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Jüdische Presse · 1922-03-24 · 12 (24.3.1922) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
12 (24.3.1922)
Date
1922-03-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 70 JÜDISCHE PRESSE Nr. 12 Es hat den Anschein, als ob die zionistische Exekutive irgendeine im Wesen zionistische, aber dem Namen nach alljüdische Organisation schaffen wollte, etwa nach dem Rezepte der ..V e r e i n i g t e Jüdische Partei"' oder der „YVelthilfskonferenz'". um die offenbar vor dem Bankerott stehende zionistische Organisation flottmachen zu können. Zu einer solchen Spiegelfechterei wird das orthodoxe »Judentum gewil.» keine hilfreiche Hand bieten. Die gekennzeichnete AJ)sieht geht aus dem Einstand hervor, daß die Zionistische Organisation den allgemein jüdischen Kongreß einberufen will. Ein solcher Kongreß könnte ja nur von einem alljüdischen Vorbereitungskomitee geschaffen werden und es müßten da schon benierkliche Absichten zur Verhandlung mit den anderen Organisationen fühlbar sein, wälirend wir nur die Tendenz fühlen, die Aguda mit wahllosen Mitteln um ihre gerechten Ansprüche zu berauhen. Die 14 mniioncn Dollar-Kampagne de$ Joint". Wunderbar ist die Sammelorganisation des ..Joint*' in der Stadt New York zu nennen. Das ganze New Yorker Judentum wird von der großen Maschinerie der Organisation durchsiebt. Bekanntlich hat sich New York verpflichtet, allein 5,000.001) Dollar für das Joint 1022 aufzubringen. Wie man uns aus New York berichtet, hat der große Orden Bris Awrohom 50.000 Dollar für das Hilfswerk votiert. Der Antrag wurde vom Grandmaster Richter Levy gestellt und vom Richter Gustave Hartmann (aus Altungarn) unterstützt. Die Bankiers und Kommissionäre haben unter sich 405.000 Dollar gesammelt unter der Leitung Herbert H. Lehmanns, die Industriellen 7(5.000 unter Maynard Milner, die Advokaten 100.000 Dollar unter Samuel D. Lewy. Mr. Rosenberg, der Leiter des europäischen Joint, hat aus Paris mittels Kabel um verstärkte Sammeltätigkeit ersucht. Größere Spenden haben ferner gemacht: Eitington-Schild-Oompany 15.000 Dollar und die bekannten aus der Slowakei stammenden B. Altmann & Co. 10.000, zum Andenken Jakob Wertheims 5000, Samuel Rubel 5000 Dollar. Der Porträtmaler Seymons S. Stone hat sich verpflichtet, jeder Person, die mehr als 10.000 Dollar spendet, ihr Porträt zu malen. H. A. Dix, der die Sammlung der Kimono- und Kleidermacher leitet, meldet, daß die versprochenen 15.000 erreicht sind, er hat aber sein „Team" aufgefordert, weiter zu sammeln und versprochen, für jeden Dollar, den sie spenden, selbst einen Dollar zu geben. Die Damenkrawattenmacher geben 0000 Dollar, die Farben- und Oelliändler 40.000 Dollar. Jakob Sperber teilt mit, daß er bei seinem „Team" an einem Tage 8000 Dollar gesammelt habe und weiter sammle. Abraham Erlange? spendete 3000. Ex-Gouverneur Smith, Nicht jude, sandte 100 Dollar und fordert in einem Briefe die Nichtjuden auf, sich an der Sammlung zu beteiligen. Am 2. März hatte die New Yorker Sammlung schon die dritte Million erreicht. Bisher unser Bericht. Wir glauben. die minimalste Pflicht erfüllt zu haben, wenn wir über diese Sammlung, ihren Arbeitern und vornehmsten Spendern ausführlich berichten. Es zählt auch zu den Seltsamkeiten der Jüdiseli-Nationalisten. daß sie in ihren Blättern so wenig über die wundersame Art des amerikanischen jüdischen Hilfskomitees für unsere Armen zu schaffen, berichten wollen. Diese Herren haben, dank dem Jointgekl, deren Verwaltung sie sich mit terroristischen Mitteln bemächtigt hatten. Positione-n geschaffen, und dabei die eigentlichen Wohltäter totgeschwiegen. Die „Wiener Morgenzeitung*', die über jeden Schmus eines Minjan von jüdisch-nationalistischen Jüngel lange Berichte bringt und sie für „Kundgebungen des jüdischen Volkes*' ausgibt, hat merkwürdigerweise gar keinen Bericht darüber, mit welchem Eifer und Hingebung jetzt tausende Hände in New York geregt werden, um unsere Armen zu versorgen. Hingegen weiß dieses edle Blatt Wunder von der Sammlung des Keren hajessod zu berichten. Im Gegensatze dazu steht die Jeremiade des offiziellen zionistischen Organes ..Das yiddische Folk" in New York. Dort wird eine trübselige Betrachtung darüber angestellt, warum der Amerikaner für das Joint spendet, hingegen nichts f ü r d e n Kere n Ii a j e s s o cl g e b e n w i 11. Bei der Joint-Sammlung ist zumeist m e Ii r als d a s V e r s p r o c Ii e n e g es a in m e 11 w o r d e n, b e i m K e r e n Ii a j e ss o d n i c h t ei n in a 1 d i e H ä 1 f t e. ..Das yiddische Folk"' kommt gar zu dem trotzigen Schlüsse, daß das Heil des Keren hajessod nicht von Amerika kommen werde, sondern vom Ostjudentum in Europa, wo man bereits versteht, daß man mit Almosen kein Volk retten kann. (Warum haben dann die Golusnationalisten sich derartig um die Jointkassa gebalgt?) Der Teruz auf die Kasche des „J. F." ist die: Der Leiter des Joint, Dr. Felix Warburg, geht mit den Spenden voran, er und seine Familie (Schiff) mögen wohl selbst schon 1 bis 2 Millionen für das Joint gespendet haben; beim Keren hajessod hingegen wird dem Amerikaner ad oculus demonstriert, wie man Keren hajessod Geld verwendet, man sieht die Führer auf Kosten der Keren hajessod glückstrahlend das Reich der Streifen und Banner durchstreifen, in den feinsten Hotels logieren und leben wie — eine Keren hajessod-Delegation in Amerika. Die zionistischen €xze$$e in Jerusalem. Die von der Zionistischen Organisation und ihrer misrachistischen Fraktion durch planmäßige Verbreitung bewußt falscher Nachrichten in der heiligen Stadt Jerusalem inszenierten Ueberfälle gegen die Wortführer des orthodoxen Judentums haben in den jüdischen Kreisen der ganzen Welt Konsternation und tiefste Entrüstung hervorgerufen. Diese Erregung gibt sich in den Resolutionen, die gegen die Zionisten angenommen wurden, kund. Hierüber liegen uns unter vielen anderen folgende Nachrichten vor: Resolution der polnischen Landesorganisation. Sonnlag, den 5. März, hielt die politische Kommission der polnischen Aguda-Landesorganisation eine Plenarsitzung ab. In derselben wurde die gegenwärtige politische Situation in Erez Jisroel eingehend erörtert und namentlich die Maßnahmen besprochen, die angesichts des unverantwortlichen Verhaltens der Zionisten zur Verhütung der Gefährdung des ganzen jüdischen Jischuw notwendig wurden. Es wurde folgende Resolution gefaßt: „Die auf der zweiten Aguda-Landeskonferenz angenommenen Palästina-Resolutionen sind der gesamten englischen Presse zu übermitteln und zugleich um Veröffentlichung folgender Erklärung zu bitten: Vom Standpunkt der Balfour-Deklaration, die wir als den Ausdruck dringend erforderlicher, historischer Gerechtigkeit betrachten, wonach der Rechtsanspruch des Judentums auf Erez Jisroel von der ganzen AVeit und allen Regierungen als ein unverjährbares Recht, von G-tt selber dem jüdischen Volke verliehen, anerkannt werden soll, ist die Aguda in Polen der Meinung, daß das orthodoxe Judentum auf sein Recht vermittels einer Vertretung der Agudas Jisroel in der Jewisch Agency und in allen ähnlichen zur Regelung der politischen, ökonomischen und religiösen Angelegenheiten der jüdischen Siedlung in Erez Jisroel mit der Mandatsmacht berufenen Organen Anteil zu haben, nicht verzichten dürfe und wolle. Das orthodoxe Judentum ist der größte und ökonomisch stärkste Teil des jüdischen Volkes, ohne dessen Mitwirkung die Besiedlung Erez Jisroel unmöglich durchgeführt werden kann." Beschlüsse des Aktionskomitees der polnischen Landesorganisation. Am 12. März fand im Agudalokal eine Sitzung der neugewählten Exekutive der Landesorganisation statt. Nach längerer Debatte wurde beschlossen: „1. Ununterbrochen auf der Wacht zu sein und die Rechte der Orthodoxie in der Erez Jisroel- Frage ungeschwächt zu verteidigen. 2. Alle orthodoxen Juden offiziell aufzufordern, gegen die skandalösen Ereignisse in Jerusalem zu protestieren und dabei die Rechte des Judentums auf Erez Jisroel insbesondere vom Standpunkte der Orthodoxie zu betonen und 3. Maßnahmen gegen die Fälschungen der zionistischen Preßorgane zu treffen." Protestresolution von 150 Bethäusern. Samstag, den 14. März, haben ungefähr 150 Bethäuser in Warschau folgende Protestresolution angenommen: „Die Mitglieder des Bethauses protestieren gegen das schändliche Vorgehen der Glaubensverächter in Erez Jisroel, die die Rabonim und die größten Persönlichkeiten in Erez Jisroel terrorisieren. Die Mitglieder des Bethauses vereinigen sich mit den Juden der ganzen Welt, die ihr Recht auf Erez Jisroel fordern, wobei jedoch die Vertretung der orthodoxen Judenheit, welche in der Agudas Jisroel organisiert ist, gesichert sein muß. in allen Organen, welche die Aufgabe haben, am Aufbau des jüdischen Jischuwa in Erez Jisroel mitzuhelfen." Die Rayonkonferenz von der Agudas Zeire Emune Jisroel im Kutner, Gossininer und Wloczlawker Rayon, die am 6. und 7. Adar stattfand, protestiert energisch gegen die niederträchtige Verläumdung der zionistischen Organisation, welche das orthodoxe Judentum als Verräter brandmarken. Die Antwort der zionistischen Exekutive und die Opposition. Auf den Vorwurf der Zionistenführer Doktor 'Nordau, M a r m o r e k, J a k o b u s Kannu. a., daß die zionistische Leitung die Gelder der Organisation mißbraucht, um für sich und eine von ihr geschaffene Clique von Beamten hohe Einkommen herauszuwirtschaften, antwortete die Exekutive mit die Zahlen der Bilanzen. Hiezu bemerkt nun Herr Jakobus Kann in einem Brief an den Londoner- Jewish-Chonicl e und an die „Jüdische Rundschau" in Berlin: „Die Exekutive gibt die Ausgaben des ■ Keren Hajessod vom 1. September 1920 bis 31. Jänner 1922 an mit .... £ 45.000 Die Kosten der Delegation von H e r r n S o k o 1 o w i n A m e r i k a sind? (Hier gibt die Exekutive keine präzise Angabe, teilt jedoch mit, daß der „American" Keren Hajessod zahlt) Und welches sind die weiteren Ausgaben in Amerika und in den anderen Ländern . . . .? Die Ausgaben in Palästina werden angegeben mit..........£ 40.000 Auch müßten die allgemeinen zionistischen Unkosten in der gleichen Periode hinzugefügt werden, aber auch hier fehlen die präzisen Angaben......? £ 85.000 -f??? Wenn man alles addieren würde, gäbe es eine ganz andere Ziffer als die offizielle, wo sogar die Gründungskosten des Keren Hajessod abgezogen werden, als ob dies keine Kosten wären! Und welches waren die Kosten des Palestine Restoration Fund? Dem Kongreß in Karlsbad wurde mitgeteilt, daß in der Periode vom 22. Juli 1917 bis 30. Juni 1921 £ 921,557.191 nach Palästina überwiesen wurden. Wo ist der Gegenwert dieser Gelder! Und wo sind die Gelder, die der Keren Hajessod dem Jüdischen Nationalfonds abführen sollte? Hochachtungsvoll Ihr ergebener J. H. Kann. Kritische Rundschau, „Dramatische" Niederlage des Misrachi. „Es liebt die Welt das Strahlende zu schwärzen" und jeder im politischen Leben Stehende sucht oft im Sprichworte von den Wespen und den,schlechtesten Früchten Trost; Staatsmänner und Führer müssen über sich Sturzwellen des Schimpfes ergehen lassen; aber das Alles mag nicht dermaßen wurmen, wie „Ausgespieltwerden" in einem Purimspiel, das in einer guten, alten Kehilla vonstatten geht, denn in einer solchen Kehilla gehts um den „Kowed", dem unbezwinglichen Bedürfnisse, zu den Erfolgen des Erwerbesnoch den Nimbus des Mannes von den Nichbade hoir zu fügen. In diesem wohligen Milieu ist man noch nicht abgehärtet gegen die Schärfen des politischen Kampfes und empfindet es schmerzlich, unfreiwilliger Held eines Purimspieles, selbst vom geistigen Niveau slowakischer Jüdischnationalisten, zu sein, und die ganze Purimwoche von Bekannten mit moquanten, wenn auch harmlosen Lächeln gegrüßt zu werden. Verwandelte sich da vorigen Purim die Preßburger jüdischnationalistische Korahrotte in eine Schauspielertruppe — allerdings ä la Zettel im Sommernachtstraum — um die ehrsamen Führer der Orthodoxie (inkl. Stern) zu verhöhnen. Haben die Entarteten, die keine moralische Hemmung kennen, nicht gar das Bildjdes Meisters dabei herumgeschleppt? Sie hatten nun einmal die Lacher auf ihrer Seite, und als Pnrim wieder ins Land kam, rüsteten sie zu neuen dramatischen Anstrengungen, um dem Rufe und der Reputation der ehrsamen Würdenträger der wohlberühmten Kehilla mit. ihren geistigen Liliputpfeilchen den Rest zu geben. Da aber entbrannte der Zorn der Aguda-Jugend und diese beschloß nicht nur Gleiches mit Gleichem zu vergelten, sondern den Gegner im „geistlichen Turn ei" aufs Haupt zu schlagen. In der Slowakei ist einmal die betrübliche Tatsache vorhanden, daß die Orthodoxie den Misrachi und" den Zionisten selbst mit kulturellen Waffen überlegen ist. Die Papierform in diesem Purimspiel- Match war daher von vornherein den Jüdischnationalisten nicht günstig. Ein ereignisschwangerer Purim rückte für die treffliche Judengasse heran. Das einstige, bescheidene Purimspiel wuchs mit den Dimensionen der Zeit Ehedem war es eine allzu intime Bühne, die die wackeren Bachurim zur Erheiterung des ernsten Rabbi geschaffen hatten. Die trefflichsten Bachurim machten sich eine Ehre daraus, mit mimischen Kunststücken dem Rabbi ein erfrischendes Lachen zu entlocken. Wer würde es manchen würdevollen Rabbinern und Balbatim ansehen, welche wirkungsvolle Komiker sie in ihrer Bachurimjugend abgegeben haben? Vor allem R. Jekussiel Weiß, der ehrsame Tiszafüreder Balbos, Gaspar Weiß, der ruhmreichste Purimspieler der Preßburger Jeschiba, wer erinnert sich noch an den künstlerisch erfaßten Kellner des Juda Fischer, wer

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