Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 4 (27.1.1922)
- Date
- 1922-01-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 4 JÜDISGHE PRESSE Seite fl von allen konservativen Juden ausgesprochen wird, daß die wirklich konservativen Juden, denen es bei ihren Institutionen nicht um eine Schaustellung, sondern um ein wahrhaft religiöses Bedürfnis geht, wie ein Mann aus der Kultusgemeinde austreten und insolange dem Gesetze gegenüber als konfessionslose Gemeinschaft besteht, als nicht die Möglichkeit der Trennung von Gesetzeswegen ausgesprochen wird. Die Scheu vor dem Worte konfessionslos ist nur begründet bei Juden, denen eben nichts anderes jüdisch ist als die gesetzliche Zugehörigkeit zur Kultusgemeinde, wogegen es niemandem einfallen wird, jemanden, der alle Religionsgesetze beobachtet, deshalb nicht als Juden anzusehen, weil er aus der alles eher denn jüdischen Kultusgemeinde ausgetreten ist. # Hiebei wird es uns möglich sein, mit den Geldern, die sonst an Kultussteuer gezahlt werden mußten, die aber keinesfalls zu leisten ich jeden Gleichgesinnten dringendst bitte, vorläufig im Wege eines Vereines alle von uns benötigten Institutionen reichlich zu erhalten, wir werden nicht mehr genötigt sein, uns die Bevormundung der Kultusgemeinde gefallen zu lassen, wir werden vom Gesetze nicht mehr verhalten sein, bei Scheidungen und Ghalizaus das Rabbinat der Kultusgemeinde in Anspruch zu nehmen, unsere Kinder werden den Religionsunterricht nicht mehr genießen müssen, wir werden unseren jüdischen Friedhof haben, jedes unserer Mitglieder wird das Wahlrecht haben und ein jeder von uns wird gerne Opfer bringen, wenn er wissen wird, wofür er sie bringt. Ich weiß, daß auch heute noch dieser Gedanke vielen von uns gewagt erscheint, es ist aber kein Zweifel, daß die Regierung bei entsprechender Aufklärung es sehr gut zugeben wird, daß wir uns weder mit dem Judentum der Assimilanten, der eine Farce ist und in seinem Wesen abhängt vom Fortschrittseifer des in Betracht kommenden Rabbiners oder Vorstandes, noch mit der Volksgemeinde der Nationalen abfinden können. Es ist sogar bei der heute herrschenden Stimmung anzunehmen. >daß ein großer Teil, der wenn auch weniger religiösen aber immer noch gutjüdisch fühlenden Kreise sich uns anschließen wird. Ein Ostjude, der sieben Jahre in Wien wohnt, hohe Kultussteuer zahlt und kein Wahlrecht hat. Grand Sanatorium Wasserheilanstalt Bratislava (PrefiburcD Erstklassige Heilanstalt für innere und nervenkranke. Spezialhehandlung der Zucker-, Gallenstein-, Mieren-, Magen-. Darm-, Herzu. Blutgefäßkrankheiten. Mast- und Entfettungskuren. Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe. Urologie, Dermatologie, Ortopädie, Augen-, Ohren-, Nasen- und Kohlkopfkranke. Zimmer, Beheizung, Beleuchtung, Bedienung, Krankenpflege, ärztliche Behandlung u. 5 Mahlzeiten pro Tag von 100 Kc aufwärts. Leitender Chefarzt DR. SIGMUND ARAN Y I. Streng rituelle Küche unter Aufsicht d.Prcßü Orth. Rabbinates NACHRICHTEN. DtutscftSswrticl). Protestkundgebung gegen die „Jüdische Volkszeitung" in Bratislaya. Der Organisationsausschuß der Wiener Aguda-Jugendgruppe hat mit Entrüstung die unerhörten Anwürfe der Preßburger „J. V.« gegen den ganzen Rabbinerstand besprochen und hat folgende Resolution beschlossen: Der Organisationsausschuß der Jugendgruppe Wien erhebt namens der gesetzestreuen Jugend Wiens mit tiefer Entrüstung Protest, gegen die nicht nur vom jüdischen, sondern rein menschlichen Gesichtspunkte aus verabscheuungswürdiger Weise, mit welchen unverantwortliche Elemente in dem genannten Blatte gegen Geonim und Gedolim wüten. Der Ausschuß drückt der Redaktion des Blattes seine Empörung darüber aus, daß sie es wagt, solchen, jeden politischen Anstandes hohnsprechenden, ordinären Auflegeleien Raum zu geben. Der Ausschuß fordert alle diejenigen, denen die Ehre der Thora und des Judentums am Herzen liegt, zur gleichen Stellungnahme gegen dieses schamlose Treiben, das den Gipfel der Verwilderung zionistischer und misrachischer Journalistik bedeutet. (Siehe vorige Nummer der „Jüdische Presse" unter dem Titel „Leider wurde kein Oberrabbiner erschlagen.") Aufruf zu Spenden an Sforim. Das Bes-hamidrasch Thora Ez Chajim (II., Große Schiffgasse 8)' richtet an alle Thorafreunde die herzliche Bitte, dieser dem eifrigen Thorastudium gewidmete Institution Spenden an Sforim zuwenden zu wollen. In erster Reihe wären komplette Ghaß erwünscht, jedoch ist jede Zuwendung von Sforim-Spenden willkommen. Die Spende ist auch in der Form eines Keren-Kajemes zulässig. Das Bes-hamidrasch „Thora Ez Chajim", welches den gangen Tag geöffnet ist und stark benützt war, leidet einen empfindlichen Mangel an Sforim, der bei den gegenwärtigen Preisverhältnissen schwer zu beheben ist, anderseits liegen in vielen Häusern Sforim im unbenutzten Zustande, oft aus Pietät für den verstorbenen Besitzer; allein diese Pietät ist den Intentionen des Verstorbenen viel entsprechender betätigt, wenn die hinterlassenen Sforim auf seinen Namen dem ständigen Limüd Hathora geweiht werden. Spenden und Anmeldungen sind zu richten an den Obmann, Herrn Salomon Schreiber, IL, Krummbaumgasse 6. Vom Aguda-Kriegswaisenhaus in Baden. Die Verwaltung des Aguda-Kriegswaisenfonds in Wien, ließ soeben vom Kriegswaisenhaus in Baden ein Album, bestehend aus sechs Karten herstellen, die in anschaulicher Weise die Anstalt darstellen. Die Außenansicht des Gebäudes, die Einrichtung der Schlaf-, Speise- und Lehrräume, der Spielplatz, die Kinder und die Leitung sind photographisch aufgenommen und in künstlerischer Ausführung zu einem schönen Album vereinigt worden. Dieses Album wird in vorzüglicher Weise die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf die Notwendigkeit der Waisenhilfe im Judentum lenken und wird gleichzeitig zeigen, welch wertvolle Leistung die Aguda mit der Errichtung des Badner Waisenhauses bereits aufzuweisen hat. Die Erträgnisse aus dem Verkauf des TELEPHON 40.324 EN GROS ss EN DETAIL Albums sind der Erhaltung des Waisenhauses gewidmet. Zu beziehen beim Kriegswaisenfonds der Aguda, Wien, IL, Malzgasse 12 a. Aguda-Klub. Die geselligen Zusammenkünfte im seperaten Raum des Restaurant „Winea" zur. ungezwungenen Aussprache über allgemeine und lokale jüdische Fragen, finden auch in Zukunft jeden Donnerstag um 8 Uhr statt. Die Wiener und answärtigen Mitglieder der Aguda sind willkommen. Chanukafeier im Kinderheim des „Wiener Frauen- Tereines zum Schutze armer, verlassener Kinder" in Wien, XIII., Hacking, Auhofstraße 222. Es war ein schöner, erhebender Abend am 29. Dezember, draußen an den Grenzen von Großwien, in ländlicher Umgebung, angesichts der Berge und Wälder des unteren Wientales. Wir sahen ein mit Liebe und außerordentlichem Geschick und Klugheit geleitetes Kinderheim, in dem 40 Mädchen im Alter von 5 bis 14 Jahren, arme, verlassene Kinder alles finden und besitzen, um einst als nützliche, brave und sittlich wie geistig befestigte Mädchen in die Welt der Arbeit hinauszutreten. An der Spitze des Vereines steht seit Jahren Frau Laura Krenberger, die leider Krankheit an Selbstbetätigung hindert, die aber von ihrem Krankenstuhle mit Liebe und Sorgfalt den Verein leitet und fördert. Direktorin des Heims, die Mutter der Kinder, die wohlwollende Leiterin des Heims, die ein Musterinstitut geschaffen, ist Frau Gisela Fischer, die in den Kriegsjahren schon erprobt als Mitarbeiterin und Mithelferin von Dr. Rudolf Schwarz-Hiller. Am 9. Jänner 1921 war das Kinderheim vom Frauenverein eröffnet worden und nun zeigte es den zahlreich erschienenen Gästen, was es in diesen 12 Monaten gewirkt und geleistet. Es konnte darauf hinweisen, daß die Leitung und die Lehrer der Schulen, in denen die Heimkinder Unterricht genießen, mündlich und schriftlich über sie das Rühmendste und Schönste sagen, die Mädchen durchwegs als Muster hinstellen. Frau Direktor Fischer konnte auf die wirtschaftliche, erfolgreicheBetätigung der älteren Mädchen hinweisen. Und nun bot der Chanuka-abend auch Gelegenheit, die Mädchen in edlen Darbietungen zu sehen. Die erste Vizepräsidentin des Frauenvereines, Frau Hermine Bernfeld, die gebefreudige, liebevolle und energische Vizepräsidentin, begrüßte die Erschienenen herzlichst in ihrer gewinnenden Liebenswürdigkeit. Herr Direktor Dr. Krenberger, das Ehrenmitglied des Vereines, dankt für seine Frau allen Angestellten des Heimes, insbesondere der Frau Direktor und der Lehrerin, Fräulein Grete Stern, für ihre große Arbeit um die Mädchen, er dankt den Damen des Vorstandes für die stetige, unermüdliche Sammel- und Sorgetätigkeit und begrüßt den Herrn Kultusvorstand Isidor Austerlitz, der als Obmann der Sa.lo Golm-Stiftung, der das Heim sein Entstehen mitverdankt, erschienen war. Er ermahnte die Mädchen, gleich der Jugend in den Makkabäertagen für Judentum und Religion einzustehen und freudig sich zum Judentum zu bekennen. Kultusvorsteher Austerlitz dankte für die Begrüßung, versprach volle Unterstützung der Salo Cohn-Stiftung und betonte den Wert und die Notwendigkeit der jüdischen Erziehung von frühester Jugend und Pflege der jüdischen Gesinnung in allen Taten und auf allen Wegen. Die Mädchen sangen nach Entzündung der Chanukalichter durch den Hietzinger Oberkantor, Herrn Adolf Braunfehl, Chanukalieder, sie führten das von Theodor Storm innig dramatisierte Märchen von Schneewittchen, reizend und entzückend auf, sie exekutierten liebliche Reigen und brachten ländliche Szenen mit Humor zum Vortrage. Begeisterter Beifall folgte diesen schönen Darbietungen. Zur ordentlichen Generalversammlung des Kriegswaisenfonds der Aguda, welche Sonntag, den 14. Schwat (12. Februar) 1922, 10 Uhr vormittags, im Lokale der Talmud Thora (IL, Malzgasse 16) stattfindet, werden die P. T. Mitglieder hiemit höflichst eingeladen. Israelitische Kultusgemeinde Wion. Die Privatistenprüfungen aus israelitischer Religion für Schüler und Schülerinnen an Volks- und Bürgerschulen für das I. Semester des Schuljahres 1921/22 finden nach folgender Einteilung statt: Tag und Stunde der Prüfung für Schüler, respektive Schülerinnen im I., IL, XI. und XX. Bezirke Montag, 30. Jänner, Montag, 6. Februar, Montag, 13. Februar, von 3—4 Uhr nachmittags, 1. Seitenstettengasse- 2, II. Stock, Rabbinatskanzlei; III. bis inklusive X. und XIX. Mittwoch, 1. Februar, Mittwoch, 8. Februar, Mittwoch, 15. Februar, von 2—4 Uhr nachmittags, I. Seitenstettengasse 2, II. Stock, Rabbinatskanzlei; XII. bis XV. Sonntag, 5. Februar, von 10—12 Uhr vormittags, XV. Turnergasse 22, Gemeindehaus; XVI. und XVII. Donnerstag, 9. Februar, von 11—12 Uhr vormittags, XVI. Huberffasse 8, Gemeindehaus; XVIII. und XIX. Mittwoch, 8. Februar, von 3-4 Uhr nachmittags, XVIII. Schopenhauerstraße 39, Gemeindehaus; XXI. Sonntag, 29. Jänner, von 11—12 Uhr vormittags XXI. Holzmeistergasse 2, Gemeindehaus. Die Prüfungstaxe beträgt K 600-— pro Semester und ist im vorhinein an der Kassa der israelitischen Kultusgemeinde, I. Seitenstettengasse 4, I. Stock, oder bei der entsprechenden Amtsleitung im XV., XVI, XVIII. und XXI. Bezirk zwiseffen 9 und 12 Uhr vormittagszu entrichten. Die Quittung ist dem Exeminator vorzulegen. Polen. Rehabilitierung nach der Hinrichtung1. Am 20. Jänner wurde beim Warschauer Militärgericht die Revision des Prozesses des Rabbi Schapira (Plozk) verhandelt. Wie bekannt, ist Rabbi Schapira s. z. 1. unschuldig hingerichtet worden, auf die leichtfertige Anklage hin, daß er durchs Fenster der russischen Armee Zeichen gegeben hätte. Ankläger ist Major Jantschowski, Verteidiger Deputat Hartglas. (Die „Jüdische Volkszeitung" in Bratislava sieht, daß ihre Unzufriedenheit darüber, daß „leider kein Oberrabbiner usw." nicht berechtigt ist.) Die Chadarim und Talmud Thora-Frage. In einem Gespräch mit einem Mitarbeiter des „Kurier Warszawski" erklärte der Vizeminister Lapusinski: „Wenn dieser Teil der jüdischen Bevölkerung, der die Chadarim unterstützt, sich so weit reformieren wird, daß er die minimalen hygienischen und erzieherischen Forderungen, die die Regierung an alle Schulen ohne Ausnahme stellen muß, befriedigen wird, so wird auch die Regierung die Chadarim gleich den anderen Schulen behandeln. Unser Schulmagistrat ist nicht gegen die Forderungen des erwähnten Teiles der jüdischen Bevölkerung, hinsichtlich der religiösen Erziehung der Jugend. Der Schulmagistrat handelt im Geiste der polnischen Konstitution, die allen Völkern die vollkommene Freiheit auf dem Gebiete der Religion garantiert. Die Chadarim, welche den hygienischen und erzieherischen Forderungen nicht entsprechen, können wir aber nicht als allgemeine Schulen betrachten, durch die man die Schulpflichten erfüllt hat." Mit dieser Erklärung des Vizeministers wird jedenfalls die weitere Existenz der Chadarim ermöglicht. An KLEIDER-INDUSTRIE WIEN, IL, «STRASSE 39 (HOTEL BAYRISCHER HOF) GROSSE AüSWAHl, IiV HBRHBlVK^EIÜBHiV FKRTIGS IM» NACH MASS ~ma