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Jüdische Presse · 1922-02-03 · 5 (3.2.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
5 (3.2.1922)
Date
1922-02-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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m z^-s/*/y^'rv'jy'y^ judische Presse („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Obere Donaustr. 91. — Telephon 48.142. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Bracheint jeden Freitag". — Redaktionsschluß: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Osterreich K2000, Ungarn K 250- — , Tschechoslowakei Kc. 70«—, Dentschland Mk. 60*—, Schweiz Frcs. 10*—, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 70 Lei, Jugoslawien 40 Dinar, Polen Mk. 1000-—. Einzelnummer d.-ö. K 40 -, Kö. 1-50. Die 6 mal gespaltene Petitzeile d.-Ö. K 30*—. Fürs Ausland 100 Prozent Touerungszuschlag. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. 5 | Wien-Bral islava, 3. Februar 1922 ♦s'bti iddu? n rvDDDjnB - ri'vz | 8- Jahrg. noch nicht — nicftt mebr. Zwischen stumpfer Entsagung und keuscher Hoffnung lebt die Welt; in der Mitte die unabsehbare, breite Masse derer, die mr Entsagung nicht den Blick, zur Hoffnung nicht das Herz besitzen, die verwesende Menge der brutalen Genießer und gierenden Erwerber. Man könnte, wenn man nach einem leichtverständlichen Ausdruck dieses Zustandes sucht, vielleicht sagen, daß die Menschen sich in zwei Gruppen sondern. Die einen meinen: „Nicht mehr." Nie mehr kehren die goldenen, billigen Zeiten von 1913. Das sind die Kleinmütigen, die wirklich und wahrhaftig daran vergessen haben, daß auch 1913 das Ausmaß der Existenz von einem Allmächtigen bestimmt war, daß es auch damals bei der Vollwertigkeit der Münze arme Menschen gab, die mit dieser vollwertigen Münze nicht genügend zur Fristung des Lebens ausgestattet waren, daß es auch damals bei der Billigkeit der Waren Grausame genug gab, die sich nicht scheuten, durch Diebstahl am Maaser die Armut zu verhöhnen, daß heute nur die Anzahl der Bedürftigen der Evjonim, welche früher bessere Tage gesehen haben, ins Unermeßliche gewachsen zu sein scheint. Wer ist aber so vermessen, daß er sagen dürfte: „Nicht mehr"? Was soll das heißen? Nie mehrsollen die Menschen sich auf ihr Menschentum besinnen? Immer soll der Wunsch nach Helotisierung und Versklavung eines Teiles der Menschheit Geltung besitzen? Zeiget auch nur ein Jahrhundert der Menschheitsgeschichte, in der solche Menschen, solche Völker nicht zur Rechenschaft gezogen worden wären! Jawohl, nie mehr, das sagten schon zu König Davids Zeiten die Leute, von denen er kündet : all,'ihre^ Rfine^rtü^ deten sich auf der Behauptung, es"~gtö<P keinen" richtenden G-tt. Aber auch in ganz anderer Beziehung hört man in innerjüdischen Kreisen das „Nicht mehr". Nie mehr, so glaubt man, könnten jene Zeiten wiederkommen, in denen Judas Häuser 'dem Sabbat, Judas Söhne dem Lehrhaus, Judas Töchter dem still umfriedeten, bescheidenen, anspruchslosen Haus gehören. Nie mehr, so sagt man, kann es wieder so werden, daß Judas Gemeinschaft sich stolz zu ihrer Thora bekennt und die Völker der Welt zur Anerkennung der Thora als höchstes und einziges Gut dieser Gemeinschaft aufruft. Es hat zu allen Zeiten solche „Nicht mehr"-Propheten gegeben, auch vor der Erlösung ans Aegypten, und für diese gab es auch keine Erlösung. Wohl kann es Perioden geben, in denen solche Propheten ein ganzes Volk mit Kürze des Geistes und drückendem Bewußtsein der Schwere der Arbeit erfüllen, so daß die Kunde der Erlösung kaum gehört, geschweige denn verstanden wird. Nicht einmal, dann wird man stets begriffen, wenn man diesem enervierenden „Nicht mehr" ein nüchternes „Noch nicht" entgegenhält. Nein, g-ttlob, noch ist es nicht so weit, daß die Thora keine Heimstätte hätte, die Thora in Lehre und Leben, auch wenn sich noch keine Großmacht fand, die dieser Heimstätte eine öffentlich rechtliche Sicherung zu gewährleisten sich anheischt. Nein, g-ttlob, noch ist es nicht so weit, daß wir unsere Erstgeburt für irgend einen politischen oder materiellen Vorteil verkaufen. Und weiter! Mit ganz nüchterner Erkenntnis der Sachlage sagen wir zu all den berauschten Träumern: „Noch nicht." Noch nicht vernahmen wir den gewaltigen Schofarton der Erlösung, noch nicht hat irgend jemand das Recht, uns allenthalben zu entwurzeln. Und endlich! Zu all denen, die da glauben, die Not der Zeit hätte die Orthodoxie zermürbt, hätte sie kompromißfreundlich ohne Ende gestaltet, hätte ihr Selbstbewußtsein eingebrochen, zu ihrer Lehre ihre Prinzipien reifgemacht zu allen, denen sagen wir „noch nicht". Zwar ist unser Ringen ein hartes und breite große Teile derjenigen, die im einzelnen und im Gemeindeleben pünktlich und gewissenhaft auf dem Boden der Tradition stehen, gibt es, und die Konsequenzen ihrer Anschauungen nicht auf das gemeinschaftliche Leben ausdehnen, allein je heftiger die Angriffe von der anderen Seite erfolgen, desto mehr erstarken unsere Reihen. Hier sagen wir „nicht mehr!": Nie mehr wird es also werden, daß die Orthodoxie eines Vormundes bedarf. Wir werden selbstständig unsere Interessen zu wahren wissen und haben das feste Vertrauen zu dem alten Satz unserer Weisen megalgelin sechus al jede sakkai. (I. O.) Die Orthodoxie in der Kultusgemeinde. Wien, den 30: Jänner 1922. An die Redaktion der „Jüdischen Presse", Wien. Gestatten Sie, daß ich Sie bitte, fbiir Raum in Ihrem geschätzten Blatte für eine kurze Erwiderung auf die Ausführung zu gewähren, welche in der JHteJ&J&m^^ der Orthodoxie der Kultüsgemeinde Veröffentlicht, hat. Ich gebe den tatsächlichen Bestand vollkommen, zu. Man hat mit Recht darüber diskutiert, woher das kommt, daß eine Kultusgemeinde so ganz und gar ihre Aufg aben verkennt. Man kann sogar sagen, daß dabei mit einem merkwürdigen Aufwand von Gewissenlosigkeit verfahren worden ist, man kann aber leider den Vorwurf nicht gegen ein bestimmtes einzelnes Mitglied der Kultusgemeinde erheben. JS&ttejo&jitij^^ auch Richter vorhanden gewesen. Ich nasse 'die Ereignisse des jüngsten Jahres so auf, daß der Eintritt der Orthodoxie in den Wahlkampf den allerletzten Versuch darstellt, an sichtbarer Stelle Klage Bilder aus M»Prepurs, Die fitscftkftuttd <k$Pr*$burgtr ßhttto$ durch ftapokon im 3abre i$o$. Nach dem hebräischen Texte der Memoiren des Rabbi Moses Sofer (Ghassam-Sofer s. z. 1.). (Fortsetzung.) Am Mittwoch, den ersten 1. M., kam ein Offizier aus dem Lager des Erzherzog Karl, welches sich an der linken Seite des Donaustromes aasbreitete, vor Wien bei dem Orte Spitz (Auspitz), und sich bis nahe zu unserer Stadt dehnte. Der Offizier wünschte, daß man mich zu ihm bringe und sandte seinen Boten in die Judengasse. Da gab es Furcht, Angst und großen Schrecken, denn man dachte an eine lügenhafte Verleumdung oder ähnliches. Daher gingen einige Vorsteher zu ihm, die ihm sagten, daß ich eine Badekur außerhalb der Stadt hielte, ob man nicht ihnen den Wunsch äußern könne. Er machte sie mit der Angelegenheit bekannt. Zwei Soldaten waren zum Tode verurteilt, worden, da sie aus der Schlacht geflohen waren, der eine war Jude, der andere nicht. Der Rechtsspruch lautete für beide auf Tod am heiligen Sabbat des Abschnittes Korah am 3. Tamus. Der Jude bat, ihm den Preßburger Rabbi zu holen, daß er mit ihm in der Sterbestunde sei und ihm das Bekenntnis ablegen könne. Sie verwendeten sich dafür, daß statt mir ein anderer geschickt werden könne, und er willfahrte ihnen. Der reiche und gelehrte Salman Bernau und der reiche und gelehrte Rabbiner Mendel Lewöw entschlossen sich hinzufahren und mit ihnen einige Männer der Chewra Kadischa, die auch Sterbekleider mitnahmen. Als sie hinkamen, taten sie das ihrige, um dem Manne das Bekenntnis abzunehmen und ihn zur Einkehr zu bewegen. Dann machten sie sich an die Rettung des Menschenlebens. Sie verlegten sich auf Besänftigung und Bitten'. . . sie fanden Gunst in den Augen der Offiziere und sie gaben ihrem Fielten nach. Am Sabbat, wo sie sielt versammelt hatten, um sie hinzurichten, wurde ihnen bedeutet, daß sie wohl zum Tode verurteilt seien, aber den Juden zu Gefallen, welche derart für sie gebe ten hätten, wären sie begnadigt, sowohl der Jude, als der Nichljude . . . Was es damals gab? Das Volk sehnte sich nach mir . . . und sie sagten: Was bleibst du draußen? Wo die ganze Gemeinde in ihr Heim zurückgekehrt ist . .. Wir wollen gerne unseren Fürst und Schützer über uns zum Schutze und zur Aufsicht haben! Indessen auch eine vorhandene Minorität, »welche immer da sind, um die Rabbonim zu kränken", die bisher keinen Anlaß fanden, ihre Arglist zu offenbaren, ergossen ihre Rede Avider mich, wie die Murrenden in der Korahrotte . . . Als ich es hinter den Kulissen hörte und ihre Andeutungen verstand, sagte ich mir, es ist gut, den Willen Beider zu tun, denn man ist verpflichtet, den Leuten Genüge zu leisten; möge über mich Avas immer ergehen, der Ewige Avirrl tun, Avas ihm wohlgefällt und ich zog von Exil in Exil. Dienstag, den 6. Tamus, zog ich von Jörgen nach meiner Stadt, jedoch nicht in mein Heim, da dort kein Schutz . . . gegen die Beschießung war. Ich bestimmte mir zur Wohnung das Haus des reichen und gelehrten Mendel Lewöw, denn das Haus war aus Steinquadern erbaut, mit eisernen Toren und Fenstergittern; ich Avohnte da im Zimmer des frommen Koschmann Offenbach . . . Auch war in diesem Hause das große Lehrhaus, avo es tausende Bücher gab . . . auch war es nahe zu meinem Heim ... es sammelten sich zu mir täglich die Jünger der Jeschiba, um den Schiur nach der Reihe zu lernen, nach unserer GeAvohnheit. Damals feierte der Bedränger und kein Ton des Sturmes oder des Kanonendonners wurde hörbar. Der Stab des kaiserlichen Heeres, an ihrer Spitze der große Feldherr Erzherzog Johann, der Bruder des Kaisers, hatten ihren Hauptsitz und ihre Wohnung in unserer Stadt. Auch der Kaiser, sein Bruder und ihre Offiziere Avaren hier in der Stadt und ihre Mannschaft vergaß gänzlich Hunger und Leid . . ., denn sie sahen einige Tage der Ruhe . . . Auch sahen Avir, daß die' Geschosse nicht zündeten, besonders lag der „Sechus" unserer Gemeinde zutage, geschweige denn, daß ein Geschoß die Befestigung des Schloßberges Avegen seiner Höhe erreichte, bis daß es ihnen (Gemeindemitgliedern) mißfiel, daß ich in einem anderen Hause wohnte; ich war Avahrhaftig dort nicht in meiner Würde, Avie es zur Ehre der Oeffentlichkeit geziemt hätte; aber meinem Herzen dünkte es anders, es bebte fortwährend, Avie das Gehölz des Waldes vor dem Wind. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag, am 9. Tamus — der Tag, avo Jerusalem zuerst durchbrochen Avurde — erfüllte ich mein Gelübde, eine Moralpredigt vor der Oeffentlichkeit zu halten in der großen . . . Synagoge, denn in der ganzen Zeit zeigte ich mich nicht auf der Gasse . . . aber nun verließ ich mich auf den Sechus des Lehrens der Thora vor der Oeffentlichkeit. Es versammelte sich eine große Menge — der Ewige möge sie mehren und segnen ... — Viele taten da Buße und bereuten und haben, nach Hause gekommen, heilsame Anordnungen getroffen und vieles auf sich genommen. Am nächsten Tage, Freitag, den 9. Tamus . . . haben Avir Nachmittag den Scheideakt vollzogen bei einem jüdischen Soldaten, der ins Feld ziehen mußte und seine Frau Avar mit ihm ... er schied sie mit einem Scheidebrief ohne Bedingung. Nach der Scheidung verbanden sie sich wieder durch einen Verlobungsakt und sie hießen Braut und Bräutigam. Hochzeitefrist galt drei Jahre. Der Scheidungsakt geschah im Lehrhause der Gemeinde, im Hause des reichen Mendel Lewöw, wo ich Avohnte. (Fortsetzung folgt,) Wien, I.Bez., Bauernmarkt Nr. 24 Ecke Fleischmarkt, Telephon 07.302 Detailverkaufs-Niederlage: I., Graben Nr. 28 Große Auswahl in Damenpelzmänteln, Füchsen, Herrenpe zen. Modernisierungen, Reparaturen in eigener Werkstätte. Schiff' Pelzwarenhaus

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