Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1922-02-24 · 8 (24.2.1922) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
8 (24.2.1922)
Date
1922-02-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2629891-2629953-2629961--0528-2632169
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Soite 46 JÜDISCHE PRESSE Nr. 8 ■■ ■ .....-i graphischen Wege an, die Lage in Ungarn eingehend zu untersuchen und der Zentrale in Amerika ehestens einen ausführlichen Bericht über die Möglichkeifen eines wirtschaftlichen Wiederaufbaues der ungarischen Judenheit einzusenden. Schweiz. Das »Ergebnis der Ukraine-Sammlung des Aguda- Bureau. Im Israelitischen Wochenblatt für die Schweiz erläßt das Schweizer iteiida-Bureau einen Aufruf, worin sie die Beendigung aer Ukraine-Sammlung ankündigt. Das Gesamtergebnis der veranstalteten Sammlung ist: in bar Fr. 3305*40; an Kleidern und Wäsche rund 4500 Kilogramm. — Der Geldbetrag, von welchem die erheblichen Frachtspesen und Versicherungskosten usw. zu bestreiten waren, hat sich auf Fr. 1331*10 reduziert und ist an Sr. Ehrw. Herrn Oberrabbiner Szirclsohn in Ghissinau (Beßarabien) zur Verteilung unter die sich dort in großen Massen aufhaltenden Ukraincflüchtlinge überwiesen worden. Rolland. Holländische Toleranz. Vom ersten Februar ab werden alle öffentlichen Schulen mit vorwiegend jüdischer Schulbevölkerung" am Samstag geschlossen. Die Stunden, die am Samstag versäumt werden, will man durch eine Verlängerung der täglichen Schulzeit um eine halbe Stunde wieder einholen. England. Young men's Agudas Jisroel of the United Kingdom in London berichtet uns: Bei einerstattgefundenen Versammlung der hiesigen glaubenstreuen Jugend hatte sich, infolge einer seitens des Vorsitzenden Ew. S. Baumberg, dargestellten Notwendigkeit eine Jugendgruppe, Zeh* Agudas Isroel, gegründet. Es wurde folgendes Komitee gewählt: Rabbiner S. Baumberg, Präsident; M. L. Kosiner, Vorsitzender; I. Preßman, Vorsitzender-Stellvertreter; S. Gooper, Kassier; A. Neufeld, Ehren-Sekretär und 7 Ausschußmänner. Hanada. Jüdischer, königlicher Rat in Kanada. Mr. Marcus M. Sperber, ein junger, hervorragender Advokat in Montreal, wurde zum Kings counsel bei der kanadischen Regierung ernannt. Lawyer Sperber stammt aus Zablotow in Galizien, wo er 1887 geboren ist. Palästina. Lord Northcliffo und die Orthodoxen. Die „Zeit" in London meldet: Chiefrabbi Herz teilt mit, daß von dem Haupte der Welt-Misrachi-Bewegung (?) folgendes Telegramm an Lord Northcliffe abgesendet wurde, als Antwort auf seine Erklärung, die er über die Haltung der Orthodoxen gegen den Zionismus gemacht habe: Die Misrachiorganisation, die aus (ausgerechnet) 250.000 orthodoxen Juden besteht, protestiert energisch gegen die Behauptung dreier unverantwortlicher Personen, die Niemanden vertreten haben, die dem Lord NorthclifTe erklärt haben, daß die orthodoxen Juden gegen die zionistische Bewegung seien. (Chief Rabbi Herz hatte erst vor kurzem einen Kampf zu bestehen, weil er den Unterricht des Evangeliums in jüdischen Schulen genehmigte. Er ist rasch zum Orthodoxesten avanciert.)— Es ist zu erwidern, daß die Orthodoxie, die die überwiegende Majorität des Judentums bildet, talsächlich gegen den Zionismus ist. Mißhandlung zweier greiser Rabbiner. Nach Schluß des Blattes erreicht uns folgendes Telegramm : Die Führer des Waad. hair aschkenasi in Jerusalem hatten auf Anregung einer Regierungsstelle in Jerusalem den dort weilenden Lord Northcliffe besucht und ihm die Anschauungen und die Meinung der Orthodoxen dargelegt. In gegnerischen jüdischen Kreisen hat man darauf zu terroristischen Mitteln aufgehetzt, bis tatsächlich eine wilde Horde die beiden greisen Rabbiner Titkin und Bernstein überfallen hat, sie mißhandelte und ihnen körperliche Verletzungen beibrachte. TSCHECHOSLOWAKEI Präsident masaryk zur frage der jiidiscb-Konserüaftoen 6emeinde°J!utonofnie. Von Marcus Ungar, Präsidialausschuß unrl Präger Bevollmuc Prag, 18. Februar 1922. Am 16. Februar hatte ich die Ehre mit dem geschäftsführenden Präses der jüdisch-konservativen Partei von Podkarpatskä Rus, Kaiman Weiß aus Uzhoröd, vom Präsidenten Masaryk empfangen zu werden und von ihm in längeren Ausführungen unter anderem den Standpunkt der mehr als 90 Prozent des Landes betragenden konservativen Judenschaft in Fragen der jüdischen Gemeinde-Autonomie und speziell des Wahlrechts in die jüdischen Kiiltusgemeinderepräsentanzen sowie die Frage' der jüdischen Schulen zu erörtern. Obgleich mir, wie jedem Unterrichteten, die Vielseitigkeit des profunden Wissens unseres Präsidenten und seine tiefe Sachkenntnis aller Verhältnisse der Republik bekannt war und ich nach wiederholten Aussprachen mich gewiß speziell von seiner gründlichen Kenntnis innerjüdischer \Fragen zu überzeugen Gelegenheit hatte, war ich doch bei dieser Audienz davon überrascht, mit welchem tiefen Verständnis Präsident Masaryk dem Standpunkte des konservativen Judentums gegenübersteht. Er kennt die divergierende Mentalität zwischen den Juden der Podkarpatskä Rus und eines großen Teiles der Slowakei einerseits und derjenigen der Juden Böhmens oder Mährens anderseits sehr wohl. Als ich von den Bestrebungen jener jüdischen Gruppe sprach, die, obwohl hier an Zahl und Einfluß selbst gering, von Prag aus die Führung aller Juden der Republik an sich zu bringen bestrebt ist und die im Sinne einer solchen „Einheitlichkeit" für die Gemeinden der Podkarpatskä Rus als Grundlage eines neuen Gemeinderegulativs durch ihre dortigen Parteigänger, die Statuten der Kultusgemeinde Eger (Böhmen) der Behörde vorlegen ließ, lächelte Präsident Masaryk kopfschüttelnd. Und als ich anschließend hervorhob, daß die unter anderen hü^ei' der jüdisch-konservativen Partei von Podkarpatskä Rus Verhältnissen gewiß als selbstverständlich anzusehende demokratische Institution des Frauenwahlrechts in einer jüdisch-konservativen Gemeinde der Podkarpatskä Rus nach der religiösen Ueberzeugung von mehr als 90 Prozent dortiger Juden etwas Unmögliches sei, unterbrach mich der Präsident mit den Worten: „Ganz richtig, dieses Beispiel ist sehr gut gewählt!" Der Präsident gab auch ausdrücklich zu, daß ja die Tatsachen die Unmöglichkeit der einseitigen Prager Führung erwiesen haben. In der Schulfiage, in welcher wir die unbedingte Erfüllung der jüdisch-konfessionellen Schule und deren Ausgestaltung in Bürger- und eventuell Handwerks- und Fachschulen forderten, pflichtete uns der Präsident ebenfalls bei, ebenso wie er unseren Darlegungen über die schwierigen wirtschaftlichen Fragen, die die Juden der Podkarpatskä Rus bedrücken, Aufmerksamkeit widmete. Von dieser sprachen wir hauptsächlich über die Neuverleihung der Lizenzen und erbaten uns ein Einvernehmen zwischen Behörde und unserem Parteisekretariat, welches seit längerem schon in dieser Frage arbeitet und welches nichts anderes bezwecken soll, als es zu verhüten, daß durch Wegnahme von Lizenzen in gewissen Fällen, Existenzen bedroht oder vernichtet würden. — In der Frage der Bodenpachtablösung, wo die Aussichten, rücksichtlich der schon weit vorgeschrittenen Kodifizierung des betreffenden Gesetzes, schlechte sind, erbaten wir eine tunlichste Einflußnahme auf die eventuelle Durchführungsverordnung zu dem zu erwartenden Gesetze. — Charakteristisch für die ebenso vornehme als einfache Art, mit der Präsident Masaryk unsere kulturellen und wirtschaftlichen Darlegungen entgegennahm, waren.seine Abschiedsworte: „Meine Herren, ich werde, was sie mir heute sagten, sicher nicht vergessen!" ' Große Agudaversammlung in Preßburg. Sonntag, den 26. Februar, findet im Komitatshaus eine große Versammlung der Agudas Jisroel statt. Angesichts der großen Fortschritte, welche die Bewegung in jüngster Zeit gemacht hat und der praktischen Arbeiten in Erez Jisroel, welche in Angriff genommen wurden, hat die Preßburger Ortsgruppe mehrere hervorragende Persönlichkeiten eingeladen, bei dieser Versammlung Referate zu erstatten. Unter anderen werden'sprechen die Herren Kabbincr Aron Katz (Nitra), Präsident der Landesorganisation in der Slowakei; Wolf Pappenheim (Wien), Mitglied des Zentralrates; Rabbiner Spitzer (Kirchdrauf), Mitglied der Amerikadelegation, und Generalsekretär Jacob J. Braun. Die Versammlung findet präzise um 7 Uhr statt. In hiesigen orthodoxen Kreisen wird dieser Veranstaltung großes Interesse entgegengebracht. Die Installation des Oberrabbiners in Magendorf hat am 17. Schewath unter schöner Feierlichkeit stattgefunden. Zu der Feierlichkeit hatten sich unter anderem eingefunden: Oberrabbiner Weber (Piestany) Präses der orthodoxen Landeskanzlei; Oberrabbiner Brach, Nagykaroly (Rumänien), der Vater des Neugewählten, der vorher Oberrabbiner in Magendorf war; Oberrabbiner Buchsbaum (Galanta) und zahlreiche Gäste aus der ganzen Gegend. Bei der Bahnstation in Somorein wurde der neugewählte Oberrabbiner von zahlreichen Gästen und Gemeindemitgliedern mit einem Banderium empfangen. Im Orte selbst wurde der Oberrabbiner von der ganzen Einwohnerschaft stürmisch begrüßt und mit Musikbegleitung, unter einer Ghupah, zur Schule begleitet. Der Oberrabbiner hielt eine mit Charifus und Magidus gewürzte Antrittsrede, in welcher er den Beistand des Allmächtigen zu seinem verantwortungsvollen Posten erbat. Beim Bankett hielten sämtliche erschienenen Rabbiner schöne Reden. Die Sudas Mizwoh dauerte bis in die Morgenstunden. Rabbinerwahl in Munkacs. Sonntag, den 22. Jänner, hat hier eine sehr wichtige ßesdin-Wahl stattgefunden, die schon seit Monaten die Gemüter unserer Gemeindemitglieder bewegt hat. Die Wahl wurde vom Präsidium an zwei Wahlkomitees verteilt. 1. Wahl mit 4 Kandidaten von Rabb.-Praktikanten, von welchen ein Vize-Rabbiner gewählt wurde. 2. Wahl von 5 Kandidaten der hiesigen Gemeinde, von welchen zwei Vize-Rabbiner gewählt wurden. Als erster Vize-Räbbiner wurde Rabb. David Schlüssel aus Zborov einstimmig gewählt. Bei der Wahl der 5 hiesigen Kandidaten wurden Rabb. M. Weiß und Rabb. M. W. Sölzer gewählt. Rabbiner David Schlüssel fungierte 37 Jahre als Rabbinats-Assesor in Zborov und zählte zu den Geonim der Jetztzeit, er ist Verfasser der bereits erschienenen berühmten Werke „Imre David", „Beth David" und „Gan David", wie auch eine hervorragende Persönlichkeit. Rabbiner M. Weiß ist Sohn des Oberrabbiners von Zborov und hat als Talmud-Ghochom einen guten Namen. Rabbiner M. }V.[Sölzer ist Sohn des hiesigen Dajan Rabb. David Sölzer s. A. und ist ein Talmud-Ghochom mit wahrhaftiger Frömmigkeit. Mit dieser Wald hat endlich die schon lang akut gewesene Besdin-Frage eine allgemein befriedigende Lösung gefunden. Wohltätigkeit. In aller Stille, unbeachtet von der gioßen Oeffentlichkeit, vollzog sich dieser Tage in der orthodoxen israelitischen Volksschule in Bratislava ein erhebender Akt der Wohltätigkeit. Anläßlich - eines kurzen Schulbesuches bemerkte Herr Ignac Stahl er die dürftige Bekleidung einzelner Schulkinder. Spontan ließ er 25 dieser Aermsten zu sich kommen und versah sie unter Mitwirkung der Engrosfirma. N eumann & Feldheim mit guten Schuhen und warmen Strümpfen. Glückstrahlend gingen die Beschenkten nach Hause und zeigten die reichliche Gabe den nichtsahnenden Eltern. Auch seitens der Schulleitung sei diesen hochherzigen Menschenfreunden wärmster Dank gezollt. Die Gemein de wählen in der Dunajska-Stredaer (Dunaszerdahely) Kultusgeineinde fanden vorige Woche statt. Es wurden gewählt; Jakob Weiß, Präses; Mor Fleischmann, Vizepräses; Armin Fleischmann, Sekretär; S. Löwinger und Jakob Löwy, Kassiere; M. Blumenthal und M. Petenyi in die Kontrolle; S.Mendelssohn, M.Mendelssohn, A.Lewitus, L. Rausnitz und N. Löwinger als Vorstandsmitglieder. Mitgliederversammlung des „Sinai" in Prag. Am 1. Februar sprach vor einem ungewöhnlich zahlreichen Publikum Herr Isidor Schwarz über „die Macht des jüdischen Heims". In sorgfältig ausgefeilter, reichgeschmückter Rede führte er aus: Die Erziehung zum Juden beginnt mit dem ersten Atemzuge des Kindes. Einen besonderen Anteil an ihr hat die Familie, zumal die Mutter, Sie ist geziert mit all den Tugenden, die dem jüdischen Volke nachgerühmt werden. Ihr Handeln wirkt mehr als alle Lehren. Ihre Zärtlichkeit kennt nur eine Grenze: wenn es gilt, den Glauben zu verteidigen. Ein Beispiel gibt die Mutter der sieben Söhne im 3. Makkabäerbuche. Das vornehmste Erziehungsmittel ist ihr die Religion. Nur dann hat das Judentum Bestand, wenn es die Ueberlieferung der Väter hochhält und sich stolz als eigenes Volk bekennt. „Das Judentum hat die Familie geschaffen — es ist vielleicht seine herzlichste Tat" — mit diesen Worten schloß der Vortrag, den reicher Beifall lohnte. Herr Jakob Schwarz betonte die Bedeutung der symbolischen, der sogenannten Zeremonialgesetze. Er erklärte den Sinn der Mesusa, des Kidduschbechers. Nachdrücklich hob er hervor, daß nur, wer das Gesetz in vollem Umfang erfülle, ein guter Jude genannt werden dürfe. Herr Oberrabbiner Seipen begrüßt es, daß am Vortragslische auch ein Angehöriger der weiteren Kreise der Mitgliedschaft gesehen werde. So sei es durch Rede und Gegenrede leichter möglich, die Ansichten zu klären. Professor Lieben wandte sich gegen einzelne Wendungen im Vortrag, die zu dem' historisch überlieferten Offenbarungsglauben im Gegensatz standen. Mit Schlußwort des Referenten und Dank ' des Obmannes schloß die Versammlung. Sijumfeier. Am jüngsten Sabbatabend fand in Hanusonce eine schöne Sijumfeier über Massechet

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.