Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 9 (3.3.1922)
- Date
- 1922-03-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 52 JÜDISCHE PRESSE Nr. 9 meeting der jüdischen Wohltätigkeitsanstalten wurde unter andern festgestellt, daß von erwähnten Anstalten während der letzten 5 Jahre -21 Millionen Dollar für Wohltätigkeitszwecke aufgebracht wurden, gegenüber bloß 10 Millionen in den vorhergehenden 5 Jahren. Beibehaltung der dreiprozentigen Einwanderungsquote in Amerika. (JPZ) Die Einwanderungskommission des Repräsentantenhauses hat die vorgeschlagene gänzliche Einwanderungssperre abgelehnt und den Antrag Johnson auf Verlängerung der Geltung der bisherigen Einwanderungsbeschränkungen für ein weiteres Jahr, das heißt bis Juni 1923, angenommen. Diese Akzeptierung der für die Einwanderer bei weitem günstigeren Bestimmungen soll nicht zum wenigsten den mutigen und überzeugenden Ausführungen Louis Marshalls (JPZ Nr. 182) zu verdanken sein. Selbstredend ist dieser Beschluß der Kommission noch vom Repräsentantenhaus und Senate zu approbieren. Polen. Askenaze. (JPZ) In Warschau sind Gerüchte verbreitet, daß bei einer eventuellen Rekonstruktion des gegenwärtigen Kabinetts unter anderen Prof. Askenaze zum Minister des-.Aeußern ausersehen sein soll. (Die Meldung dürfte mit großer Reserve aufzunehmen sein. JPZ) Rumänien. Das Bombenattentat. (JPZ) Im Prozeß gegen den Attentäter Max Goldstein, der seinerzeit im rumänischen Senat eine Bombe geworfen hat, richtete der Ankläger, Militäranwalt Cernat, eine Reihe von Angriffen gegen die gesamte Judenheit, welche Rede selbst auf die nichtjudenfreundlichen Mitglieder des Gerichtes einen peinlichen Eindruck machte. Der Verteidiger Dobrescu, Präsident der ßukarester Advokatenkammer, legte gegen diese Art der Anklageführung energisch Verwahrung ein und warnte das Gericht, den Prozeß im Geiste des Rassenhasses zu führen. Eine Untersuchung in Palästina. Die „Times" nimmt djen Vorschlag NorthcHöes auf, eine Untersuchungskommission nach Palästina zu senden, um die Klagen der Araber gegen die Zionisten zu prüfen. VVeizmann richtet an „Times" ein Schreiben, wo er erklärt, daß er eine solche Untersuchung begrüßt und wünscht, daß das Resultat der breiten Oeffentlichkeit bekanngegeben wird. (Mr. Weizmann möge keine Kapriolen mehr machen, ob diese Untersuchung stattfindet oder nicht, die Götzundämmerung des traurigen Regimes seiner Kreaturen ist angebrochen.) Spendet für die lugendpppe! TSCHECHOSLOWAKEI. memorandum, überreicht von der Karpatbo Uebersetzung (nicht wörtlich) aus dem tschechischen Originale des Memorandums, das Masaryk übergeben, wurde. Sehr verehrter Herr Präsident! Die Vertreter , der jüdisch-konservativen Partei von Podkarpatska Rus, welche heute zum erstenmal die Ehre haben, vor Ihnen, sehr verehrter Herr Präsident, zu erscheinen, gestatten sich eine Anzahl von kultureller und wirtschaftlicher Forderungen Ihnen vorzulegen mit der Bitte, den prinzipiellen Standpunkt der weitaus größten Mehrheit der Juden von Podkarpatska Rus, welche sie vertreten, ebenso zur Kenntnis zu nehmen, wie in einigen konkreten Fragen den unterbreiteten Bitten Förderung angedeihen lassen zu wollen. Die kulturellen Fragen sind die der jüdischen Gemeinde-Autonomie respektive diejenigeFrage des Wahlrechtes in jüdischen Gemeinden und die Schulfrage. Die Fragen wirtschaftlicher Natur, welche als dringlichste erscheinen, sind die der Neu-Vergebung der Tabak- und Schank-Lizenzen, sowie die Frage der Bodenreform respektive der Bodenpacht-Ablösung. Unsere Vorschläge bezüglich dieser Materie gestatten wir uns kurz in den beiliegenden bezüglichen Notizen zu erörtern. Genehmigen Sie Herr Präsident im Voraus den Dank für die Entgegennahme dieser Ausführungen, welche wir mit den besten Wünschen für die Person unseres Staatsoberhauptes Ihnen überreichen. Gemeinde-Autonomie und Wahlrecht in jüdischen Gemeinden. Sowie sich die Mentalität der breiten Massen der Juden der Podkarpatska Rus von derjenigen der alten Länder der tschechischen Krone unterscheidet, sollte auch in Zukunft bedingungslos auf die völlige Autonomie der jüdischen Gemeinde im Sinne ihrer dortigen Zugehörigen Rücksicht genommen werden und in keinem Falle daran gerüttelt werden, was das jüdische Religionsgesetz in solchen Fällen vorschreibt. Ueber diesen Gegenstand selbst kann auch nur ein jüdisch-religionsgesetzliches Forum der Podkarpatska Rus entscheiden. Ein solches ist eben nach dem Muster der in der Slowakei bereits seit zwei Jahren existierenden und behördlich anerkannten „L stredna kancellaria orthodoxnych zidovskych obei na Slovensku v Bratislave" in Gründung begriffen. Wir möchten zum Beispiel darauf hinweisen, daß das Wahlrecht der Frauen, und speziell das passive, in einer jüdischen Gemeinde der Podkarpatska Rus etwas vollkommen Unmögliches ist. Ebenso gilt nach konservativen jüdischen Partei in Russia. jüdischer Religionsauffassung ein lediger Mann als nicht vollberechtigt. Wir bitten in jedem Falle, daß die jüdischen Gemeinden des Landes vor einer beabsichtigten gesetzlichen Regelung der Frage gründlich gehört werden. Frage der Lizenzen. Im Allgemeinen müßte in jedem Falle, wo einem bisherigen Inhaber einer Lizenz dieselbe nicht wieder verliehen werden soll, vorerst untersucht werden, ob der derzeitige Lizenzinhaber durch die Entziehung nicht brotlos gemacht oder sehr wesentlich in seiner Existenz betroffen wird. Sowohl bei Tabak-Lizenzen als auch bei Schank- (G asthaus-) Lizenzen, mit Ausnahme von Branntwein-Ausschank, wäre auch eine Vermehrung der bisher bestehenden Lizenzen, soweit es der lokale Bedarf zuläßt, in Aussicht zu nehmen. Bei den Gasthaus-Lizenzen wäre unbedingt auf diejenigen Rücksicht zu nehmen, welche sogenannten Koscher-Wein verschleißen, da diese Stellen einem unbedingt notwendigen Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung entsprechen. In der ganzen Frage ist die jüdisch-konservative Partei geneigt, an Hand genauer Erhebungen ihrer Vertrauensmänner im ganzen Lande den Behörden an Hand zu sein und mögen die letzteren angewiesen werden, soweit es die amtlichen Vorschriften zulassen, mit der Partei Fühlung zu nehmen. Schulfrage. Wir sind für die Erhaltung der bestehenden jüdischen Volksschulen und für die Ergänzung derselben, wo tdas Bedürfnis vorhanden ist, auch in Bürgerschulen, respektive Handwerks- und Gewerbeschulen. Die Unterrichtssprache soll eine der lebenden, im tschechoslowakischen Staatsgebiete geltenden Umgangsprachen sein. Die in der Mehrzahl der Schulen heute ■ als Unterrichtssprache in Geltung befindliche magyarische Sprache soll stufenweise durch die ruthenische Unterrichtssprache ersetzt werden. Der Sprachunterricht soll auch in der tschechischen und magyarischen Sprache gepflegt werden, während der Unterricht in der hebräischen Sprache dem Religionsunterrichte angegliedert werden soll. Es ist in dieser Frage besonders von Wichtigkeit, daß nicht die Gesetzgebung durch einseitige Parteivorschläge beeinflußt werde. Aguda-BTeeting in Bratislava. Sonntag fand im großen Komitatshaussaale ein sehr eindrucksvolles Meeting der Aguda statt, an dem mehr als 1000 Personen teilgenommen haben, unter anderen Präses Oberrabbiner Weber und der ganze Vorstand der Kultusgemeinde. Vizepräses Oberrabbiner Hirschler eröffnet dasselbe, begrüßt die Gäste und kennzeichnet die Ziele der Aguda. Hierauf ergreift Rabbiner A. Aaron Katz, Präses der slowakischen Agudaorganisation, das Wort, um in zu Herzen dringenden Worten die Bedeutung der Aguda-Organisation zu schildern. Es folgt die Rede des Herrn Pappenheim, de/ seine Eindrücke in Polen schilderte, in warmen Worten von der dortigen Begeisterung und Tätigkeit sprach. 1200 Delegierte waren zum polnischen Agudakongreß erschienen, welche allein die Majorität des Judentums in Europa repräsentieren. Generalsekretär Braun referierte nun ausführlich über die Tätigkeit der Aguda in Erez Isroel. Nun folgte die gedankenvolle Rede des Oberrabbiners Spitzer-Kirchdrauf, Mitglied der Amerika-Delegation; der über seine Erfahrungen Und Eindrücke referierte. Die Referate machten einen tiefen Eindruck. Unreife zionistische Elemente waren bestrebt, ihre Unausetehlichkeit zu beweisen. Neben solchen imposanten Versammlungen verblassen natürlich die Kindervorstellungen der hiesigen Zionisten sehr bedeutend. Generalversammlungin Velke Surany. Die Ortsgruppe der „Aguda" in Velke äurany hielt am 15. Februar d. J. ihre ordentliche Generalversammlung ab mit folgender Tagesordnung: 1. Referat über das verflossene Jahr; 2. Erteilung des Absolutoriums; 3. Neuwahl der Leitung; 4. Vortrag des Generalsekretärs der „Aguda" Weltorganisation Herrn Joel J. Braun. Präses Lazär Grünwald eröffnet die Generalversammlung, referiert über die Tätigkeit des verflossenen Jahres und-nach Uebernahme der Rechnung durch die Vertreter der Generalversarnmlung wurde dem zurücktretenden Vorstand das Absolutorium erteilt. Nachher wird zur Neuwahl der Leitung geschritten. Gewählt wurden : Lazär Grünwald, Präses; Franz Spitzer, Vizepräses; Sigm. Weiß, Kassier; Alb. Paskus, Kontrollor; Eduard Trotzer, Schriftführer; Mor. Schwartz und Artur Wollner, Beiräte. In einem wirkungsvollen Vortrage schilderte nun Herr Braun die Entwicklungsgeschichte der „Aguda". Er wies darauf hin, wie notwendig es war, das gesetzestreue Judentum der Welt in einem starken Bunde zusammenzufassen, in welchem der Begriff „Kall Jisroel" klar zum Ausdruck gebracht wird, ja in welchem dieser Begriff durch stete zielbewußte Arbeit zur segenspendenden Tat umgewandelt wird. Der mit überaus großem Beifall aufgenommene Vortrag machte tiefen Eindruck auf die in großer Anzahl Erschienenen. „Wohltätigkeit", Verein zur Unterstützung in Not geratener Juden in Bratislava. Samstag, den 4. März 1922^ Uhr abends, findet im Restaurant Blau „zum goldenen Hirschen" die XX. ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Verifizierung des Generalversammlungsprotokolles pro 1921; 2. Bericht des Schriftführers über die Vereinstätigkeit pro 1921; 3. Bericht des Kassiers pro 1921; 4. Bericht der Revisoren; 5. Neuwahl der Funktionäre; 6. Etwaige Anträge. $3^$$*$$$$$^ Aguda* Die Eattdesvmammlung des Scblojmc €mune Jisroel. (Fortsetzung.) Nach den Begrüßungsansprachen ergriff Herr L. M. Lewin, der erfolgreiche Führer der Agudas Jisroel-Bewegung in Polen, das Wort zu. seinem großangelegten Referat über die Tätigkeit der Agudas Jisroel als Weltorganisation und speziell über die Tätigkeit der Schlojme Emune Jisroel in Polen. Er knüpft an die Begrüßungsworte vom Wilnaer Vertreter, des Rabbiners aus Woronco, der in seiner Begrüßungsansprache hervorgehoben hat, daß die orthodoxen Juden in Litauen und speziell in Wilna sich im gesteigerten Maße verpflichtet fühlen für die Aguda Jisroel zu arbeiten, da die Idee der Schaffung einer Weltorganisation mit den Zielen und. Idealen, wie es heute in der Aguda-Bewegung zum Ausdruck kommt, bei der großen Versammlung im Jahre 5657 zum erstenmal von allen bedeutenden Thoragrößen Litauens verlangt, beschlossen wurde. Die damaligen politischen Verhältnisse im zaristischen Rußland haben die Schaffung einerWeltorganisation verhindert, doch konnte der Gedanke nicht mehr totgeschwiegen werden und trotz aller Kriegskümmernisse befindet sich heute die Agudas Jisroel in allen Ländern, sowohl im Osten wie auch im Westen in großartiger Entwicklung. In dieser Weltorganisation steht die polnische Landesorganisation als große und feste Gruppe, sowohl die bedeutende Zahl ihrer Mitglieder, wie auch durch ihre Leistung an der Spitze. Die Landesorganisation ist fest entschlossen, bei ihrer Tätigkeit die Treue zu der entfalteten und hochflatternden Fahne der Agudas Jisroel nie aus dem Auge zu verlieren und durch ihre Wirksamkeit im Lande, zur Stärkung der allweltlichen Agudas Jisroel nach besten Kräften beizutragen. Die Fahne der Agudas Jisroel flattert hoch mit der Devise: „G-tt, Thora und Israel sind eins und unteilbar." Das jüdische Volk als Ganzes ist uns heilig und teuer. Das jüdische Land und seine Siedlungen sind uns in die Seele gegraben. Die jüdischen Leiden und Hoffnungen sind mit unseren Blut verwachsen. Aber der Mittelpunkt von allen zusammen ist der g-ttliche Wille, die Tora und das jüdische Recht ist die Kette die uns vereinigt. Das ist das Programm der Agudas Jisroel, das vereinigt das jüdische Volk und dadurch ist die Aguda Jisroel eine Weltorganisation. Nicht nur in dem Sinne, daß Agudas Jisroel nach ihrem Programm danach angetan, alle Glieder des jüdischen Volkes auf Grund des sinajtischen Programmes zu vereinigen, sondern sie ist auch allweltlich, weil ihre Bestrebung für alle Zeiten und für alle Generationen als ideal dasteht. Innerhalb dieser Weltorganisation hat nun Schlojme Emune Jisroel in Polen in den verflossenen drei Jahren Großes geleistet. Groß nicht an den Maßstab des zu erstrebenden Zieles gemessen, sondern nach den finanziellen und physischen Möglichkeiten, die der