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Jüdische Presse · 1922-02-17 · 7 (17.2.1922) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
7 (17.2.1922)
Date
1922-02-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 40 JÜDISCHE PRESSE Nr. 7 Sterling, noch das Minimalbudget 650.000 £ senden können, es sind nur 350.000 £ eingelaufen. Warum fragt „Doar Hayom" müssen gerade die Lehrer leiden. Warum soll nicht den Reichdotierten vorläufig weniger bezahlt werden, um die armen Lehrer zu bezahlen. Das Blatt rechnet aus, daß man den großen Herren um 1800 £ monatlich weniger geben könnte, ohne daß sie es fühlen und fordert die Reichdotierten auf, dies freiwillig zu tun. Wir Erinnern uns, daß Herr Prof. Pick es als ein Opfer im Interresse der Sache bezeichnet hat, daß er eine Stelle in der zionistischen Leitung angenommen hat, trotzdem diese den Wunsch der Misrachisten nicht erfüllt hat. Dieses heroische Opfer — ein wahres Korban oschir — ä 120 £ monatlich findet gar keine Anerkennung. „Doar Hayom" das enfant terrible des Zionismus schreibt, daß es Hundert und Tausende fähigere, von hoher Intelligenz und glänzenden Qualifikationen und hingebungsvoller Seele gibt, die diese Arbeit von 50 £ abwärts gerne leisten würden. Begreift „Doar Hayom" nicht, welche hohe Verdienste mit diesen Stellen belohnt werden? Die treuen Dienste der Misrachihäuptlinge, die hinter Jabotinsky herliefen, ihm die Legion bewilligten, auf alles Unjüdische den Hechscher geben, den nötigen orthodoxen Hintergrund abgeben, über die Körper ihrer Rabbiner, sogar ihrer misrachistischen Rabbiner hinwegschreitend, sind ihr Geld wert. Der naive Rabbi Tschernowitz konnte nicht genug darüber staunen, daß die misrachistischen Balebattim sich frömmer als ihre Rabbiner geberdeten. Wir verstehen es sehr gut. Dieser Weisheit letzter Schluß ist das Tableau der brillant bezahlten Misrachiführer in Jeruscholajim und die armen Lehrer, die seit vier Monaten ohne Gehalt stehen. Die Lehrer müssen nicht bezahlt werden; sie agitieren blos für Thora und Erez Isroel, die Leiter aber verdienen ihren Lohn, sie haben für Weizmann und Sokolow agitiert. Die zionistische Exekutive verteidigt sich. Die Veröffentlichung der Liste der Gehälter im „Doar Hayom" hat die Exekutive zu folgender Erklärung veranlaßt: Die Gehälter der Beamten in Erez Isroel sind in dem dem Kongreß vorgelegten Budget enthalten und von dem Kongreß bewilligt worden. Die Leitung verspricht aber, daß sie die Liste durch die kompetente Stelle einer Revision unterziehen lassen werde. — O, die gekränkte Unschuld! Hat die Leitung diese Liste nicht selbst dem Kongreß unterbreitet? Haben die edlen Fraktionsführer nichts davon gewußt, daß sie mit doppelt so großen Gehältern — oft drei- bis viermal so großen — auf der Liste stehen „als der Schweizer Bundespräsident" („Doar Hayom") erhält? So ein Monatsgehalt entspricht einer .Tahressammlung Oesterreichs für den Keren hajessod! Der Kongreß hat bewilligt! Zu was hat denn dieser Mamelukenkongreß nicht Ja gesagt? Er sagte Ja, als man das Statut für die Dauer des Kongresses außer Geltung setzte und Sokolow zum Präsidenten wählte, er klatschte, als Weizmann die Dreistigkeit wagte, daß er den Ehrenpräsidenten der Organisation Brandeis abgemurkst habe, weil er vom Wetter gesprochen habe, „damit war er für mich abgetan (Applaus) und für Sie auch (Applaus)". Ein Zuhörer am Zionistenkongresse erzählt empört: „Es war ein solcher Lärm, daß man kein Wort hörte. Inmitten diesem Tumult hat man ungeheure Beträge als Gehälter beantragt und angenommen". „Doar Hayom" erhält täglich Zuschriften, Kundgebung der Erbitterung über die Verschleuderung der Gelder durch die zionistische Exekutive. Ein Artikel dieses Blattes schließt mit der Warnung: „Wenn nicht binnen einiger Wochen ein genauer Rechenschaftsbericht über die gesammelten Gelder gegeben wird, so weiden hunderte von Sammlern das Geld von denjenigen zurückfordern, denen sie es gegeben haben, damit I man wisse, daß es noch Gerechtigkeit in Isroel gebe!" I Agudas Isroel in Palästina. Ohne Absicht der Gegenüberstellung berichtet „Doar Hayom" an an- ' derer Stelle: Sonntag fand eine Sitzimg des Komitees ' der Aguda statt in Gegenwart der Gäste aus Polen I (Herren Bialer und Wojdislawski), um über die i Arbeit der Aguda auf dem Gebiete der Immigration I zu verhandeln. R. Dow Epstein berichtete über die j Tätigkeit der Aguda, bezw. der Chaluzim. Es wurde beschlossen, die Zahl der Chaluzim zu vergrößern. Es war auch ein Gast aus Chicago anwesend, der seine Unterstützung versprach. Es muß hervorgehoben werden, daß sämtliche Funktionäre o h n e B e z a h 1 u n g arbeiten, besonders muß in dieser Hinsicht der. Jugendgruppe Dank gezollt werden. NACHRICHTEN» i$SÜ Deut$cDo$ttrrekft. Mazzos-Anmeldung der Adas Jisroel. Alle diejenigen p. t. Glaubensgenossen, welche ihren Mazzosbedarf bei der Adas Jisroel decken wollen, werden ersucht, dies in der Zeit vom 2. bis 15. Februar in der Kanzlei der Adas Jisroel in den Amtsstunden von 9 bis 12 Uhr vorm. anzumelden. Die zu beziehende Menge ist nicht beschränkt. Bei der Anmeldung ist der Betrag von K 2200 per Kilo zu erlegen. Bezüglich der Mazzos, die zu ermäßigten Preisen abgegeben werden, wird in einer späteren Verlautbarung das Erforderliche mitgeteilt. Mazzos-Versorgung der Agudas Jisroel, IL, Malzgassel2a. Anmeldungen auf Mazzos, unter Aufsicht des Rabbinates der Adas Jisroel, werden vom 4. Februar an, in unserer Kanzlei angenommen. Preis K 2200 per Kilo. Quantum unbeschränkt. Für Abgabe zu ermäßigtem Preise erfolgt spätere Kundmachung. Bei Anmeldungen ist der volle Betrag auszuzahlen. Rumänien. Teeabend beim König. Mr. Freud aus Chicago besuchte seine Heimat Rumänien und spendete große Summen für heimatliche Institutionen. Das war der Anlaß, daß Mr. Freund vom rumänischen Königspaar zu einem Tee geladen war. Man sprach über Amerika und Rumänien und der König äußerte sein Wohlwollen gegenüber den Juden. („Hadoar", New York.) Aufnahme der Staatsbürgerrechte der rumänischen Juden in die neue Verfassung. (JCB). Der rumänischen Agentur „Orient-Radio" zufolge versicherte der halbamtliche „Vitorul", daß entgegen gewissen Gerüchten die Rechte der jüdischen Staatsbürger Rumäniens endgültig gesichert seien. Der Ministerrat habe den Justizminister ermächtigt, zu erklären, daß diese Rechte sicherlich in die neue Verfassung aufgenommen werden. England. Der Zionismus im Konklave. „Morning Post" behauptet, daß eine katholische Autorität ihm mitgeteilt hätte, der Zionismus würde bei der Papstwahl stark in Betracht gezogen werden. Der Vatikan sei mit der Balfour-Deklaration höchst unzufrieden und wolle dies zum Ausdrucke bringen. Schweiz. Gegen den Sabbatdispens. Eine seinbedauerliche Entscheidung fiel am Dienstag im Züricher Kantonsrat. Es gelang die „Motion Höhn8 zur Frage des Sabbatdispenses in Schulen mit einer Mehrheit von 92 gegen 35 Stimmen zur Annahme, welche besagt: „Der Regierungsrat wird eingeladen, seinen Beschluß vom 31. Dezember 1914 betreffend Dispensation der israelitischen Volksschüler von der manuellen Tätigkeit am Sabbat aufzuheben und die Ordnung dieser Verhältnisse den Ortsschulbehörden zu überlassen. Dabei sollen diese letztem eingeladen werden, von der bisher gewährten Dispensation nur anzugehen, wenn die Schulordnung und 'Schulführung beeinträchtigt werden. Rolland. Die Sonntagsruhe in Holland. In einem Interview mit dem Vertreter eines jüdischen Blattes äußert sich der Arbeitsminister über die Beschwerden, die von jüdischer Seite gegen den Entwurf des neuen Sonntagsruhegesetzes vorgebracht worden sind. Der Minister meinte, es sei für den unparteiischen Beurteiler schwer festzustellen, inwieweit bei der Forderung unbeschränkter Arbeit an den Samstag-Abenden und einer freien Verkaufszeit am Sonntag religiöse Beweggründe maßgebend seien und inwieweit geschäftliche. Wenn auch die Oberrabbiner bei ihrer Aktion selbstredend ausschließlich die Erhaltung der Religion im Auge hätten, so gäbe es doch unter den jüdischen Kaufleuten viele, die nicht auf dem gleichen Standpunkte ständen. Der Samstag-Abend und der Sonntag sei für den Ladenbesitzer wertvoller, als der Freitag- Abend. Der Minister wies indessen darauf hin, daß ungeachtet dieser Bedenken Aenderungen des Entwurfes im Sinne der jüdischen Wünsche noch immer möglich seien, wenn es gelinge, zu einer Verständigung mit den christlichen Organisationen, die an der Frage interessiert sind, zu kommen. Rußland. Die Sowjets gegen die jüdische Sprache. (JCB). Die Sowjetbehörden in Minsk haben den Schulunterricht in jüdischer Sprache verboten und angeordnet, daß in den jüdischen Schulen ausschließlich die russische Sprache als Unterrichtssprache zu gelten habe. Die Minsker Judenschaft hat gegen diese Verordnung Protest eingelegt. Eine unparteiische Kulturpartei in Sowjetrußland. (JCB). Dem Moskauer „Eines" zufolge fand vor kurzem in Eibnize eine unparteiische jüdische Konferenz statt, die sich mit der Erörterung von wichtigen kulturellen und wirtschaftlichen Fragen für die podolische Judenheit befaßte. An der Konferenz nahmen 76 Delegierte teil, die sich aus 35 Arbeitern, 18 Beamten, 15 Lehrern und 8 Mitgliedern verschiedener professioneller Institutionen zusammensetzten. Nach Parteien geteilt waren es 13 Kommunisten, 2 kommunistische Sympathiker, 4 Poale- Zionisten, 3 Mitglieder der jüdisch-sozialistischen Partei, 3 Mitglieder der vereinigten jüdischen Sozialisten, 5 Zionisten, 1 Sozialrevolutionär und 32 Unparteiische. Dem „Tmes" zufolge wurden sämtliche von den Kommunisten vorgeschlagenen Resolutionen, trotz der antikommunistischen Mehrheit, einstimmig angenommen. Eitaucn. Eine Proklamation litauischer Rabbiner. An der Spitze des soeben zur Ausgabe gelangenden „Haderech" vom Kislew—Tebeth, wird eine neue Proklamation von litauischen Rabbinern veröffentlicht, worin zum Anschluß und zur tatkräftigen Mitarbeit an den Wirken der Agudas Jisroel aufgefordert wird. Die Kundgebung schildert die Ursachen, durch welche sich die rabbinischen Autoritäten des früheren Rußlands entschlossen hatten, die Initiative zur Gründung der Agudas Jisroel zu ergreifen und die Aufgaben, die dieser alle Gesetzestreuen der Welt umfassenden Organisation im gegenwärtigen Moment zugewiesen sind. Erschien der Bestand dieser Aguda den geistigen Führern des Judentums aller Länder schon vor dem Kriege , als eine Lebensnotwendigkeit für die Gesamtheit des Judentums, so steigert sich die Sehnsucht nach ihr jetzt in Anbetracht der trostlosen Zustände auf allen religiösen, geistig-moralischen und sozialen Gebieten noch mehr. Die Rabbiner fordern alle diejenigen, die es mit der Erhaltung des Thorageistes und der thoramäßigen Lebensbetätigung ernst meinen auf, ungesäumt die früher bestandenen Ortsgruppen der Aguda in Litauen und in allen Ländern zu reorganisieren und sie für ihre heilige Zwecke funktionsfähig zu gestalten. Das ursprüngliche Programm der Agudas Jisroel „die Lösung der jeweiligen jüdischen Gesamtheitsaufgaben im, Geiste der Thora" bleibt unverändert ein Anliegen des jüdischen Volkes, dessen Verwirklichung herbeizuführen, eine unabweisliche Pflicht eines jeden Juden sei. Nicht um aufs Neue ihre Zustimmung zur Agudas Jisroel kundzugeben, handelt es sich um die Unterzeichner des Aufrufes. Einer solchen Kundgebung bedarf es nicht mehr, nachdem die großen, geistigen, religiösen Führer aller Länder bereits längst ihr Einvernehmen mit dieser Organisation bekanntgegeben hatten. Es handelt sich vielmehr darum, die jüdische Gesamtheit zu praktischen Taten in der Agudas Jisroel und durch die Agudas Jisroel anzuregen. Die Wirksamkeit dieser Organisation erstreckt sich sowohl auf allen allgemein-jüdischen Lebensgebieten in den Ländern der Diaspora, als auch auf die Zielbewußten, den religiösen Anforderungen entsprechenden Förderung der geistigen (alten) und kolonisatorischen (neu) Besiedlung des heiligen Landes zur Ehre der Thora und zum Wohle des gesamten jüdischen Volkes. Die Kundgebung ist unterzeichnet von den bedeutensten rabbinischen Autoritäten, die gegenwärtig in dem zu Polen gehörigen Litauen ihren Wohnsitz haben, an der Spitze der berühmte Verfasser des „Chofez Ghajim", Rabbi Israel Meir Hakohen aus Radin, sodann Rabbi Chaim Oser Grosdenzky und ihm folgen fast sämtliche Rabbiner von Wilna und die Leiter der anerkannten Jeschiwoth. Ferner in alphabetischer Reihenfolge eine größere Anzahl von rabbinischen Autoritäten der Provinzgemeinden, unter ihnen solche, deren Name Weltruf genießt. Diese Kundgebung der litauischen Rabbiner wird das seit einiger Zeit mit Absicht verbreitete Märchen, die geistigen Führer des Judentums hätten sich von der Agudas Jisroel abgewendet und der nationalistischen, thorafremden Bewegung ihre Billigung gegeben, mit einem Schlage zerstören und gar mancher, der infolge jener falschen Nachricht in seiner Arbeit für die Ziele der Aguda schlaff geworden war, wird nunmehr mit erneuertem Eifer dem Rufe der großen Rabbiner Litauens Folge geben. Palästina. Eine unfreundliche Rede Lord Northcliffes. Der Zeitlingsmagnat Lord Northcliffe hat Palästina besucht. Sir Samuel ist wegen Krankheit nicht erschienen. Er empfing zuerst eine Abordnung von christlichen und mohammedanischen Arabern, die sich über die zahlreiche Verwendung von jüdischen Beamten beklagten. Northcliffe hält die angeführten Zahlen für übertrieben, empfahl ihnen aber, selbst Nachforschungen zu machen. Northcliffe nahm im

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