Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 6 (10.2.1922)
- Date
- 1922-02-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 JÜDISCHE PRESSE * Seite 35 stina-Arbeit soll gepflegt werden, und zwar zur Aufrechterhaltung der Schulen, Jeschiwos und Wohltätigkeitsanstalten des alten Jisclmw und zur Förderung landwirtschaftlicher und industrieller Unternehmungen im heiligen Lande, die geeignet sind, den Flüchtlingen aus. den osteuropäischen Ländern eine wirtschaftliche Existenz zu ermöglichen. Insbesondere soll der Bund in Frankreich auf die Hebung des Erziehungswesens im jüdischen Sinne hinwirken. Palästina-Baugesellschaft der Aguda. Dieser Tage sind die beiden Delegierten der Aguda, die Herren Tobias Bialer und Moses Woj dislwasky, die mit der Erledigung der Formalitäten zur Gründung der Baugesellschaft beauftragt waren, aus Palästina zurückgekehrt. Die Gesellschaft ist nunmehr endgültig gegründet und von der palästinensischen Regierung als Aktiengesellschaft m. b. H. legalisiert. Es werden zunächst Aktien im Werte von 15.000 Pfund Sterling ausgegeben. Jede Aktie kostet 10 Pfund Sterling. Der Preis der gezeichneten Aktien ist in englischer Währung zugleich mit der Zeichnung zu entrichten. Ein großer Teil des Aktienkapitals ist bereits in Händen der Gesellschaft. Auch ein wertvolles Grundstück, ausreichend zum Bau von fünfzig Geschäftsläden im Zentrum der Stadt Jaffa ist in ihrem Besitze. Ebenso ist geeignetes Baumaterial in Palästina lagernd, bereits Eigentum der Gesellschaft. Mit dem Bau der Häuser wird sofort begonnen. Wer an diesem soliden, eine gute Rentabilität sichernden Unternehmen des orthodoxen Judentums im Heiligen Lande Anteil haben will, sollte seine Zeichnung zu Händen einer Aguda-Ortsgruppe, Landeszentrale, Palästina-Zentrale oder des Wiener Zentralbureaus schleunigst gelangen lassen. Sofort nach Erlegung des gezeichneten Betrages erhält der Zeichner ein künstlerisch ausgestattetes Interims- Zertifikat in hebräischer und englischer Sprache. Dieser provisorische Schein wird nach deren Herstellung gegen Original-Aktien umgetauscht. Wie wir erfahren sind schon auf die erste Nachricht hin bei den polnischen, deutschen und österreichischen Zentralen große Beträge für dieses Unternehmen gezeichnet worden, so daß die erste Serie der Aktien in kürzester Zeit in festen Händen sein dürfte« „Doar Hayom" gegen die Korruption der zionistischen Verwaltung" in Palästina. Das zionistische Tagblatt „Doar Hayom", das sich einer ehrlichen Kritik der unglaublich verotteten Zustände der zionistischen Verwaltung befleißt, deckt in den letzten Nummern schonungslos eine übrigens auch sonst bekannte Korruptionsaffaire auf. Zu Beginn des Balfour-Rummels wurde in Erez Isroel mit allen Mitteln der Reklame der „Keren ha gäula" (Erlösungsfond) gesammelt. Auch Nichtzionisten wurden von der Strömung mitgerissen und es wurde ein ansehnlicher Betrag zusammengebracht. Ueber die Verwendung des Betrages wurde nichts vernommen. Man erfährt jetzt durch „Doar Hayom", daß die zionistische .Leitung bei der Londoner Konferenz von Brandeis beschuldigt worden ist, 4000 Pfund Sterling Jointgeld für zionistische Zwecke verausgabt zu haben. (In einem Memorandum der Brandeis- Partei, das im „Jewish Ghronicle" veröffentlicht wurde, war diese Beschuldigung — dort heißt es 50.000 Dollar — schwarz auf weiß zu lesen. Die Red.) Nun erzählt „Doar Hayom", daß Weizmann von der Londoner Konferenz nach Jerusalem gekabelt hat, daß man diesen Betrag von dem „Keren ha geula" an den „Waad hazirim" zurückbezahlen möge. Zufolge der wiederholten Forderung des „Doar Hayom" um Verrechnung der Keren ha geula, welcher sich eine Reihe von Sammlern selbst in Zuschriften angeschlossen hat, veröffentlichen Yellin, Dr. Lewy und Markus Kohn eine Erklärung, daß die 70.000 Pfund Sterling des „Keren ha geula" eigentlich nur Zeichnungen aber nicht Einzahlungen bedeuten, daß insgesamt blos 18.000 Pfund Sterling eingeflossen seien. Von diesen sind tatsächlich 4785 Pfund Sterling vorhanden. Den Rest — erklären die Herren — werde man jetzt von der zionistischen Organisation zurückfordern, und darauf achten, daß der Betrag seinem eigentlichen Zwecke zugeführt werde. Der „Doar.Hayom" erklärt sich damit nicht zufrieden. Das Blatt führt auch die riesigen Gehälter der zionistischen Beamten an und weist nach, daß man da Streichungen vornehmen könnte und mit dem Ersparnis ganze Kolonien aufbauen. Man begreift jetzt den Kampf Weizmanns gegen Brandeis etwas gründlicher. RSHHHMHHHBanHMn In keinem jüdischen Hause fehle die „Jüdische Presse". Dr. Nechemia Anton Nobel. Er wird einer der Toten sein, die man so rasch nicht vergißt. Sein Name war ein Programm, das sich seine Auswirkung auch in kommenden Geschlechtern suchen und finden wird. Sein Leben war eine Tragik, nicht bloß durch das jähe Ende, nicht bloß durch die Tatsache, daß dem Wirken einer so glänzenden Begabung, eines so reichen Wissens auf allen Gebieten, eines solch tiefen Verständnisses für die geheimsten Vorgänge des Seelenlebens dem Menschen eine so enge Grenze gesteckt ward. Nein, Tragik liegt in der Tatsache, daß er stets ein Werdender blieb und deshalb den Weg zu uns nicht so ganz finden konnte, denn bei uns lag eigentlich die Wurzel seiner Kraft. In Ungarn geboren, zu einer Zeit, in der dort das Ringen nach Klarheit und Reinheit des Wollens sich durchgesetzt hat, kam er im frühesten Jugendalter aus der Heimat der klassischen Selbständigkeitsbetonung der Orthodoxie nach Deutschland und er, der kraft der ihm vom Allmächtigen verliehenen Gaben, kraft der durch den großen Vater geleiteten Erziehung zu einer führenden Stellung der ausgesprochensten Orthodoxie berufen gewesen wäre, kam schließlich bei der ausgesprochensten persönlichen Frömmigkeit zur Vertretung der Anschauung, welche nicht bloß innerhalb der Judenheit, sondern auch innerhalb des Judentums das freie Spiel der Kräfte legitimiert. Es ist eine Tragik sondergleichen, daß eine so reine Seele der brutalen Wucht der Tatsachen unterlag. Das floß aber letzten Endes aus der Grundstimmung seines Gemütes, die in steter Hilfsbereitschaft Bestimmung und Reiz des Lebens erblickt. Er glaubte auf diesem Wege den Verirrten helfen zu können und helfen zu müssen und deshalb jubelte er ob jeder Regung nach der konservativen Seite hin, die er auf der Habenseite der deutschen Jugendheit buchen konnte. Ein Nachruf ist nicht der Raum für theoretische Auseinandersetzung; dies Wort der Wahrheit glauben wir jedoch dem Jugendfreunde schuldig zu sein und wir wiederholen, die Tragik seines Lebens bestand darin, daß ihm Deutschland nicht eine Stellung bieten konnte, in der er den Sang an seiner Wiege mit dem ausgereiften Wirken des Mannes harmonisch verbinden konnte. Möge er in der .Ewigkeit die Zeit erschauen, in der die Harmonie, die Sehnsucht seiner Seele, zur lebendigen, die ganze Judenheit umspannenden Tat geworden ist. n.?5^^9§^8s^5^ &&&& FW» *W* 79« Revue. WKiKA 7W> *9f* Tffri &&&& ZW* «rUT» «Tjr» Tjp, Poincare* — eine Gefahr für den Zionismus. „Daily News" in Chicago führt aus, daß die durch Poincare hervorgerufene Spannung zwischen England und Frankreich eine Gefahr für den Zionismus sei, der auf eine friedliche Politik zwischen beiden Staaten im Orient angewiesen sei. Die Moslims seien Feinde Englands und würden die antisemitische Politik Frankreichs im Orient verstärken. Ctteratur. L^$fc „Meine Reise in Erez Jisroel." Von Gedalja Bublik (jiddisch). Herausgegeben vom „ Tagblattö in New York, 5681—1921. Eleganter Leinwandband. 380 S., Oktav. Der bekannte Journalist und jüdische Führer Gedalja Bublik hat darin mit empfindsamer Seele und mit dem scharfen Blicke des Amerikaners Eindrücke wertvoller bleibender Art festgehalten. Trotzdem Bublik Misracbist ist, übt er gerechte Kritik an dem zionistischen Werke und zollt dem Jischuw hajoschon große Anerkennung. Unter anderem sagt er, „er benimmt teilweise den Irrtum, mit welchem man in der jüdischen Welt über die Chaluka urteilt, indem man behauptet, daß das dafür gegebene Geld auf momentane Wohltätigkeit verausgabt wird und keine bleibenden Resultate zeitigt. Ich glaube, die Chaluka zahlt zu den größten und nobelsten Taten der jüdischen Geschichte, schon dadurch, daß sie den Anspruch des Judentums auf Palästina aufrecht erhalten hat und das Erlöschen jedes nationalen Funkens verhütet hat." Ein ganzes Kapitel ist der Persönlichkeit des Rabbi Ghaim Sonnenfeld n.j. gewidmet, von welchem Bublik mit Begeisterung spricht, trotzdem er ein Anhänger Kuks ist. „ Rabbi Chaim Sonnenfeld ist von hoher Gestalt. Er hat ein volles Gesicht, umrahmt von einem langen und breiten Bart, der weit über die Brust wallt. Ueber sein Antlitz ist eine gewisse Strenge ausgegossen, die vertieft wird durch die starken Brauen. Die Augen haben einen klugen Ausdruck. Es ('genügt, einen Blick auf ihn zu tun, um zu wissen, daß man einen Chacham im weitesten Sinne des Wortes vor sich hat. Ich wußte schon, bevor ich ihn sah, daß Rabbi Chaim Sonnenfeld rein ist von der schlimmsten Leidenschaft, die den Menschen in den Sumpf zerrt: von der Sucht nach dem Gelde, selbst seine Feinde versichern, daß er ein Ssone beza ist; darin liegt teilweise das Geheimnis seines Einflusses. Sein ganzes Wesen drückt geistige Aristokratie aus. Der hohe Greis, der an die Achtzig zu sein scheint, ist voller jugendlicher Energie. Vor mir stand da eine Persönlichkeit, über die man nicht hinweg kann, ein Fürst von Alt-Jerusalem..." Auch sonst ist das lesenswerte Buch voller scharfer Urteile über das Palästina der Gegenwart. Hoffentlich läßt Bublik diesem Bande auch die Sammlung seiner Aufsätze über die Reise in Europa folgen. Die europäischen Zionisten und ihre misrachischen Schleppträger können hier in die Schule objektiver Betrachtung des Judentums gehen. eingelaufene Bücher/ „Das jüdische Problem in Palästina." Von Doktor Alphons J. Sußnitzki aus Jerusalem. Preis Mk. 15. Verlag Georg Stilke, Berlin NW. 7. Im Jüdischen Kulturverlag, Berlin G 2, erschienen (in jiddischer Sprache): „Brif vün Erez Jisroel." Von A. D. Gordon. Preis Mk. 10. „Arbeitersiedlungen in Erez Jisroel." Von A. L. Jofe. Preis Mk. 18. „G-tt's Folk." Von Dr. Nathan Birnbaum. Preis Mk. 18. „Bilder vün Erez Jisroel." Von Davis Trietsch. Preis Mk. 30. „Brif." Von Karl Liebknecht. Preis Mk. 30. „Brif vün der Tflsse." Von Rosa Luxemburg. Preis Mk. 15. „Aufruf zym Sozialismus." Von Gustav Landauer. Preis Mk. 32. „Einsteins Relativitätstheorie." Von Juda Lehmann. Preis Mk. 10. * Ausführlichere Besprechung vorbehalten. Odas lisroel (Schiffschul), II., Große Schiffgasse 8. Gebetstunden: 12. bis 19. Schebath. Freitag-den 12. Schebath, Sabbateingang 6*05 Uhr. Samstag fj^t!?l3 Morgengebet 7 u. 9-80, Mincha 12*16 und 8-30 Uhr, Sabbatausgang: 5*50. An Wochentagen Morgengebet: 6*40, Mincha 5 Uhr. Freitag, 19. Schebath, Sabbateingang 5'15. Herausgeber: „Jüdischer Verlag G. m. b. H." — Verantwortlicher Redakteur: Jakob Deutsch. Für die Tschechoslowakei: Heinrich Schwarz. — Druck: Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VIIL, Hernalser Gürtel 20. — Telephon Nr. 19.772. Einladung. Wir laden Sie höfl. zur Trauung unserer Kindei- Sarah und Emil welche, s. G. w., Samstag den 12. Februar (14. Schewat), um 2 Uhr nachmittags in der Schiffschul stattfinden wird. Wien, Februar 1922. Frau Abraham Löwy J. Lock Tag Februar Schwat Notizen Sonntag 12. 14. Tod des großen Dayan R. Jona, Krakau 5429 — Tod des Pne Joschua in Offenbach, begraben in Frankfurt 5516 — Tod R. Sew Wolf, Lask (R. Welwel Charif) 6598 Montag 13. 15. Chainischo-ossor — Tod R. Mordechai Halevy-Kaminka, Lemberg 6495 — Tod R. Samuel, Prag (Sohn des R. Elia Schapira) 6600 — Tod R. Nehemia, Dubrowna 5609 — Tod R. Saul Ginzburg, Pinsk 5487 Dienstag 14. 16. Tod R. Juda Selkin, Prag 6310 — Tod des Arztes R. Salomo Kalihari, Krakau 5367 — Tod R. David, Kolomea, Schüler des Schemtow 5492 — Tod R. Jona Noweun, gefeierter Raw in Jerusalem, 47 Jahre alt, 5520 — Tod R. Eleazor Roznau — Dubna in Brody 5501 — Märtyrertod R. Michal, Brody 6508 — Tod R. Jakow Josef, Neuschloß, Szerdahely 5628 — Tod R. Isachar Beer, Mattersdorf 5558 Mittwoch 15. 17. Tod R. Isak Eisik, Glogau (Enkel des Remo) Brody 5519 — Ermordung der Rabbiner Moses, Aaron, Baruch u. Samuel 5532 in Venedig — Tod R. Moses Kitow* Schüler des Schemtow 5498 — Tod R. Ghaim, Lackenbach 5444 Donnerstag 16. 18. Autodafe in Mexiko (12 Juden) 6399 — Tod R. Benjamin Sinai, Künsdorf 5466 — Tod R. Mose ben Hirz hakohen, Frankfurt 5437 — Tod R. Isroel Jona Landau (Meon habroebos) Kempen 6584 — Tod R. Pinchas Chaim, NädaB 5640 Freitag 17. 19. Tod R. Benjamin W. Schapira, Prag 6478 — Tod R. Menachem Manes, Zmigrod 6525 — Tod R. Jakow Joschua, Hannover 5664 — Tod R. Jakow Gutwirt, Dukla 6608 — Tod R. Izchok, Nyiregyhäza 6654 Samstag 18. 20. Jissro — Haftoro: Bischnas mos — Tod R. Abraham ben Schoschan, Konstantinopel 5426 — Tod R. Jakow Beer, Trembovla Lemberg Tod R. Jeschiel Michal. Brzany 6679