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Jüdische Presse · 1922-02-24 · 8 (24.2.1922) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
8 (24.2.1922)
Date
1922-02-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 44 JUDISCHE PRESSE Nr. 8 Zionisten, welche ja trotz Einwanderungsverbot, und ängstlicher Rücksichtnahme auf die Araber verläßliche Agenten bleiben. Demgegenüber steht das von nationalem Altruismus erfüllte fanatische Arabertum, dessen politische Stoßkraft, von dem jämmerlichen Gebilde der innerlich zerfahrenen, völlig unvermögenden zionistischen Organisation nicht aufgefangen werden kann. Die jüdische Sache in Palästina sinkt, seit San Remo unaufhaltsam von Stufe zu Stufe. Die Katastrophe besteht darin, daß die unfähigsten Politiker der Welt eine Sache führen, welche, mehr als die Politik eines anderen Volkes, ungemein gewissenhafte und geniale Führer nötig hatte. Sie kennen nicht das eherne Gesetz der Politik, einen Mißerfolg mit der Position zu quittieren und die zionistische Masse ist zu unreif, um sich dieser Führer entledigen zu können. So rutschte die zionistische Sache hilflos von der Höhe des amerikanisch-jüdischen Kongresses bis zur neuen Station der Demütigung und der Enttäuschung, zum Entwurf der Verfassung von Palästina. EsistnichteinmalmehreineAnspiehing auf die Balfour-Deklaration enthalten. Eine repräsentative Körperschaft wird natürlich den Arabern eine Avance bieten, wenn auch England das Resultat der Wahl durch zu ernennende Personen korrigieren wird. Die Hoffnung, daß bei diesen ernannten Personen genug jüdische Vertreter an die Spitze kommen, ist nicht berechtigt. Die Zionisten haben den arabischen Gegner nicht besiegt, hingegen erbittert und gereizt. Diese Verfassung bedeutet das Waterloo der Zionisten, die leider auch das ganze Judentum mit ihrem frivolen Spiel, gefährden. Es war an der Zeit, daß die Orthodoxen betont haben, daß sie die zionistische Politik nicht mitverantworten. _ Uerftängniswlle Politik. So geht es wirklich nicht weiter. In einem Artikel, welcher diebevorstehende Verfassung Palästinas behandelt, schreibt eine zionistische Zeitung, daß die Tatsache des Entwurfes auch bedeutsam ist für die Beziehungen der jüdischen Nationen außerhalb Palästinas zu England. Wir glauben nicht, daß der Verfasser des betreffenden Artikels sich über die Tragweite dieses Gedankens klar ist, wir glauben auch nicht, daß er von uns irgend eine Belehrung anzunehmen geneigt sein wird, aber wir halten es für unsere Pflicht, unsere Leserkreise auf die furchtbare Bedenklichkeit dieses Gedankens aufmerksam zu machen, von dem wir sicher zu wissen glaubten, daß er nicht im geringsten in der Linie des englischen Wollens und der englischen Politik liegt. Gerade wir, die wir überzeugt sind, daß der Allmächtige sicher dereinst England insgesamt und jedem Engländer einzeln es lohnen wird, was England an dem Volk G-ttes getan hat, gerade wir möchten nicht, daß England durch übertriebene Anbiederung in politische Verlegenheit gebracht wird. Es kann ein so großzügiges Land nicht in den Verdacht kommen wollen, als ob es mit Bürgern anderer Staaten eine Beziehung eingehe, die nicht in Staatsverträgen festgelegt ist. Das hängt durchaus nicht mit der Mandatsfrage und Palästinafrage zusammen, aber gerade wer es gut meint mit Palästina und wer je nach seinem historischen Erkennen große oder mindergroße, aber mindestens wirkliche Hoffnung an die Erfüllung des Mandates knüpft, muß auf der anderen Seite um so ängstlicher darauf bedacht Da war einer Namens Mordechai Oberbreit, der sich und die Gesamtheit gefährdete. Nachdem er sie kaufte, sandte er sie nach Pest an unseren Kaiser — seine Glorie möge erhöht werden —. Als dies die hier lagernden feindlichen Truppen erfahren haben, wurde er verhaftet und „gelangte vor die Pforten des Todes" und am Jörn Kippur brachte mau hieher zehn Gemeindemitglieder aus Stampfen, die seinetwegen verhaftet wurden . . . Gelobt sei sein Name, der sie alle rettete und auch unsere Gemeinde, denn sie wollten plündern und erbeuten. Aber G-tt zerstörte ihren Anschlag . . . Sonntag, den 5. Marcheschwan, wurden. . . Donnertöne hörbar. . . man hatte Friede geschlossen . . . Die Kanonen ließen sich in der ganzen Stadt hören, kein Kriegsschall, sondern Friedensschüsse. Nach vier Wochen zogen die feindlichen Truppen von hier ab. Das Land ruhte aus. Die Breschen der Häuser und Mauern wurden ausgefüllt; die Stadt wieder erbaut. „Und der Ewige segnete die spätere Zeit mehr als die einstige, mit Reichtum und Gütern ..." Und am Donnerstag des Sabbates Schemot, der Schowewimfasttag war, da fastete der größte Teil der Gemeinde. Morgens nach dem Gebet wurden jene Psalmen gesagt, die wir in den Zeiten der Not beteten. Dann brachte jeder seine Spenden zu Händen zweier hervorragender Männer, niemand weniger als 18 Gulden. Dann machten wir die „Seelenablösung" nach zweierlei Weise . .. Dann verteilten wir das Geld an die Armen der Stadt. „Schluß und Ende; Preis sei G-tt, dem Schöpfer der Welt/- sein, daß die Beziehungen der Juden außerhalb Palästinas zu ihrem jeweiligen Heimatsstaate nicht getrübt werden. Es kann England nicht die Verantwortung für die Juden in der ganzen Welt überantwortet werden, denn unsere Gegner könnten aus derartig unvorsichtigen Worten nur entsetzliche Waffe schmieden; man beachte nur, was der in seiner Anschauung vollkommen verstiegene Naumann gegen Hans Goslar schreibt, ihm vorwirft, daß er als Glied einer anderen Nation im preußischen Staatsdienst steht. Das ist natürlich Unsinn, weil eben der preußische Staat in seiner heutigen freiheitlichen Aufmachung nicht nach Religion fragt und überzeugt ist, daß auch das nationale Bekenntnis Hans Goslars ihn in seinen politischen Wollen und Handeln nicht stört, sondern ausgesprochen deutsche Orientierung zuläßt. Wie kann man nur so, wie der obige erwähnte Artikelschreiber es tut, einem Naumann Wasser auf die Mühle treiben? Wie kann man nur trotz der feierlichen Erklärung Weizmanns, daß der Zionismus die Verhältnisse der Juden in den einzelnen Ländern nicht berühre, immer wieder, der Wahrheit nicht entsprechend, die Behauptung aufstellen, daß der Zionismus berufen ist, das Interesse der Juden auch dort zu vertreten, wo es sich nicht um Palästina handelt; wir können nicht mehr tun, als im wohlverstandenen Interesse vor dieser Verirrung warnen. Den schlechtesten Dienst erweist man damit, wie oben erwähnt, England, wenn man das Palästinamandat zu einem Weltmandat zu erweitern versucht. Wir halten es für die Pflicht aller Juden, inklusive der Zionisten, dagegen Front zu machen. Ben Mordechai. Die ungarische flmeriltadeiegation, fiofrat Szckcly und die Jüdische Pre&zentrale". Hierüber schreibt diese Korrespondenz folgendes: „Der Präsident der Budapester jüdischen Gemeinde, Hofrat Dr. Franz Szekely, ist von seiner Amerikareise wieder nach Ungarn zurückgekehrt, während seine Reisebegleiter, Rabbiner Dr. Illes Adler und Dr. Zahler, noch weiter in Amerika verblieben sind, um zu versuchen, doch noch irgendwelche Erfolge zu erzielen. Wie wenig e's Szekely gelungen ist, die ungarischen Juden in Amerika für Horthy-Ungarn zu begeistern und wie sehr ihn dabei die „Jüdische PreßzentraleK gehindert zu haben scheint, beweist seine schlechte Laune nach seiner Rückkehr. In einem von ihm im „MiUlt-es-Jövo" vom 10. Februar erschienenen Interview t erhebt Hofrat Dr. Szekely gegen die „Jüdische Preßzentrale Zürich" die Beschuldigung, daß sie die für Ungarn sich interessierenden Kreise Amerikas, die ihre Informationen aus der energisch arbeitenden „Jüdischen Preßzentrale" schöpfen, mit tendenziösen und nicht immer wahren Berichten bediene." „Wir glauben, daß auch der beste Freund der JPZ dieser kaum ein besseres Kompliment hätte machen können, als daß sie durch ihre unbeeinflußte und unerschrockene Behandlung der ungarischen Judenfrage und Aufdeckung aller dieser Greuel, der ungarischen Judenheit in Amerika die Augen geöffnet und sie beeinflußt hat, der Delegation von Regierungsgnaden mit größter Reserve entgegenzutreten. Daß diesem Wirken der „Jüdischen Preßzentrale * so großer Erfolg in Amerika beschiedeä> war, kann uns, und wie wir wohl glauben, auch alle aufrechten Juden, denen die ungarischen Regierungsjuden zuwider sind, nur freuen. Wir werden auch weiterhin in unserem Kampfe für die gerechte Behandlung der Juden in allen Ländern, wo sie verfolgt werden, . nicht erlahmen, ohne uns dabei von den einzelnen jüdischen Notablen, denen es meist nur um eigene Erfolge und Ehren geht, irgendwie beeinflussen zu lassen." (JPZ) Wir knüpfen daran eine kurze Bemerkung: Eine Wohltätigkeitaktion stören, ist keine Leistung, die ihre Dankesrechnung der Oeffentlichkeit präsentieren darf. Vielleicht haben wir am meisten Ursache, von der Art und Weise wie Herr Szekely die Amerikafrage seit Jahren behandelt, schlecht zu denken. Der Mißerfolg ist hauptsächlich der vollständigen Unkenntnis amerikanischer Verhältnisse zu verdanken. Aber es ist eine sonderbare Methode, die jüdischen Lehrer und Beamten, die immerhin von dieser Aktion bedacht worden wären, ihrer Hoffnung zu berauben, weil damit ein guter politischer theoretischer Schachzug gemacht wurde. Die Wiener Orthodoxie hat zum Beispiel, trotzdem sie vom Verein „Joint" mit der schreiendsten Ungerechtigkeit behandelt wurde, nicht die Oeffentlichkeit zum Schutze ihrer Rechte anrufen wollen, weil sie der Ansicht war, es sei wohl sehr leicht, aber nicht loyal, die Gebefreudigkeit zu trüben. Wenn Herr Szekely die Schuld des Mißerfolges auf die „JPZ" und auf Briefe der Wiener Zionisten schiebt, soll damit die Schwäche der ganzen Aktion verdeckt werden. Die ganze Affaire ist weder hüben noch drüben erquicklicher Natur. Von der verhängnisvollen völligen Unorientiertheit in amerikanischen Dingen spricht der Umstand, daß das Organ des Herrn Szekely noch kurz vor der Abreise Herrn Engelmann, den Finanzsekretär des Central Relief Committee, den jahrelangen Verteidiger der Interessen der Juden aus Altungarn beim Joint, in der derbsten Weise angegriffen hat. Bei Muße werden wir die Jointfrage in Ungarn ausführlicher behandeln. Spendet für die ]ugendpppe! Die vereinigte, die vereinigtere und vereinigteste jüdische Partei. Drei jüdische Parteien ringen in der Slowakei um den Parisapfel des Wählers, die „Vereinigte Jüdische Partei", die „Jüdisch bürgerliche Partei" und die „Konservativ-jüdische Partei". Da die „Vereinigte Jüdische Partei" bloß den Bühnennamen eines kleinen Häuflein Diasporanationalisten, die falsche neutrale Flagge für die Kriegskontrebande des Zionismus bedeutet und sie trotz häufiger Mahnung zur Ehrlichkeit den unwahren, irreführenden Namen nicht ablegen will, müssen wir, um ein richtiges Größenmaß der Parteien zu konstruieren, neben der „Vereinigten Jüdischen Partei" die jüdisch bürgerliche Partei, als die vereinigtere Partei und die „Konservative" als die vereinigtest e jüdische Partei unserem Leser vorstellen. Am Broadway in New York hat einmal ein Photograph eine riesige Reklametafel ausgehängt: „Größtes Atelier Amerikas". Bald darauf kam ein Konkurrent und hängte neben ihm eine noch riesigere Tafel aus: „Größtes Atelier der Welt", da kam der Dritte daneben und hängte die bescheidene Reklame aus: „Größtes Atelier dieser Gasse". So beiläufig repräsentiert sich die konservative jüdische Partei. Man muß den Mund nicht voll nehmen um begreiflich zu machen, daß in der Karpatskä Rus, dem konservativsten Gebiete der Slowakei, wo die Orthodoxen 90 Prozent der jüdischen Bevölkerung ausmachen, die konservative Partei dominieren muß. Es gehören alle Verwandlungskunststücke der „V.J.P.", die bald als überzionistisch, bald antizionistisch erscheint, dazu, um sich irgendwie in der Karpatskä Rus zu behaupten. Die „Jüdisch bürgerliche Partei", an deren Spitze Herr Fried (Antizionist) steht, hat um eine Audienz beim Präsidenten angesucht und dieselbe als solch e erhalten. Aber schon erscheint eine Notiz im „Prager Tagblatt", die meldet, daß die „Bürgerliche Partei", welche den „Vereinigten Jüdischen Parteien" angehört (!), wegen Schneeverwehung nicht rechtzeitig in Prag anlangen konnte. Am 17. Februar berichtet das „Prager Tagblatt", daß die Deputation unter der Führung (!) des Präsidenten des Nationalrates Dr. Singer erschienen sei. (An maßgebendem Orte wurde erklärt, daß diese Darstellung in der Kabinettskanzlei Befremden erregt hat.) Ohne daß die Deputation oder die Partei darüber informiert war, hat sich Dr. Singer, verständigt durch Munkacser Zionisten am letzten Tage dazu gemeldet, hat bei der Audienz selbst überhaupt nicht gesprochen, die erwähnte „Führung" muß daher wohl im Sinne eines „Fremdenführers" aufgefaßt werden. Neben der ausführlichen Schilderung dieser Audienz wird noch kurz von dem „Prager Tagblatt" hinzu bemerkt, daß seitens der konservativen Partei auch eine Deputation erschienen sei und es bedurfte erst einer Zuschrift der Herren Weiß und Ungar, um über den Zweck der Audienz aufzuklären. Die Delegierten der „Jüdisch bürgerlichen Partei" wurden schon bei der Bahnstation von jugendlichen Vertretern der „V. J. P." hopp genommen, damit sie nicht selbst mit den 30.000 Juden Prags direkte Fühlung nehmen sollten, und erfahren, daß der große jüdische Nationalrat, ein Prophet sei, der in seiner Stadt nichts gelte und in weiten jüdischen Kreisen total ungekannt ist. Altes Geschäftsprinzip das! Schlechte Ware braucht tüchtigen Agenten und Raffinement der Reklame, und der Hilfe des Zeitungsinserates. Echte Ware bahnt sich den Weg selber! Soviel wir wissen hat die bürgerliche Partei in Munkacs nicht den Anschluß an die „V. J. P." ausgesprochen. Das ist einer der freundschaftlichen Irrtümer, in denen das „Prager Tagblatt" zugunsten ihrer Freunde in der „V. J. P." verfällt. Die naiven Anhänger der bürgerlichen Partei mögen aber informiert sein, daß dies einen Anschluß an die jüdische Minoritätspartei bedeutet, an die radikalste irreligöse Richtung, die an Stelle der Religion den antireligiösen Nurnationalismus setzt. if In keinem jüdischen Hause fehle die ..Jüdische Presse ^^^^f^^^'

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