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Jüdische Presse · 1922-03-10 · 10 (10.3.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
10 (10.3.1922)
Date
1922-03-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 10 JÜDISCHE PRESSE Seite 57 -'- rand Sanatorium ma$$erbeilan$talt Bratislava (Prepurg) Erstklassige Univorsal-HeüanstaU für Spezialhehamllung der inneren-. Nerven-, Zucker-, Gallensiein-, Nieren-, Magen-, Darm-, Herz- und Blutgefaßxrankheiton. Mast- und Entfettungskuren. Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Urologie, Dermatologie, Orfopädie, Augen-, und Kehlkopfkranke. Wohnung, Beheizung, Beleuchtung, Bedienung, Krankenpflege, ärztliche Pflege, 5 Mahlzeiten von Kc 83'- aufwärts. Wasserheilanstalt in vollem Betriebe auch für Auswärtige. Streng rituelle "UPS Küche unter Aufsicht des Preßburger Oberdahl tinates Leitender Chefarzt: DR. SIGMUND ARANYI. geeignet, jeden um die Zukunft des Judentums besorgten, seiner Verantwortung bewußten I-Yihrers .stnt>:i«»- zu machen. Im Jahre .15)14 bei Ausbruch des Weltkriegen war ichzum Kurgehrauch in Karlsbad. Ais nun die Kriegserklärungen so hin und her flogen, wie Gratulationstelegranuue anläßlich des Geburtstages eines Staatsoberhauptet, da waren wir Rabbineil und Juden von allen Dichtungen der Windrose beisammen. Ks waren dort russische, engliscire, österreichische, amerikanische und deutsehe Juden. Der erste Schreck lag uns noch in den Gliedern, als die Zeit des Abendgebetes heranrückte. Wir wollten, wie üblich, dieses Gebot gemeinsam verrichten, da sprach ein' russischer Rabbiner: .Wie ist es möglich, daß wir in diesem furchtbaren Ernste der WVltzerklüftung und Völkerzersplitterung gemeinsam beten? Was sollen die Russen, was die Engländer, was die Deutschen und was die Oesterreicher beten. Wie ist es möglich, daß die verschiedenen Gefühle, die nach unserer verschiedenen Staatszugehörigkeit unsere Herzen bewegen sich zu einer gemeinsamen Andacht finden?' Da erhob ich mich und sprach: ,Meine Herren, wir können auch heute in diesem furchtbarsten aller Augenblicke unser Gebet gemeinschaftlich verrichten. Wir beten zu unsrem alten guten jüdischen G-tte, daß er die Staatsmänner, Politiker. Staatsoberhäupter und Schick'salslenker, sämtlicher Völker und aller Nationen, mit dem Geiste der Weisheit, Mäßigung und Versöhnlichkeit begnaden möge, auf daß die Katastrophe noch im letzten Augenblicke vermieden werde.1 Und ach, hätte dieses gemeinsame Gebet Erhörung gefunden, wieviel Blut und Tränen, Unglück und Elend, wären uns erspart geblieben. Und ich glaube, daß kein Staat an der in diesem Geiste betätigten Zugehörigkeit* zu einer Glaubengsemehischat't Schaden genommen hätte und auch in Zukunft eine derartige religiöse Gemeinschaft mit Wohlwollen begleiten würde. Sich vorzustellen, wie die 'Vertreter der natinonal-politischen jüdischen Gemeinschaft, bei der Religion ausgeschaltet Ideiben muß, im gleich-ernsten Momente, wovor uns G-tt zum zweitenmale bewahre', zu einer gemeinsamen Gefühlsäußerung oder Veräußerung" ihrer politischen Gemeinsamkeit zusammenfinden' könnten, ist uns schlechterdings unerfindlich. lYbrigens ist meine innerste Ucberzeugung, daß die Diaspora-Nationalisten nicht ihr Ziel erreichen werden, wenn auch die ganze . jüdische Welt zionistsch orientiert sein sollte, auch dann kann und wird es kein politisch einheitliches Judentum ueben. Die bisherige Struktur der Judenheit, wonach die Juden eines jeden Staates politisch und national sich zu dem betreffenden Staate zugehörig betrachten, ist so tief in dein Seelenleben des Volkes verankert, daß auch der Zionismus dem Rechnung tragen wird müssen und wesentlich an der gegenwärtigen Sachlage nichts ändern kann. Im Juli des vergangenen Jahres war ich in London als Mitglied der orthodoxen Aguda-Dele^ation beim Kolonialministerium, um die englische Regierung zu ersuchen, es der Weltorthodoxie möglich zu inachen, bei dem Wiederaufbau Jerusalems mitzutun. Da hatte ich Gelegenheit mit den verschiedenen Richtungen des englischen Judentums in Fühlung zu treten. Zu meinem Erstaunen mußte ich die Wahrnehmung machen, daß in England fast alle Juden mehr oder minder zionistisch orientiert waren. Auf die Frage, ob denn auch die Orthodoxen in England nicht sehen, welche Gefahr der moderne Zionismus für das jüdische Glaubensleben diese Bewegung bedeutet, erhielt ich die Antwort, in England sei der Zionismus mit den englischen Patriotismus vollkommen identisch und da jeder Jude in England selbstverständlich ein englischer Patriot sein will, so muß er nolens volcns den Zionismus akzeptieren. Wenn in England Zionismus und englischer Patriotismus dasselbe ist, so muß natürlich in Frankreich ein Zionismus geschaffen werden, der mit französischen Patriotismus gleichbedeutend ist und in Rußland. Deutschland, Rumänien, Magyarien und der Tschechoslowakei ein solcher Zionismus konstruiert werden, der mit der Vaterlandsliebe der betreffenden Staaten völlig identisch wäre, so daß es mit der Zeit einen englischen, französischen, deutschen und slowakischen Zionismus geben wird. Wenn denn aber so ist, daß auch nach völliger Entwicklung des Zionismus keine einheitliche Idee geben kann, so bleiben wir doch bei der alten Methode und sagen wir weiter wie bisher, es gibt englische, französische, deutsche, rumänische und slowakische Juden. Ich halte es für sicher, daß die jüdischen Massen, wenn sie das ganze zionistische Problem gründlich erfassen, und nicht blos nach dem Geschrei und der Versammlungen und Kongresse, nicht blos nach den Informationen der einseitig parteiisch gefärbten Preß Produkte uiUilen würden, sich völlig von dieser Bewegung anwenden müssen und da wartet unser und speziell der orthodox gesinnten Presse eine und wenn auch nicht dankbare, aber überaus wichtige Aufgiibe, die Aufklärung der jüdischen Massen, die rücksichtslose Aussprache der Wahrheit, das unbekümmerte Hinweisen auf die wirkliche Situation, Klarheit, Klarheit auf der ganzen Linie, und die national - jüdischen .Lärmmacher werden sich nach allen Richtungen verlieren und verkriechen. Diese Arbeit muß getan werden, so sehr dieselbe mit Kämpfen und Unannelmilich'keiten verbunden ist. Die Judenheit der ganzen Welt ist England für „seine in ti"m letzten Jahrhundert befolgte judenfreundliche Politik zum größten Dank verpflichtet. "Wir alle anerkennen es vorbehaltlos, daß England sich immer der Juden angenommen, wo immer auf dein Erdenrund Juden getrennt wurden, war es England und das Englisch sprechende Amerika, das der Judenheit zur Hilfe geeilt ist und es daher mit Recht bei der ganzen Judenheit Freude und Genugtuung ausgelöst hat, daß England das Mandat über Palästina erhalten - hat. Doch eines möchte ich in aller .Bescheidenheit den englischen Staatsmännern der Aufmerksamkeit empfehlen. 'Was G-tt den »Juden genommen und ihnen nicht geben will, kann auch die Weltmacht Englands, auch der mächtigste Völkerbund den Juden nicht geben. Wir orthodoxe Juden stehen auf dem Bodender heiligen Bibel in der geschrieben steht, daß bei Vernachlässigung der jüdischen Glaubenssatznngen der. Boden.Palästinas den Juden nicht ertragen kann. Kein Jude der sich gegen das jüdische Sittengesetz vergeht, hat für die Dauer in Palästina Platz. Wer den Boilen der Bibel verlassen hat, hat a u f d e in R o d e n 1' a 1 ä s t i n a s k e i 11 R e c Ii t, am allerwenigsten ein historisches Recht, und wir hoffen zuversichtlich, daß das bibelverehrende England der auf der Grundlage der Bibel Stehenden Orthodoxie schließlich und endlich Gerechtigkeit widerfahren lassen wird.' Das gro&e flöuda»nfceting in Bratislava. Sonntag, den .Vi. Februar, fand .sieb ein .sehr zahlreiches Publikum im Preßburger Komitatsaal ein, um die u'edner der Agudas Jisroel anzuhören. Der Saal und die Galerie waren überfüllt. Unter den Anwesenden bemerkte man die hervorragendsten Rabbiner und Talmudgelehrten der Stadt, sowie den Vorstand der orthodoxen Gemeinde. Am Vorstandstiseh nahmen außer den Rednern auch der Präsident der orthodoxen Landeskanzlei Oberrabbiner Weber und andere Rabbiner Platz. Im großen und ganezn bot schon das Aeußere der Versammlung einen imposanten Anblick, wie er in der Preßburger Gemeinde nur selten zu sehen war. Im Auftrage des Vorstandes der Ortsgruppe eröffnete Rabbiner liirsehler die Versammlung und entbot den Gästen und dem Präsidenten der Landesoiganisation in warmen Worten den Gruß der Ortsgruppe. Als erster Redner sprach Rabbiner Aron Katz (Nitra), Präsident der Aguda-Landesorganisation. über das Wesen und die Ziele der Agudas Jisroel im allgemeinen und in der Slowakei im besonderen. Sachlich und' gemessen wies er auch auf den Platz des Heiligen Landes im jüdischen Gemeinschaftsleben .hin und zeigte, wie wertvoll gerade die Pflege und Erhaltung der ge-. heiligen Tradition des Judentums für Erez Jisroel sei und für alle Zukunft bleiben werde. Er lehnt, ohne sich in eine Polemik mit andersgerichteten, sieh an Palästina heftenden Bestrebungen einzulassen, in Uebereinstimmung mit fast, allen leligiösen Autoritäten des Judentums jede Identifizierung der Erez Jisroel-ldeale des gesetzestreuen Judentums mit Zionismus ab und wünscht, daß das Thoratreue Judentum in der Slowakei sieh in innerpobliscben Prägen ausschließlich an der Thora auf dem von den religiösen Führern gewiesenen Weg orientiere ohne jedes Paktieren mit Organisationen, die den Wo»' des wahren Judentums verlassen haben. Naehdiüeklu n betont Redner die Pedeutung der Aguda und des Aguda- Idea'.s für die Jugend, die nur in Anlehnung an die Autorität der Thora und ihrer Träger eine Bürgschaft für die Zukunft des Judentums bleiben könne. Zum Schlüsse, richtet Pedner einen warmen Appell an die Preßhurger Gemeinde, die er für Wohl und Wehe des Judentums in der Slowakei verantwortlich mache, wenn sie nicht ihrer gießen Vergangenheit und ihrer gegenwärtigen Bedeutung entsprechend eine genügende Anzahl von arbeitsfrohen, opl'erbeieilen und einsichtigen Männern bereitstelle, um die FülneiToüe in der Aguda einzunehmen, wie sie ihr zukomjne. Einhelliger, stürmischer Beifall zeigte, daß der Pedner den Anwesenden aus dem Herzen gesprochen hatte. Herr Wolf Papnenheim (Wien). Mitglied der Aguda- Leitung, mit rauschendem Beifall begrüßt, berichte, sodann über seine Erfahrungen in Polen. Er schildert di : Lage des orthodoxen Judentums in Ostgalizien. Westgali/ien und Kongreßpolen, beleuchtet die Ursachen, die in diesen Ländern während der letzten Jahre einen Verfall des jüdischen Lebens hervorgerufen halten und zeigt an der lland einiger Beispiele, wie die Organisierung der orthodoxen Juden unter der Fahne der Aguda zu schaffen begonnen hat. Pic polnische Aguda für das gesamte Judentum sei von entscheidender Pedeutung. Von ihr hänge der Bestand des orthodoxen Judentums in der Ztduinft ab. Pas wissen auch die Gegner und deshalb suchen sie ihre Eniwiekluii'v selbst mit durch Gewalttätigkeiten (,.unsere Brüder mit den Händen E.-aus'") zu hindern. Für diese unjüdische Kampi'esmelhode, die sieh nun auch nach Erez Jisroel hinüberverpflanzt. führt, Pedner aus jüngster Zeit einige betrübende Beispiele an. Zum Schlüsse weist der Hedner nach, wie die Aguda <ic.li trotz aller dieser Hindernisse iil der ganzen Welt durchsetzt und schon jetzt als Anfängerin eine segensreiche Tätigkeit; entfaltet, wie keine Organisation je zuv >r. Das Publikum bereitet dem greisen Kämpfer für jüdische Wahrheit und jüdische Thoratreue begeisterte Ovationen. Generalsekretär Bjhiun referiert über die Erez Jisroel- Arbeit der Aguda. Das wesentliche und eigenartige dieser Arbeit bestehe darin, daß sie sich, als Fortsetzung jener Besiedlung des Heiligen Landes betrachtet wissen wolle, die das orthodoxe Judentum — und sie ganz allein — Jahrhundertelang unter den größten Opfern an Gut und Blut gepflegt hat. Dem Programm der Aguda angemessen bilde die Palästina-Kolonisation vom ersten Tage ihrer Gründung Ins auf den heutigen Tag ''ihrer praktischen Arbeiten. Sie halte die Liebo und unlösbare.-A^erbunde'iheit der jüdischen Gesamtheit zu. einer Zeltf durch die jüdische Geschichte gehagen und zu uns hinübergerettet, als noch nicht „Mode" geworden war, von Palästina zu sohwalzen". Die Orthodoxie hat die „seelischen Beziehungen" zu Erez Jisroel aufrechterhallen und halte sich auch Verständnis bei den Nachbarn, die von demselben He-iiigkeitsgefühl beseelt waren, altgerungen. Niemals wurde diese Besiedlung gestört, solange sie unter den Auspizien der religiösen Gesinnung und mit Reife und Besonnenheit betrieben wurde, die jüdisches, religiös orientiertes Wollen zu allen Zeiten auszeichnete. In .der Tat war es im L v.ife der Zeit gelungen, all das an dauernden Werten in Staat Und Land zu schaffen, worauf sich jetzt jede planmäßige Aufhauarbeit stützen müsse. Redner weist an Hand von Daten nach, wie alles, was in den Städten und das meiste was in den jüngsten kolouiastorisehen Niederlassungen in Erez Jisroel vorhanden ist, von orthodoxen oder doch allenfalls aus den Mitteln der Orthodoxie und infolge des WecUn fes orthodoxer AuiorPäten eirichtet wurde. Besondere Verdienste haben sich die so oft falsch beurteilte ..Kolelim'' um die, Erez Jisroel erworben, die auch weiter mit allen Mitteln zu unterstützen eine Ehrenpflicht eines jeden Juden sei. Redner weist die in jüngster Zeit versuchte Unterscheidung zwischen „alter" und „neuer" Kolonisation zurück, es gehe nur eine, auf der Heiligkeit des Landes basierende jüdische Kolonisation, die sieh jederzeit aller zu Gebote stehender Mittel zum Wohle Erez Jisroel bedingt. Heute gelte es, mit der größten Anstrengung jene Arbeit der Vorfahren fortzusetzen. Eines müsse unter allen Umständen gemieden werden: die Phrase von Erez Jisroel, das leere Geschwätz, Avodurch nur die Nachbarn herausgefordert werden, ohne daß auch nur das Geringste geleistet werde. „Nicht den Mund, sondern die liände und die Taschen weit öffnen!" ruft, der Redner unter stürmischer Zustimmung der Versammlung. Die Agudas Jisroel wende sich mit diesem Prinzipe an die Oeffeutlichkeit. und fordere jeden auf, daß er Spenden für die diversen allgemeinen Erez Jisroel-Fonds der Aguda und durch Zeichnung von Aktien der verschiedenen wirtschaftlichen, auf die Privatinitiative sieh stützenden Unternehmungen dazu beizutragen, daß ir Erez Jisroel ein gesundes, vom Geiste des Judentums getragenes Leben zur Blüte gelange. Audi diesen Referenten zollte die VeiSammlung reichen Beifall. Als letzter Redner spricht; Oberrabbiner Spitzer (Kirchdrauf) über seine Eindrücke in AmcrUta und über db Tätigkeit der dorthin entsandten Aguda-Delegation. tu seiner bekannten markigen und geistvollen Art legt Redner dar. mit welchen Schwierigkeiten die Delegation zu lingen hatte, infolge der Verleumdungs-Kampagne, die dort während des Krieges gegen alles, was den unvehgiösen Zionismus altlehnt, 'geführt worden war.' Die Delegation wich indessen keinen Schritt zurück und kündete die Wahrheit des orthodoxen Judentums, bis ihr ein voller Erfolg beschieden war. Die bedeutenst.cn Rabbiner des Landes, die der hohlen Phrasen längst überdrüssig waren, schlössen sich hinter der Aguda zusammen. Eine größere Anzahl von Ortsgruppen wurden noch von der Delegation gegründet und eine Zentrale erachtet, die zielbewußt das begonnene Werk fortführt. F2s herrscht kein Zweifel mehr darüber, daß eine energische Arbeit im Sinne der Aguda auch jenseits des Meeres ein gutes jüdisches Thoraleben werden gedeihen lassen, das TELEPHON 40.324 EN GROS:: EN DETAIL NIBN, II,, TaBORSTRÜSSE 39 (HOTEL BAYRISCHER HOF) grosse vi rsw.viriv ijv HERHEXKLEIDBRN 1^13J-i'A K 5 UND NACH MASS

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