Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 3 (20.1.1922)
- Date
- 1922-01-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 JÜDISCHE PRESSE Seite 15 NACHRICHTEN. Deutscbosterreicb. Ein „Eiserner Fonds" für das Aguda-Waisenhaus in Baden bei Wien. Durch den Präsidenten des Kriegswaisenfonds Herrn I. J. Thumim wurde angeregt einen „Eisernen Fonds" zu gründen, aus dessen Mitteln das Waisenhaus erhalten werden soll auch zu solcher Zeit, da die eingehenden Spenden zur Deckung der laufenden Ausgaben nicht hinreichen. Verschiedene größere Spenden sind auch bereits diesem Zwecke zugeführt worden. Das Waisenhaus ist jetzt voll besetzt. Die dort untergebrachten Kinder sind zum größten Teil Waisen der ostgalizischen und ukrainischen Pogromopfer. Die Kinder genießen in dem Waisenhause unter fachmännischer Leitung eine sorgfältige streng jüdische Erziehung und weiden später einem Berufe zugeführt. Damit aber die Erhaltung des Waisenhauses nicht allen möglichen Zufälligkeiten ausgesetzt wird, erscheint es dringend notwendig, rechtzeitig an die Stärkung des „Eisernen Fonds" zu denken. Bei dem gegenwärtigen Stand der österreichischen Valuta ist es besonders den Wohltätern in den Ländern mit besserer Valuta Gelegenheit gegeben, mit verhältnismäßig geringen Beiträgen den „Eisernen Fonds" instand zu setzen, die Erhaltung des Waisenhauses auf Jahre hinaus zu sichern. Chanukafeier im israelitischen Taubstummen- Institute in Wien. Arn dritten Tage Chnnuka wurde in Gegenwart sämtlicher Vorstandsmitglieder, des gesamten Lehrkörpers und vieler ehemaligen Zöglinge der Anstalt, die erfolgreich im Erwerbsleben stehen, eine Feier abgehalten. Der unermüdliche Direktor Dr. Krenbergei; führte in der Festrede aus, daß das Institut in der Taubstummenerziehung geradezu vorbildlieh geworden sei und heuer trotz der Ungunst der Zeiten, 93 Kinder aus ganz Europa und auch ans Palästina aufgenommen habe. Für die schulentwachsenen Kinder wurde im heurigen Jahre ein Fortbildungskurs errichtet, welchem demnächst eine Handwerksschule angegliedert werden soll. Mit dem nächsten Schuljahre wird für die vorschulpflichtige jüdische gehörlose Jugend ein Kindergarten eröffnet werden. In Bälde wird unter Leitung des Vorstandsmitgliedes o. ö. Universitätsprpfessor Dr. Gustav Alexander ein psychophysiologisches Institut zur wissenschaftlichen Erforschung der Taubstummheit ins Leben gerufen werden. Er bitte alle jüdischen Kreise ohne Parteiunterschied, den Bestand und den Ausbau des Institutes zu ermöglichen und es sei eine ganz besondene Ehrenpflicht, den Thoratreuen die Anstalt nach Kräften zu unterstützen, welche unter ritueller Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner S. Fürst stehe und den strengsten Anforderungen an Kaschrus entspreche. Nach Ansprache von Zöglingen, welche die volle Sprechfähigkeit derselben bewiesen, wurden die Kinder reichlich beschenkt und die Anwesenden verließen sichtlich gerührt das Institut mit dem Vorsatze, die Bestrebungen desselben werktätigst zu unterstützen. Adas Jisroel. Am 2G. Tebeth wird zur Erinnerung an den verstorbenen Obmann und Ehrenmitglied der Adas Jisroel, des seligen Herrn Bernhard Schiff, ein Stipendium im Betrag von K 1000-— an einen verdienten Bachur verliehen. Chauuka-Feier der Torache-Thora. Sonntag den 7. Ghanuka, fand eine Chanuka-Feier der „Tomcne-Thora" in der Sadagora-Ivlaus statt. Schon um 3 Uhr war der Raum vollgestopft und noch immer strömten Einlaßbegehrende in grölleren Mengen lierhei. Seitie Ehrw. Herr Rabbiner Hager aus Tinste begrüßte die Anwesenden mit herzlichen Worten und hielt einen Halaclia-Vortrag. Darauf begeisterte der Rosch Jesühiwa Chune Galazer die Versammelten mit einer ausgezeichneten Rede. Hierauf sprachen einige Talmidim der höheren Abteilung in der Sugje Kowso und die Schüler der unteren Abteilung sagten mehrere Blätter von Cholin, Beza und Bowo Mezio auswendig auf. Dann wurden größere Beträge für die Talmud Thora gespendet. Den Schluß bildete der herrliche Vortiag des Oberkantors Frankel mit Chor. Wir hollen, daß die Begeisterung nicht verklingen wird und daß uns durch das Zufließen größerer Summen die weitere Erhaltung und Ausdehnung der Talmud-Thora ermöglicht werden wird. L. A. Chanuka-Feier des Fürsorg-everoins für die jüdische, nicht vollsinnigo Jugend. Am 1. Ghanuka-Abend veranstaltete der junge „Fürsortreverein für die jüdische, nicht vollshimge Jugend* (Wien, III, Juchgasse 22), seinen ersten Schützlingen, den jüdischen Kinden seines Tageshortes in der Hilfsschule in XX., Greiseneckergasse 29, sein erstes Ghanuka-Fest. Körperlich und geistig geschwächte Kinder hat der Fürsorgeverein seit 21. November in seinen Schutz genommen und mit Hilfe des Ortschulrates des XX Bezirkes, des Bezirksvorstehers Herrn Johann Janetschek, 'des Oberlehrers der Hilfsschule Herrn Richard Winner, in der Schule unter Aufsicht der liiozii angestellten Frau Amalie Viertel einen Tageshort für die 24 schwachsinnigen jüdischen Kinder eröffnet. Jeden Nachmittag außer Samstag und Sonntag sind die Kinder von 2 bis 5 Uhr dort in warmer, heller Sehulstube unter Aufsicht und in Beschäftigung, bewahrt vor den Gefahren der Gasse. la«rlu-h erhallen sie dort ihre Jause und sind voll Freude, denn Liebe umgibt sie. Herr Ignaz Freund, der Vizepräsident des rührigen und sehr tätigen Brigittenauer Tempelvereines, ein Mann voll Tatkraft und Wohlwollen, hatte die Feier vorbereitet. Die Religionslehrerin der Schüler, Fräulein Johanna Felsner war gekommen und mit pädagogischem Geschick ordnete sie die junge Gesellschaft und betreute sie. Vom Fürsorgeverein waren Aepfel, Nüsse, Zuckerl, Kaffee und Barches — letztere ein Geschenk des Vizepräsidenten des Fürsorgevereines, des Herrn Mathias Peller — wie andere Bäckereien, ferner Wollhandschuhe beigestellt worden. Der Vorstand war mit seinen Damen fast vollständig erschienen, so der Obmann Herr Rechtsanwalt Dr. Josef Mises, der Schriftführer Herr Guido Redelstein, der Kassier Herr S. Kurfürst, die Vorstände: Herren Simon Speiser, J. Perez, Pretzel, Benedikt Steiner, S. Blaustein, S. Schwarz. Als Gäste waren noch zu begrüßen Herr Religionslehrer Siegmund Steiner und Gemahlin, Herr und Frau Eugen Hirschl und andere Herren und Damen der Brigittenauer jüdischen humaniläreu Anstalten. Herr Direktor Dr. Krcnberger begrüßte für den Fürsorgeverein alle Erschienenen, insbesondere seinen gütigen und wohlwollenden Mitarbeiter, Herrn Oberlehrer Winner, dann die Freunde der Brigittenau, die Kinder und deren Eltern und entwickelte die Absichten des Fürsorgevereines für jetzt, und in Zukunft zum Wohle der geschwächten Schüler der Wiener Hilfsschulen. Er dankte allen Förderern und Freunden des neuen Vereines, .bat um weitere Unterstützung und zeigte, wie notwendig zur Kräftigung und Brauchbarmachung der armen Hilfsschüler jede charitaüve und pädagogische Arbeit und Fürsorge sei. Der taubstumme Schüler des israelitischen Taubstummeninstituts, Maier Stepper, entzündete das Ghanukalicht und rezitierte die Segenssprücbe. Herr Oberlehrer Winner dankte für die ihm gewidmeten ehrenden Worte und versprach volle, kräftige Mitarbeit. Die Herren Freund und Sabarski bekannten sich als Freunde und stets bereite Mithelfer. Sodann wurden die Kinder beschenkt und gespeist. Eine von Herrn Freund gleich eingeleitete Sammlung ergab ein schönes Resultat. Der erste Ghanuka-Abend des Fürsorgevereines für jüdische, nicht vollsinnige Jugend war ein gutes Vorzeichen für dessen weiteres Gedeihen. Der Allmächtige gebe seinen Segen. Feierliche Einweihungdos Schnlvereines Thoras Chaira. Am letzten Ghanuka-Abend fand im Bethause „Adas Jeschurun", Pfluggasse 5. die Eröffnungsfeier des neugegnindeten jüdischorthodoxen Schulvereincs für den IX. Bezirk ,Thoras Chaim" statt. Schon um 4 Uhr nachmittags war das Haus von Gästen überfüllt, darunter mehrere Vereinsabordnungen wie die Herren Rabbiner S. Fürst (Schiffschul), Rabbiner Benzion Katz (Or-Thora), Rabbiner Fleischmann, Rabbiner Frankel, Rabbiner Schenk. Rabbiner Abraham Heschl und Dr. Pollak (letzterer als Delegierter der galizischen Großrabbinen), Kultusrat Wolf Pappenheim (Ehrenmitglied des Vereines) und Kulturrat Bondy von Seiten der Kultusgemeindc, Heinrich Pappenheini (Agudas Jisroel), Sekretär Meißner (Verein Adas Jisroel) und mehrere andere Vereinsdelegierte sowie akademischer Professor Maler Kohn usw. Nach Abhaltung der Gebete und des Ghanuka- Lichterbenschens (vorgetragen vom Herrn Kantor Goldstein) folgte die Begrüßung der Erschienenen durch den Vereinsobmann Herrn Sandor Adler in warmen Thoraworten. Hierauf hielt Vereinsrabbiner Benedikt die Festrede, in welcher er den Werdegang dieser für die Judenheit des IX. Bezirkes besonders eminenten Vereinsgründung in beherzigenden Worten schilderte und die Hochherzigkeit des Stifters des Vereinshauses Herrn Kolb hervorhob. Nach ihm hielten die Vereinsprolektoren ehrw. Herren Rabbiner Fürst und Katz längere, eindrucksvolle Ansprachen, die von der Festversammlung andächtig angehört wurden. Das Schlußwort sprach der Obmannstellvertreter Herr Krämer, welcher dem Verein Grüße von Herrn Großrabbiner Friedmann (Gzortkower), Großrabbiner Heschl (Kopyczyncer) und Großrabbiner Friedmann (Husiatyner) überbrachte, die mit namhaften Spenden dem Vereine als Gründer und Mitglieder beigetreten sind. Mit einem kleinen Imbiß und einer Tischrede des Herrn Rabbiner Fränkel und des Vorstandsmitgliedes Herrn Josef Goldschmidt, fand die imposante Feier um 7 Uhr abends ihren Abschluß. Am selben Tage gelangten 38 Schulkinder zur Einschreibung für den am nächsten Tag beginnenden Unterricht. Talmud-Thora-Sclvule. Herr Theodor Lander, Wien, XIV., Schweglerstraße 40, sammelte für die Vereins-Volksschule mit Oeffentlichkeitsrecht (Talmud-Thora-Volksschule) Wien, IL, Malzgasse 16, K 14.550-—-, für den Elternverein der erwähnten Anstalt K 5G0O-—zusammen K 20.150-—-. Auszeichnung-. Dem Senior des Lehrkörpers am allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummeninstitut in Wien, III., Juchgasse 22, Herrn Josef Friedl, wurde wegen seiner langen und erfolgreichen Dienstleistung der Titel „Oberlehrer" vom Bundesministerium für Inneres und Unterricht verliehen. Ungarn. Ein orthodoxes Jubiläum. Die orthodoxe Judenheit Ungarns feiert in diesem Jahre das 50jährige Jubiläum der Anerkennung ihrer Gemeindeorganisation durch die staatlichen Behörden. Durch diese Anerkennung ist es der ungarischen Orthodoxie ermöglicht worden, unabhängig und unbehindert von den damals nach Alleinherrschaft strebenden Neologen, ihre Gemeindeinstitutionen auf Basis des Schulchan Aruch zu erhalten und die Interessen der ihr angeschlossenen Gemeinden selbstständig zu vertreten. Das Waisenhaus in Balkäny. Schon öfters wurde die brennende Frage wegen Errichtung eines Waisenhauses für Kinder von Kriegsgefallenen in orthodoxen Versammlungen erörtert, aber immer fruchtlos vergebens, bis es Herrn Oberrabbiner K. Lichtenstein zu Balkäny gelungen ist, mit einigen Herren ans Ziel zu gelangen und seit zwei Jahren wird tatsächlich Hervorragendes geleistet. Der „Joint" hatte einen Löwenanteil an dem heiligen Werk. Zu unserem Bedauern aber hören wir, daß der „Joint" seine Leistungen eingestellt hat, demzufolge sind wir bemüßigt, an das warmfühlende jüdische Herz zu appellieren, namentlich an die Herren Oberrabbiner und Gemeinde-Vorstände, in jeder Gemeinde Sammlungen zu veranstalten, damit Vn das heilige, allein dastehende Werk nicht seine Tätigkeit einstellen muß, was die D'ttirP zur Verzweiflung und Vernichtung führen würde. Der Lohn dieser erhabenen maflö ist unbeschreiblich groß. Daher eilet zu Hilfe. G-tt wird euer Tun segnen. ♦jÖK Budapest, 5682. Adolph Frankl Koppel Reich Präsident der orth. Landeskanzlei. Oberrabbiner(Hudapest). Abraham von Freudiger Präsident der Budnpester aut. orth. Gemeinde. Josao Silberstein Oberrabbiner der orth. Gemeinde Waifzen. Deutschland. Neutraler Keren hajessod in Deutschland. Das „Hamb. Isr. Farn.14 veröffentlicht den Aufruf des „neutralen" Keren-hajcssod in Deutschland, der eine sensationelle Ueberraschung bildet. Vom Zionismus, geschweige dem jüdischen Nationalismus, ist darin keine Rede. Der Appell beruft sich auf die religiöse Pflicht eines jeden Juden, an der Kolonisation Palästinas mitzuarbeiten. Es wird im Aufruf erklärt, daß das Geld des deutschen Kerenhajcssod nur in Deutschland verausgabt wird. Es werden deutsche Erzeugnisse nach Palästina geliefert und in Deutschland Werkschulen für Palästina errichtet. Wir kommen auf diese merkwürdige Schwenkung des Zionismus demnächst näher zurück. Fünfprozentige Anleihe der Frankfurter Israelitischen Gemeinde. Die Israelitische Gemeinde in Frankfurt ist bei der Regierung um Bewilligung einer fünfprozentigen Anleihe von 12 Millionen Mark eingekommen. Die Anleihe, die seitens der Inhaber unkündbar ist, wird zu 102 Prozent mit l'/2 Prozent des ursprünglichen Kapitals nebst ersparten Zinsen duch Auslosung oder Rückkauf, beginnend am 1. April 1927, getilgt. Ein Banknotenkonsortium hat von dieser Anleihe bereits 9 Millionen Mark übernommen. Polen. (JPZ) Nansen teilte der polnischen Regierung mit, daß das Komitee beim Völkerbund, das sich mit den Flüchtlingen beschäftigt, demnächst einen Vertreter nach Polen entsenden wird, der seine Aufmerksamkeit den Problernen der jüdischen Flüchtlinge, die sich in Polen befinden, zuwenden soll. Rumänien. Anerkennungsdekret für eine jüdische Gemeinde in Rumänien. (J. G. B.) Die Minister Cudolba und Tranculasi haben im Auftrage der Regierung der jüdischen Gemeinde in Barlad das Anerkennungsdekret überreicht. Die Ueberreichungszcremonie fand in der Synagoge unter besonderen Feierlichkeiten statt. Das Dekret wurde vom Bezirkspräfekten verlesen. Die Minister versicherten die jüdische Gemeinde der Sympathie und des Wohlwollens der rumänischen Regierung. In Barlad wurde auch gelegentlich einer Umtaufe der Straßen nach den im Kriege gefallenen Helden, eine Straße nach dem jüdischen Helden Adolf Strauß benannt. ~ More judaico. (JPZ) Dr. Fildermann und Magder überreichten namens des Jüdischen Reichsvereines dem rumänischen Justizminister Antonescu ein Memorandum, in dem die sofortige Abschaffung des in Beßarabien und einigen Ortschaften Altrumäniens üblichen „more judaico"-Gerichtseides gefordert wird, da diese unterschiedliche Eidesformel für die Judenschaft beleidigend sei und gleichzeitig den Gesetzen widerspreche. Der Minister versprach, die Frage im gewünschten Sinne tunlichst zu regeln. Freigabe der Heimlosen. (JPZ) Bukarest, 28. Dez. Die seit Beginn der ukrainischen Emigration in verschiedenen Gefängnissen Rumäniens festgehaltenen jüdischen Heimlosen, wurden von einer interministeriellen Kommission besucht und auf deren Vorschlag freigegeben. Gegenwärtig befinden sich keine ukrainischen Häftlinge in den Gefängnissen mehr. "~Die Gefahren der Sokolow-Politik. (JPZ) „L'independence Roumaine" schreibt unter dem Titel: „Antirumänische Propagandazentrale" einen Artikel über die vaterlandsverräterische Tätigkeit des „Bureau Juif de Presse" in Paris. Bekanntlich, so schreibt „Independence Roumaine", haben in jener ständigen jüdischen Delegation, die an der Friedenskonferenz das jüdische Volk repräsentierte, zwei Vertreter der £ Wasserdichte Regenmäntel