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Jüdische Presse · 1922-02-10 · 6 (10.2.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
6 (10.2.1922)
Date
1922-02-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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*5^Jlrr/jr #l tot:* §*»moci<ix<i*%iii%i**9Arma UDI5CHE („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Obere Donaustr. 81. - Telephon 48.142. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag-, — Redaktionsschluß: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag-. Abonnementspreise: Ganzjährig-: Für Österreich K2000, Ungarn K 250--, Tschechoslowakei Kö. 70«-, Deutschland Mk. 60--, Schweiz Frcs. 10'—, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 70 Lei. Jugoslawien 40 Dinar, Polen Mk. 1000*—. Einzelnummer d.-ö. K 40 —, Kc. T50. Die 6 mal gespaltene Petitzeile d.-ö. K 30'- Fürs Aasland 100 Prozent Touerungszuschlag. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. G Wien-Bratislava, 10. Februar 1922 .3'snn unu? y nraDOpna - nn rr;z | 8. Jahrg. Die zweite flguda-CandesRonferenz in Polen. Am 15. Schewat beginnt zum zweitenmal die offizielle Tagung der polnischen Landesorganisation der Aguda, ein Ereignis, welches bedeutsam ist für die Entwicklung der Aguda und für die jüdische Geschichte. Polen ist heute das Land mit der statistischen stärksten Ziffer an Juden und alle jüdischen Bewegungen haben erst dann die .Sicherheit ihrer Existenz, alle Aeußerungen des jüdischen Wollens nur dann ihren adäquaten Ausdruck gefunden, wenn man im Kreise der polnischen Juden dazu Stellung genommen hat. In den ernstesten, schwersten Zeiten des vergangenen Jahrzehnts hat der Gedanke der Aguda Wurzel gefaßt, da gab es der falschen Propheten gar viele, bei denen der Wunsch der Vater des Gedankens war und die voraussagten, daß die Wandlung der polnischen Verhältnisse das Ende der Aguda in Polen bedeuten wird. Mit des Allmächtigen Hilfe ist es anders gekommen. Frei, unabhängig und kraftvoll steht Polen in der Welt da. Frei, unabhängig und kraftvoll entrollen unsere Gesinnungsgenossen die Fahne der Aguda und beweisen damit, daß vom ersten Augenblick an, ihre Zugehörigkeit zur Aguda und ihre Treue zu derselben, Resultat eines freien Entschlusses war. Die Orthodoxie der ganzen Welt weiß es und bewahrt es, daß kein wichtiger Schritt erfolgen kann, ohne die Zustimmung der gesetzestreuen Kreise in Polen und deshalb blickt man überall mit reger Spannung und froher Erwartung auf die Tagung der polnischen Aguda. Man weiß, daß die dort zu fassenden Beschluß .man,., will,^ jjaß .vsie w richtunggeMn'Hläiri^ was in den Kreisen der Aguda allgemein anerkannt wird, daß die Führung unserer Angelegenheit ihre Wurzel in Warschau hat, einerlei, wo zufällig die Führung ihren organisatorischen Sitz gefunden hat und so begrüßen wir denn von Wien aus die dritte Landeskonferenz der polnischen Aguda mit dem Gefühl berechtigten Stolzes, daß wir uns bisher des ür unsere Arbeit so notwendigen vollen Vertrauens unserer polnischen Gesinnungsgenossen erfreuen durften. Möge die Tagung von reichem Erfolg begleitet sein und von dem bewußten Willen zur Verantwortlichkeit getragen werden, durch zielbewußtes Handeln die Führung der Orthodoxie in allen jüdischen Angelegenheiten zu betonen und zu erringen. . Toloniuß. David Kobn s. E. Von Univ.-Prof. Dr. Max Eisler. Die Werke der sozialen Fürsorge beklagen in David Kohn ihren besten Freund. Ihn trieb nicht Ehrgeiz an die Spitze unserer Körperschaften, er wollte nicht Dank und Titel, nicht Sitz und Stimme am grünen Tisch. Er verfocht wie nur irgend ein Mann die geschlossene, geordnete Form der Menschenhilfe, weil sie die Kräfte sammelt und ihre wohltätigen Wirkungen vervielfacht. Die Leitung des englischen Relief Gommittees, die Wiederbelebung der Talmud Thora und des Krankenhausvereines, das alles im wahrsten Sinne des Wortes seine Taten, wissen davon zu erzählen. Aber wo es nur anging, Avählte er den eigenen Weg, der gerade und schneller zum Ziele führt. Er ging in die Stuben der Kranken, in die Heime der Waisen, an alle Orte, wo Juden in Not waren, um selbst zu sehen, um selber zu handeln. So verband er die umfassende, -vorsorgende Einsicht mit selbständiger Tatkraft, vereinigte die Tugenden des Organisators mit denen des Helfers. Wir haben allen Anlaß seinen Tod zu beklagen. Denn wir sehen keinen, der seine Stelle ersetzen könnte. Aber mehr noch als wir, beklagen ihn jene ungezählten Hunderte, deren Leiden er mit nimmermüden, brüderlichen Händen gemildert. Ihre unsichtbaren Scharen umstehen sein Grab, in ihre Wehmut mag er sanft gebettet sein. Uns aber ziemt es an diesem Grabe zu schweigen. Denn wie im Leben so sind auch im Tode nicht die Worte, sondern die Werke die besten Zeugen dieses edlen Mannes. Er wird uns ein Vorbild bleiben. Mögen wir alle ihm nacheifern und den Acker, der vor uns liegt, mit selbstloser Liebe besäen, wie er es getan, damit wir einmal wie er vor G-ttes Thron bestehen können. Prof. David Kobn. Gedenkrede, gehalten hei der Trauersitzung der Talmud Thora von Herrn Oskar Neurath. Noch ist unser Schmerz zu groß, unser Herz zu wund, unser Geist zu betrübt, unsere Seele umschattet, unser Gemüt verdüstert, um nur einigermaßen Worte finden zu können, die unserer schmerzlichen Trauer und bitteren Wehmut rechten und gerechten Ausdruck verleihen könnten. Dennoch drängt es uns, hier an diesem Tische, an dem wir uns so oft in gemeinsamer Arbeit zusammenfanden, die Trauerklage anzustimmen ob des unersetzlichen Verlustes, den wir durch den plötzlichen, ungeahnten und unerwarteten Tod unseres Besten und Liebsten, unseres allverehrten Herrn Professor David Kohn erlitten haben. Doch nicht unseren persönlichen Schmerz wollen wir schildern, der uns den Heimgang des lieben Freundes, des aufrichtigen Beraters, des Helfers in der Not fühlen läßt, sondern das Bewußtsein und die Erkenntnis, daß die Talmud Thora ihre Neschömoh jesseroh, ihre Seele und ihren guten Geist verloren hat. Der Midrasch erzählt uns, daß bei der Opferung Isaks die Engel drei Tränen weinten. Dreifach fließen die Tränen auch um diesen Mann, in welchem Tauroh, awaudoh ugemilas chassodim sich zu einer harmonisch aberundeten Persönlichkeit entwickelten. Dreifach fließen jedoch auch die Tränen um den Menschen, um den Künstler und um den Juden! Er Bilder aus HU Prcfibur^, Die Btscbkßung <k$Pref)burger (ibettos durch Hapoleon im 3abre i$09. Nach dem hebräischen Texte der Memoiren des Rabbi Moses Sofer (Ghassam-Sofer s. z. 1.). \ Fortsetzung.) In der Nacht vom Montag auf Dienstag, am 13. Tamus, um 11 Uhr, da war ein großes Getöse ohnegleichen. Geschosse und Feuerbrände sah man durch das Fenster . . . Noch donnerte das eine, ertönte bereits ein neues Getöse ... es erbebten die Pfosten der Schwellen, die Fensterscheiben zerschellten, die Häuser erzitterten, die Menge strömte zusammen, mit ihren Bündeln auf dem Rücken und floh mit Weib und Kinder in Häuser, die eiserne Tore und Gitter hatten. Auch zu mir flüchteten viele . . . und mitten der Dinge, da ertönt ein großes Geschrei, denn die Geschosse hatten in der Stadt gezündet und da ich mich nach der Gasse wendete, siehe da! — der Barmherzige möge uns schützen — da sah ich die ganze Gemeinde wie einen einzigen Feuerherd und wie es schien, würde das Feuer die ganze Umgegend vernichten, die Lohe der Stadt stieg bis zum Himmel auf. Meine Hausleute weinten, sie wollten hinaus ins Freie, andere schrieen, der Herr möge sich nicht von der Stelle rühren, damit ihn, G-tt behüte, kein Geschoß auf der Straße träfe . . ., so rissen mich diese her und diese dahin . . . Da war ein großer Lärm und Geweine, denn ein Geschoß hatte den Wolf, Sohn des greisen R. Leib Komorn getroffen und der alte Vater kam mit gerungenen Händen zu dem Arzt der mit uns war und bat, er möge seinen Sohn retten . . . Wir waren in großer Not. Die Brandstätte, das fortwährende Bombardement und niemand löschte aus Furcht vor den Geschossen. Wir versammelten uns da, eine große Menge von Männern, Frauen und Kindern bei R. Mendel Lewöw und waren dort die ganze Nacht „und die Töne hörten nicht auf. Da erfuhren wir, daß in der Judengasse kein Feuer war, sondern an anderen Stellen der Stadt, aber viele Häuser der Juden wurden um Tausende geschädigt.. . Dann hörte das Gedonner auf und schnitt vollständig ab, da wandten sich einige zum Löschen und fanden Bomben im Gewichte von 150 Pfund, es war kein Haus, daß nicht irgendwie beschädigt war; mir war bloß bekannt, daß 4 Häuser vom Tempel bis zu meinem Hause unbeschädigt blieben . . . aber selbst darüber auf dem Schloßberge und dem Schlosse selbst, war keine Mauer, die ihnen widerstand. Damals zog ich außerhalb der Stadt. . , nach Jörgen, man bestimmte mir dort eine Wdnnung, auch die meisten Gemeindemitglieder gingen dahin; manche nach dem Bezirke Blumenthal . . . manche nach Ratzersdorf, nach Jörgen oder Bösing, dort waren auch die Offiziere ... die Komitatsherren . . . so stieg die Wohnungsmiete ungeheuer, daß man für eine dumpfe Stube 5 Gulden zahlen mußte. Darum schliefen viele . . . auf dem Felde. Dienstag, den 13. Tamus, ruhte der Feind und hißte die weiße Friedensfahne' auf, aber die kaiserliche Majestät und deren Bruder der Erzherzog, welche in* der Stadt waren (?) befahlen, . .. daß man den Feind nicht einlasse und da schwand jede Hoffnung. Und dann, am Vorabende der Nacht — „diese Nacht war nur Bitterkraut" — auf Mittwoch, den 14. Tamus, schössen die Schützen mit größerer Macht als vorher hintereinander. Da brach das Feuer aus im Stadtwirtshaus1 und ergriff die meisten jüdischen Häuser, vom Hause, welches Edelhof hieß, bis hinunter, es stieg auch auf den Berg (Bergel) und brannte auch auf der anderen Seite im Nagelschmidschen Haus, es zerstörte die Umgegend, es verbrannten Mobilien und Waren, selbst Steingebäude mit eisernen Toren verschlossen,"}! halfen nichts, es war kein Rest und Rettung, es verbrannten Bücher und Waren, viele Zehntausende wert... Es war niemand zum Löschen da, denn selbst morgens, als Ruhe war einige Stunden und man löschen konnte, waren keine Leute da. Mehr als das Feuer verzehrte, raubten und plünderten die, welche sich unseres Falles freuten, man stahl und raubte und steckte zu sich. Wie durch ein Wunder blieb das Lehrhaus des R. Mendel Lewöw gerettet und kein Brandgeruch schlug in die Bücher die darinnen waren, viele Tausende wert. Wunderbares leistete auch der Schächter Gumprecht, der den greisen, frommen Koschmann Offenbach, auf seinen Schultern aus der Stadt trug ... es umgab ihn Feuersglut und versengte seinen Hut und Bomben flogen rechts und links von ihm; am Montag brachte man ihn zu mir. Der verwundete Wolf Komorn . . . wurde ins israelitische Spital gebracht. .. starb am 23. Tamus, am elften Tage seiner Verwundung, und wurde kurz vor . . . Hachnassat Kala2 begraben. (Fortsetzaag folgt.) 1 Kreutzwirtshaus. * Sabbat-Eingang. Schiff5 Pelzwarcnhaus Wien, I. Bez., Bauernmarkt Nr. 24 Ecke Fleischmarkt, Telephon 67.302 Detailverkaufs-Niederlage: L, Grabon Nr. 28 Große Auswahl in Damenpelzmänteln, Füchsen, Herrenpelzen. Modernisierungen, Reparaturen in eigener Werkstätte.

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