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Jüdische Presse · 1922-03-24 · 12 (24.3.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
12 (24.3.1922)
Date
1922-03-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Uxvtii t&tßbibIio^t<& , V. v, f,!• rTari^y.Hrlrxg ii micruc ddcccc JUUI jlnt kkejjc („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, IL, Obere Donanstr. 91. — Telephon 48.142. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jedon Freitag. — Redaktionsschluß: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnenientspreise: Ganzjährig: Für Österreich K 2000, Ungarn K 250* — , Tschechoslowakei Kc. 70«—, Deutschland Mk. 60-—, Schweiz Frcs. 10'—, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 70 Lei, Jugoslawien 40 Dinar, Polen Mk. 1200*—. Einzelnummer d.-ö. K 50 —, Kc. 1'50. Die 8 mal gespaltene Petitzeilo d.-ö. K 30*- Fürs Ausland 100 Prozent Teuorungszuschlag. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. 12 Wien-Bratislava, 24. März 1922 ♦s'sm tix td amDDjHB - nn rrys l^lTjaiirgi! ßicdcrincicrtum und lüabrbeit- Wir würden es strikte ablehnen, auf alle Anwürfe der gegnerischen Presse näher einzugehen, wenn wir nicht befürchten müssen, daß dadurch Verwirrungen im eigenen Lager entstehen. Wir bitten also, zu beachten, daß die folgende Darstellung nur zu unseren Gesinnungsgenossen gesprochen wird, und daß wir ein für allemal davon Abstand nehmen, auf die Verdrehungen und Entstellungen gebührend zu antworten. Da liest man soviel von Vaterlands¬ und Volksverrat. Am meisten führen diejenigen das Wort Volksverrat im Munde, die im Sinne unserer heiligen Lehre das jüdische Volk in jeder Stunde verraten, denn für uns — wohlgemerkt, nur für uns, und nicht für jene, die den Allmächtigen und sein Wort verhöhnen, — gilt doch sicher derjenige als der schlimmste Volksverräter, welchen der Allmächtige selbst im Worte seiner Lehre als solchen kennzeichnet, noch dazu in der Form, daß er ihn allezeit aus dem Bereich des jüdischen Volkes ausschließt; dies geschieht durch die Worte Wenichraß Meamau. Und nun überlege man sich, wie tief die Volksmoral gesunken sein muß, wenn man diejenigen, die für die Priorität des Willens des Allmächtigen in bezug auf die Konstruktion und Gelting des jüdischen Volkes eintreten, als Volksverräter bezeichnet und dagegen vor denjenigen, die täglich und stündlich, bei jeder Mahlzeit und am Sabbat sich höhnend selbst aus dem Volke ausschließen, verehrungsvoll und anbetend das Knie beugt. Wir wiederholen, wir werden mit diesen Volksverrätern, die mit dem Stigma des Kores gekennzeichnet sind, nicht richten und rechten. Wir sind nicht die Stellvertreter G-ttes auf Erden. Wir avV^::'^ ......^" Verleumdung nicht stören, wir haben nicht einmal mehr das Recht sie zu mahnen, wir verzichten auch darauf, ihren Schleppträgern die Masken vom Gesicht zu reißen, wir wiederholen, wir wenden uns nur zu unseren Gesinnungsgenossen und fragen sie, ob ihnen nicht die Schamröte ins Gesicht steigt, wenn sie für diese ganze Koressippschaft, für dieses sranze Konglomerat von Volksverrat immer wieder ein so mildes Verstehen und Verzeihen bereit haben, um auf der anderen Seite übelwollendes Mißverstehen gegen diejenige aufzubringen, die Zugehörigkeit und Treue zum Volke nach dem Willen des Allmächtigen messen. Selbst wenn es ganz anders gewesen wäre, selbst wenn religiöse treue Juden vor England und vor die Mächte der Welt getreten wären und geschrien hätten: Nein und dreimal nein, es darf nicht sein, daß der schlimmste Verrat am jüdischen Volke von den Mächten dieser Welt legalisiert wird, wir dulden nicht, daß das Heilige Land Schauplatz von Orgien des Kores wird, selbst dann hätte jeder Jude, der sich der Thora beugt, von der Größe dieser Gesinnung durchdrungen sein müssen. Aber, das ist ja gar nicht geschehen, man hat bloß gebeten, daß man in Palästina auch religiös leben kann, daß man nicht von dem freien England mit den schlimmsten Waffen des Gewissenszwanges unter das Joch der Heroen des Kores gezwungen wird! Daß diese von Volksverrat schrien, ist ihre Angelegenheit, daß aber noch irgend ein Jude, der Sabbat hält und des Allmächtigen Wort ehrt, diesem Geschrei sein Ohr leihen konnte, das muß als unmöglich bezeichnet werden. Es ist dabei ganz einerlei, ob der Schritt unserer Gesinnungsgenossen in Jerusalem von Erfolg begleitet ist, er war eine Tat und jeder, der es gut meint mit Zion und Jerusalem und mit Thoraw'ort und Thorageist, sollte sich freudig zu dieser Tat bekennen. Noch viel weniger ist zu sagen von der Art und Weise, wie in den Golusländern in jüngster Zeit die Zusammenfassung der Orthodoxen bekämpft wird. Wir haben aus unserer Politik niemals ein Hehl gemacht, wir haben stets die eine Linie verfolgt, daß die Juden in jedem Lande in den legalsten Formen ihr Recht von den jeweiligen gesetzgebenden Faktoren ihres Heimatlandes zu erreichen hätten, wir haben immer jede fremde Einmischung abgelehnt und wir haben diese Linien in den Maßnahmen unserer praktischen Tätigkeit aufs peinlichste eingehalten. Und wenn wir nur nicht, wie es andere Organisationen tun, bei jeder Gelegenheit im Biedermeiertum unsere Vaterlandstreue auffällig unterstreichen, dann kommt irgend so ein Pressepirat und wagt es von Vaterlandsverrat der Aguda zu sprechen. Wir wiederholen, wir reden nur zu unseren Gesinnungsgenossen, um ihnen die richtige Stellungnahme zu dieser perfiden Kampfesweise solcher Kreise zu ermöglichen, die, was leicht festzustellen wäre, über Denunziationen und Verleumdungen den Weg zur eigenen .Gruft sich graben. So wie es der Allmächtige will, stehen wir zu unserem Vaterland, so wie es der Allmächtige heißt, retten und erhalten wir unser Volk. F. ein außerordentlicher Zionistcnkon^rcf;. Wie mitgeteilt, wird, besteht die Absicht, einen außerordentlichen Zionistenkongreß zusammenzuberut'en. dessen Zweck eigentlich die Ermächtigungzur Einberufung eines allgemeinen jüdischen ij»i»e$3wH&^ Delegierten dieses Kongresses werden aus den zum XTT. Kongresse Gewählten bestehen. Wir knüpfen hieran die folgende Bemerkung: Wir haben zur Leitung der Zionistischen Organisation kein Vertrauen. Sie ist auch durch den Umstand, daß die bedeutendsten Persönlichkeiten der Zionistischen Organisation in einem derart scharfen («egensatze zur Leitung stehen, den man nicht mehr mit „Oppostion" sondern mit Revolution bezeichnen muß, nicht dazu legitimiert, nochmals einen Kongreß ohne Neuwahl einzuberufen, geschweige denn gar einen .allgemeinen •^ti#i^i¥e^ Die schweren Beschuldigungen gegen die Leitung seitens der Zionistenführer, die in der großen Welt weitaus mehr Ansehen und Vertrauen genießen, als die Leitung selbst, deren Angaben daher weitaus .schwerer wiegen, als die Verteidigung der Exekutive, benehmen dieser die Autorität, auch nur im Namen des Zionismus zu verhandeln. Reb Itscbc Kapitalist. Ein Bild von der Windbörse. Von Seh. Schönfeld (Wien). Uebersetzung aus dem „Yddischen Leben" (Kowno). (Fortsetzung.) Heb Itsche hat aber nicht lange „geklärt" und wir sehen ihn schon bei einem spagelneuen Geschäft. Schon seit Langem cholenit R. Itsche von der Residenzstadt Wien. Das erste und einzige Mal war R. Itsche in Wien als man den alten Reiser .'. z. i. operiert hatte, da mußte er ihn dch in Wien besuchen, und seither war R. Itsche einfach veliebt in die große schöne Stadt Wien. Kam er zum Beispiel abends mit dem Oilem zusammen zwischen Minche und Mairew im Res hamedresch oder an einem Sonntag am Markte, war sein Lieblingsthema: Wien! Da konnte er sich gar nicht satt erzählen. Lud gar, wenn man ihn fragte, ob er die Chajes roos im Schönbrumicr kaiserliehen Gart «.-'ii gesellen habe, hat er da Nissim und n'd'loos erzählt, es kam von ihm wie aus einer (,)uelh'. mit einem Wort, er legte sieh nieder und stand auf mir. Wien! .Mimeie, jetzt, wo er die Fabrik aufgeben mußte -— das .Melanidus hatte er ja längst niedergelegt - ha. sieh II. Itsche gesagt, ot, jetzt ist dk' Zeit gekommen, den langjährigen Traum zu verwirklichen und wir sehen R. Itsche zweimal in der Woche nach Wien fahren. Seine Rarnosse bestand jetzt darin, daß er Eier, Hühner und dergleichen nach Wien führte, so lallte bis R. Itsche ganz und gar heimisch in Wien wurde, und als der Krieg ausbrach und von Galizien sich ganze Massen nach Wien wälzten, war R. Itsche take der Erste, der sich dort ständig niederzulassen beschlossen hat. In Wien da öffnete sich für R. Itsche ein neuer Horizont. Kaum war er einige Tage in Wien, sah er sich um neue Geschäfte um, und nach langem Suche,, fand er auch eines — die Börse. Glaubt noch nicht, daß dieses Geschäft so poschet geht. Erstens müßt Ihr wissen, um an der 'Wiener Börse handeln zu gehen, muß man einigermaßen ein Kenner des Deutschen sein, das heißt, man muß die Zeitungen lesen und die absonderlichen Namen von diesen vielen, verschiedenen Rapieren kennen, die so verdreht sind, daß man sich anfangs schier die Zunge bricht, nehmt zum Beispiel „Botscherada", „Klerikameika" oder wie sie alle heißen. Mimele, könnt Ihr verstehen, .laß unser h. Itsche, der sein ganzes Leben lang kein ..jrojisch" lernen wollte - außer ein bissei ''olniseh. daß er beim Strusch (Hausknecht), den er sich zu seinem Erbschaftshäuschen gehalten hat, lernte ----- und von Deutsch nich.. ein <)s gelernt hat, da. eine schwere Aufgabe hatte. Xun — es gibt doch nichts, was nicht ein Ben Thora erlernen kann — R. Itsche wußte sich uich da zu hellen. Einige Tage nur ging R. Itsche in der Gasse herum und las fleißig die Geschäftsschilin der Nachbarschaft, und da er wußte, daß der Mann David Goldberg hieß, verstand er bald die Bedeutung der Buchstaben. So lernte R. Itsche wahrhaftig in einer Woche h-ruum Deutsch lesen! Und da er nun doch schon im Deutschen bewandert war, las er schon täglich allein die „Neue Freie Dresse". Bald kaufte er ein paar Papierchen und war gekannt an der Wiener Börse. Troizdem R. Itsche sich da bescheidene Sümmchen erwarb, gönnte er sich keinen Bissen. Er nützte folgende Philosophie aus: Heute zu Tage, wo jede Krone gleich vervielfacht werden kann, ist es al-pi-din eine Sünde mehr zu essen, als zum Leben nötig ist. Auch antwortete er auf die erstaunten Fragen: Wird man mich denn auf joner Welt fragen: ..Hast du nur ein gutes Mittagmahl gegessen?" Wer denkt da gar an eine Wohn.mg. Er mietete sich einen Winkel dalet-al-dalet (vier Quadratellen), schlief lange Zeit auf irgend einem Brei teigestell. sein Meublement bestand aus zwei Nägeln, auf dem einen hing jede Nacht sein Autuaehz (Kleidung und Wäsche) und auf dem .uideren seine sabbatliche Atlas-Jupize mit dem Streimel. Aber da hat sich IL Itsche auch nicht den Namen Kapitalist erworben. Es macht sich nämlich leider einmal, daß sich das Glücksrädel einen Dreh gibt, der liiluch hört auf zu jehchen (der Lauf hört: auf zu laufen) und so gut es R. Itselie bisher gegangen ist, so schlecht und noch schlechter ging es ihm jetzt. Seine Papiere fielen und er war genötigt, sie mit schweren Schaden zu verkaufen. (Fortsetzung folgt.) chiff Pelzwapenhaus Eiigros und Erzeugung: I., Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) :-: Telephon 67-302 Detail Verkaufs -Niederlage: I., Graben 28 Erstklassige Modelle in Damenpelzmäntel, Herrenpelze, Füchse

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