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Jüdische Presse · 1922-03-31 · 13 (31.3.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
13 (31.3.1922)
Date
1922-03-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 13 JÜDISCHE PRESSE Seite 77 und Deutschtum abhalten wollte und daß dieses bereits affichierte Meeting im letzten Momente abgeblasen werden mußte, weil ihm ungemein energische Vorstellung gemacht worden, daß diese Kampagne die jüdischen Advokaten, die zumeist nur ungarisch plaidieren können, erwerbslos machen würde. Wohl um dieses durch ihn angestiftete Malheur gutzumachen, ist es nun wieder derselbe Dr. Sipos, der für das Recht, ungarisch plaidieren zu dürfen, eintritt? Nicht wahr V . . . Diese Aprilwetlerpolitik wagt Hugo Hermann der auf uralten, ewigen Wegen wandelnden Orthodoxie entgegenzustellen! Der unentbehrlichste Diplomat der Welt. Die Weisheit Chaim Weizmanns ist die Voraussetzung jeder der jetzt so zahlreichen diplomatischen Konferenzen. Es gibt Konferenzen, an denen Lloyd George. Balfour, Smuts, Rathenau, Schanzer und Poincare entbehrt werden können, aber Chaim Weizmann darf um keinen Preis fehlen. Die »Wiener Morgenzeitung" bringt ein Eigentelegramm (das aber wörtlich schon drei Tage früher in der „Jüdischen Rundschau" erschienen ist), wonach unser Weizmann rasch wieder nach Paris muß, da dort die „Orientkonferenz leitender Staatsmänner stattfindet, bei welcher seine Anwesenheit erforderlich ist". Wer hat eigentlich diese Erforderlichkeit festgestellt? Unser „teurer" Führer (ich wette, sein Spesenkonto ist größer als das des deutschen Reichspräsidenten) fehlt unberufen bei keiner Konferenz. Was er dort tut, gehört zu den Nistores; sichtbare Dokumente seines Wirkens sind bloß Hotelrechnungen, Auto- und Bahnspesen. Wir haben es zum Gegenstande ernsten Studiens gemacht, die detailliertesten Berichte von Lokalblättern des Ortes, wo eine diplomatische Konferenz stattgefunden hatte zu lesen; wir konnten erfahren, wer von bemerkenswerten Personen dort war, welche Toilette die Frau eines Diplomaten getragen hat, worin das Menu bestand, welche Blätter Berichterstatter entsendet haben, von Weizmann lasen wir niemals ein Sterbenswörtchen, obzwar aus dem Spesenkonto der Zionistischen Organisation deutlich hervorging, daß Weizmann dort gewesen sei. Wir erfahren doch täglich aus den Blättern, was die Diplomaten aller Länder beraten und beschließen. Warum dürfen wir nichts davon erfahren. Noch eine Frage. In diesem Paris wohnt seit nahezu einem halben Jahrhundert ein der ganzen Kulturwelt bekannter Schriftsteller, den jeder Staatsmann kennt und achtet — Nordau, auf dessen politisches Urteil zwei Generationen gehört haben: dessen Mitwirkung zudem noch ganze 100 Prozent billiger zu haben wäre, als die Chaim Weizmanns, das gleiche gilt für Washington; dort wohnt Louis Dembitzer Brandeis, dem alle Türen und Ohren offen sind; wozu muß Sokolow mit dem Aufwände zahlloser österreichischer Millionen das hundertmal schlechter versorgen, was Brandeis kostenlos und unübertrefflich leisten könnte, was Weizmann auf all diesen Konferenzen tut? Herr Oberrabbiner Dr. Chajes, wie wagt, man so gewissenlos mit dem Gelde, mit dem Schicksal des Volkes umzugehen? f 1 Grand Sanatorium Wasserheilanstalt Bratislava (Preßburg) Erstklassige Universal-Heilanstall für Spezialbehandlung der inneren-. Nerven-, Zucker-, Gallenstein-, Nieren-, Magen-. Darm-, Herz- und Blutgefaßkrankheiten. Mast- und Entfettungskuren. Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Urologie, Dermatologie, OrtopSdie, Augen-, Ohren-, Nasen-und Kehlkopfkranke. Wohnung, Beheizung, Beleuchtung, Bedienung, Krankenpflege, ärztliche Pflege, 5 Mahlzeiten von Kc 83"— aufwärts. Wasserheilanstalt in vollem Betriebe auch für Auswärtige. Streng rituelle "l^O Küche unter Aufsicht des Preßburger Oberrabbinates Leitender Chefarzt: DR. SIGMUND ARANYI. aVAVIVAVAVäTAVAVAVÄTITIVATATAVAVITATa. In keinem jüdischen Hause fehle die „Jüdische Presse". W A.VATAVAVAJAfAVAfATAVAVAVAVAVAVAVAVA»' Deuf$cl)0$ttrreicl). Wolf Groß nach Palästina abgereist. Nach vielen Hindernissen ist Wolf Groß wieder nach Jaffa zurückgefahren. Wir wünschen diesem Idealisten alten Schlages die besten Erfolge in seiner Arbeit für die jüdische Gemeinschaft. Dr. Nathan Birnbaum in Wien. Nach langer Zeit können die Wiener Juden Nathan Birnbaum als ihren Gast empfangen. Der gefeierte Gelehrte wurde allseits mit der gewohnten Sympathie und Verehrung begrüßt; er hatte bereits mehrere Konferenzen mit den hiesigen Agudaführern. „Eiserner Fonds" für das Kriegswaisenhaus in Baden. Um das Kriegswaisenhaus in Baden fest zu fundieren, wurde der „Eiserne Fonds" geschaffen. Der „Eiserne Fonds" bietet auch eine passende Möglichkeit der Verstorbenen zu gedenken. Wer 200.000 Kronen für den „Eisernen Fonds" spendet, kann für seine verstorbenen Lieben einen Keren Kajemeth stiften und bewirken, daß nach ihnen am Jahrestage von den Waisenkindern Mischnajoth gelernt und Kaddisch gesagt wird. Anläßlich der Kriegsopferwoche hat Herr Abraham Meiser für den „Eisernen Fonds" als Keren Kajemeth 200.000 Kronen gestiftet. Purim im Kriegswaisenhaus in Baden. Anläßlich des Purimfestes haben die Mitglieder des Badener Lokalkomitees und andere Freunde des Badener Waisenhauses sich nicht die Gelegenheit nehmen lassen, ihre Freude an diesem Tage mit den Waisenkindern zu teilen. Reichliche Lebensmittel- und sonstige Spenden haben in die lichten Räume des Waisenhauses die Freudensbotschaft des Purims gebracht und den Waisen vergessen gemacht, daß sie Eltern und Heim durch den grausamen Krieg "verloren haben. 136 orthodoxe Synagogen in Wien. Die Londoner .,Zeit" weiß zu berichten, daß die „orthodoxe Union" inWien(Agudashacheredim) welche 136 (!) Synagogengemeinden umfaßt, sich mit einem Proteste gegen die Aguda an Chiefrabbi Dr. Herz gewendet hat. Aus dem Berichte der „Zeit" glaubt man eine gewaltige, die ganze Wiener Orthodoxie repräsentierende Körperschaft zu erkennen, die sich gegen ein kleines Häuflein Orthodoxen namens Aguda wendet, weil sich letztere unbefugt als Vertreterin der Orthodoxie ausgibt. Die Agudaorthodoxie wird da als Verräterin beschimpft. Wird das unseren Orthodoxen nicht endlich zu bunt? In dieser Gesellschaft befinden sich auch Mitglieder der Schillschulgemeinde, und wir wissen nicht, woher diese den Mut nahmen, sich an den Chiefrabbi Herz, der wegen der von ihm erlaubten Einführung des neuen Testamentes in den jüdischen Religionsunterricht, und ähnlichen Handlungen, daheim Gegenstand der heftigsten Angriffe ist, zu wenden und seine eigenen orthodoxen Gemeindekollegen zu vernadern. Die „Agudas hacheredim" hat weder 136 Synagogen, wie,die „Zeit" behauptet, noch 36 Synagogen, wie man hier behauptet, diese Organisation besteht auf dem Papier und ihre. Gesamttätigkeit bestand in dieser Winter- Agudas Jisroel-Jngendgrnppe Wien. J"PX Montag, den 3. April »qij 'J-j, 7,8 Uhr abends, hält Herr Dr. Nathan Birnbaum im Festsaale des Hotel Continental II, Taborstraße 4, einen Vortrag über das Thema: „Der Sinn des Judentums". Vorverkaufskarten sind erhaltlich in den Buchhandlungen: R. Löwit, I, Rotenturnistraße; J. Schlesinger, I, Seitenstettengasse; L. D. Hirschler, I, Rabensteig und in der Bibliothek der Agudas Jisroel-Jugendgruppe, II, Obere Donaustraße 69, allabendlich zwischen 8 und 9 Uhr. saison in zwei Protestversammlungen. Den Schiffschulmitgliedern der Misrachi sei aber endlich bedeutet, die Konsequenzen davon zu ziehen, daß die Schiffschulkreise Verräter am Judentum seien, und der Evangelist Dr. Herz, der orthodoxe Vertrauensmann, an dessen Busen man sein orthodoxes Herz ausschüttet. Warum treten die Herren nicht aus und bilden die 137. Gemeinde der Agudas hacheredim? Die soziale Fürsorge der Agudas Jisroel intervenierte auf mehrfachen Wunsch im Sanatorium Low, um solchen Patienten, die auf Koscherkost reflektieren, prinzipiell entsprechende Ermäßigungen für die unterlassene Inanspruchnahme der von der Anstalt verabreichten Speisen zu erwirken. Das Resultat der Verhandlungen ist: 20 Prozent Ermäßigung des Zimmerpreises und Nichtaufrechnung der sonst besonders kalkulierten Frühstückes und der Jause. Dank des Agndawaisenhauses. Das Agudawaisenhaus Baden, dankt herzlichst seinem Hausarzte Herrn Dr. Samuel Deutsch, für die seit einem Jahre in uneigennütziger Weise und bereits die Zahl 100 überschrittene Behandlung seiner Zöglinge, wie auch für die stete Inspizierung der Anstalt. In gleicher Weise hat sich der hiesige Zahnarzt Herr Dr. Maximilian Dorfner dem Hause zur Verfügung gestellt und seine Tätigkeit daselbst bereits begonnen. Beiden Herren sei in der Oeffentlichkeit der beste Dank gezollt. Deutschland. Vom Berliner Rabbinersemiiiar. Am 26. und 27. Februar 1922 tagte in Berlin das Kuratorium des Rabbiner-Seminars zu Berlin. Der Sitzung oblag die schwere Pflicht, erstmalig nach dem Tode des bisherigen Rektors des Seminars, des Herrn Professor Hoffmann, die Entscheidung über die weitere Gestaltung des Lehrkörpers zu fällen. Nachdem der Vorsitzende, Herr Hermann Gumpertz (Hamburg), warme Worte des Nachrufs auf Herrn Professor Hoffmann, auf den vor kurzem dahingegangenen Schüler des Seminars Rabbiner Kobel und auf das Mitglied des Kuratoriums Herrn Aron Kober gesprochen hatte, wurden in eingehender Aussprache alle schwebenden Fragen erörtert. Das Kuratorium kam schließlich einstimmig zu dem Beschluß, das Rektorat während des Trauerjahres um den verewigten Rektor noch nicht neu zu besetzen, aber währenddessen Umschau zu halten, um den Traditionen des Institutes getreu, einen Mann von überragender Bedeutung auf diesen Platz stellen zu können. Im übrigen wurde beschlossen, den Lehrkörper durch Berufung des Herrn Dr. Moses Auerbach, zurzeit Dozent am Lehrerseminar in Köln, zu verstärken. Herr Dr. Auerbach ist Schüler des Seminars und als solcher sowohl seiner Gesamtpersönlichkeit nach als auch besonders infolge seines jüdischen Wissens und seiner allgemeinwissenschaftlichen Veranlagung dem Dozenten-Kollegium und Kuratorium des Seminars bestens bekannt. Hinsichtlich weiterer Verstärkung des Lehrkörpers wurden vorbereitende Schritte getan, über deren Ergebnis jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt zu berichten sein wird. Mit Befriedigung wurde festgestellt, daß der Besuch der Anstalt zurzeit ein guter ist und daß die Studien mit regstem Eifer betrieben werden. Die Beratung des zweiten Tages wurde durch die Besprechung der Finanzlage ausgefüllt. Es muß gehofft werden, daß die in der Beratung in Aussicht genommenen Mittel es ermöglichen, auch in dieser schweren Zeit die Aufgaben des Seminars voll zu erfüllen. Neu in das Kuratorium gewählt wurden die Herren Rabbiner Dr. Wreschner, der dem Kuratorium schon früher angehört hatte und nur während seiner vorübergehenden Lehrtätigkeit an dem Seminar in Berlin ausgeschieden war, ferner Herr Rabbiner Dr. Moses Hoffmann (Breslau). Gründung der Keren Hajischuw Company Limited. Auf Einladung des geschäftsführenden Ausschusses des Zentralrates der Agudas Jisroel fand am 19. März eine Sitzung der Palästinazentrale der Agudas Jisroel urfd des vorbereitenden Verwaltungsausschusses des Keren Hajischuw statt. In der Sitzung wurde die endgültige Gründung der Keren Hajischuw Company Limited mit dem Sitze in London beschlossen, die Statuten der Company angenommen und der Verwaltungsrat sowie der Vorstand gewählt. Polen. Bevorstehende Ankunft Dubnows in Kowno. (J. C. B.) Einem hiei eingetroffenen Telegramm zufolge soll der berühmte jüdische Historiker S. Dubnow während der Osterwoche in Kowno eintreffen und seine Pflichten als Professor der jüdischen Geschichte an der jüdischen Universität in Litauen sofort aufnehmen. Schreckliche Lage der jüdischen Rückwanderer. (J. C. B.) Aus Rowno treffen hier haarsträubende Berichte über die Lage der jüdischen Rückwanderer ein. Mehrere tausende von Rückwanderern und ukrainischen Flüchtlingen befinden sich in Rowno in den menschenunwürdigsten Verhältnissen. Irgend- En gros En detail Wasserdichte Regenmäntel GUMMI-INDUSTRIE Wien, II., Taborstraße 39 Hotel Bayrischer Hof. Teleph. 40324

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