Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 8 (24.2.1922)
- Date
- 1922-02-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 JÜDISCHE PRESSE Seite 47 Zeit bevorstehen. Da in unserer Stadt von den Gegnern der Aguda die größten Anstrengungen gemachtwerden, die Wege des selbständig organisierten orthodoxen Judentums zu kreuzen, so wurden schon vor der Versammlung und während der Versammlung die Gegner aufgefordert, sich zur Diskussion zu melden. Es meldete sich aber nur Herr Heitier, ein eifriger Anhänger der Aguda, der dem Wunsche Ausdruck gab, in Zukunft öfters über die Tätigkeit der Aguda informiert zu werden. Herr Herrmann Löwy hielt dann eine schön pointierte Schlußrede. Die Wirkung dieser Versammlung wird in unserer Ortsgruppe noch lange wohltuend empfunden werden. Die Eandesversatmnlund dc$ ScMojmc fcmunc;li$rocl. Die Konferenz der Schlojme Emune Jisroel (polnische Landesorganisation der Agudas Jisroel) fand am 15. Schewat in Warschau statt und tagte eine Woche lang. Sie war die erste Landeskonferenz seit der vor drei Jahren erfolgten konstituierenden Landeskonferenz. Drei harte Jahre sind seither verflossen, Jahre voll schwerster Erschütterung, sowohl für den polnischen Staat und insbesondere für die Juden Polens, von denen die Orthodoxen besonders durch wirtschaftliche Maßnahmen der polnischen Regierung, wie etwaige vollkommene Sonntagsruhe, viel gelitten haben. Außerdem hatte die organisatorische Verkörperung der orthodoxen Juden Polens, Schlojme Emune Jisroel, unter der haßerfüllten Kampfesweise ihrer Gegner innerhalb der polnischen Judenheit viel zu leiden. Doch jene Eingeweihten, die die Arbeitsleistung der Schlojme Emune Jisroel kennen und schätzen zu lernen Gelegenheit hatten und das einzige orthodoxe Organ der „Jud" lasen, haben mit Sicherheit die großartige Entwicklung der Landesorganisation vorausgesagt. Die Landeskonferenz, welche nun am 15. Schewat nachmittags in Warschau zusammengetreten ist, hat selbst die kühnsten Erwartungen weit übertroffen. Als Nachmittag um 6 Uhr der als Gaon weltberühmte greise Rabbiner und Sejmabgeordnete Perlmutter die Konferenz eröffnete, konnte er mit freudeerfülltem Herzen 1140 Delegierten, die über 645 Ortsgruppen und weit über 100.000 organisierte Mitglieder vertreten haben, einen herzlichen boruch habo beschem haschem zurufen. Rabbiner Perlmutter teilte der Konferenz unter anderem mit, daß die polnische Regierung die Agudas Jisroel und die Organisation der orthodoxen Judenheit Polens überhaupt als die größte und repräsentativste Körperschaft des polnischen Judentums betrachtet. Die inhaltsvollen und mit überwältigendem Gefühl vorgetragene Begrüßungsansprache des greisen orthodoxen Führers, welcher unlängst vom polnischen Staatschef in Anbetracht seiner parlamentarischen Wirksamkeit mit einer hohen Auszeichnung dekoriert wurde, hat tiefen Eindruck hervorgerufen. Danach ergreift Herr Gemeinderat Elia Kirschbraum das Wort und gedenkt der verstorbenen Führer der Agudabewegung und des als Märtyrer hingerichteten Rabbiner Schapira aus Plotzk und des Sejmabgeordneten Rabbiner M. E. Halpern s. A., deren Angedenken die Versammlung stehend ehrt. Darauf begrüßt er die Vertreter der polnischen Behörden und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Regierung mehr Rücksicht auf die Interessen der orthodoxen Judenheit, besonders in der Frage der Sonntagsruhe, wie bei 1 Genehmigung des jüdischen Erziehungswerkes nehmen werde. Darauf erwiderte der Vertreter des Innenministeriums Herr Sektionschef Klinsky. Er begrüßte im Namen der Regierung die Versammlung und würdigte vollauf die Wirksamkeit der Organisation der Schlojme Emune Jisroel und versichert, daß die Regierung ernstlich bestrebt sein werde, den gerechten Forderungen der Versammlung Entgegenkommen zu zeigen. Dann kamen die Begrüßungsansprachen. Im Namen der Moezeth Gedole Hathora begrüßen die Versammlung die Rebeim von Radschin und Sokolow: im Namen des Rabbinerverbandes, Rabbi Meier Don Plotzky (Ostrow); im Namen der ostgalizischen Landeszentrale der A. J. Rabbiner Spira (Sanok); im Namen der A. J. Zentrale in Wilna und Litauen, der bekannte Rabbiner aus VVoronav, der auch die Grüße des Gaon Rabbi Ghaim Oser Grodzensky, der wegen Familienereignis nicht kommen konnte, überbrachte. Dann kam ein Delegierter der A. J.-Orts- und Jugendgruppe aus Jerusalem (Seravski), England (Moses), Amerika (Tobias Horowitz) und Holland (Timberg), dann der Sokolker Raw als Delegierter Südlitauens, Rabbiner von Woronav, Ukrainas (Schön). Im Namen der Bialistoker Aguda, der Rabbi Meier Szedrowsky, Vertreter der Jugendorganisation in Polen, Herr Friedensohn. Ein Delegierter des Ostronzer Großrabbiners, des Großrabbiners aus Ger, der durch traurige Familienereignisse, Ableben seiner Frau, verhindert war, persönlich zu erscheinen. Dann wurden die Begrüßungstelegramme des Zentralbureaus Wien, London, der Agudas Jisroel in Frankfurt, Amerika und Lettland verlesen. Damit war die erste Sitzung, welche einen überwältigenden Eindruck auf die Anwesenden machte, zu Ende. (Weiterer Bericht folgt.) <Q» sJ Literatur. „Jüdisches Waisenrecht." Von Marcus Cohn in Basel. Sonderabdruck aus „Zeitschrift für vergleichende Rechtswissenschaft". XXXVII. 3. Heft. Verlag von Ferdinand Enke in Stuttgart. DWH ilttfjjtt *1ÖD enthält die Geschichte des großen Geisteskampfes zwischen den Rabbinern und Gemeindevorstehern in Frankfurt a. M. und des berühmten Gaon Rabbi Nathan Adler in den Jahren 1768—1778. Von Leb Wetzler. Mit einem Vorwort von Leopold Grünwald. Verlag Salomon Katzburg, Budapest, VII., Kazinczygasse 35. D^nSD 31pJ7 TD Ucrcinsbibliotbckcn Privatbücbcroicn werden fachmännisch und individuell eingerichtet durch Jüdischen Mg G.m.b.H. Tag Februar Schwat Notizen Sonntag 26. 28. Altjüdischer Halbfeiertag (Antiochus Rückzug) Montag 27. 29. Tod Rabbi Saul Kaiisch 5481 — Tod Rabbi Arje Leb Lewoi Brody (Lew Arje) 5578 — Jörn Kippur Koton Dienstag 28. 30. Bosch Chodesch I. Ende des Sommers in Palästina nach Talmud Bowo Mezio 106, b — Tossafot Jomtow wird Rabbiner von Krakau 5404 — Tod R. David Kohen Klausrabbi Brody Mittwoch März 1. Adar 1. Bosch Chodesch II. Aufruf für Schekel — Jecheskels Epistel gegen Pharo — 1 Wintertag in Palästina (Talmud s. o.) — Tod Ibn Esra 4887 — Tod des „Schach" Holleschau 5423 — Tod R. Samuel (Olas Tomid) Hamburg 6460 —• Tod Dawid Friedman Deutsch Kreuz 5666 — Tod R. Elesar Joschkus, Galanta Donnerstag 2. 2. Tod R. Gabriel (Prag) Metz 5478 — Tod R. Isak Eisik, Uszpica (Schwiegervater des Schaare Thora) 5543 — Tod R. J. Algasi, Jerusalem 6562 Freitag 3. 3. Einweihung des Tempels unter Esra — Tod R. Abraham S. Heilprin, Hamburg 5522 — Tod R. Mordechar Jofe (Lewusch), Posen 5377 — Tod R. Noa Ch. Zewi, Altona 5562 Samstag 4. 4. Truma. — Haftoro: W'haschem nosson — Begräbnis des Maharam Rothenburg nach 14jähriger Kerkerhaft, Worms 5067 — Tod Acha bar Huna 4265 Brochos statt. Die Eröffnungsrede hielt Oberrabbiner E. Adler, der in geistreichen Diwre Thora die Notwendigkeit der Lirnud Hathora schilderte, die die einzige heilbringende Arznei für Jisroel sei. Redner schloß mit einem warmen Appell an die Anwesenden, die unter seiner Leitung stehende Jeschiwa tatkräftig zu unterstützen. Die Herren D. Kohn, J. Hausner unterhielten die Anwesenden mit ihrem kunstvollen Geigenspiel und die Herren S. Schönfeld, L. Zipszer, S. Grünfeld mit ihrem schönen Gesang. Das Benschen wurde um Kc 550 verkauft. Um das Arrangement haben sich besonders die Herren J. Ziegler und S. Adler bemüht. Aguda in Dunajska Streda (Dunaszerdahely). Herr Generalsekretär Braun weilte am Ghamischo ossor bischwet abermals in unserer Mitte, um die Bestrebungen der Aguda zu erläutern. Herr Braun besuchte die Erziehungsanstalten unserer Gemeinde, wo er Gelegenheit hatte, die Uebcrzeugung zu gewinnen, daß bei uns die Tätigkeit der Aguda einen bereits urbar gemachten Boden vorfindet. Zunächst wohnte er einer Prüfungsfeier in unserem Kindergarten (Ovoda) bei. Diese Anstalt entspringt der Initiative der Aguda und verdankt ihr rasches Aufblühen und ihre allgemein anerkannten Erfolge in der Hauptsache der energischen und aufopfernden Arbeit des Schriftführers unserer Ortsgruppe, Herrn Arnold Stern und seines Mitarbeiters Herrn Mor Adler. Es war ein Vergnügen, zu sehen, wie Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren von dem Leiter Herrn S. Mendelssohn in den Geist und die Lebensführung des wahren Judentums eingeweiht werden. Der Kindergarten bildet einen würdigen Unterbau für unsere vi erklassige Talmud Thora-Schule, die Herr Braun ebenfalls inspizierte. Trotz der nicht gerade vorteilhaften und den Unterricht sehr erschwerenden Sprachverhältnisse bei der schulpflichtigen Jugend, erzielt unsere Talmud Thora infolge der hingebungsvollen und tüchtigen Arbeit unserer Lehrer erstaunliche Resultate. Herr Braun nahm in einzelnen Klassen eine Prüfung der Schüler vor und gab seiner Freude über die guten Ergebnisse Ausdruck. Das Verdienst an dem schönen Erfolge gebührt den Lehrern, Herren Neuschloß, Fürst, Turner und Stern, die sich allgemeiner Verehrung erfreuen dürfen. Am Abend fand dann im Saale des Schulhauses eine große Versammlung der Ortsgruppe statt. Herr Rabbiner D. Silber stein begrüßte den Gast und die Versammlung. Hierauf hielt Herr Braun ein mit großer Begeisterung aufgenommenes Referat über die Ziele und die Tätigkeit der Aguda und wies auf die Pflichten hin, die einer Ortsgruppe der Aguda in der Gegenwart obliegen. Besonderen Nachdruck legte der Redner auf die praktischen Arbeiten in Erez Jisroel, durch die allein die Schäden verhütet werden können, die der Aguda fernstehende Kreise dort auf religiösen und politischen Gebiete stiften. Der Präsident dankte dem Redner und gab die Versicherung ab, daß seine Worte in unserer Gemeinde auf fruchtbaren Boden gefallen seien. Die Vorstände der Orts- und der Jugendgruppe sowie eine größere Anzahl von Mitgliedern, die sich dem Vorstand zur Verfügung stellte, blieben noch lange beisammen, um nach den Ratschlägen des Herrn Braun die weitere Tätigkeit der Ortsgruppe nach Sektionen einzuteilen. Aguda in Velke-Surany. Generalsekretär Braun besuchte am Mittwoch, den 15. Jänner, auch unsere Ortsgruppe. In der Vorstandssitzung wurde beschlossen, die Ortsgruppe nach den Vorschlägen des Herrn Braun zu reorganisieren und ungesäumt an die Verwirklichung praktischer Aufgaben zu schreiten. Im großen Bes-Hamidrasch fand darauf eine Versammlung statt, die ein Markstein der Entwicklung unseres jüdischen Lebens werden dürfte. Im Auftrage des Herrn Oberrabbiners und des Vorstandes der Ortsgruppe begrüßte Herr Ludwig Grünwald, Präsident der Ortsgruppe, den Gast und die Versammlung. Herr Braun referierte sodann über das Programm, die Ideenwelt und die praktischen Arbeiten der Aguda Jisroel. Auch bei uns übte seine Rede einen tiefen Eindruck mit nachhaltender Wirkung aus. Die Bereitschaft, diese Pflichten opferwillig zu erfüllen, kam in dem schönen Schlußwort des Herrn Grün wald zum Ausdruck und die ganze Gemeinde war darüber einig, daß auch in unseren Kreisen gar vieles geschehen könnte, um die Unternehmungen der Aguda zu fördern. Aguda inNove-Samky. Donnerstag, den 18.Schewath weilte Herr Generalsekretär Braun in unserer Mitte. Nachdem Herr Braun in einer Vorstandssitzung uns über die Arbeiten unterrichtete, die wir in der nächsten Zeit zu leisten haben und die Methoden darlegte, nach denen die Ortsgruppe reorganisiert werden sollte, versammelte sich ein ansehnlicher Teil der jüdischen Bevölkerung unserer Stadt, um den lange ersehnten Vortrag des Herrn Braun anzuhören. Die Versammlung wurde von unserem verehrten Herrn Oberrabbiner Tiegermann eröffnet. Herr Braun berichtete in einer glänzenden Rede über die Entstehungsgeschichte und über die geplanten, wie über die bereits in Angriff genommenen und durchgeführten segensreichen Leistungen unserer Weltorganisation. Besonderen Nachdruck verlieh er den Aufgaben, die den Ortsgruppen und unter diesen auch unserer Ortsgruppe schon in allernächster Der Monat Adar ist der zwölfte im Monatskalender und der sechste im Jahreskalender; er hat 29 oder 30 Tage im hebräischen Schaltjahre, wo noch ein zweiter Monat (Adar II oder We-adar) eingeschaltet wird. Das Sternbild des Monats Adar bilden Fische. Der 1. Adar fällt zwischen dem 1. Februar und 2. März, in gewöhnlichen Jahren nur am Montag, Mittwoch, Freitag und Samstag, in Schaltjahren fällt nur der 1. Adar II an solchen Tagen. Zur Zeit, als der Neumond noch bei Sicht verkündet wurde, haben die Boten des Betdins Jerusalem verlassen, um die Exulanten zu belehren, wann der Neumond zu heiligen ist, damit sie Purim zur rechten Zeit halten mögen (Talmud, Roschhasch I. 8). „Wenn Adar eingeht, mehre man die Freuden" (Talmud, Taanis 29). Er galt für den Glücksmonat Israels, in welchem jede, besonders geschäftliche Initiative glückt. In frommen Häusern schrieb man obigen Satz auf die Türe. Die Bachurim der Preßburger Jeschiba versicherten, daß man da die Nummern 17, 77, welche den Zahlenwert der Worte Maseltow darstellen, mit unfehlbarem Glücke in die Lotterie setzen könne. Am 1. Adar wurde (zur Zeit des Tempels) der Aufruf wegen Schekolim und Kilajim gemacht. Josephus behauptet, daß Moses am 1. Adar gestorben wäre.