Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 13 (31.3.1922)
- Date
- 1922-03-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. Vi JÜDISCHE PRESSE Seite 79 Steiner, Gelley u. a. beteiligten, wurde die Gründung einer konservativen jüdischen Partei ausgesprochen. Es wurde ausgesprochen, daß die offizielle Orthodoxie sich nicht an der Parteiarbeit beteiligen werde, jedoch eine Kontrolle ausüben werde. Es wird zu diesem Behufe ein Komitee von Laien gewählt. Näherer Bericht folgt. Plenarversammlung der jüdisch-konservativen Partei Karpatboru$$ien$. Uzhorod (Ungvär), 18. März 1922. In der am 16. März hier stattgehabten Plenarsitzung, die von Vertretern aus beinahe allen größeren Gemeinden des Landes beschickt war, bildeten die von Seite der sogenannten „bürgerlichen Partei" und den Zionisten angestrebte Fusionierung mit der „jüdisch-konservativen Partei" in „Vereinigte jüdische Parteien" den Hauptgegenstand der Verhandlungen: Zu der Sitzung war auch rücksichtlich des wichtigen Gegenstandes der Prager Bevollmächtigte der Partei, Marcus Ungar, dringendst hergebeten worden. Nach einer eingehenden Debatte wurde einstimmig eine vom Präsidialausschuß vorgelegte Resolution angenommen, in welcher die Ansicht zum Ausdruck kommt, daß eine Einigkeit zweifellos erwünscht und anstrebenswert ist, daß jedoch eine solche auf Basis der „V. J. P." unmöglich sei. Die „V. J. P.", so wird weiter ausgeführt, sind eine in Böhmen und der Slowakei bereits seit längerem bestehende Organisation, welche vollkommen einseitig (zionistisch) orientiert ist und ein Programm hat, das vom religiösen Standpunkt abgesehen, auch politisch und wirtschaftlich nicht diskutabel ist. — Es ist zu erwarten, daß infolge dieser Stellungnahme die für den 20. März in Munkäcs geplante Konstituierung der „V. J. P." für Karpathorussien, welche der Prager Nationalrat schon seit einiger Zeit mit viel Emphase avisiert, unterbleiben wird. Beriebt des Präsidenten Oberrabbiner Weber. Ein für das Innenleben der orthodoxen Judenheit Slovenskos ereignisreiches Jahr ist verstrichen, seitdem die jüngste Sitzung der Landesrepräsentanz hier stattgefunden hat. Während das erste Jahr nach der Gründung unserer Organisation ausschließlich der Sicherung des vom alten Ungarn übernommenen Besitzstandes der Autonomie der Orthodoxie gewidmet war, konnten wir uns in der jüngsten Vergangenheit der praktischen Einrichtung dieser gewährleisteten Unabhängigkeit widmen. Erst mußten wir unser ganzes Können darauf richten, zu verhindern, die von Außen kommenden Versuche, in die Orthodoxie Bestrebungen hineinzutragen, die das feste, alle orthodoxen Gemeinden umschlingende Band lockern sollen, daß die uns längst bekannten Schlagworte von der Einheit und Einheitlichkeit des Judentums Verwirrungen hervorrufen und das letzthin so gemeiniglich gewordene Schlagwort von der Demokratisierung der Knltusgemeinden die Kehilloskedoschos mit allen daran hängenden kostbaren Gütern unseres jüdischen Glaubenslebens nicht zum Spielball der zu dem Extremen neigenden Elementen machen soll. Nun konnten wir daran gehen, den inneren Ausbau und die Stärkung, der das eigentliche Wesen der Orthodoxie bildenden Institutionen zielbewußt und konsequent zu fördern. Ist nun aber das erstere schon durch das Faktum der zustande gekommenen Organisation als gelungen anzusehen und durch die Tatsache, daß die Regierung das Landes- Organisationsstatut sanktionierte, unsere konfessionelle Autonomie auf der ganzen Linie respektiert, in jeder jüdischen Angelegenheit unsere Meinungsäußerung einholt und unsere Stellungnahme berücksichtigt, die selbtsändige Orthodoxie als in unserem Sinne als erledigt zu betrachten, so stehen wir in bezug auf den innern Ausbau der orthodoxen jüdischen Konfession noch am Anfang1 der Entwicklung. Ein weites Gebiet einer vielverzweigten Wirksamkeit eröffnet sich da den verschiedenen Aufgaben die unser in der nächsten Zukunft harren. Die Hebung des Anfln alle Gesinnungsgenossen; Nach langen Entbehrungen und Leiden griffen die thoratreuen Studenten zur Selbsthilfe und gründeten vor einigen Jahren eine eigene Stätte, die ihnen zweimal täglich eine streng im\12J'J Verpflegung nebst ungestörter Ausübung der traditionellen Gebräuche gewährt. Diese, für sie lebenswichtige Anstalt droht infolge Erschöpfung aller Geldmittel noch vor HDS zusammenzubrechen. Das Defizit der Mensa stieg infolge der großen Teuerung derart, daß die kleine Zahl der Herren, denen die Erhaltung dieser wichtigen Anstalt fast allein zu verdanken ist, keinesfalls imstande sind, die Millionenabgänge selbst zu decken, noch weniger die Mittel für HDÖ» die naturgemäß ein Vielfaches der gewöhnlichen Ausgaben ausmachen dürften, zu beschaffen. Um der Auflassung der einzigen Stätte, die den frommen Hocbschülern die Möglichkeit gibt, koscher Speisen zu können, rechtzeitig vorzubeugen, wenden wir uns mit einem Appell an die Judenheit und geben uns der sicheren Hoffnung hin, daß jeder Jude seine Pflicht erfüllen wird, um ein wichtiges Aktivum der frommen Studentenschaft vor einem Zusammenbruch zu bewahren. sehens und materielle Besserstellung der Rabbiner, die Unterstützung der kleinen und kleinsten Gemeinden, damit sie nicht der Auflösung verfallen, die tatkräftige Förderung aller zum jüdischen Leben notwendigen Einrichtungen, die Erhaltung und Neugründung von Jeschiwos und Talmud Thoras, das ständige Wachen darüber, daß der Religionsunterricht in den Volksschulen keine Einschränkung erleiden solle, die Altersversorgung der arbeitsunfähig gewordenen Gemeindeangestellten, alles so hochwichtige Aufgaben, die die gewissenhafteste Sorge der Amtsleitung der orthodoxen Zentralkanzlei bilden müssen. Vor mehreren Monaten hat das bevollmächtigte Ministerium im Wege der Zupanate die Gemeinden aufgefordert, daß dieselben die Statuten der Kultusgemeinden, wie auch der sämtlichen in der Gemeinde vorhandenen Vereine behufs Ueberprüfung und neuerlicher Sanktionierung einsenden solle. Wir haben im Ministerium interveniert und verlangt, daß zwecks Vereinfachung und Beschleunigung die Statuten nicht durch die Zupanate, sondern durch die Zentralkanzlei unterbreitet werden können. Bei den Verhandlungen, die wir geführt, hat es sich nun herausgestellt, daß ein kleiner Irrtum unterlaufen sei. Die Aufforderung konnte sich nur auf die Vereinsstatuteu beziehen, die seinerzeit vom ungarischen Ministerium des Innern die Genehmigung erhielten und daher heute unter den geänderten Verhältnissen in die Kompetenz des bevollmächtigten Ministeriums gehört, die Gemeindestatuten hingegen, die vom Kultusministerium sanktioniert wurden, verbleiben auch weiterhin im Wirkungskreise des Kultusministeriums. Im Verlaufe der weiteren Verhandlungen stellte sich das Ministerium auf den Standpunkt, daß die Lokalstatuten der Kultusgenieinden keine spezielle Genehmigung seitens der Regierung bedürfen, sondern, wie dies bei den anderen rezipierten und organisierten Konfessionen geschieht, daß die Organisation Kraft ihrer Autonomie die Statuten ihrer Kirchengemeinden sanktioniert, daß auch die organisierte orthodoxe Konfession vermöge ihrer vom Staate anerkannten Autonomie berechtigt ist, die Sanktionierung der Kultusgemeindestatuten vorzunehmen, da sich aber das Ministerium zur Entscheidung dieser Frage für nicht kompetent erklärte, haben wir in einer Audienz dem Kultusminister Srobar in Prag die Angelegenheit vorgetragen, der sich dahin äußerte, daß die Statuten bereits bestehen, der orthodoxen Gemeinden durch die Landeskanzlei, als die Exekutive der orthodoxen Organisation, genehmigt werden können. Wir werden nun trachten, einen diesbezüglichen schriftlichen Bescheid zu provozieren und formell die Formen bestimmen lassen, unter der wir dann alle Gemeindestatuten, die nicht gegen das Staatsgesetz und gegen die orthodoxe Konfession verstoßen, die notwendige Sanktion erteilen. (Fortsetzung folgt.) Brief aus Ru$$oKarpatbien, Die Vorwoche brachte zwei politisch interessante Versammlungen, und die Empfänge der Vertreter der verschiedenen jüdischen Parteien, die nebst einem Dutzend anderer russokarpathischer Parteiführer vom Ministerpräsidenten nach Prag geladen waren. Die Plenarsitzung der „jüdisch-konservativen Partei" vom 16. d. M. in Uzhorod, zu welcher rücksichtlich der wichtigen Verhandlungsgegenstände auch der Prager Bevollmächtigte Ungar hergebeten war, beschloß eine Resolution, die den Gedanken eines Zusammengehens der jüdischen Parteien warm begrüßte. Es wurde jedoch betont, daß es sich um eine tatsächliche Einigkeit und nictrt um eine nur im N a m e n „Vereinigte jüdische Parteien" dokumentierte, handeln müsse, und die Kreierung der unter letzterer Bezeichnung, in Böhmen und der Slowakei seit zwei Jahren bestehenden Organisation, die vollkommen einseitig (zionistisch) orientiert sei, auf das Entschiedenste abgelehnt. ,Tatsächlich ist es auch auf der am 20. d. M. in Munkdcs stattgehabten Versammlung nicht zu der projektierten Gründling der „Vereinigten" gekommen, sondern wurde eine fünfgliedrige Kommission mit dem Auftrage gewählt, Einigungsverhandlungen mit der Spenden sind an die „Mensa academica judaica ritualis in Wien, II. Im Werd 18* und an die Administration der „Jüdischen Presse" zu richten. Für das Kuratorium: Universitätsprofessor Dr. Heinrich Neuraann Universitätsprofessor Dr. Max Eisler Generalsekretär Dr. Joel Pollak Großindustrieller Dr. S. Lemberger Großindustrieller Wolf Pappenheim Univ. Med. Dr. Isidor Reiniger Großindustrieller Julius Steinfeld Großindustrieller Oskar Neurath. Für Mensaleitung: Lilienfeld Schalom, cand. phil. Feiger Simson, cand. ing. Brenner Maier, M. U. C. Vorstehendes vollinhaltlich bestätigend, richte ich die pflichtbefohlene Bitte an Freunde und Gesinnungsgenossen, den Bittsteilem in ihrem harten Existenzkampf beizustehen und ihnen religionsgesetzliche Lebensmöglichkeit zu bieten, „jüdisch-konservativen Partei" anzuknüpfen. Auf diese Weise sind die mit so großer Emphase betriebenen Vorbereitungen und Agitationen für das so heiß ersehnte Zustandekommen der „Vereinigten", die, wie ihnen vor 14 Tagen berichtet, ein Prager Nationalrat-Sekretär hier betrieb, unerfüllt geblieben. Die Prager „Führer" scheinen indeß das Spiel noch immer nicht aufgeben zu wollen, denn unmittelbar nach der „Niederlage von Munkiics" erschien wieder der vor einigen Monaten erst durch seinen Antisemitismus erregende Artikel unliebsam bemerkte „Keren-Hajessod"- Agent wieder hier, um seine „Tätigkeit" fortzusetzen. Ich glaube auf das Bestimmteste versichern zu können, daß die Prager Herren Zionisten trotz des Aufwandes, den ihnen die bezahlten Menschen, die sie herschicken, verursachen, — manche behaupten, daß das Entgelt auch aus solchen zionistischen Fonden geschieht, zu denen „Alle" (also auch NichtSozialisten) beisteuern dürfen — doch nur sich „umsonst" anstrengen. Was auch immer kommen mag, zionistisch werden unsere Juden wirklich nicht wählen! A propos Zionisten! Anläßlich der Prager Empfänge, wurde der Delegierte der „Konservativen" Weisz Kaiman, seitens der Vertreter der ungarischen Parteien darüber zur Rede gestellt, daß in einem Memorandum der „Konservativen" die „Ausmerzung" der ungarischen Sprache aus der jüdischen Schule verlangt worden sein soll. — Eine sogleich eingeleitete Untersuchung ergab das Resultat, daß in einem Memorandum über die Schulfrage, welches in einer dem tschechischen Urtexte nicht ganz entsprechenden Uebersetzung veiiautbart wurde, als Unterrichtssprache — im Gegensatze zu den zionistischen Iwrith beiwrith- Forderungen — eine der lebenden Landessprachen verlangt wurde. Gleichzeitig wurde jedoch festgestellt, daß die betreffende Denunziation von zionistischer Seite ausgegangen sei, und zwar von demselben Herrn, der sich vor einiger Zeit in einer Versammlung dahin äußerte, daß die „konservative Partei" umgebracht werden müsse, — auch um den Preis von Pogromen! Man muß sich unwillkürlich der vor kurzem in ihrem geschätzten Blatte wiedergegebenen Acußcrungen eines slowakischen Zionisten über die „leider nicht pogromisierten Oberrabiner" erinnern und mit ehrlichem Schaudern an die jüngsten haarsträubenden Berichte aus Erez Jisrael denken, wonach hochgeschätzte orthodoxe Größen des „Jischuw hajoschon", die ihr Leben für thouro weawoudo wirkend, al admas hakoudesch opfern, von ruchlosn Händen — ja Gott sei es geklagt — von j ü d i s c h e n Händen schwer verletzt wurden, und all dies nur deshalb, weil sie es wagten, um den Schutz einer ruhigen und ungestörten Betätigung ihres religiösen Lebens zu bitten, auf dem Boden, der ihnen bis heute so hochheilig geblieben, wie er von den Vätern im Sinne des jüdischen Gesetzes stets gehalten wurde. Anschluß der Orthodoxie von Fodkarpatska Bus. Wie uns aus Uzhorod telegraphiert wird, hat die dort am 21. März stattgehabte Orthodoxen- Versammlung beschlossen, eine Anschluß-Kommission einzusetzen, welche mit der Bratislavaer orthodoxen Kanzlei wegen des Anschlusses des Judentums der Podkarpatska Rus an die slowakische Orthodoxenkanzlei verhandeln wird. Entgegenkommen der Regierung. Aus Prag wird uns telegraphiert: Das Ministerpräsidium hat dem Gouvernement von Podkarpatska Rus mitgeteilt, daß die von der konservativ jüdischen Partei bei der Verhandlung in Prag gestellten Forderung ritueller Natur bewilligt werden. Lokalkomitee für Erez Jisroel in Kosice. Das hiesige Komitee veranstaltet am Sabos Parses Wajakhel-Pekude zugunsten der Armen in Erez Jisroel, daß alle Alijot und Nedarim für Erez Jisroel gehören. (Nachahmungswert.) Landesverband der Jföuda-Jugendgruppen der Slowakei Scbomreb $cbabbo$-$ektion. Offene Stellen: Ein Kommis und ein Lehrjunge in der Spezereiwarenbranche in der Provinz. Stellengesuche: Tüchtiger Kommis der Schnittwarenbranche sucht Posten zum sofortigen Eintritt. Aelterer, aber noch rüstiger Herr, sucht Stelle als Bureaudiener, Hausdiener, oder ähnliches. Friseurgehilfe sucht Stelle. Elektrotechniker, 19 Jahre, sucht Posten. Buchbinder sucht Beschäftigung. Anfragen und Meldungen sind an die Agudas Jisroel-Jugendgruppe in der Slowakei, Postfach 140, zu richten. damit sie dereinst selbst als Träger und Förderer der gesetzestreuen Richtung sich betätigen DÖPIT1 D^tttHttm Wien, im März 1922. Rabb. S. Fürst, m. p. Spendet für die JugendgruppeE W flfluda»3uaendaruppe. ®? Vortrag Direktor Dr. Deutsch (Budapest). Schabboth P. Käsiso hielt Herr Direktor Dr. Deutsch aus Budapest im großen Saale der Aguda-Jugendgruppe Wien einen überaus gehalt- und eindrucksvollen Vortrag. In Anlehnung an den Wochenabschnitt schilderte der rühmlichst bekannte Redner in eindrucksvollen Worten die Entwicklung der jüdischen Massenbewegung zur Zeit des „Egels" und analog ihr, diejenige der heutigen Zeit und ihre Ablehnung