Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 8 (24.2.1922)
- Date
- 1922-02-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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JÜDISCHE SrpMTi©*™** **! *e*S* ^»^^rittTwm?«*0*^ („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien. II.. Obere Donanstr. 91. — Telephon 48.142. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden I'roitag. — Redaktionsschlnfl: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Österreich K 2000, Ungarn K 250-—, Tschechoslowakei Kc. 70-—, Deutschland Mk. 60*—, Schweiz Frcs. 10' — , Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 70 Loi, Jugoslawien 40 Dinar, Polen Mk. 1000-—. Einzelnummer d.-fi. K 40 -, Kc. 1-50. Die 6 mal gespaltene Petitzeüe d.-ö. K 30'- Fürs Ausland 100 Prozent Teuerungszuschlag. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. 8 J Wien-Bratislava, 24. Februar 1922 .s-ann vzv 10 rrnDDpna - nn rrvz | 8. Jahrg. Grenzen der Rechtspflege. Die Umwälzungen der Nachkriegszeit liaben fast in allen Ländern auch die Frage nach dem Umfange der Rechtspflege in Fluß gebracht; alle Grundprobleme, welche von jeher an der Wiege von Recht und Richten standen, sind wieder aufgetaucht, alle Entartungen, welche die bisherigen Konstruktionen gezeitigt liaben, wie z. B. Klassenjustiz, Außerachtlassung der psychologischen Voraussetzungen usw., treten ungemindert und ungeschwächt wieder in Erscheinung. Ob die Hoffnung berechtigt ist, daß zum mindesten in Palästina, allwo unter hervorragender Mitwirkung von Juden ein neues „Recht" geschaffen werden soll, dem Ideal des wahren Rechtes eine gesicherte Heimstätte bereitet werden wird, das wagen wir nicht zu untersuchen. Wohl nirgends auf Erden gibt es ein Recht, in dem nicht der Gedanke der Sühne irgendwie berücksichtigt ist, zum mindesten in dem Versuch, dem gekränkten Rechtsgefühl, wie man sagt, Rechnung zu tragen. Das ist ein schwacher Abklatsch der ursprünglichen metaphysischen, d. h. zum Ueberirdischen in Beziehung stehenden Anschauung, daß ein Unrecht eine Störung der sittlichen Weltordnung ist, Ausfluß und Quelle zugleich einer Tumah, einer Unreinheit, welche fortwirkend Unreines und Unheil gebären muß und in weitester Auswirkung sogar die anorganische Welt in Unordnung bringt, ja sogar der Vernichtung preisgibt. Der Sühnegedanke der Rechtspflege bedeutet also in diesem Zusammenhang ein Glied in der Sorge für die Erhaltung und Wiederherstellung des Guten als Grundlage des Weltbestandes. Daß in unserer heiligen Lehre gerade das Gedeihen des heiligen Landes und das Weilen jüdischer Menschen im Lande mit diesem Streben nach Reinheit im engsten Zusammenhang gebracht ist, braucht nur andeutungsweise erwähnt zu werden, um daran die Bemerkung zu knüpfen, daß nach dem Wort des Allmächtigen die so oft beklagte religiöse Entartung des neuen Jischuv zum Untergang führen muß und alles mit sich in den Abgrund reißt, was sich an ihn heftet. Ach. wir wissen, daß man darüber lacht und gerade dieses Hohnlachen ist ja der Gipfel der Unreinheit und man kann nur beten, daß die Sühne milde sein möge, denn uns ergreift der Schauder der geschichtlichen Wahrheit des umipene chatoenu golinu mearzenu, daß wir immer und immer wieder durch eigene Schuld des heiligen Landes verwiesen werden. Am vollendetsten aber äußert sich dieser Grundgedanke in den Grenzen der Rechtspflege, welche das Wort der Thora feststellt. Nur dann, wenn vom menschlichen Verstand derjenige Tatbestand erfaßt und geklärt ist, welcher nach dem Willen des Allmächtigen Ahndung durch menschliches Gericht erheischt, ist Recht und Pflicht zur Rechtspflege gegeben; darüber hinaus behält sich der Allmächtige allein Ahndung und Sühne vor. Wohl niemals ist die Abkehr von dem bloßen Schutzgedanken der Rechtspflege klarer ausgesprochen worden; es wäre erbärmlich, wenn das Recht jedes sittlichen Wertes entkleidet und seine ganze Bedeutung lediglich darin gesucht würde, daß es einen Schutz darstellt, das heißt, sich damit begnügen muß, gegebene Verhältnisse zu bewahren, niemals aber sittlich ausgleichend zu wirken vermag. Jetzt erst wird man es erfassen, •welch schrankenlose Hingabe an die im Rechte ausgeprägte Sittlichkeit es bedeutet, wenn der Mensch und der von ihm bestellte Richter gehalten ist, sich in seiner Aufgabe zu beschränken und dieselbe gewissermaßen in die Hand der höchsten, der einzigen sittlichen Macht zurückzustellen, dann, wenn er an die Grenze gelangt ist, welche diese Macht seinem Wollen und seinem Berufe gesteckt hat. Der Richter, der nach jüdischem Recht urteilt, spricht Recht im Namen G-ttes und wenn dieser G-tt verlangt, daß er vertrauensvoll Ahndung und Sühne ihm überlasse, so glaubt der Mensch vertrauensvoll an die Weisung und weiß, daß der Frevler die Sühne findet, die zur Aufrechterhaltung der Reinheit notwendig ist. Die Grenze der Rechtspflege bedeutet die Grenze der Ewigkeit, und wer mit dem Glauben an die Ewigkeit und ihr Wirken über die Erde geht, weiß, daß auch das Rechl nur als Ausfluß der Ewigkeit eine Stätte auf Erden hat. P. K. Die üerfassang für Palästina. Was zuerst auffällt, ist der Gegensatz, in welchem die Konzession einer Verfassung zu der Behauptung der Zionistenführer steht, daß vor der Bestätigung des Mandates keine Regelung der Verhältnisse, keine Konsolidation möglich sei. Erst nach erfolgter Bestätigung des englischen Mandats, für welche alle Zionisten eintreten müßten, würde die Balfour- Deklaration sich von einer gasförmigen zu. einer politischen Tatsache verdichten, die. z^o.msüsche, Aspiration über die arabischen Intrigtien" triumphieren. Die Verleihung der Verfassung vor der Bestätigung des Mandats straft die zionistische Leitung wieder einmal Lüge. Sie zeigt, daß die politische Ellbogenfreiheit England schon jetzt eine unbehinderte ist. Die zweite traurige Erfahrung ist die Verfassung selbst. Sie ist ein Sieg der Araber, bedeutet einen um so schlimmeren Mißerfolg der Zionisten als es ja Englands wohlverstandenes Interesse war, rasch ein möglichst großes zionistisches Milieu in Palästina zu schaffen. (Wir sagen zionistisches und nicht jüdisches, weil die zionistische Leitimg sich als blindes Instrument englischer Interessen anbiedert.) England hat in bezug auf die Leistungsfähigkeit der zionistischen Organisation die schwerste Enttäuschung JSä^SSS^J^ noch gerne als eine Expositür der Propagandaabteilung des auswärtigen Ministeriums, hegt aber sowohl wegen deren Unfähigkeit als deren bedingungslose Verwendbarkeit wenig Achtung vor der Leitung der zionistischen Organisation. Der Mißerfolg der Zionisten gegenüber den Arabern wird wettgemacht, durch ihren Erfolg gegen die — Juden; die englische Regierung sieht jede jüdische Aktion in Palästina lieber in Händen der liebedienerischen aus Die 3k$c8m$ung <k$ Preßburger (Gettos durch flapoleon im ilöbre \m. Nach dem hebräischen Texte der Memoiren des Rabbi Moses Sofer (Ghassam-Sofer s. z. L). (Schluß.) In dieser Nacht, am Neumond Ab, kamen die Truppen der Sachsen, welche den Franzosen halfen, über Stampfen. Und nahe ihnen waren die ungar rischen Truppen. Die Sachsen kündeten ihnen von dem Waffenstillstand und der Nähe des Friedens, sie befreundeten sich, aßen und tranken miteinander . . . Die ungarischen Truppen aber überlisteten sie und warteton bis die sächsische Armee in Ruhe lag und fielen über sie mit ihren Waffen her, indem sie sagten, es sei alles Lug und Trug, es wäre kein Frieden. Sie töteten einige von ihnen, sie stellten sich beide in Schlachtordnung, aber die Sachsen siegten . . . Dann aber schoben sie die Schuld auf die Besatzung der Stadt, indem sie sagten, auf euren Rat und Anschlag geschah dies . . . und die Truppen plünderten Häuser von Juden und Christen. Die Leute flohen um ihr Leben nächtlings in die Stadt und ins Gebirge; die Häuser der Stadt und ihre Schätze wurden zur Beute. Arn Rüsttage des Sabbates kam die Nachricht in das jüdische Exil nach Jörgen, daß Leute aus Stampfen flüchteten, mit Bündeln auf ihren Rücken; es ward ein G-ttesschrecken; man sagte, daß die Franzosen bald nach Jörgen kommen werden, wir waren in Sorge und Seelenqual bis nach Kabbalat-Sabbat. Da kam die Nachricht, daß die Sachsen schon in Preßburg eingezogen waren, offenbar schon als Freunde und Friedensleute. Noch weigerte sich mein Herz es zu glauben. Sabbat beim Morgengebet, als das Volk des Ewigen in der Synagoge versammelt war, kam Geschrei und Verwirrung: „Die Franzosen kommen!" Die Bauern flüchteten vom Felde in die Stadt, als ob sie es mit ihren Augen gesehen hätten, es entftand Furcht und Bangen, man entfloh aus der Synagoge und gedachte sich im Walde zu verbergen; da kam aber ein Brief aus Preßburg, ein Künder der Wahrheit, daß die ganze Nacht hindurch die Armee in die Stadt einmaschiert wäre, freundschaftlich und harmlos. Dieses schrieb ein Christ einem jüdischen Nachbar. Sonntag, am 3. Ab, kehrten wir in Frieden nach unserer Heimat, die ich 42 Tage nicht gesehen hatte. Die sächsischen Truppen füllten die Stadt. Zumindest mußte jeder 6 oder 10 beherbergen. Die Ausgaben dafür betrugen einen Reichstaler täglich per Person, abgesehen davon, daß der Magistrat ihnen Brot und Fleisch lieferte . . . um einzelne jüdische oder christliche Bürger nicht zu stark zu beschweren. Die Ausgabe hiefür betrug 12.000 Gulden. Unser Vorstand mußte hiezu 4000 Gulden zahlen, außerdem hatte noch Jeder Arme und Herabgekommene in seinem Haus. Außerdem hatte der französische Kaiser eine Strafe der Stadt auferlegt in der Höhe von 18mal 100.000 Gulden, und es war noch nicht bekannt, wieviel die Juden zu dieser Summe geben mußten. Der Stadt Wien legte er eine Steuer von 50 Millionen Gulden auf; darum verlangte unser Erzherzog von den Juden unserer Gemeinde 57.000 Gulden als Anleihe . . . „Israel verarmte da sehr", denn in den Wochen, die vorübergezogen waren, feierte der Verkehr, kein Käufer und Verkäufer, und die Ausgaben ruhten. Viele Leute hatten sich Hüter gedungen, welche ihre Häuser in der Zeit der Not gehütet haben. Die Ausgaben für die Leute betrugen 50 Gulden täglich; hernach der Schaden des Brandes, wegen des Neubaues eines Hauses, der auf 23.000 Gulden zu stehen kam. Auch was kein Feuer berührt hatte, sondern das zerstörende Geschoß, erforderte auch 2000 bis 3000 Gulden, nun noch der Brand von Mobilien und Büchern. Und die Armen und Herabgekommenen, die ins Haus kamen!, Und mehr als Alles, die große Teuerung! Und die Talmudschüler zerstreuten sich; wenig blieben von den Vielen, auch diese waren bedrängt durch die Sorge um Wohnung und Lager und gar um den Lebensunterhalt, so daß während früher ein großer Mittelpunkt von 150 Schülern war, sie sich nun stark verringert haben. In jenen Zeiten war dann etwas Erleichterung. Es war ein Geschäft in Geldwechsel mit dem Gold und Silber, daß die Truppen gebracht haben. Aber nicht bloß die Großen, sondern jeder, der es zu einigen Kreuzern gebracht hatte . . ., ging durch die Stadt mit dem Beutel, um zu kaufen und wechseln. Das verdroß den Pöbel und er verschwor sich gegen die Juden. . . Der Magistrat ließ es dem Vor stände zu wissen und ersuchte ihn, die Juden davon zurückzuhalten. In jenen Zeiten der Schlachten waren die Felder voller Leichen, die Waffen und Ausrüstung lag frei jedem Finder. Die Dorfbewohner sammelten sie und verkauften sie zu Tausenden an die Juden. penhaus Wien, I. Bez., Bauernmarkt Nr. 24 Ecke Fleisch markt, Telephon <>7.302 Detailvei'kaufs-Niederlaye; I., Graben Nv. 28 Große Auswahl in DamettipeBzmäntelny Füchsen, Herrenpe^zen. Modernisierungen, Reparaturen in eigener Werkstätte.