Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 13 (31.3.1922)
- Date
- 1922-03-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 78 JÜDISCHE PRESSE Nr. 13 welche hygienische Kontrolle auszuüben, ist ausgeschlossen. Die Behörden wollen ihnen die Erlaubnis zum weiteren Verbleiben in Rowno nicht geben, wodurch die Lage sich noch verschlimmert hat. Mit Rücksicht darauf hat die „Hias* im Einvernehmen mit dem ukrainischen Zentralhilfskomitee und der Auswanderungssektion des jüdischen Nationalrates beschlossen, die ukrainischen Flüchtlinge nach Danzig abzuschicken, wo sie die Gelegenheit zur Auswanderung abwarten sollen. Inzwischen soll bei der polnischen Regierung die Ausstellung polnischer Pässe an die Flüchtlinge durchgesetzt werden, um ihnen die Auswanderung bei sich darbietender Gelegenheit zu ermöglichen. Ein Einbruch bei der „Hias" in Lemberg. (J. C. B.) In der Nacht vom 19. März wurde bei der hiesigen „Hias"-Abteilung ein Einbruch verübt und drei Millionen Mark und eine Anzahl von Schriftstücken weggeraubt. Die Verbrecher sind noch nicht ermittelt. Rumänien. Ein jüdischer Sachverständiger der rumänischen Genna-Delegation. (J. G. B.) Ministerpräsident Jonel Bratianu bestimmte den Bukarester Rechtsanwalt Dr. Rosenthal als Sachverständigen der rumänischen Delegation in Genua. Dr. Kosenthai fungierte seinerzeit auch als Sachverständiger beim Abschluß des Trianoner Friedensvertrages und hat sich damals als außerordentlich gewiegter Jurist und Kenner des internationalen Rechtes einen Namen gemacht. Amerika. Eine Deputation beim ungarischen Botschafter. Wie „ Jewish Ghronicle" meldet, empfing der ungarische Botschafter in den Vereinigten Staaten, Graf Szechenyi, vorige Woche eine Deputation ungarischer Juden. Der Botschafter versicherte, daß er die Juden in ihrem gerechten Kampfe um ihre Gleichberechtigung in Ungarn stets energisch unterstützen und hoffe zuversichtlich, daß sich die Lage der Juden in Ungarn bald bessern werde. Trankreicft. Weizmanns Großmut. Die „Zeit" berichtet, daß Weizmann mit dem Vertreter der französischen Zionisten Bernard (der gewählte Vertreter heißt eigentlich Marmorek) beim Präsidenten Millerand erschienen ist. Der Präsident der französischen Republik habe Weizmann gebeten um eine Sicherung der heiligen Plätze, worauf Weizmann großmütig erklärthat, er überlasse dies den Mächten. Der Präsident erklärte sich damit einverstanden, daß die französischen Jaden sich am Aufbau Palästinas beteiligen. — Die ganze Affaire kann von jedem Journalisten besorgt werden, hier wird es aber als ein politischer Erfolg eingerechnet im Werte von K 2,000.000 Reisespesen. Griechenland. Für Palästina. (JPZ) In Saloniki wurde laut den palästinischen Zeitungen eine „Palestine Co. Ltd." mit einem Aktienkapital von 1 Million Drachmen gegründet, zwecks Entwicklung und Förderung des Handels und der jüdischen Unternehmungen in Palästina. Ein Jude griechischer Finanzminister. (J. G. B.) Der jüdische Deputierte von Saloniki M. Malach wurde als Finanzminister in das Kabinett Gunaris berufen. Die jüdische Gemeinde von Saloniki hat aus diesem Anlaß an den Premierminister Gunaris ein Schreiben gerichtet, in welchem sie ihm für die der Saloniker Judenschaft erwiesene Ehrung ihren Dank ausspricht. Japan. Die japanischen Juden für die ukrainischen Flüchtlinge. (J. G. B.) Das Zentralhilfskomitee für ukrainische Flüchtlinge erhielt von den japanischen Juden einen namhaften Geldbetrag für Hilfszwecke zugunsten der Flüchtlinge. Dies beweist, daß der Gedanke, den unglücklichen Flüchtlingen ihr Schicksal zu erleichtern, immer weitere Kreise zieht. Skandinavien. Die Liquitierung des Skandinavischen jüdischen Zentral-Hilfskomitees. Wie ein Bulletin des „Skandinavischen jüdischen Zentral-Hilfskomitees" meldet, ist das Komitee, nachdem es seine Aufgabe gelöst hat, endgültig aufgelöst worden. Das Komitee, das im Mai 1916 in Kopenhagen gegründet wurde, hat sehr viel nützliche Arbeit geleistet. Es hat während des Krieges über 4 Millionen dänische Kronen an die notleidenden Juden im Osten verteilt, und auch mehrere Lebensmittel-Transporte nach Polen und Litauen organisiert. Das Komitee war auch die erste Institution, die die Verbindung der Juden in Sowjetrußland und ihren Verwandten im Ausland vermittelte. Litauen. Die jüdischen Heimkehrer in Litauen. (J. G. B.) Im Zusammenhange mit der absoluten Obdachlosigkeit der aus Rußland nach Litauen heimkehrenden jüdischen Flücktlinge, hat das Kownoer Rabbinat die Unterbringung dieser Heimkehrer in den größeren Synagogen und sonstigen Bethäusern angeordnet. Lenin-Cheder. (J.C.B.) Aus Angst vor Verfolgungen seitens der jüdischen Sektion der kommunistischen Partei haben die jüdisch konfessionellen Lehrer („Melamdim") ihre Schulen nach den bekannten kommunistischen Führern, besonders Lenin und Swerdlow, benannt. Auf diese Weise sollen die Chedarim der von der „Jewsek" betriebenen Sperre der konfessionellen Schulen entgehen. Orthodoxe Tageszeitung in Litauen. Seit 1. Februar erscheint in Kowno eine orthodoxe Tageszeitung unter dem Namen „Jidischer Leben" herausgegeben von der Zentrale der Agudas Jisroel und Zeire Jisroel in Litauen. Leiter der Redaktion ist Herr Schereschewsky; Administration ist in Kowno, Maironisgasse, Postfach Nr. 36. Goldeinfuhr nach Palästina. (J. G. B.) Die hiesige Handelskammer wandte sich an die Regierung mit dem Ansuchen, die zollfreie Einfuhr von Gold zu gestatten, dagegen die Ausfuhr zu verzollen, weil in Palästina ein empfindlicher Goldmangel herrscht. Die Bautätigkeit des alten Jischuw. Der Verein „Schaare Ghessed Gmiluth Ghassadim" hat sich jetzt zur Aufgabe gemacht, im „Schaare-Chessed"-Viertel Häuser zu bauen. Der Verein, der unter Aufsicht der Gründer, der Rabbiner Diskin-Sonnenfeld steht und deren Verwaltung keinen Heller kostet, wurde vor 52 Jahren gegründet. Der Verein hat während seiner Existenz vorzügliche Arbeit geleistet. So zum Beispiel leiht er an seine Mitglieder bis 150 Pfund Sterling auf 14 Jahre ohne Zinsen. Er hat auch das schöne und große „Waisenhaus Rabbi Diskin" erbaut, das gegenwärtig beendet wird und welches sogar Uschisskin als das größte Gebäude Jerusalems bezeichnete. Mit Recht bemerkt der „Kol Jisroel" in Jerusalem zu dieser Nachricht, während die Zionisten und Misrachisten so viel von ihren großen Leistungen — von denen wir allerdings nichts merken — zu erzählen wissen, ist es tatsächlich der alte orthodoxe Jischuw, der in Erez Jisroel Aufbauarbeit leistet. Das Grab Rabbi Akibas, welches sich in GalU befindet, wurde dieser Tage mit einem eisernen Gitterwerk umsäumt. Zu diesem Zweck hatte bereits vor Jahren ein russischer Jude 2000 Frcs. gespendet, welches Geld aber erst vor einigen Monaten flüssig gemacht wurde. Der „Doar Hayom", dem wir diese Meldung entnehmen, richtet aus diesem Anlaß den Appell an die zionistische Organisation, die Gräber der Profeten, Tanaim und Amaraim, welche sich meistens auf dem jüdischen Besitz in Galil befinden, von den Geldern des „Keren Hajischuw" instand zu setzen. Die Folgen der Agitation der Agudas Jisroel. Unter diesem demagogisierenden Titel schreibt die „J. G. B." Die Erbitterung der Bevölkerung von Palästina gegen den Schritt, welchen die Agudas Jisroel bei Lord Northcliffe gegen die zionistische Organisation unternommen hat, hat zu bedauerlichen Zwischenfällen geführt. In den Tempeln der Agudas Jisroel wurden am Samstag Predigten gegen die zionistische Organisotion und gegen den Waad Haleumi abgehalten. Da die Predigten jüdisch gesprochen wurden, erregte dies den Ingrimm einiger anwesender Ghaluzim, welche gegen die Mißachtung des Hebräischen protestierten. Arabische Polizisten arretierten die jungen Burschen, Governor Storrs verurteilte sie ohne gerichtliches Verfahren auf administrativem Wege zu Hausarrest an den Abenden im Verlaufe von 3 Monaten. Der Orangenversandt fällt befriedigend aus; ' bisher wurden 200.000 Kisten nach England und 70.000 nach Aegypten versandt. Auf Grund der letzten Preise in England wurde ein Reingewinn von 7 bis 9 Schilling pro Kiste erzielt. Die Delegiertenversammlung. (JPZ) Die zweite Tagung der Assefath Haniwcharim wurde diesmal programmgemäß am 7. März durch Yellin eröffnet. Mit Ausnahme eines Teiles der Orthodoxie und der Misrachi (Anm. d. Red.) nehmen alle Parteien an der jetzigen Beratung teil. Samuel übersandte der Tagung ein Begrüßungsschreiben, worin er der Versammlung als Körperschaft, die autorisiert ist, alle inneren jüdischen Fragen in Palästina zu behandeln, Erfolg wünscht. Zum Präsidenten wurde Dr. Lourie und zu Mitgliedern des Präsidiums Eisenberg. Blumenthal und Spriuzak gewählt. Ueber die weiteren Verhandlungen liegen bisher nur kürzere telegraphische Meldungen vor. Bei der Rede von Itamar Ben Awi, des Redakteurs des „Doar Hajom", kam es zu einem Tumult. Den Kritikern des Waad Leumi antworteten Yellin und Ben Zwi. Ussischkin hielt eine große politische Rede, in der er unter anderen erklärte, er sei mit dem Verfassungsentwurf für Palästina zufrieden. Samuel verhalte sich — sagte Ussischkin — loyal, gegenüber dem jüdischen nationalen Heim. Man müsse alle Streitigkeiten im eigenen Lager vermeiden, bessere Beziehungen zu den Beamten und Freundschaft mit den Arabern schaffen. Die Araber dürfen nicht vergessen, daß die Juden ihre einzigen Freunde sind. Der Waad Leumi wandte sich auch an die palästinische Regierung, mit der Bitte um bessere Beschützung der Juden vor brutalen Ueberfällen; die Regierung erteilte eine günstige Antwort. Die Assefath Haniwcharim sprach dem Waad Leumi ihr vollstes Zutrauen aus. Der bekannte Herausgeber der New Yorker „Times", Ochs, ein Jude (Anm. d. Red.), ist in Jerusalem eingetroffen. Dr. Ruppin hatte mit ihm eine längere Unterredung über die Arbeit in Palästina. Ochs brachte den berührten Fragen großes Interesse entgegen. Ica in Syrien. (JPZ) Kaivaryski weilte zusammen mit den anderen JGA-Vertretern Rosenhack und Levi vor kurzem in Damaskus, um, wie es heißt, mit den dort weilenden Besitzern Bodenkäufe in Palästina für Baron Rothschild zu tätigen. Die arabisch-christliche Zeitung „El Amran" berichtet, daß Kaivaryski nach Damaskus gekommen sei, um von Emir Said el Gaza einen größeren Bodenbesitz in Palästina für die Zionistische Organisation zu erwerben. Eine andere arabische Zeitung berichtet, daß Kaivaryski mit mehreren palästinensischen Gutsbesitzern, die in Damaskus wohnen, Verhandlungen führt, wegen Kaufes von Boden an der Grenze Palästinas und warnt die Araber, sich vor diesem „gefährlichen Menschen" in Acht zu nehmen. Export. (JPZ) Laut der von der pal. Regierung herausgegebenen Statistik zeigen sowohl Import wie Export im Jahre 1921 eine bedeutende Zunahme im Vergleiche zum Jahre 1920. Die betreffenden Zahlen für Jaffa betragen: Import für 1920 31.011 Tonnen auf dem Wasserwege und Eisenbahnwege, gegen 59.G94 Tonnen im Jahre 1921. Der Export betrug 1920 5084 Tonnen verschiedener Güter und 505.498 Orangenkisten und im Jahre 1921 12.212 Tonnen und 877.073 Orangenkisten. Sitzung der orthodoxen Eandesrepräsentans. Montag, den 20. und Dienstag, den 21. März, fand in Bratislava die Sitzung der orthodoxen Landesrepräsentanz statt, an welcher zahlreiche Oberrabbiner und Laienvertreter teilgenommen haben. Es wurde das Pensionsstatut durchberaten und angenommen. In den Verwaltungsausschuß wurde noch R. Josef Klein (Kral Ghlumec) gewählt. Der Preßburger Oberrabbiner sprach über die Sonntagsruhefrage. An der Debatte beteiligten sich die Oberrabbiner von Kaschau, Modern, Verbo, Tornalja; die Herren Eichler, Weiß, Steiner, Kaufmann, Ullmann u. a. Näherer Bericht folgt. Die Gründung der Konservativ jüdischen ttlablpartei in der Slowakei. Dienstag, den 21. März, fand in der orthodoxen israelitischen Bürgerschule eine Versammlung von Vertretern der slowakischen Orthodoxie statt, bei welcher die Gründung der konservativ jüdischen Partei beschlossen wurde. Die politische Tätigkeit der Jüdischnationalisten hat die Orthodoxie genötigt, aus ihrer Reserve herauszutreten. Sie sah sich vor der unerbittlichen Alternative gestellt, entweder den Jüdischnationalisten den ganzen politischen Einfluß auf die jüdische Masse zu überlassen, oder selbst die Führung auch in politischen Dingen zu übernehmen. Nach zweijähriger Passivität hat sich die Orthodoxie bemüssigt gesehen, eingedenk des Mißbrauches, welchen die Jüdischnationalen mit dem Vertrauen der Wähler getrieben haben, in die politische Arena einzutreten. Eine stattliche Anzahl von Rabbinern und Laien hatte sich eingefunden. An der Tete sah man die ehrwürdigen Gestalten der Oberrabbiner von Preßburg, Pistyan, Kaschau, Düna Szerdahely und Modern, ferner die Oberrabbiner von Berzewicze, Tornalja, Kirchdrauf, Verbo. Nach einem Referate des Herrn Marek Ungar (Prag) und einer eingehenden Debatte, an welcher sich die Herren Oberrabbiner von Preßburg, Kaschau, Kirchdrauf, sowie die Herren Rosenbaum, Ehrlach,