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Jüdische Presse · 1922-02-10 · 6 (10.2.1922) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
6 (10.2.1922)
Date
1922-02-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 34 JÜDISCHE PRESSE Nr. 6 von der „Wiener Morgenzeitung" (Artur Freud) ausborgen. Die ganze Sitzung hatte eine zionistische Aufmachung. Die Referate zeugten von absoluter Interesselosigkeit. Die Antragsteller akzeptierten ihre Anträge. Lebhaft wurde die Versammlung erst, als es galt Herrn Markus Ungar mundtot zu machen. Vom Prager zionistischen Nationalrat waren nicht weniger als drei Mitglieder erschienen. Herr Knöpfelmacher, Präsident des Volksverbandes, erklärte ausdrücklich, man habe ursprünglich beschlossen, den Nationalrat nicht einzuladen, doch habe dieser darauf bestanden und man mußte ihn einladen. Alles zielte darauf ab, den eigentlichen Gründer des Volksverbandes Herrn Markus Ungar die Qualifikation als jüdischer Vertreter abzusprechen. Levoca (Leutschau) wird orthodox. In dem Prunksaale des historischen Rathauses hielt am 29. Jänner die Levoöaer — status quo — Gemeinde ihre sehr gut besuchte Jahresversammlung ab, die unter dem taktvollen Präsidium ihres sehr verdienten Präses Herrn Bela ß e r g e r einen würdigen Verlauf nahm. Unter dem neuen Präsidium, dem als Vizepräses der agile Führer der orthodoxen Fraktion, Herr Philipp Braun zur Seite steht, ist es der Gemeinde möglich gewesen, trotz Verlustes wertvoller, steuerkräftiger Mitglieder das zirka CK 90.000-— betragende Budget mit einem namhaften Plus abzuschließen. Herr Philipp Braun legte der Versammlung ans Herz, die Durchführung der rituellen „Mitzvoh" sich zu eigen zu machen, für die bereits zirka cK 8000-— von Einzelnen gespendet wurde. Besonders muß hier Herr Jakob Ratz rühmend hervorgehoben werden, der die Hälfte seines Hauses und das dazu gehörige Bad zu diesem Zweck der Gemeinde geschenkt hat, die nun auch die andere Hälfte hiezu erworben hat. Herr Braun erklärt auf jede Ehrenstelle und separatistischen Bestrebungen seitens seiner Partei verzichten zu wollen, wenn es ihm gelingt, die Gemeinde für das religiöse Ideal der unverfälschten Orthodoxie zu gewinnen. Diesen Worten schließt sich Herr Henrik Fried mann und Herr Josef Kar dos in temperamentvollen Worten an. Ebenso richtet Herr Professor Moritz Steiner einen Appell in diesem Sinne an die Versammlung. Unter dem Eindrucke dieser Reden beschließt die Generalversammlung auf Antrag des Herrn Professors Alexander Takacs eine Kommission zu delegieren, welche die Modalitäten prüfen soll, die die eventuelle Konstituierung der Gemeinde auf orthodoxer Grundlage ermöglichen sollen. Es spricht noch Herr AdolfWidder über die Fieischfrage und Gabella, der mit Recht fordert, daß die Koscher Haus führenden Mitglieder, die per Kilo ö K 2 Gabellasteuer entrichten, mit einer geringeren direkten Steuer belegt werden sollen, als jene, die durch ihre unrituelle Küche sich jeder indirekten Steuer zu entziehen wissen ferner Herr Kar d os, der öK 300 für Zwecke eines streng koscheren Kidusch Weines spendet, und andere. In vorgerückter Abendstunde schließt die Versammlung, die Hoffnung gewährt, daß auch in diese bereits religiös stark zurückgegangene Gemeinde der jüdische Geist der Thora we-jiro wieder einzukehren beginnt und es ist vielleicht nur noch eine Frage der Zeit, daß ihre orthodoxe Umwandlung zur Tatsache wird und die Bemühungen des auf so exponiertem Posten für die Thora kämpfenden Oberrabbiners Dr. Löwy mit Erfolg gekrönt werden.! zeichnet den Schritt der Regiernug als von der | Wahlkampagne diktieYt. Er wendet sich scharf j gegen gewisse Juden, die in der Zeit der Gefahr; den Geschäften nachgegangen sind und jetzt auf- 1 tauchen, um Flieden zu vermitteln: diese Geschafts- | leute mögen auch weiterhin nicht politisieren, j Väzsonyi unterscheidet zwischen Vaterland und I Regicrungsystem; die ungarischen Juden haben auch in der verhängnisvollsten Zeit das Vaterland nicht im Auslande angeklagt; sie haben lieber vieles verschwiegen. „Die Hingabe zum Vaterland kennt keine Bedingungen, die Pflicht dem Vaterland gegenüber erfüllen wir, welcher Art immer das Regierungssystem sei, und wieweit auch die Demütigung unseres Selbstbewußtseins gehe, denn Regierungen und Systeme sind vergänglich, aber das Vaterland und unsere Hingabe an dasselbe ist ewigwährend." Väzsonyi erklärt hierauf, daß er im Vereine mit Paul Sandor eine Wahlkampagne in der israelitischen Gemeinde plane, um dann provisorisch eine Vereinigung der Gemeinden zu schaffen, und späterhin eine jüdische Landesorganisation zu schaffen. Von der Schaffung dieser Landesorganisation werde er sich durch nichts abhalten lassen, „denn es sei nicht zu dulden, daß unverantwortwortliche Elemente das Uebel noch eindachen sollen, welches andere unverantwortliche Elemente über uns gebracht haben". Man darf sich nicht — wie es bei der Verhandlung der Vorlage wegen des Oberhauses geschah — sagen lassen, daß die ungarischen Juden eine auseinandergefallene Garbe seien. Der Verband der Gemeinden müsse gegründet werden und an deren Spitze müsse die israelitische Gemeinde schreiten. (Da die israelitische Gemeinde , neolog ist, so ist wohl daran gedacht, daß die Orthodoxie bei dem später zu gründenden Verband zur Mitwirkung eingeladen wird. Trotzdem Väzsonyi sich der Orthodoxie gegenüber stets sehr loyal verhalten hat, muß die Entwicklung dieser Bewegung lehren, inwieweit die Orthodoxie die Absichten Väzsonyi s m fördern in der Lage sein wird.) Deutschland. Ein empörender Diebstahl in einer jüdischen Synagoge in Deutschland. (J. C. B.) Vor kurzem brachen einige Diebe in die jüdische Synagoge von Stettin ein, erbrachen die heilige Lade und entnahmen von dort den gesamten Schmuck an Gold und Silber, so die Glöckchen und Kronen der Thorarollen sowie die Kelche und die silbernen Kandelaber. Die Diebe begnügten sich nicht mit dem Diebstahl, sie demolierten die ganze Einrichtung der Synagoge und ließen hinter sich einen Trümmerhaufen zurück. Der freche Diebstahl und Vandalismus rief unter der jüdischen Bevölkerung große Empörung hervor. Ein Rabbiner als Dramaturg. (J. G. B.) Wie aus Karlsruhe gemeldet wird, wurde dort die Erstaüfführung einer neuen Tragödie im städtischen Theater, die einen' gewissen Emil Bernard zum Verfasser hat, mit großem Beifall aufgenommen. Das Stück macht einen tiefen Eindruck auf die Zuschauer und wurde auch von der Kritik überaus beifällig besprochen. Emil Bernard ist bekanntlich ein Pseudonym des Rabbiners Dr. Emil Konen in Bonn am Rhein, der unter diesem Namen als glänzender Dramaturg schon seit mehreren Jahren bekannt ist. ünwika. Grünhut s. A. als Vertreter des damaligen bereits funktionierenden Kriegswaisenfonds der Aguda in Halberstadt, gebildet. Das provisorische Komitee hat Sektionen gebildet uftd sofort eine eifrige Werbetätigkeit entfaltet, Statuten ausgearbeitet, so daß am 20. März 1918 nach behördlicher Genehmigung der Statuten die konstituierende Generalversammlung des Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel abgehalten werden konnte. Nach der Konstituierung hat die Leitung verschiedene Verhandlungen eingeleitet, um in Galizien Waisenhäuser einzurichten. Das einzige Resultat war die unter günstigen Bedingungen erfolgte Erwerbung einer kompletten Einrichtung für ein Waisenhaus mit einem Fassungsraum für 100 Kinder. Als die Kriegsereignisse jede Möglichkeit eines Verkehres mit Galizien genommen hatten, mußte der Plan endgültig aufgegeben werden, von Wien aus in Galizien ein Waisenhaus zu errichten. So wurden die gekauften Gegenstände eingelagert und die Tätigkeit des Vereines, da viele Vorstandsmitglieder in ihre galizische Heimat zurückkehrten, einstweilen eingestellt, zumal die anderen Mitglieder durch den politischen Umsturz von einer gemeinnützigen öffentlichen Tätigkeit abgelenkt worden sind. Nach dem Zusammenbruch und der Revolution trat nach den Aufzeichnungen des Protokolls der Geschäftsausschuß am 6. Mai 1919 zusammen und es wurde unter dem Vorsitze des Herrn Akiba Schreiber beschlossen, die Kanzlei in der Schmelzgasse 9/8 aufzulassen und die Agenden des K. W. F. in der Kanzlei der Aguda, II., Große Pfarrgasse 23, zu führen. Er wurde ferner beschlossen, alle in Angriff genommenen Arbeiten für die Errichtung von Waisenhäusern infolge der unüberwindlichen Schwierigkeiten ruhen zu lassen bis nach dem endgiltigen Friedensschluß. Durch die unsicheren politischen und finanziellen Verhältnisse wurde die Arbeit des Kriegswaisenfonds lahmgelegt. Nach der Rückkehr des Präsidenten Herrn 1.1. Thumim jedoch und nachdem sich neue Arbeitskräfte zusammengefunden hatten, wurden sie anfangs 1920 mit Eifer wieder aufgenommen. Die Umgestaltung der Agudas Jisroel überhaupt, insbesondere der Umstand, daß die bis damals in Wien weilende selbständige galizische Landesorganisation den geänderten Verhältnissen Rechnung tragend, sich mit den österreichischen Landesorganisationen alliiert hat, hat auch auf die Tätigkeit des Kriegswaisenfonds belebend gewirkt. Es muß noch hinzugefügt werden, daß die Aktion des Schriftstellers Moses Porges, welche bezweckte, in nicht jüdischer Pflege befindliche Kinder in jüdischen Häusern unterzubringen, sehr erfolgreich war und diese Aktion, deren Bestrebungen sich mit den Arbeiten des K. W. F. identifizierte, dem K. W. F. viele rührige Arbeitskräfte geschafft hat. Mit wahrer jüdischer Begeisterung und unermüdlicher Arbeitslust haben die Mitglieder des Arbeitsausschusses keine Mühe gescheut, um das Waisenhaus in Baden, welches im Sommer 1920 erstand, einzurichten, zu seinem Zweck umgestaltet und seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Die Eröffnung des Waisenhauses in Baden bei Wien, Germergasse 48, war eine erhebende Feier. Seither sind Jahre verflossen, das Waisenhaus ist vollauf besetzt. Es haben dort 42 Waisenkinder, zumeist aus den ostgalizischen Pogromgebieten, ein wahres Heim gefunden, wo für ihr leibliches und geistiges Wohl in aufopferndster Weise gesorgt wird und sie zu einem Beruf, der sie ernähren soll, ertüchtigt werden. Vor der Generalversammlung tritt der Vorstand mit dem Bewußtsein, Großes geleistet zu haben, zusammen und der Erfolg mit der ihre Arbeit gekrönt wird, gibt ihr Kraft, trotz der schweren Verhältnisse mit Optimismus der weiteren Arbeit entgegen zu sehen. £$cbecbo$lowakci. Der Kongreß der Mandatare der „V. J. P.". Das war des Pudels Kern! Der seit Wochen in Artikeln und Notizen der „Volkszeitung" angekündigte Kongreß der kommunalen Vertreter der „Verein. Jüd. Part." fand letzten Samstag in Bratislava statt. Es war ein betrübender Anblick, der große Komitatshaussaal war bei der Eröffnung kaum zu einem Drittel — natürlich von Zuhörern — erfüllt. Als dann die Vertreter einschließlich der einflußreichen Gemeinde von Beczko,Pezinok gezählt wurden, ergab die Liste, kaum zwei Dutzend. Dabei hatte das zion. Zentralkomitee in Mähr.-Ostrau an alle zionistische Vertreter rekommandierte Schreiben gerichtet, ja nur zur Dokumentierung der zionistischen Einheitsfront vollzählig zu erscheinen. Mit Ausnahme einiger Dienstpuppen waren nur Zionisten erschienen. Referate wurden bis auf einen wieder von denselben drei Leuten, von Zionisten gehalten. Den Pressereferenten mußte man sich, Ungarn. Die Friedensaktion der ungarischen Regierang. Der Innenminister hat eine Reihe von jüdischen Persönlichkeiten um Vorschläge zu einer Friedensaktion mit den Juden ersucht. Väzsonyi antwortet darauf: „Ich halte die ganze Aktion für einen erheiternden Irrtum. Die Regierung vergißt, daß wir eine Konfession sind und keine Partei, wir müssen und können mit Niemanden Frieden schließen; wir haben unsere ungarische Verfassung, welche unserer Konfession die vollständige Rechtsgleichheit zusichert. Das möge strikte durchgeführt werden. Allesonstigen ProgrammoderMemorandummacherei, ist Kinderei und Heuchelei. Das Programm eines jeden einzelnen Juden, ist das Wort: Rechtsgleichheit! Man kann keinen Frieden schließen unter herrschendem numerus eleusus, bei Hinausbugsierung von jüdischen Beamten, bei Zerstörung jüdischer Existenzen, bei zwangsweiser Ausweisung „von der jüdischen Rasse angehurigen Ausländern", und bei Außerkraftsetzung des Gesetzesparagraphen gegen die konfessionelle Aufreizung. Die Regierung möge nicht die naive Unschuld mimen, sie hat keine Memoranden nötig: sie kennt gut alle Gravamen und weiß genau den Modus, wie diese gründlich zu beheben sind: „Die Herstellung und Respektierung der Rechtsgleichheit." Väzsonyi be- Kleiderspende. (JPZ) Am 1. Jänner hat ein zweites Schiff New York verlassen, das den von der Föderation dei ukrainischen Juden gesammelten Kleider¬ und Lebensmitteltransport für die Flüchtlinge in Bessarabien undRumänien mitführt. (Der erste Transport, der für die Flüchtlinge in Polen bestimmt war, verließ New York am 18. Dezember.) Als Verteilungskomitee fungieren Dr. Bernstein-Kogan, Rabbiner Zirelsohn und Rabbiner Dr. Niemirower. Rabbi Haim Nahum türkischer Gesandter in Amerika? Wie die amerikanischen Blätter melden, hat die türkische Regierung in Washington anfragen lassen, ob die Ernennung des gewesenen türkischen Grandrabbi Plaim Nahum als Vertreter der türkischen Regierung in Amerika, der amerikanischen Regierung genehm wäre. Eine Antwort ist noch nicht erfolgt. franKreicb. Zusammenschluß der Gesetzestreuen im Elsaß. Herr Oberrabbiner E. Weill, erläßt einen Aufruf zur Bildung einer „Union des Amis de la Tradition Juive" (Bund der Freunde der jüdischen Tradition), die nach dem Vorbilde der deutschen Freien Vereinigung den Zusammenschluß der gesetzestreuen Juden im Elsaß und darüber hinaus in ganz Frankreich zum Zwecke der praktischen Arbeit in allen religiösen Angelegenheiten erstrebt. Auch die Palä- HIEN, II., TflBORSTHflSSE 39 (HOTEL BAYRISCHER HOF) TELEPHON 40.324 EN GROS» EN DETAIL KLEIDER-! HP «ROSSE AUSWAHL IJV HERRENKIvEIDERN rMSRiriG- UIVJÖ IVA OH MASS ~W|

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