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Jüdische Presse · 1922-02-17 · 7 (17.2.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
7 (17.2.1922)
Date
1922-02-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: 1 Wien, IL, Obere Donaustr. 91. — Telephon 48.142. 1 Tschochoslow&koi: Bratislava, Postfach 140. 1 Bracheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: I Pflr Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. 1 Abonnementspreise: Ganzjährig : Für Österreich K2000, Ungarn K 250'—, Tschechoslowakei Kö. 70«Deutschland Mk. 60»—, Schweiz Frcs. 10* — , Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 70 Lei, Jugoslawien 40 Dinar, Polen Mk. 1000*—. Einzelnummer d.-ö. K 40 -, Kö. 1-50. Die 6 mal gespaltene Petitzeile d.-ö. E 80*—. Fürs Ausland 100 Prozent Teuerungszuschlag. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. 7 | Wien-Bratislava, 17. Februar 1922 kdw p msoop-ß - nri mn | 8. Jahrc^. Die Probe auf das €xentpei. Wenn auch im geschichtlichen Werden drei Jahre nicht viel bedeuten, so kann doch ein im Schauen geübter Blick auch aus einer so kurzen Entwicklungsperiode vieles sehen und lernen. Wir halten es für unsere Pflicht, dasjenige, was uns der Werdegang der jüdischen Verhältnisse in den sogenannten Randstaaten lehrte, dem Urteil unserer Zeitgenossen zu unterbreiten. Einige wenige einleitenden Worte seien uns gestattet. Trotz aller Opfer hat der Weltkrieg und seine Folgezeit nicht ein einziges der Probleme gelöst, die der glücklichen Entfaltung der Menschheit im Wege stehen; das gibt doppelt für die jüdischen Fragen den Prüfstein der Gerechtigkeit. Wir haben schon so oft betont, daß, solange die bisherigen Staatsnormen für die innere Politik eines jeweiligen Landes Geltung behalten, es kein staatliches Gebilde erträgt, wenn irgend eine außenstehende Instanz, und sei es auch die gewaltigste Weltmacht, sei es auch die eines Völkerbundes, richtunggebend auf seine inneren Verhältnisse einwirkt. Wir hielten deshalb die sogenannte Minoritätsklausel in den verschiedenen Verträgen für ein Unheil der Judenheit und stellen diesem Bestreben die Formulierung entgegen, daß alle Rechte in ihrem Erstreben und ihrer Erhaltung aus freien parlamentarischen Entschließungen in den Gesetzen des jeweiligen Landes verankert werden müssen. Der aufmerksame Leser ersieht aus dieser Formulierung, daß damit über die Art und den Umfang der zu erstrebenden Rechte noch gar nichts gesagt ist. Unter steter Rücksichtnahme auf diesen Gedankengang bitten wir unsere Leser, von folgendem Vorgang Kenntnis zu nehmen .und sie an dej Hand .dieser Erwägung kühl zu''-beurteilen? GerälTelrT 'dien*1fCan9sTEaSten des" ehemaligen Rußland war die Stätte, an der sich die sogenannten nationalen Rechte scheinbar ganz durchgesetzt hatten. Dort etablierten sich die jüdischen Nationalräte und sogenannte jüdische Ministerien, aber wie rasch fiel der Reif in dieser Frühlingsnacht. In Lettland denkt man daran, selbst bei der Betätigung auf dem Gebiete des Handels einen sogenanten numerus clausus einzuführen, das heißt, daß sich nur soviel Juden dem Handel widmen dürfen, als es prozehtmäßi# der Anzahl der Juden entspricht: die alt-russische Prozentnorm in ihrer furchtbaren Auswirkung. Auch der Unerfahrene kann daraus leicht den Schluß ziehen, wie es nun erst um die Betätigung der Berufe stehen muß, deren Besetzung in Form von einer Beamten-Anstellung vom Staat geregelt wird. Der Korrespondent der JPZ berichtet aus Kowno von einem immer mehr erstarkenden Antisemitismus in Litauen, von einer Agrarreform, welche, ohne es ausdrücklich zu sagen, es dennoch versteht, nach altrussischem Muster die Juden so gut wie ganz vom Grundbesitz auszuschließen. Ja, sogar die Existenz eines mit dem Mindestmaß von Rechten ausgestatteten Nationalrates und jüdischen Ministeriums ist gefährdet. Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß wir diese Dinge erwähnt haben, ohne dabei auch nur zu streifen, wie sehr das religiöse Wollen unter diesen Bestrebungen leidet, von den nationalen Ansprüchen in der Ukraine mit ihren furchtbaren Pogromfolgen wollen wir nicht sprechen. Wir meinen aber, es muß für die Juden aller Länder in diesen wenigen Beispielen eine sehr ernste Mahnung liegen, daß es die strikte Forderung des Tages ist, zu vermeiden, daß nicht einem Phantom zuliebe alles geopfert wird und sich energisch dagegen zu wehren, daß Unberufene an allen möglichen und unmöglichen Stellen der Welt das Verhältnis der Juden zum Heimatsstaate trüben. P. K Die Orthodoxie in der (Weiter Kultusgettteittde. Es ist eine der traurigen Erscheinungen der Demoralisierung unserer politischen Sitten, daß so viele jüdische Preßorgane, ,und gar ein politisches Tageblatt, mit einem geringeren Grad von journalistischer Loyalität, als es rings um uns her üblich ist, auszukommen glauben müssen. In unserem Blatte ist vor etwa zwei Monaten ein redaktioneller Artikel unter obigem Titel erschienen, an welchen sich eine Reihe von Zuschriften angeschlossen hat, von denen wir bisher drei veröffentlicht haben. Trotzdem der eigene Standpunkt bereits festgelegt war, und alle späteren Zuschriften in Briefform, als der Meinungsausdruck eines Einzelnen publiziert wauen, wobei die Redaktion ihren Vorbehalt hinzugefügt hat, hält es die „Wiener Morgenzeitung" mit ihrer journalistischen Ehre vereinbar, dem uneingeweihten Leser die häßliche Verdrehung aufzutischen, als ob da eine offizielle Erklärung der Zentralleitung der Aguda vorläge. Die „Jüdische Presse* ist ein unabhängiges orthodoxes Blatt, das oft in wichtigen Dingen einen von der Agudaleitung abweichenden Standpunkt einnimmt. Welch eine traurige journalistische Moral herrscht da. in einer Zeitung, an deren Spitze verantwortliche Führer des JS2JtosSJÖ$&eSi ,.we&n^i^ inoffizielles orthodoxes Organ als Kundgebung der Agudaleitung vorgetäuscht wird! Selbst die objektive „Wahrheit* will nicht begreifen, daß wir jede Zuschrift, von welcher Seite sie komme, wenn sie nicht etwa in Form und Inhalt unmöglich ist, Raum geben. Die „Wiener Morgenzeitung * trommelte da eine Vereinigung von höchst problematischer Existenz, die „Agudas hacheredim* zusammen, um sie gegen uns als die wahre Orthodoxie auszuspielen. Wo sind die Taten dieser edlen Körperschaft, die sich im Kampfe der unverfälschten Tradition gegen die laxe religiöse iund politische Moral einer um Mandatismus krystallisierte religionsfeindliche Partei, an die Seite der Letzteren stellt? Die Aguda hat ihre bedeutenden Institutionen der Thora-Kultur, der sozialen Fürsorge. Was stellt das nebelhafte Gebilde dieser „Agudas hacheredim*, die sich — wahrscheinlich um sich als Lamed-wow-Zaddikim zu legitimieren^— auf einen Besitzstand von 86 Bethäusern beruft, der Aguda entgegen? Mit Entschiedenheit weisen wir den Vorwurf zurück, als ob unser Blatt, oder auch die Aguda, der Wiener Kultusgemeinde in ihren schweren Stunden geschadet hätte. Der Ruin der Kultusgemeinde ist das Werk der Strickerschen Terroristengruppe! Sie hat seit Jahren Hunderten von bedeutenden Persönlichkeiten das Gemeindeleben verekelt. Hat man vergessen, wie die „Wiener Morgenzeitung" das Ansehen der Kultusgemeinde im Inland und im Ausland systematisch untergraben hat? Was hat die zionistische Gruppe im Kultusvorstand getan, was der Herr Oberrabbiner, welcher das Judentum aller Zonen betreut, bis auf die ihm anvertraute Herde? Ungern treten wir der Autorität eines Rabbiners, welcher Richtung immer, nahe, aber diese wilden Ausbrüche des Organs der Partei des Herrn Öbj^aJ?hJnej^4fe^fiji_diQ, Aguda^nötigfifa-Jins^doch die „.Wahrheit* zu zitieren, wonach Herr Oberrabbiner Dr. Chajes bei der jüngsten Reise iq London nur Geld für den ukrainischen Fonds verlangt hatte, mit der Hinzufügung, daß die Institutionen der Wiener Gemeinde sich allein erhalten könnten. Es ist uns gänzlich unbekannt, daß der Herr Oberrabbiner dieser Gemeinde, die er als stolze, blühende übernommen hatte, dieser wunderschönen, von einem edlen Menschenschlag bewohnten Stadt, die ihm ein gnädiges Geschick zum Tätigkeitsort zuerteilt hat, dieser herrlichen Metropole, deren Tragik an das Herz des Feindes rührt, dieser Bilder aus M-Preftbunj. Die Beschießung de$Pre$burger Ghettos dureft tiapoleon im jabre uo$. Nach dem hebräischen Texte der Memoiren des Rabbi Moses Sofer (Chassam-Sofer s. z. 1.). (Fortsetzung.) Am Mittwoch, den 14. Tamus ..., schlugen die Geschosse in das Beratungshaus1 und der Kardinal sowie der Adel . . . zogen davon . . . von da ab war ein Tag schlechter als der andere, was das Feuer übrig ließ, wurde von den Geschützen geschlagen. In jenen Tagen waren Gußregen und Stürme häufig. Diese verursachten großen Schaden an den Resten der Häuser, welche ohne Dach geblieben waren .., Mauern stürzten ein. Viel Mühsal ohne' Zahl! ,Ich bin der Mann, der das Elend sah" ... In jenen Tagen konnte man keine Wäsche wechseln und man ging drei Wochen in einem Hemde; viele gingen selbst zum Strome und wuschen sie dort und zogen sie wieder an . .. Auch mir und meinem Hause war es nicht möglich, am ersten Sabbat .Balak, trotzdem ich mich bemühte, frische Kleider zu erhalten und nahezu 150 Gulden dafür ausgab; es gelang mir bloß Unterkleider zu verschaffen. Am Donnerstag vor Sabbat Balak rettete man die Thorarollen aus dem großen Tempel und brachte sie im Wagen nach Jörgen, bis der Sturm vorüber j wäre . .. Meine Augen sahen'da und staunten, wie gerecht der Ewige ist. .. Im Vorjahre, als Jörgen 1 Landhaus oder Rathaus. * | brannte, verbrannten — ob unserer vielen Sünden — alle ihre Thorarollen. Damals spendeten die Preßburger Gemeindefnitglieder mehrere hundert Gulden, Kleider und Mobilien, aber wollten ihnen keine Thorarollen leihen, trotzdem ich mich dafür einsetzte; sie aber gehorchten mir nicht.. . nun mußten sie ihre Rollen retten nach der kleinen Stadt, die ihnen gegenüber wie nichts geschienen hatte . . . Am Rüsttage des heiligen Sabbats war ich in Jörgen Gevatter, beim Sohne des reichen Lewöw und seiner Frau, die Tochter des reichen R. Abraham Asch (Eisenstadt), die ihren erstgeborenen Sohn in Preßburg ... am 9. Tamus geboren hatte. Und am Tage des Sturmes, am 13. Tamus, floh sie mit dem Kinde im Schöße, aus der Stadt und die Szuda war hier in Jörgen. „Und Väter wendeten sich nicht zu den Söhnen", daß er selbst beim Bunde Abrahams gewesen wäre.... Damals, am Sabbat, wurden auch Spenden angelobt, für die Vollendung der Jörgener Synagoge, niemand weniger als 18 Gulden. n In jenen Zeiten ruhten jene und rasteten nicht und Unglück kam Tag für Tag. In Jörgen und Umgebung hörte man das Gedonner, Häuser und Fenster zitterten vom Donner der Feuerrohre in Preßburg, daß zwei kleine Meilen entfernt ist. Nach den Zeitungen . . . war die Menge der Kugeln, die nach Preßburg fielen, 4000 Stück und wir wohnten dort besorgt und gequält. Montag, den 26. Tamus, kam das Gerücht, daß die Stadt in - den Händen der Franzosen wäre. Denn man sah das kaiserliche Heer plötzlich von der Stadt und vom Ufer abziehen; daraus schloß* man, daß ihnen (den Franzosen) gewährt wurde, über die Ueberfuhr zu kommen. Darauf beeilte sich das Volk, Juden und Christen, auch der Adel, die in Bösing waren und kehrten nach Hause zurück ... IcK aber verließ den Ort nicht... Es stellt sich dann heraus, daß sie zu einer großen Schlacht gezogen waren, welche Erzherzog Karl geliefert hatte, der bei Spitz gestanden ist, wohin er den Erzherzog Johann mit seinem Heere zur Hilfe gerufen hat.. . nach einigen Tagen kehrten die Truppen des Erzherzogs Johann aber nach Preßburg zurück . .. Die Franzosen, welche gegenüber der Stadt lagen, kehrten auch zurück und gaben am Rüsttage des Neumondes Ab eine Frist bis 6 Uhr abends, ihnen die Ueberfuhr über den Strom freizulassen, ansonsten sie die Stadt und die Umgebung gänzlich zerstören würden . . . Das war eine Not und viele entflohen wieder und fanden keine Zuflucht mehr. Aber die Gnade des Ewigen geht nicht aus. Zwei Stunden vor dieser Frist. . . da ließ der Offizier und Gouveneur der Stadt, Bianko, kundmachen, daß zu ihm ein Kurier aus dem Lager der Franzosen gekommen wäre, mit der Botschaft, daß die Landesfürsten einen Waffenstillstand auf 30 Tage geschlossen hätten, die Bedingung wäre, daß die Franzosen in dieser Zeit Preßburg, Brünn, Triest, Raab und Fiume besetzen würden. Von Seiten der Regierung des Kaisers von Oesterreich war ihm nichts mitgeteilt worden. Da war große Freurje. Der reiche und gelehrte Vorsteher Hirsch Spira flog eilenden Fußes, der erste zu sein, der mir die Botschaft brachte. Immerhin, nachdem dem Bianko noch nicht der Befehl vom Kaiser erteilt wurde, ihnen den Uebergang zu gewähren, so dachte ich nicht an die Heimkehr, bis man nicht wußte, wie die Sache ausfallen würde. (Fortnetaang folgt.) Wien, I. Bez., Bauernmarkt Nr. 24 Ecke Fleischmarkt, Telephon 67.302 Detailverkaufs-Niederlage: I., Graben Nr. 28 Große Auswahl in Damenpelzmänteln, Füchsen, Herrenpelzen. 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