Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 9 (3.3.1922)
- Date
- 1922-03-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 JÜDISCHE PRESSE Seite 51 strahlend empor, als Mittelpunkt eines lebenden Bildes, das die Versöhnung der Araber mit den Zionisfen darstellt, über welche der gute, alte Herr mit seinem steten, von sich selbst gerührten Lächeln in apokalyptischer Glorie schwebt. Der überaus gewandte Herr placiert auch schon in der Presse die bekannten „Belege" der berufsmäßigen Propagandisten. Asis Doumet, den er zu einem der größten arabischen Dichter erhebt, der sich dafür mit der Verleihung des Prädikates „Freundes der Araber" revanchiert, hat ihn in einem Artikel im „Haarez" begrüßt und — wenn auch die Feindseligkeit der Araber gegen die Zionisten bestätigend — freundliche Worte für die Ghaluzim gefunden. Wie gesagt, Prof. Strauß ist alter, routinierter Propagandist und wird wohl keine besseren Beziehungen zwischen Araber und Zionisten schaffen, wohl aber „Belege" der besseren Beziehungen liefern. Mehr braucht ja auch die Jabotinsky-Presse nicht. Ypsilon sagt Mussar-Drosches. Die mit dem kleinen „y" gezeichneten Leitartikel der wohlberühmbten „W. M." sind ja ganz all right, wenn sie sich auf dem ausgefahrenen Geleise allgemeiner Politik bewegen; sie muten aber den Jüdisch-Gebildeten etwas inferior an, wenn sie sich mit spezifisch-jüdischen Dingen befassen. Gar, wenn das kleine Ypsilon die unmögliche Rolle des Vonobenherabsprechen mit den Orthodoxen kreieren will. Ein in der „Wiener Mittagszeitung" unter dem Titel „Bankerott des Zionismus" erschienener Artikel gibt dem Organe unseres Herrn Oberrabbiners Anlaß, die Aguda böse anzurempeln. Es war in einer Samstagnummer, da wandelt das kleine Ypsilon maggidistischer Geist an, er vergleicht die Frommen Palästinas mit den Vögten Pharaos, die Moses und Aaron denunziert haben; späterhin werden sie mit Korach verglichen, die Zionistenführer bleiben aber immer nur Moses. Wir können uns allerdings nicht in seine Vorstellung einleben, daß die Vögte Pharaos solche imposante Prophetengestalten wie Reb Chaim Sonnenfeld waren, Moses hingegen ein kleiner glattrasierter Journalist gewesen wäre, daß Moses am Ende die Thora im Cafe „Habirö" am Pharao-Quai auf einem Journalistenblock geschrieben und das jüdische Volk im Komödienhaus versammelt hätte; daß Moses seine Apostrophen an Israel am Sabbat mit der Zigarre im Mund geschrieben hätte! Wie man doch diesen Mut aufbringt, einem Lesepublikum, das doch einigen Gehalt an jüdischem Gefühl und Verstand besitzt, den Gesetzgeber Moses für diejenigen, die seinem Gesetze Hohn bieten, gegen diejenigen auszuspielen, die so wundersam an Thoras Mosche hängen, diesen Moses, der da die Mahnung an Israel Übermacht hat: „Damit das Land euch nicht ausspeie, indem ihr es verunreinigt." Jahrhunderte langhat das glaubenstreue Judentum Erez Isroel bewohnt, in brüderlicher Freundschaft mit den Bewohnern des Landes; kaum hat euer Troß sich dort niedergelassen und eure Ideologie verkündet, so zuckt das Land in Krämpfen, als ob sich die Mahnung der Thora erfüllen sollte. f 1 Grand Sanatorium Wasserheilanstalt Bratislava (Prepura) Erstklassige Universal-Heilnnstalt für Spezialbehanrlhing vier inneren-. Nerven-, Zucker-, Gallenstein-, Nieren-, Magen-. Darm-, Herz- und Blutgefäßkrankheiten. Mast- und Entfettungskuren. Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Urologie,. Dermatologie/ Ortopädie, Augen-, Ohren-, Nasen- und Kehlkopfkranke. Wohnung, Beheizung, Beleuchtung, Bedienung, Krankenpflege, ärztliche Pflege, 5 Mahlzeiten von Ke 83"— aufwärts. Wasserheilanstalt in vollem Botriebe auch für Auswärtige. Streng rituelle Küche unter Aufsicht des Preßburger Oberrabbinates Leitender Chefarzt: DR. SIGMUND ARANYI. R ATATAVATirATATAVAVAV^TAVATATAVAY^VA?* In keinem jüdischen Hause fehle die „Jüdische Presse". ^jL^AVA¥A?A?*TAVAVAWAVAVAVAVAfATAl'A¥Ar NACHRICHTEN. Deui$cbo$temkfc. Der Buczaczer Raw nach Tarnow berufen. Der in Wien weilende Gaon von Buczacz R. M. Arak hat die Berufung als Rabbiner nach Tarnow angenommen und wird in einigen Wochen seinen Einzug in Tarnow halten. Das Wiener glaubenstreue Judentum, das den verehrten Gast mit Liebe umgeben hat, sieht ihn nicht gerne scheiden und hofft, daß der Gaon in seinem neuen Wirkungskreise die Erfüllung seiner heiligen Bestrebungen vollauf finden werde. Jüdische Mädchen-Volksschule. Der Vorstand der Talmud Thora-Volksschule mit Oeffentlichkeitsrecht, Wien. IL, Malzgasse 16, hat beschlossen, im Schuljahre 1922/23 eine fünfklassige Mädchen-Volksschule zu eröffnen. Samstag findet kein Unterricht statt. Angehörige, die beabsichtig-en, ihre Kinder an diesem Unterrichte teilnehmen zu lassen, Averden gebeten, dies an obige Adresse mitzuteilen. Eine neue Schöpfung der sozialen Fürsorge der Aguda. Unsere „Soziale Fürsorge8 hat im 3. Bezirke, in der Beatrixgasse 15, ein .sehr schönes, in einem großen Garten gelegenes Gebäude erworben, um die verlassenen jüdischen Kinder, die bisher' bei nichtjüdischen Plegeeltern erzogen wurden, unterzubringen. Diese Aktion ist vor drei Jahren von Herrn Moses Porges angeregt und selbst begonnen worden und ist es bisher gelungen, 50 Kinder dem Judentume zurückzugewinnen und ihnen eine echt jüdische Erziehung zu geben. Einige sind bereits in Jeschiwos; andere sind bei Handwerkern und Kaufleuten in der Lehre. Unsere Recherchen haben ergeben, daß derzeit in Wien noch etwa 400 jüdische Kinder in nichtjüdischen Häusern untergebracht sind und die „Soziale Fürsorge8 der Aguda iste bemüht, diese tinokos schenischbu nach Maßgabe ihrer Kräfte unterzubringen. Sie erwartet dabei die kräftigste Unterstützung seitens der jüdischen Welt. Handwerkerschule. Die Soziale Fürsorge der Agudas Jisroel gibt bekannt, daß die Handwerkerschule demnächst eröffnet wird. Jünglinge, von vierzehn Jahren aufwärts, die in einem Handwerk unterrichtet werden wollen, mögen sich schon jetzt melden. Beabsichtigt ist vorläufig die Einrichtung von Werkstätten für: Tischler, Schlosser, Spengler, Schuhmacher, Schneider, Stricker und Goldarbeiter. Gewerbetreibende, Industrielle und Kaufleute, welche die Ueberwachung einer der obigen Abteilungen übernehmen wollen oder eine sonstige Werkstätte begründen würden, werden gebeten, dies an das Bureau, IL, Malzgasse 12 a, mitteilen zu wollen. Sijumfeier der Jessod-Hathora. Am Abend des 21. Schwat fand in den Räumen der Jessod-Hathora eine Doppel-Sijumfeier über Babakamo und Nedorim der Schüler des ganztägigen Kurses statt. Unter den zahlreich erschienenen Gästen waren die Ehrw. Rabb. Fürst, Rabb. Baumgarten, Rabb. Schenk, Rabb. Benedikt, Herr Kommerzialvat Sigmund Bondy, Herr Moritz Felsenburg, Herr Heinrich Pappenheim, Herr Prof. Antscherl und viele andere, die der Obmann Herr Emil Kritzler aufs herzlichste begrüßte. Herr Rabb. Neuwirth, der Leiter der Jessod-Hathora, heißt die Gäste im Namen des Lehrkörpers willkommen, bemerkt, daß der heutige Sijum der Erste seit Bestand der Jessod-Hathora ist und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die heutige Feier ein Ansporn zu weiterem Lernen der Schüler sein möge. Die Schüler Moses und Mechel Schächter beendeten hierauf die beiden Mesechtes. Die Schüler, die herrliche halachische und agadische Vorträge hielten, lösten ihre Aufgabe aufs glänzendste und fanden bei allen Anwesenden reichlichen Beifall. Herr Rubinstein, Lehrer des ganztägigen Kurses, sprach über das Unterrichtswesen im allgemeinen und kennzeichnete speziell die Methode, die er in der Jessod-Hathora anwendet und durch die er schöne Erfolge erzielt. Sr. Ehrw. Rabb. Fürst lobte in markanten Worten den besonderen Lerneifer der Schüler und dankte dem Lehrkörper und Vorstand für seine rastlose and opferfreudige Arbeit. Sr. Ehrwürden gedachte der Gründer der Jessod- Hathora, Rabb. S. Spitzer s. A. und Wilhelm Kritzler s. A., die den Grundstein zu diesem herrlichen Bau legten, der heiite für die auswärtigen Thoralehranstalten und Jessod-Hathoras als Beispiel dient. Sr. Ehrw. Herr Rabb. Baumgarten würdigte die hervorragenden Leistungen der Jessod-Hathora und gelten die Schüler, die aus dieser Anstalt hervorgehen, in den auswärtigen Jeschiwos als mustergültig. Rabb. Fleischmann dankte im Namen des Lehrkörpers dem Vorstand für seine Mitarbeit; es sei ein Gedeihen der Anstalt nur deshalb möglich, weil Vorstand und Lehrkörper Hand in Hand mit einander arbeiten. Für leibliche Genüsse war durch Naturalienspenden gut gesorgt und waren die Gäste bis spät in die Nacht in froher Festesstimmung beisammen. Dank der hervorragenden Fähigkeiten des Vorstandsmitgliedes Herrn Leopold Lederer als Auktionär, wurde das Bentschen um K 250.000*— verkauft. Der Verein „Toras Chajim" an der Arbeit. Im Bewußtsein, daß das Gedeihen des Judentumes in allererster Linie von seinen kulturellen Fortschritten abhängt, sind die Herren Sandor Adler, Chajim Krämer, Salamon Kornblum und Elias Schön, wie bereits gemeldet, unausgesetzt bemüht, das Talmud Thora-Schulwerk großzügig auszubauen und hat die Praxis bewiesen, daß auch der IX. Bezirk hiefür ein ausgezeichneter, aber bisher bedauerlicherweise viel zu wenig gepflegter Boden sei. Die von Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Benedikt geleitete Schule wird derzeit von nahezu 70 Schülern frequentiert und häufen sich mit jedem Tage die Anmeldungen, sowohl von Knaben als auch Mädchen, für welch letztere sich eine besondere Abteilung in Gründung befindet. Vergangenen Samstag wurden unter dem Eindrucke der von Sr. Ehrw. Herrn Oberrabbiner Fürst persönlich geleiteten und glänzend verlaufenen Prüfung, sowohl im Bethaus vereine „Obel Abraham8 als auch „AdaßJeschurun", namhafte Spenden für den „Toras Chajim8 geschnodert, wobei sich die Herren Sandor Adler, Chajim Krämer und Chajim Pappenheim durch ihre gewohnte Freigebigkeit neuerlich auszeichneten. Durch eine große Spende des Herrn Jakob Wittels wurden sämtliche Schüler mit Zidakeln beteilt. Ein neuer Erfolg der Glaubenstreuen im Alsergrund. Dank der unermüdlichen und zielbewußten Arbeit upserer Gesinnungsfreunde im IX. Bezirke ist es bei der letzten Generalversammlung im Bethausvereine „Ad aß Jeschurun", Pfluggasse 5, gelungen, den Vorstand entsprechend der Würdigkeit eines orthodoxen Bethauses vollkommen zu reorganisieren und ausschließlich streng religiös denkende Herren zu wählen. Für die mit diesem Tage beginnende unverfälscht jüdische Neuorientierung verbürgen folgende, nahezu einstimmig mit den Agenden betraüte Vorstandsmitglieder: Adler Sandor, Adler Mano, Eckert Jakob, Gang Moritz, Goldschmidt Isidor, Höfbauer Dr. Ludwig, Krämer Chaim, Kornblum Salomon, Kolb Berl, Koppel Emanuel, Schreiber Moritz, Schön Elias, Weiß Emanuel. Gewesener Obmann Herr Raab Adolf und Obmann-Stellvertreter Pappenheim Heinrich wurden wegen ihrer Verdienste um den Verein einstimmig zu Ehrenmitgliedern ernannt. Ungarn. Eine koschere christliche Hochzeit. Ungarn ist jetzt das Land der Extreme. Aus Tibold-Darocz wird berichtet, daß der Dorfrichter Janos Ocela für das Hochzeitsmahl seiner Tochter koscheres Essen bestellt hat, damit auch alle Juden des Dorfes seine Gäste sein können. Diese Idee fand Nachahmung beim Salyer Einwohner Janos Sipos und er bestellte bei der Hochzeit in seinem Hause ebenfalls ein koscheres Mahl. (Dem isr. Blindeninstitut in Wien zum Studium übergeben!) Orthodoxe Gemeinde in Szökesfehärvär. In der Wahlversammlung am 19. Februar wurden gewählt: Sandor Kälmdn, Präses; Imre Vass, Max Oesterreicher, Vize-Präsidenten; Max Strauß, Jakob Roth, Markus Braun, Wilhelm Keller, Samu Krausz, Emil Lebovicz, Ignatz Schon, Aladär Szänto. Die Versammlung wählte die Abgeordneten Wilhelm Vazsonyi, Paul ^Sandor und Ernst Brody zu Ehrenmitgliedern der Gemeinde als Anerkennung ihres mutigen Eintretens für die jüdische Sache. Amerika. Die Quote. (JPZ) Laut Berichten aus Washington ist die Einwanderungsquote folgender Länder bereits erschöpft: Afrika, Australien, Griechenland, Italien, Jugoslawien, Palästina, Portugal, Polen, Bulgarien, atlantische Inseln, Syrien, Türkei usw. Einwanderungsberechtigt sind noch unter andern Deutsche, Engländer, Rumänen und Russen. Föderation of charities. (JPZ) Auf dem 47. im Tempel Emanuel in New York stattgefundenen Jahres- :£ Rasserdichte Reaenntöntel GUMMI-INDUSTRIE Wien, II., Taborstraüe 39 Hotel Bayrischer Hof. Teleph. 40324