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Jüdische Presse · 1922-01-20 · 3 (20.1.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
3 (20.1.1922)
Date
1922-01-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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'%U*>4 < 1 ^^*^<tf? W % f , f / juu.^CHE PRESSE („JÜDISCHE -KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion nnd Administration: Wien. II., Obere Donaustr. 91. — Telephon 48.142. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. 1 Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Österreich K1200, Ungarn 1 i K 250-—, Tschechoslowakei Kc. 70-—, Deutschland Mk. 80- — , | 1 Schweiz Frcs. 10*—, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, 1 1 England 10 Shilling, Rumänien 50 Lei, Jugoslawien 25 Dinar, | I Polen Mk. 800'—. Einzelnummer d.-ö. K 24 —, Kc. 1*50. I Dio 6 mal gespaltene Petitzeile d.-ö. K 30' — . Fürs Ausland 100 Prozent Teuerungszuschlag. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Nr. 3 | Wien, 20. Jänner 1922 ♦S'Q-in rata 3 .in n'yz | 8. Jahrg. Die flltkolonisation. Jisehuw ha-joschon. Wir scheinen selbst, der Suggestion der vom gegnerischen Lager herüber fliegenden Schlagworte zu unterliegen. Zumindest scheint es den Mießmachern von drüben gelungen zu sein, unsere gebotene Ehrfurcht vor dein Wesen des Jisehuw hajoschon herabzudrücken. Denn als ein bedeutender orthodoxer Führer jüngsthin die eigene Ansicht äußerte, daß die Ablehnung einer besonderen Repräsentanz der Orthodoxie in Palästina uns zur Rückkehr zum Jisehuw ha-joschon mahne, da klangen im eigenen Lager Stimmen des Vorwurfes, als ob damit die Rückkehr zur primitiven Almoseniertätigkeit angeraten worden wäre. In der Wirklichkeit aber ist das Traditionelle, Unwandelbare im Wesen der Altkolonisation nicht die wirtschaftliche Methode, sondern der Geist, von welchem diese getragen wird. Es wäre kindisch, zu glauben, daß der Begriff Jisehuw ha-joschon die letztmodernen technischen Errungenschaften der Industrie oder Landwirtschaft ausschließe, daß der vom Geiste des unverfälschten Judentum nach Erez Israel geleitete Industrielle auch vom Frömmsten der Frommen, nicht als würdiger Nachfahre der gelehrten Isak Napcha oder Jochanan ha-sandlar begrüßt würde. Das deutsche Wahrwort: Arbeit adelt den Mann, findet sich schon vor in den „Sprüchen der Väter" in der Form: „Groß ist der Wert der Arbeit, sie ehrt ihren Meister" und „Liebe die Arbeit" gilt als ebenso geheiligter Imperativ, wie die anderen Gebote der Weisen. Wohl hat sich die Altkolonisation in der ursprünglichsten Form der religiösen Philanthropie geäußert und wohl bestand ein Mißtrauen --gegen dle^f ^ra~vR^ ■ Lande, dieses Mißtrauen rechtfertigte sich aber durch die feindselige Gesten, welche die zumeist aus dem gährenclen Rußland Stammenden gegen die bewährten Träger der Thora verraten haben. Es rechtfertigte sich auch, -gegenüber jenen Kolonisten, welche als Individuen im Geiste der Thora gelebt hatten, sich aber der Disziplin der Thoralosen unterworfen i haben. Der religiöse Verfall von Kolonien, die im Zeichen der Thoratreue entstanden sind, diesen Geist aber nicht zu erhalten imstande waren, ist eine Mahnung für alle freier Denkende. Bedenken wir auch, daß religiöser Verfall im Judentum stets auch ethische Degeneration und in der Folge politischen Untergang bedeutet. Die Aguda, welche dem Geiste des Jisehuw ha-joschon große organisierte Kräfte zuführt, wird auch gerne begrüßt werden mit allen ihren Aktionen kommerzieller, gewerblicher oder agrikultureller Art. Sie wird sich von dem zionistischen Werke im Prinzip nur durch die Suprematie der Thora und die Ablehnung jeder politischen Mitverantwortung unterscheiden, im Wesen aber durch eine tiefere Begeisterung und mehr Selbstverleugnung als sie im jenseitigen Lager wahr zu nehmen ist. Die Kulissengeheimnisse des Karlsbader Kongresses lassen das Bestreben der Orthodoxie, sich der Mitverantwortung an dem zionistischen va banque-Spiel zu entziehen, nur zu gerecht erscheinen, und unsere Gamsu-letowa-Naturen sehen in der weithin vernehmbaren Verhandlung der Orthodoxie mit der englischen Regierung und in derem negativen Resultate eine willkommene Demonstration gegen die Agent provocateur-Politik der Weizniann-Jabo tinsky-Garde. Jisehuw ha-joschon bedeute uns auch das alte friedliche Verhältnis mit allen Bewohnern des Landes, die alte unverminderte Zuversicht, daß die Rekonstruktion Erez Israels nach den uralten heiligen Motiven der Thora geschehen wird. Selbst Chaluka beinhaltet nicht ausschließlich den Begriff von Almosenverteilung. Sie ist nur als Garantie für die Erhaltung der Thora als Grundstein des neu aufzubauenden Lebens gedacht. Jisehuw ha-joschon ist nur der alte Wein, der aber in Schläuchen modernster Konstruktion bewahrt werden darf und soll. Plony. Di? -mwicklung des orthodoxen €rziebung$we$en$. Abt' , Von 0. ,»*» / Wir sind d^ .. ^-»vohnt, ganze Kulturepochen willkürlich voiv ^.Tahrhunclertszahl begrenzen zu lassen und gf '■';e. Entwicklung an der Elle des Kalenders zu,, -seil. Besonders im Judentum hat man sich ge U! auf die von der Jahreszahl diktierten Gebote des Zeitfortschrittes berufen und die Kulturströmungen des 19. und 20. Jahrhunderts gegeneinandergehalten. Allein dieWallungen der jüdischen Volksseele werden ebensowenig von den astronomischen Grenzpfählen markiert, wie der geographische Breitengrad mit den Isothermen des Klimas übereinstimmt. . ***i©Brie*Ä nicht die Jahrhundertszahl; die Epoche der antiorthodoxen Strömung liegt vielmehr genau zwischen 1820—1920. Die vereinzelten Reformbestrebungen, die in Deutschland hinter den Spuren der Mendelssohnschen Schule, in Oesterreich dem Toleranzedikt Josephs II folgten, vereinigten sich um 1820 zu einer allgemeinen Offensive gegen das alte System H. K. der unumschränkten Alleinherrschaft des Thoragedankens. In diesem Jahre gründet sich im Gegensatz zu dem unter der Disziplin des Ghassam-Sofers stehenden Erziehungswesens der führenden Preßburger Gemeinde ein neues Schulwesen, ein Wahrzeichen der allgemeinen Losung: Los vom Ghetto! Ein siegessicherer, von den revolutionären Stürmen der Zeit getragener Kampf hebt da an, die Orthodoxie beschränkt sich allmählig nur auf die Verteidigung und gleicht einer belagerten, heroisch, aber mit abnehmender Kraft verteidigten Festung. Wenn die Vorkämpfer der Assimilation, zu welchen "ätfett 'äte"'WöfafbnTsf6if'"des' antireligiösen judischen Nationalismus gezählt werden müssen, heute wieder erstehen könnten, wie würden sie von der Erscheinung des aus dem Jungbrunnen entsteigenden Thorajudentums überrascht werden! Das Jahr 1920, gerade die Jahrhundertfeier der Kampfansage der Assimilation, mag als Datum der großen allgemeinen Gegenoffensive der Orthodoxie an allen Fronten be- Bilder aus Hlt-Pre^burg. Die Beschießung des PrePurger 6betto$ durch Hapoleon im 3abre \m. Nach dem hebräischen Texte der Memoiren des Rabbi Moses Sofer (Ghassam-Sofer s. z. 1.). (Fortsetzung.) . . . Aber es war dann zur Minchazeit, am Sabbat den 19. Sivan, wurde ein Donnergetöse im Umkreise gehört, daß „es erbebten die Säulen des Bodens* und Feuerbrände flogen in die Stadt. Da war großer Schrecken in der Stadt. Die Leute begaben sich in die unteren Geschoße der Häuser, da sie dort nicht so leicht getroffen wurden, wie in den Stockwerken. Und so ging ich auch in das unterste Geschoß meiner Wohnung hinab, dort hielt ich die drifte Mahlzeit mit einem Kreise meiner Schüler. Wir erfuhren, daß alles von jenseits des Stromes kam, dort wurde eine Schlacht geliefert und man hatte das Dorf in Brand gesteckt. Da das kaiserliche Heer mit Schilfen und Brücken über den Strom zog, schleuderten die Franzosen Bomben in den Strom, um die Schiffe zu sprengen. Dadurch flogen die Ges'chosse oft bis in die Häuser, welche nahe am Strome lagen. So ging es, bis die Sterne hervortraten .... In dieser Nacht war es um meinen Schlaf geschehen, am Morgen war mein Gemüt erregt, ich ließ rufen den feuern Mann, den gelehrten, wohlhabenden und einflußreichen Mendel Lewow (Lemberger) und machte ihn zum Boten des Allbarmherzigen, damit er gehe zum Gemeindevorsteher, der sich in sein Haus verschlossen hatte und ihm zu sagen, daß er 200 Gulden schicken möge, um eine „Seelen-Ablösung" zu zelebrieren. Die Gemeindeführer mögen dieses Geld an Arme verteilen und auch zehn Talmudgelehrte zu dem Grabe der Frommen schicken, damit sie beten und Barmherzigkeit erflehen mögen .... Kaum war der Genannte weggegangen, da gab es Getöse und Feuer schwerer Art, Kugeln und Bomben flogen zu Hunderten, alle mitten in die Stadt. Auch in das Judenviertel flog es über die Häupter der Menschen . . . auch Toclte gab es außerhalb des Judenviertels. Sehr viele Häuser von Juden und Nichtjuden wurden beschädigt. Da war eine Angst und großer Schrecken. Die Gefahr war sehr groß. „Das Volk weinte zu Familien", tMänner, Frauen, Kinder. Das Getöse hörte nicht auf. Kaum war das eine zu Ende, begann das andere rasch. Wir aber befanden uns im untersten Gemache in meinem Hause, wo ich den Schiur (Colleg) hielt mit meinen Schülern mit gebrochenen und gedrückten Herzen und kein Leben war in uns. Nachmittag setzten sie uns noch härter zu, die Schäden waren noch größer, das Gedonner noch erschreckender. Bei alldem zündeten die Geschosse in keinem Hause und man sah keine Spur eines Feuers. Hernach beiläufig um 3 Uhr kam der gelehrte Rabbi Mendel, der seine Mission erfüllt hatte und einen Beutel Geld brachte. Und es sammelte sich um mich eine große und ansehnliche Versammlung von Gemeindemitgliedern zur Stunde der Abhaltung der „Seelen-Ablösung" und es war ein Weinen und tiefe Rührung. Jedem Zuhörer strömte das Wasser von den Wimpern. Es hätte sich gebührt, daß ich mich in die große Synagoge begeben hätte, die geeigneter für eine , große Versammlung war, aber ich mußte fürchten über die Straße zu gehen, wo Kugeln und Bomben / über die Köpfe der Menschen flogen; so blieb ich an das Haus gefesselt. ... Zu den Gräbern konnte ich Niemanden am selben Tage schicken, denn der Friedhof lag gegenüber dem Posten der Geschütze und wer dort gestanden wäre, wäre ein Ziel der Geschosse geworden... Nach dem Pidjon beteten wir das Mincha mit tiefer Bewegung. Inzwischen ließen sie nach und ruhten, man wußte nicht warum. Und da kam eine Kutsche von der benachbarten kleinen Gemeinde Jörgen (Skt. Georgen) und der Gemeindevorsteher kam mit und sein Wunsch war, daß ich die Stadt verlassen möge und mit ihm in seine Stadt reisen möge .... aber angesehene und achtbare Männer meiner Gemeinde baten mich, sie nicht zu verlassen, und ich gab ihren Worten nach. Es war Ruhe die ganze Nacht. Am Morgen war wieder G-ttes Schrecken über die Leute, die da erzählten, daß sie gesehen hätten, wie die Soldaten ihre Wälle sehr erhöhten und gegen die Stadt zielen, um sie zu zerstören und niederzumachen. Da ordnete ich in allen ßethäusern an, morgens und abends „Owinu malkenu" zu sagen und es wurde auch unter Weinen und Tränen gesagt .... dann kamen meine Hausleute und schlugen Lärm, warum ich hier bliebe. Sie flehten mich an, bis ich nicht widerstehen konnte . . . und gerade kam ein Wagen, der nach Jörgen ging. Es ist eine kleine Stadt mit wenigen Bewohnern, «aber sie bereiteten mir eine Wohnung bei einem Weibe, wo ich mit meinen Hausleuten geruhsam wohnen konnte, soweit es im Golus möglich ist. (Fortsetzung fol#t.) Wien, I.Bez., Bauernmarkt Nr. 24 Ecke Fleischmarkt, Telephon 67.302 Detailverkaufs-Niederlage: I., Graben Nr. 28 Große Auswahl in Damenpelzmänteln, Füchsen, Herrenpeizen. Modernisierungen, Reparaturen in eigener Werkstätte. chiff Pelzwarenhaus

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