollten, sie sich nach kurzer Zeit wiederum überzeugen werden, daß sie nur das Opfer von Irreführungen sind. Das Traurige dabei ist nur, daß das jüdische, Volk hier das Opfer dieser angeblichen „Einigkeitsbostrehungen" sein wird und die Zeche bezahlen müssen wird für die Gelüste eines Häufleins unverantwortlicher und skrupelloser Elemente. Wir hoffen, daß e> nicht dazu kommt. falsche Tu$ion$nacbrkftt, Aus M u n k ä c s wird uns telegraphiert: Die in den Blättern publizierte Nachricht von der Fusion der konservativen Partei mit der demokratischen, ist falsch. Die konservative Partei, hat hiezu Niemanden bevollmächtigt. Zum Prager „Nationalkongreß" vom 19. März berichtet das Blatt der tschechischen Juden „Rozvoj", daß selbst nach Anführung der „Selbstwehr" der Kongreß „nicht allzureich" besucht war und in Wirklichkeit nur die seit Jahren schon bekannten Schlagworte wiedergegeben wurden und man sich ■vergeblich bemühte, den Rückgang der sogenannten jüdisch-nationalen Bewegung zu bemänteln. Der Lichtblick, auf welchen die „Führer" mit großen Erwartungen verweisen, war Pkissokarpathien. Man hatte die Stirne zu behaupten, daß 85.000 Juden, welche sich in Russokarpathien bei der Volkszählung in der Rubrik Nationalität als „jüdisch" eintragen ließen, Parteigänger des Nationalrates wären, während, wie das Blatt ausführt, bis auf ein paar hundert junger Zionisten, all diese Juden überzeugte Orthodoxe und obgleich sie im Herzen bessere Zionsfreunde sind als die „Nationalrätedennoch ausgesprochene Gegner und Verächter dieser Reklamhelden sind. Das Blatt verweist auf die jüngst gegründete „jüdisch-konservative Partei" in der Slowakei, welche zweifellos die stärkste und einflußreichste jüdische Partei der Republik werden dürfte. Schließlich beschäftigt sich das Blatt mit der Person des Prager Oberrabbiners Dr. Brody, welcher sich zu der Rolle eines Vizepräsidenten dieses „Kongresses" hergegeben habe, in einer unhöflichen Weise, die wir nicht wiederholen. Es scheint, daß diese Prager zionistische Veranstaltung sich würdig den „Kongressen", „Mandataren-Versammlungen" und welche Titel man sonst noch für die Reklamtaten und „Retter und Regenerierer des Judentums" konstruiert, anschließt. Der Delegiertentag in Uzhorod. Wir erhalten folgenden Bericht: Der Delegiertentag wurde von einer Vorbereitungskommission, an deren Spitze die Ehrw. Rabbiner aus Uzhorod und MukaCevo gegestanden sind, einberufen. Jedoch war der Kongreß bedauerlich nicht gehörig vorbereitet und erst am zweiten Tag gelangte man zu einer meritorischen Verhandlung des hochwichtigen Gegenstandes. Es gelang ferner den anwesenden Ehrw. Rabbinern, nach eingehender und objektiver Besprechung der Situation sich über die hier waltende, traurige Parteileidenschaftlichkeiten zu erheben und im Prinzip auzsusprechen, daß die Organisation der Kultusgemeinden in Podkarpatska Ruß, sich an die . Orthodoxe Landesorganisation der Slowakei und ihre Zentrale anschließen solle. Diese einheitliche Resolution wurde Tags darauf von dem Oberrabbiner von Bilko, im Namen der Rabbiner dem Plenum vorgelegt, woraur auf Vorschlag des Oberr.Schreiber- Beregsas der Delegiertentag einhellig den Anschluß der hiesigen Kultusgemeinden an die slowakische Orthodoxe Landesorganisation im Prinzip ausgesprochen hat. Es wurde zugleich eine fünfzehngliedrige Kommission entsendet, u. zw. 6 Rabbiner und 9 Laien, denen zur Aufgabe gemacht wurde, mit der Bratislavaer Zentralkanzlei die Verhandlungen anzuknüpfen, behufs Feststellung der Modalitäten und Konditionen, unter welchen die Affilation bewerkstellig werden solle. R. Aguda-Jngendgrnppe, Bratislava. Mit dem Semesterschluß wurde auch die durch die Jeschiwa- Aktion der Jugendgruppe eingeleitete Frühstücksaktion beendet. Diese Aktion, die eigentlich als eine Nebenaktion der Jeschiwasektion, die auf dem Gebiete des Ghizuk Hathauro sich besondere Verdienste erwarb — zu betrachten ist, weist in diesem Semester einen Verlust von öK 2000-— auf. Herr Adolf Fischer gab sich als Leiter besondere Mühe, den Anforderungen der Bachurim gerecht zu werden und diese Aktion in vollster Ordnung zu leiten. Auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge wird auch' Uebermäßiges geleistet. Schlußverhöre in Bratislava. Anläßlich des Abschlusses des Wintersemesters fand vor kurzem in Anwesenheit mehrerer Vorstandsmitglieder das große Verhör in der Jeschiwa statt. Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Schreiber, der die reiche durchgenommene Materie prüfte, konnte mit Genugtuung konstatieren, daß diese alte Thorastätte noch immer ein Hort einer zielbewußten und strebsamen, vom Thorageiste geadelten Jugend sei. Das Resultat war ein durchaus zufriedenstellendes. Das dem großen Schiurverhör vorangegangene Großverhör des Nebenschiurs, durch Se. Ehrw. Rabbiner David Wessely geleitet, verlief sehr befriedigend. Das große Pensum, das die Bachurim fast ausnahmslos meisterhaft beherrschen, gab beredtes Zeugnis für den Fleiß der Bachurimschaar. Angenehm überraschten die Jünger der Uebergangsklasse, die reiches und gründliches Können an den Tag legten. Jüngst wurde auch der Semester in der Jesoda- Hathauro beendet. Die Zöglinge der vorzüglich geleiteten Lehranstalt, die nunmehr in ihrer Blüte steht, erbrachte den Beweis, daß die Zeit während des Schuljahres gründlich benützt und ausgenutzt wurde. Auch die von der Aguda-Jugendgruppe versorgten Kinder entsprachen vorzüglich. Es gilt den Preßburgern als eine Genugtuung, daß in dieser „Ir weem bejissroel", den „Keren Hathauro" in einer moralisch so herabgesunkenen Zeit, wieder blühen zu sehen.' Aguda-Abend in IPresov. Vor einem vielhundertköpfigen Publikum, in welchem auch viele Zionisten und Misrachisten vertreten waren, hielt Samstag, den 11. März, im großen Saale „New York", Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Jung aus Glevland (Amerika) einen großzügigen Vortrag über die Ziele der Aguda. Tosender Beifall lohnte die geistreichen und, wirkungsvollen Ausführungen des illustren Redners. In der dem Vortrage folgende Diskussion beantwortete Redner sehr taktvoll aber ebenso entschieden und überzeugend sämtliche „Kasches" der Zionisten. Am darauffolgenden Nachmittag hielt wieder die junge Frau des Rabbiners Dr. Jung eine begeisternde Rede über die „Aufgaben und Pflichten der Frauen Jisroels" für die Mädchen und Frauen unserer Gemeinde und erntete ebenfalls den größtmöglichen Beifall. Velke Tapolcsany. Sonntag, den 4. Nissan, begab sich eine Deputation unserer Gemeinde, bestehend aus den Herren Salamon Gellei, Präses, Schrötter, Bernfeld und Katzburg nach Wien, um Herrn Oberrabbiner Abraham Weiß aus Jdnoshäza die Berufung zum hiesigen Oberrabbiner in Form der feierlichen Ueberreichung des Rabbinatsbriefes, mitzuteilen. In seiner Programmrede hob Herr Oberrabbiner Abraham Weiß hervor, den Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf die Führung einer größeren Jeschiwa und auf Harbozath Thora Wjiras Schomajim zu legen. Dieses, unser aller Ziel und Streben haben wir mit Genugtuung vernommen und freuen uns, daß wir für die solange verwaiste Stelle unseres geistigen Oberhauptes endlich den richtigen Mann gefunden haben. Wir hoffen, daß in unserer altehrwürdigen Gemeinde eine Pflanzstätte für Thora und wahres Judentum wieder erstehen wird. Candtsvtrband der Apdavhigcndgruppen <kr Slowakei, Scbomrcb $cbabbo$-$tktion. Offene Stellen: Ein Kommis und ein Lehrjunge in der Spezereiwarenbranche in der Provinz. Stellengesuche: Tüchtiger Kommis der Schnittwarenbranche sucht Posten zum sofortigen Eintritt. Aelterer, aber noch rüstiger Herr, sucht Stelle als Bureaudiener, Hausdiener, oder ähnliches. Friseurgehilfe sucht Stelle. Kommis der Spezereiwarenbranche, tüchtig, derzeit in Kondition, sucht Stelle in einem Orte, wo er in freier Zeit sich Thorakenntnisse aneignen könnte, möglichst im Orte, wo eine Jeschiwa. Buchbinder sucht Beschäftigung. Anfragen und Meldungen sind an die Agudas Jisroel-Jugendgruppe in der Slowakei, Postfach 140, zu richten. Ojlim-JJklion der flgudas 3i$ro*1-3ugtn<!- gruppe (üien. Aus den bisherigen Meldungen der „Jüdischen Presse" dürfte bekannt sein, daß die jüngst in Erez Jisroel gewesenen Aguda-Delegationen verschiedene industrielle und landwirtschaftliche Unternehmungen in Angriff genommen haben. Vor einigen Wochen hat die beim Besuch des Gerer Admur in Erez Jisroel auf seine Initiative gegründete Häuserbau-Aktiengesellschaft in Jaffa ihre Tätigkeit aufgenommen. In der Kolonie Gedera wurde eine Tabakpflanzung eingerichtet, wo eine größere Anzahl Arbeiter Beschäftigung finden kann. Die Agudas Jisroel hat Ländereien in den Kolonien Petach-Tikwah und Rechoboth erworben, die zum Anbau in Betracht kommen. In Jaffa und Tiberias ist »die Anlegung von Gartenstädten geplant und der erforderliche Boden bereits gekauft. Es ist nun selbstverständlich, daß in allen diesen und noch anderen von der Agudas Jisroel oder unter der Aegide der Agudas Jisroel in Angriff genommenen Unternehmungen orthodoxe, jüdische Arbeiter Verwendung finden werden. Wir haben nun im Einvernehmen mit der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel in Wien bereits im Vorjahre auf die Ausbildung von Arbeitern für Erez Jisroel großes Gewicht gelegt. Eine Anzahl wurde in Wien in gewerblichen Betrieben zu einem Handwerk, ein anderer Teil wurde auf einem Gute in der Nähe Wiens landwirtschaftlich ausgebildet. Eine Ojlim-(j}ruppe (Landarbeiter) ist bereits ausgebildet und wir hoffen, dieselben in der nächsten Zeit in Erez Jisroel anzusiedeln. Um sowohl diese Aktion finanzieren zu können, als auch andere Palästina-Emigranten und Heimkehrer unterstützen zu können, haben wir im Einvernehmen mit der Palästinazentrale einen Fonds „Keren Ojle Erez Jisroel" geschaffen, der zur Ausrüstung und Unterstützung von Palästina-Emigranten bestimmt ist. Um annähernd auf die Kosten hinzuweisen, sei bemerkt, daß gegenwärtig die Schiffskarte nach Palästina 6 bis 7 englische Pfund kostet. Wir haben auch eine. Broschüre „Agudas Jisroel we-Erez Jisroel" herausgegeben, in welcher die Stellung der Agudas Jisroel zu Erez Jisroel behandelt wird. Der ganze Ertrag dieser Broschüre ist dem „Keren Ojlp Erez Jisroel" gewidmet. Wir betrachten es für selbstverständlich, daß jeder orthodoxe Jude die religiöse Pflicht zur Besiedlung Erez Jisroels (mizwas jischuw Erez Jisroel) voll und ganz empfindet, besonders in dieser Zeit, wo es doppelte Pflicht ist, den antireligiösen Strömungen ein entsprechendes Gegengewicht entgegenzustellen und auf diese Weise den alten Jischuw vor Vergewaltigung zu schützen. Wir hoffen zuversichtlich, daß jeder, dem die Stärkung des religiösen, Judentums in Erez Jisroel am Herzen liegt und der die Möglichkeit hat, sowohl die Aguda-Arbeit in Erez Jisroel fördern, als auch uns die Durchführung unser vorstehend geschilderten Ojlim-Aktion, durch wesentliche Spenden ermöglichen wird. Literatur. L^P- Monistische Märchen. Von M. G r u n w a 1 d. Berlin 1020. Verlag' Benjamin Harz. Unter dem unmittelbaren Eindruck von -Häckels Tod wurde dieses Buch geschrieben, um der Jugend für die richtige Einschätzungdes Monismus einon Maßstab zu bieten. Einzelne Thesen und Hypothesen des Monismus werden in Anführungszeichen als Kapitelüberschriften gewählt und als Märchen erwiesen. Daher der Titel de» Buches. Für eine neue Auflage empfehlen wir aus praktischen Gründen einen Untertitel, wie etwa „Die moderne Weltanschauung im Lichte des Judentums". Auch dafi das Buch zu einem Leitfaden für die reifere jüdische Jugend bestimmt ' ist, könnte auf dem Titelblatt angedeutet sein. Denn es verdient schon um dieser Tendenz willen weiteste Verbreitung. Vor allem aber durch seine»

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