Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 14 (7.4.1922)
- Date
- 1922-04-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 JÜDISCHE PRESSE Seite 89 Rumänien« Die jüdischen Deputierten. Bei den Parlamentswahlen sind sieben Juden gewählt worden, und zwar Dr. Adolf Stern, Präsident des Verbandes rumänischer Juden, Dr. Pistiner, Dr. Straucher, Berkowitz, Fildermann, Lerner, Samuelowitsch. In den Senat wurde ein Jude, der gewesene Bürgermeister von Czernowitz, gewählt. * Amerika. Rüben Brainin — 60 Jahre alt. Der bekannte hebräische Essayist Rüben Brainin feiert in New York seinen 60. Geburtstag. Er ist am Purim 1862 in Lida in Rußland geboren und hat eine ungemein fruchtbare Tätigkeit als Literariker entfaltet. Seine Verehrer wollen seine sämtlichen'Schriften, die 30 Bände ausmachen, herausgeben. Vom bleibenden Werte sind seine Charakterköpfe von hervorragenden Zeitgenossen, literarische Kritiken und virtuose Uebersetzungen aus fremden Literaturen. England. Die „Times" anonnciert in jüdischen Blättern die Publikation der ersten unparteiischen Untersuchung des zionistischen Problems in Palästina und die Haltung der Araber, in den Nummern ab 3. April. Es soll eine konstruktive Kritik der englischen Regierung in Palästina werden. Rußland. Rabbiner Maze über die Hungersnot. Der bekannte Moskauer Oberrabbiner Maze erklärte einem Mitarbeiter der „Iswestia" unter anderem folgendes: Die jüdische Bevölkerung leidet entsetzlich durch die Hungersnot. Täglich kommen nach Moskau zahlreiche heimlose Juden von den Hungergebieten, meistens von der polnischen und rumänischen Grenze, wo sie nebst Hunger auch durch Pogrome gelitten haben. Ich habe eine Hilfsorganisation ins Leben gerufen, die an die Hilfbedürftigen Brot und Geld verteilt. Es ist auch eine Küche gegründet worden, die an die Hungerden kostenlos Mittagmahle verabreicht. Auch wird in diesen Tagen ein Heim für die Heimlosen eröffnet. Aber alles ist noch viel zu wenig. Es sterben sehr viele durch Hunger, sogar hier in Moskau. Uebrigens ist alles, was wir tun können, kein Kampf gegen den Hunger, sondern nur eine teilweise Hilfe für die, welche Hunger leiden. Was die ausländischen jüdischen Organisationen betrifft, erklärte Rabbiner Maze, wir haben noch keinen Kontakt mit ihnen und wir haben bisher von ihnen auch nichts erhalten. Bloß Amerika leistet bedeutende Hilfe. Die jüdischen Opfer der Hungerkatastrophe. Das „Joint Distribution-Committee" in Amerika erhielt folgendes Telegramm aus Moskau vom 8. Februar: Der Vertreter in Sowjetrußland berichtet, daß an einem Tag in Ungat 22, im Gouvernement Podolsk 37, in Witebsk 31, in Kaminka 117 jüdische Bauern an Hunger und 167, die an Oedemkrankheit starben. Litauen. Synagogen als Asyle. Im Zusammenhang mit der Obdachlosigkeit der aus Rußland nach Litauen heimkehrenden jüdischen Flüchtlinge hat das Kownoer Rabbinat die Unterbringung dieser Heimkehrer in den größeren Synagogen und sonstigen Bethäusern, angeordnet. Diese Maßnahme erregte die Unzufriedenheit der Beter der betreffenden Synagogen, die der Meinung sind, daß noch genügend andere Räume in der Stadt für die Flüchtlinge vorhanden wären und daß überdies die Synagogen gänzlich ungeeignet für diesen Zweck wären. Es wurden in den Synagogen am letzten Sabbat vor Ausheben der Thora auch Protestreden gehalten. Die Stadtratswahlen in Riga. Bei den Wahlen in den Stadtrat wurden bei 59 Mandaten fünf jüdische Abgeordnete gewählt. Die Majorität haben die linken Parteien mit 34 Sitzen. Gemeinsamer Wahlblock. (TPZ) Anläßlich der für den 12. März ausgeschriebenen Wahlen in. den Stadtrat von Riga, haben sämtliche jüdische Parteien, mit Ausnahme der extremen Sozialisten, die die Wahlen zu boykottieren beschlossen haben, einen Wahlblock beschlossen unn eine gemeinsame Kanditatenliste aus Vertretern der Zionisten, der Aguda, Nationaldemokraten, Zeire Zion, Volkspartei, Vereinigung der jüdischen Kaufleute und des Misrachi aufgestellt. Glänzender Erfolg einer Sabbat-Aktion. Oberrabbiner Sack, der große Führer der Agudas Jisroel- Bewegungen in Riga, wendet sich unlängst mit einem warmen Aufruf an die Rigaer jüdische Bevölkerung mit der Bitte, der Sabbat-Entweihung durch' die offenen Geschäftsläden ein Ende zu machen. Bei einer imposanten Versammlung wurde beschlossen, alle jüdischen Geschäfte in Riga zu sperren, wozu sich die Geschäftsinhaber mündlich und schriftlich verpflichtet haben. Außerdem haben sie einen großen Fonds geschaffen zur Unterstützung von Arbeitern. Es wurde ein Schomru-Schabos-Verein gegründet, der sich an alle Bethäuser mit der Bitte gewendet hat, Sabbat-Entweiher zur Thora nicht aufzurufen. Fnrcht vor neuen Unruhen. Die „Times" vom 27. März veröffentlichen folgendes Telegramm aus Jerusalem: „In einigen Kreisen ist man sehr beunruhigt wegen der bevorstehenden Feiertage. Man befürchtet, daß es zu den kommenden Ostern zu neuen Zusammenstößen zwischen Juden und Arabern kommen wird. Die jüdischen, christlichen und mohamedanischen Feiertage fallen zu gleicher Zeit. Die hiesigen Zionisten — meldet der ,i Times "-Korrespondent — gedenken gut der vorjährigen Unruhen und haben Waffen ins Land geschmuggelt und eine geheime Gesellschaft, unter dem Namen ,Hagona' (Selbstwehr) ins'Leben gerufen. Das hat bei den Arabern den Verdacht erweckt, daß die Zionisten sich zu einer Attacke rüsten. Die palästinensische Regierung tut alles, was in ihrer Kraft liegt, um Unruhen zu verhüten und wird die Ruhestörer schwer bestrafen." — Ferner wird berichtet : General Storrs hat in einer Moschee zu den Arabern gesprochen und sie gebeten, zu den Feiertagen eine freundliche Haltung zu bewahren. Von anderer Seite wird gemeldet: Die Araber drohen mit einem heiligen Kriege des Mohamedanismus gegen die Juden, wenn die zionistische Politik weiter fortgeführt wird. Sir Herbert Samuel, der High Commissioner von Palästina begibt sich Ende April nach London, um mit der englischen Regierung wegen wichtiger palästinensischer Fragen zu konferieren. In seiner Begleitung wird sich auch Lady Samuel befinden. „Tifereiji Jeruscholajim." Unter diesem Namen wurde in Jerusalem ein Verein von orthodoxen Juden gegründet, der sich den Ankauf von Grundbesitz und den Häuserbau in der Nähe Jerusalems zur Aufgabe gemacht hat. Die Mitglieder haben bereits einen Betrag von mehreren tausend Pfund Sterling eingezahlt. f f Grand Sanatorium Wasserheilanstalt Bratislava (Prefiburg) Erstklassige Universal-Heilanstalt für Spezialbehandlung der inneren-. Nerven-, Zucker-, Gallenstein-, Nieren-, Magen-. Darm-, Herz- und Blutgefäßkrankhelten. Mast- und Entfettungskuren. Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Urologie, Dermatologie, Ortopädie, Augen-, Ohren-, Nasen-und Kehlkopfkranke. Wohnung, Beheizung, Beleuchtung, Bedienung, Krankenpflege, ärztliche Pflege, 5 Mahlzeiten von Kc 83-— aufwärts. Wasserheilanstalt in vollem Betriebe auch für Auswärtige. Streng rituelle Küche unter Aufsicht des Preßburger Oberrabbinates Leitender Chefarzt: DR. SIGMUND ARANYI. In keinem jüdischen Hause fehle die „Jüdische Presse"- Verräter! Dieses schöne Wort scheint sich in die zionistische Terminologie schon fest eingebürgert zu haben und jeder, der nicht nach der Pfeife der zionistischen Organisation tanzt, wird von deren Schleppträgern als Verräter stigmatisiert. So zum Beispiel beehrte Bogartschoff, ein Lehrer des Jaffaer Gymnasium, in einer Rede auf dem jüngsten „Assifath Haniwcharim", mit dem Worte „Verräter!" die jüdischen Kolonisten in Erez Jisroel, die unter Lebensgefahr und größter Not den Jischuw gründeten. Aber sogar die „Misrachisten" wurden in dieser Sitzung der „Assifath Haniwcharim" als Verräter gestempelt, und zwar wurde Dawid Jellin in seiner Rede gegen die Misrachisten von den Delegierten mit Worten: Pfui! Verräter! unterbrochen. In dieser Sitzung wurde auch folgende Resolution beantragt: „Die ,Assifnth Haniwcharim' forciert von der zionisitischen Organisation, die Jahressubvention von 800 Pfund Sterling für die Leitung der ,Misrachi' in Erez Jisroel einzustellen." Ein Blatt der Eisenbahner in Palästina. (J. G. B.) Vor wenigen Tagen erschien die erste Nummer der „Hakatar" (Lokomotive), herausgegeben von der Organisation der jüdischen Eisenbahnarbeiter in Palästina (Haifa P. 0. P. 308). . Die Zeitschrift behandelt außer gewerkschaftlichen Fragen auch Fragen der hebräischen Fachterminologie. Zionistisches Opfer. (JPZ) Auf der Straße Haifa- Jeda wurde der aus Galizien stammende Schomer Heller von Flaschomer Hazair ermordet aufgefunden. Die Mörder konnten bisher nicht ermittelt werden. Der amerikanische Konsul meldet in einem, seiner Regierung' übermittelten Bericht, daß es in den jüdischen Kolonien gegen 4000 Mandelpflanzungen gibt, außer weiteren 2000 in den verschiedenen Orten zerstreuten Mandelbäumen, die den Landesbedürfnissen vollauf genügen. Der Ertrag des letzten Jahres war 2,227.000 Pfund in den jüdischen Kolonien und gegen 700.000 Pfund an den anderen Orten. In dem mit dem 31. März zu Ende gegangenen Jähre betrug der Mandelexport 28.046 Kilogramm (61.870 Pfund). Um das rflücken zu erleichtern und die Produktion zu steigern, wurden Mandelpflückmaschinen aus Amerika importiert, die sehr befriedigen, so daß weitere Maschinen bezogen werden sollen. Die Regierung hat sie als landwirtschaftliche Maschinen vom Einfuhrzoll befreit. TSCHECHOSLOWAKEI. Bericht des Präsidenten Oberrabbiner iUeber. (Fortsetzung.) In der erwähnten Audienz beim Minister Dr. Srobar haben wir auch die Schulfrage eingehend besprochen, namentlich in beziig auf den Religionsunterricht in der Volksschule, dem durch die gesetzliche Einschränkung auf zwei Stunden in der Woche, eine große Geiaur droht, wir haben auch verlangt, daß uns die Möglichkeit geboten werde, unseren Kindern einen intensiveren Unterricht zu geben. Die konfessionelle Schule, die auf Kosten der größten materiellen Opfer erhalten wird, hat doch nur dann einen Sinn, wenn wir in derselben der Pflege der Religion den weitgehendsten Raum gewähren, zu dem aber zwei Stunden absolut ungenügend sind. Der Minister versprach, im Einvernehmen mit dem Sclmlreferate in Preßburg, die Sache zu regeln und erwarten wir mit Bestimmtheit, daß die Regelung zufriedenstellend sein wird, zumal als das Preßburger Schulreferat sich uns wiederholt entgegenkommend gezeigt hat, indem es auf unsere Intervention die Frage der jüdischen Ferialtage befriedigend gelöst und den Talmud Thora-Schülern möglich gemacht hat, sofern dieselben es wünschen, privat zu prüfen. Schließlich möchte ich noch erwähnen, daß wir in der jüngsten Audienz die Kongr.ua der Rabbinen für das Jahr 1921 urgiert haben und wurde uns versichert, daß sie die den jüdischen Seelsorgern gesetzlich gebührenden Zulagen sämtlich erhalten werden, mit deren Ausfolgung in den nächsten Tagen begonnen werden wird. Für das Jahr 11)19 und 1920 haben wir neuerlich ein Gesuch unterbreitet, dessen günstige Erledigung uns in Aussicht gestellt wurde, vorausgesetzt, daß der Sparsinn des Finanzministers keine unüberwindlichen Schwierigkeiten in den Weg legt.. Ueberhaupt konstatieren wir mit Genugtuung, daß die Regierung bestrebt ist, allen unseren gerechten Wünschen (ungerechte haben wir ja keine) entgegenzukommen und ist die Animosität gegen die Juden, die anfangs bedauerlicherweise zu konstatieren war, in den maßgebenden Kreisen vollständig iin Schwinden begriffen. Eine Ausnahme allerdings TELEPHON 40.324 EN GROS» EH DETAIL KLEIDER-INDUSTRIE WIEN, IL, TflB0H5TRfl55E 39 (HOTEL BAYRISCHER HOF) OKOSSB ADSWAH r_, IJV HBBSBNKLBIDBRK PBKTIG U2VX5 iVACH MASS