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Jüdische Presse · 1922-03-10 · 10 (10.3.1922) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
10 (10.3.1922)
Date
1922-03-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 JÜDISCHE PRESSE Seite 59 lJiicMcrne Purim-BetracMungen eines Antialkoholikers. Charaktere ändern sich nicht. Es ändert sich nur die Zeit, der Ort und die Gewandung. Die Purimgeschichte bleibt dauernd aktuell. * Ein Homon wird niedergestampft, Hunderte entstehen aufs neue. Purim war die erste Klassenlotterie. Durch die Purimgeschichte zieht sich kein roter Faden, sondern ein feingesponnener Strick. In der Königin Esther sieht jede Jüdin ihre Schwester. Von Fasten zu Festen ist oft nur ein Schritt. Der Fallstrick wird am Purim zum Galgenstrick; wie oft aber wird ein Galgenstrick zum Fallstrick für uns. * * * Die ganze Purimgeschichte wirkte auf Esther wie Märchen aus Tausend und eine Nacht! * * Der Purimwitz ist Galgenhumor. * * Eine Waschti, die sich nicht zeigen will, kann sich gewiß auch nicht sehen lassen. Die dankbarste Frauenrolle ist die „Rolle Esther". * A * So geschieht dem Manne, den der König ehren will. — Und der Antisemitismus wächst. Ahaschweroth konnte die Esther zu seiner Frau machen; zur Königin war sie geboren. Könige haben einen tiefen Schlaf; es fällt ihnen sonst auch im Traum nicht ein, jüdische Verdienste zu belohnen. Die schönsten Lichtbilder der Geschichte weisen Frauenzüge auf. * * Auch unmoralische Geschichten haben oft eine tiefe Moral. * * Judenlos: Homon wollte die Juden los sein. * Es ist sicher, daß der Finanzminister Mordechai den Finanzen Persiens nützlicher war, als sein Amts Vorgänger Haman. - Schelach — monaus! Nie war dieser kategorische Imperativ dringender war wie heute. * * Wenn einst alle/Festtage entfallen werden, Purim wird gehalten werden. — Selbst die Zionisten halten Purim. 0. N. Deutscftosterreicb. Sijumfeier der Aguda-Ortsgruppe Wr. Neustadt. Einen sehr erhebenden Verlauf nahm die Sonntag, den 5. März stattgefundene Sijurhfeier der Aguda- Ortsgruppe Wr. Neustadt. Die Nachricht selbst, daß in Wr. Neustadt, wo noch vor ganz Kurzem eine gemeinsame echt jüdische Betätigung als Utopie galt, heute eine staatliche Zahl älterer und jüngerer Juden sich allabendlich zum gemeinsamen Limud Hathora zusammen findet, ist geeignet in den weitesten Kreisen des orthodoxen Judentums lebhafteste Befriedigung auszulösen, ebenso wenn wir hören, daß die Agudabewegung dort tiefe Wurzel geschlagen hat. In überaus gehobener Stimmung versammelten sich Schiurim-Teilnehmer und Gäste, unter denen sich Delegierte der Wiener Orts- und Jugendgruppe befanden, zur festgesetzten Stunde, um, nebst den leiblichen Genüssen, für die ein fürsorgliches Komitee in reichlichem Maße sorgte, den Hochgenuß einer wahren Simche schel mizwo in diesem Milieu zu empfinden. Aufgemuntert durch begeisterte Reden der anwesenden TalmideChachomim, Leiter und Mitglieder der Agüda, steigerte sich die Stimmung, um g'egen Mitternacht in einem echt chassidischen „Rakido Rädel", wie sie in Wr. Neustadt vielleicht seit der Zeit der Kadmonim nicht gesehen^wurde, Ausdruck zu finden. Die Notwendigkeit der Aguda für unsere versprengten Brüdern fand in dieser schönen Veranstaltung beredten Ausdruck und sprachen sämtliche Redner mit Dank und Anerkennung ihre begeisterte Hingebung für die Aguda und ihre Ziele, der sie diesen unvergeßlichen Abend verdankt, aus. S. St. Konferenz der burgenländischen Orthodoxie. Auf Einladung der Mattersdorfer Kultusgemeinde fand in Wien am 2. Adar eine Konferenz der orthodoxen Gemeinden des Burgenlandes statt, bei welcher zahlreiche Delegierte, Rabbiner und Laien teilgenommen haben. Es wurde beschlossen, bei der Landesregierung, die bisher durch das ungarische Gesetz vom Jahre 1869 gewährleistete Autonomie der orthodoxen Gemeinden zu fordern. Es wurde folgendes Aktionskomitee gewählt: Oberrabbiner Löwy, Frauenkirchen, Präses; Rabbiner Ehrenfeld, Mattersdorf, Vizepräses; Aron Neufeld, Mattersdorf und Emil Spitzer, Eisenstadt, Schriftführer. Purimfeier der Schülerinnen des Jessod Hathora. Mittwoch, Susan-Purim (15. März), 7 Uhr abends, findet eine Purimfeier für die Schülerinnen der Jessod Hathora im Turnsaale der Vereins-Volksschule (Talmud Thora), II. Malzgasse 16, statt. Die P. T. Eltern der Schülerinnen, Gönner und Freunde der Schule werden hiemit höflichst eingeladen. Ungarn. Machsike hadass Miskolcz. Am 15. Schewat wurde in der von dem Verbände erhaltenen Talmud Thora ein Sijum mit Prüfung abgehalten. Reden hielten die Oberrabbiner Austerlitz (Miskolcz), Gottlieb (Tolcsva), Ehrenfeld und Andere. Talmud* Thora, Särvär. Am 15. Schewat hielt die hiesige Talmud Thora ihren Sijum. Oberrabbiner Fischer sprach über Seroim. Es sprachen noch die Oberrabbiner Weiß (Simony) und der Oberrabbiner von Gyömöre. 30.000 Ungarkronen wurden beim Bankett gespendet. Der Oberkantor Winkler trug schöne Gesänge vor. Uni die Tafel hatte sich Herr Josef Schwarz verdient gemacht. Polen. Die Flüchtlingsabteilung JDO in Warschau hat im Dezember über 53 Millionen Mark für Flüchtlinge und Reemigranten ausgegeben. Die Zahl der jüdischen Reemigranten ist eine sehr beträchtliche. NACHRICHTEN. Rumänien. Rabbi Zirelsohn als Kandidat. Bisher wurden für die Kammer elf jüdische Kandidaturen angemeldet, die auf den Listen der verschiedenen rumänischen politischen Parteien figurieren. Bloß in Beßarabien wurde eine rein jüdische Liste angemeldet, mit Rabbiner Zirelsohn und Dr. Kogan- Bernstein an der Spitze. Die jüdische Volkapartei erklärt in einem Manifest an die jüdischen Wähler, daß sie, da infolge der Mangelhaftigkeit der Wählerlisten das jüdische Volk Transsylvaniens die Wähler nirgends mit jener Kraft zu beeinflussen imstande sei, die seiner Kopfzahl auch nur halbwegs entsprechen würde, von der offiziellen Aufstellung von eigenen Kandidaten abgesehen habe. Es sind nur jene Kaudidaten zu unterstützen, die schriftlich bestätigen, daß sie die nationalen Rechte der jüdischen Minderheit in Großrumänien auf Grund der Beschlüsse der am 1. Dezember 1918 in Alba.Julia stattgefundenen rumänischen Nationalversammlung aberkennen, ebenso die Forderung auf rascheste Durchführung dieser die ethnischen Minderheiten betreffenden Beschlüsse, wie auch die Forderung der Ermöglichung der Einhaltung des Sabbath. Die jüdische Volkspartei erhebt Protest gegen die Tatsache, daß es dem jüdischen Volke in Transsylvanien unmöglich gemacht wurde, zu der ihm gebührenden Vertretung im Parlament zu gelangen. Obgleich nur aus Anlaß der Wahlen ins Leben gerufen, bleibt die Volkspartei bis zur Erfüllung ihres Programms zusammen. (Nicht nötig.) Der Nagy Kärolyer status quo Gemeinde gibt in Zirkulare bekannt, daß sie sich mit Erlaubnis der rumänischen Regierung als orthodoxe Gemeinde konstituiert hat. (In Nagy Karoly besteht bekanntlich schon eine alte orthodoxe Gemeinde.) Das Zirkular macht darauf aufmerksam, daß man Verleumdungen (?) von gegnerischer Seite kein Gehör schenken möge. Amerika. Die Konferenz der rumänischen Juden in Amerika. (JGB) Dig vor kurzem in New York stattgefundene Konvention der in den Vereinigten Staaten lebenden rumänischen Juden, war von zahlreichen Delegierten aus allen Teilen der Union beschickt. Der rumänische Gesandte Fürst Bebesco ist eigens aus Washington zur Konferenz gekommen und erklärte in seiner Ansprache an die Delegierten, "daß die Lage der Juden in Rumänien sich soweit gebessert hat, daß man von der bereits erfolgten vollständigen Lösung der Judenfrage in Rumänien sprechen kann. Fürst Bebesco stellte eine allgemeine Entspannung zwischen dem rumänischen und jüdischen Volke fest und zählte hiebei eine Reihe jüdischer Persönlichkeiten auf, die Rumänien Ehre verschaffen, wobei er die Bedeutung Dr. Gasters besonders hervorhob. Was ihn selbst betrifft, wünsche er es allen rumänischen Juden in Amerika zu sagen, daß er bereit ist, alles was in seiner Macht liegt für sie zu tun und es als Freund zu tun. „Ich weiß, daß in der Vergangenheit viele Fehler in Rumänien gemacht wurden, es waren viele Mißgriffe und große Mißverständnisse. Doch ist dies vorbei, oder es wird in der nächsten Zukunft vorbei sein. Rumänien steht im Prozesse des Aufschwunges und es wünscht seinen Söhnen anch hier zu helfen." Die Konferenz nahm eine Reihe von Resolutionen an, deren wichtigste eine Protestresolution gegen die Anti-Wanderungsbewegung in Amerika und die feierliche Verpflichtung zur Unterstützung des Wiederaufbaues eines jüdischen Nationalheimes in Palästina sind. Aus dem der Konferenz vorgelegten Rechenschaftsbericht geht hervor, daß nach Rumänien über 600.000 Lei für das jüdische Hilfswerk überwiesen wurden. Die auf der Konferenz entstandenen Meinungsverschiedenheiten über die Auflösung der Assoziation der rumänischen Juden in Amerika, deren Weiterbestand mit Rücksicht auf die verbesserte Lage der Juden in Rumänien vielen Delegierten überflüssig erschien, wurden dahin akklamiert, daß die Assoziation vorläufig, und zwar bis zur Befestigung der neuen Lage, in Rumänien fortbestehen soll. Italien. Ein Jude italienischer Außenminister. Nach Rathenau in Deutschland, hat nun auch der neue italienische Ministerpräsident Facta den Juden Schanzer, der Italien so erfolgreich auf der Washingtoner Konferenz vertreten hat, zu seinem Außenminister erkoren. Mit Rücksicht auf die bevorstehende Konferenz in Genua kommt dieser Ernennung besondere Bedeutung bei. England. Der jüdisch-konservative Block. (JPZ) London. In einem Artikel „Der Zionismus am Scheidewege* vom 17. Februar schreibt der Londoner „Jewish Guardian" unter anderm: Die Zeit scheint reif zu sein, daß präliminare Schritte unternommen werden zur Bildung eines jüdisch-konservativen Blocks, der den Brandeis Economie Council, den Londoner „Economic Board for Palestine", die „Agudas Jisroel", die IGA und die „Alliance Isr. Univ." umfassen soll. Der gegenwärtige Aufenthalt des jüdischen Philanthropen aus Pittsburg, S. Rosenbloom, in Europa könnte für diesen konstruktiven Zweck benützt werden. Rußland. Verurteilung von „Melamdim" zur Zwangsarbeit in Bußland. (JGB) Die wegen körperlicher Züchtigung ihrer Schüler angeklagten jüdischen „Melamdim" in Polok, wurden zu je 6 Jahren Zwangsarbeit veiv urteilt. Diejenigen Verurteilten, die das 60. Lebensjahr überschritten haben, wurden dann begnadigt. Jüdische Heimkehrer ans Rußland nach Polen. (JGB) Anläßlich der wachsenden Bewegung der jüdischen Heimkehrer aus Rußland nach Polen, assignierte der Joint e|pe spezielle Subvention im - Betrage von 54 Millionen polnische Mark für jüdische Heirnkehrerhilfe. Vor einigen Tagen gewährte der Joint eine weitere Subvention von 8 Millionen Mark für die 'Ausspeisung der Heimkehrer. Verweigerte Legalisierung der Chaluz-Organisation in Rußland. (JCB) Wie aus Moskau gemeldet wird, verweigerte das Kommissariat für Nationalitäten-Angelegenheiten die Legalisierung der Ghechaluz-Organisation, deren Aufgabe die Ausstattung und Abfertigung der Pioniertransporte nach Palästina ist, mit der Begründung, daß der Hechaluz einen Teil der zionistischen Organisation darstellt. Ciirkei. Pogromhetze der Wrangeischen Offiziere1^ in Konstantinopel. (JGB) Die hier lebenden Wrangel- Offiziere, lassen keine Gelegenheit vorbeigehen, ohne ihr Mütchen an den Juden zu kühlen. Sie geben immer neue Broschüren und Flugblätter heraus, in welchen immer wieder nachgewiesen wird, daß die Juden für den Ruin Rußlands verantwortlich sind und daß die Rettung Rußlands erst nach der gründlichen Abrechnung mit den Juden erfolgen kann. Gegenwärtig veröffentlichen sie ein angebliches Tagebuch von Leon Trotzki, das von einem ' Denikin-Offizier im Salonwagen Trotzkis während der Schlacht in der Gegend von Eurek „gefunden" wurde. Das Tagebuch enthält die Memoiren Trotzkis von 1916 in Genf bis 1919. Die Trotzki unterschobenen Aufzeichnungen besagen, daß Trotzki schon damals beschlossen hat, das in Rußland in den zahlreichen Pogromen vergossene jüdische Blut am russischen Volke zu rächen. Da die Beschuldigung, daß alle Juden Bolschewiken sind, nicht mehr zieht, verfielen die Wrangel-Offiziere auf die neue Idee, Leon Trotzki zum jüdischen Helden zu stempeln, der die Vernichtung Rußlands als Vergeltung für die -jüdischen Pogrome unter dem Zaren-Regime seinerzeit beschlossen hat und gegenwärtig in die Tat umsetzt. \

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