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Jüdische Presse · 1922-01-13 · 2 (13.1.1922) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
8 (1922)
Issue
2 (13.1.1922)
Date
1922-01-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 JÜDISCHE PRESSE Nr. 2 keit gegenüber seiner vieltauiendjährigen rühmlichen Geschichte bewußten Wesens nicht an politischer Gelenkigkeit, wohl aber an Vertrauenswürdigkeit mit anderen Parteien zu wetteifern imstande ist. Die Führer der slowakischen Orthodoxie haben in den schwierigsten Umständen, gerade zur Zeit, als das tschechoslowakische Staatsschiff einen scharfen Kurs nach Links genommen hatte, den Aufbau einer streng konservativen, aber durchaus nicht reaktionären Gemeinschaft zur Herkutesaufgabe erteilt erhalten. Die Kelle in der Rechten, die abwehrende Waffe in der Linken, haben sie den Tempel des wahren unverfälschten Judentums wieder erbaut. Das geäußerte Wohlwollen des Ministerpräsidenten besiegelt den Erfolg eines dreijährigen Ringens, den wir in erster Reihe der ewigen, sieghaften Macht des höheren Beistandes danken wollen. Aber das Wort der Weisen, daß die Ausführung einer guten Tat durch den Guten geschieht, sei die Anerkennung für diejenigen, denen es vergönnt war, neuerdings eine von der Begeisterung ihrer Treuen getragene, vom Wohlwollen der Staatslenker gestärkte und vom Segen des Himmels geweihte Veste der alten jüdischen Tradition zu begründen. * * * Dienstag, den 3. Jänner, fand im Regierungsgebäude in Bratislava der Empfang der orthodoxen Führer der Slowakei beim Ministerpräsidenten Beneä statt. In Vertretung der orthodoxen Landesorganisation waren erschienen die Herren Oberrabbiner Schreiber, Präses Oberrabbiner Weber und Oberrabbiner Hirschler. Präses Oberrabbiner Weber begrüßte den Ministerpräsidenten und sagte, daß die slowakische Orthodoxie gerne die Anwesenheit des großen Staatsmannes, der wohl auf die Gestaltung der Verhältnisse in der Republik noch lange Zeit Einfluß ausüben wird, zum Anlaß nehme, ihre Staatstreue und Loyalität zu versichern. Der Ministerpräsident erwiderte die Begrüßung mit herzlichen Worten und fügte hinzu, daß der Staat von den Juden nichts anderes als die Staatstreue verlange und sie der vollständigen Gleichberechtigung teilhaftig werden lasse. Die Juden werden auch in Zukunft alle Ursache zur Zufriedenheit haben. Die Delegation informierte nun den Ministerpräsidenten über die Stellung der Orthodoxie zu innerpolitischen Fragen. Als Bürger wollen die Orthodoxen nichts als die praktische Durchführung der im Gesetze gewährleisteten Gleichberechtigung, als Konfession fordern sie die Respektierung ihrer Autonomie auch seitens jeder Behörde in allen Fragen der jüdischen Gemeindelebens, um ungestört die traditionelle Form des jüdischen Gemeindelebens erhalten zu können. Der Ministerpräsident antwortete in zustimmender Weise. Er hätte sich schon in Paris eingehend über beide jüdische Parteien informieren lassen und gedenke bei seiner demokratischen Gesinnung nicht daran, eine jüdische Partei auf Kosten der anderen zu favorisieren. Präses Oberrabbiner Weber bat den Ministerpräsidenten, bei jeder das Judentum berührenden Angelegenheit zuvorerst auch die Meinung der orthodoxen Vertretung einzuholen. Ministerpräsident Bene§ versicherte die Erfüllung dieses Ersuchens und verabschiedete die Delegation aufs herzlichste. Kritische Rundschau. Die harbe Balfonr-Deklaration. Jedes Volk erhielt sein Erdreich zuerteilt. Die Zionisten — als Nation des Geistes — nichts als eine .schwere Sugje", die Balfour-Deklaration, an welcher sich alle Meforschim den Geist wetzen. Kam da ein Amerikaner und — statt Geld zu geben, wie es sich für Amerikaner ziemt — hat er eine neue harbe Kaschfe in der Sugje Balfour aufgetan, ob die Deklaration an Rothschild (er sagte nicht einmal an Weizmann) ein „Heim für Juden* bedeute, da doch England, Amerika (besonders Oesterreich) den Juden ein wundervolles Heim biete oder ein »Heim für Juden*. „Entwert" Balfour so: So ein Heim, wie ihr Juden im englischen Imperium habt oder wie hier in Amerika haben auch alle anderen Nationalitäten wie Deutsche, Russen, Italiener, Syrier usw. Wegen so einer Art kolonialer Ansiedlung wäre es nicht nötig gewesen zu sprechen. Aber Heim bedeutet sehr viel, mehr als das. Es es ist im tiefsten Sinne des Wortes ein patriotisches Heim für Juden so gut wie für Araber (also ein arabjewish national home! Warum ist das nicht gleich gesagt worden?) und wenn die Mandatsfrage gelöst wird (!), wird Großbritannien einen Weg suchen, vollständige Harmonie zwischen Juden und Araber herzustellen. (Könnten wir das nicht direkt mit den Arabern tun; wir ersparten enorme Vermittlungsgebühren!) so wie wir volle Harmonie hergestellt haben, zwischen Engländer und Franzosen in der Provinz Quebeck in Kanada, das dasselbe Heim ist für Franzosen und Engländer (Exusse me, Sir, das Beispiel hinkt auf beiden Füße-n. Erstens haben die Franzosen ihr eigenes Heim auf ihrem historischen Boden in Frankreich, zweitens haben sie ihre Autonomie in Kanada und ihre Einwanderung nach Kanada unterliegt keinen schärferen Bedingungen als die der Engländer. Der zwe'ite Fuß des Beispiels hinkt, weil Kanada einmal englische Dominion ist und die Engländer daher auch mehr Ursache zur Harmonie haben. Während dem man uns weißmacht, daß die arabische Delegation keinen Erfolg hatte, von Balfour gar nicht empfangen wurde, sehen wir, daß Balfour schon etwas von der Deklaration zugunsten der Araber nachläßt. Erst war es ein kompletter Jtfdenstaat, dann ein nationaljüdisches Heim, endlich ein arabisch-jüdisches patriotisches Heim. Was morgen?) Jüdischer Militarismus. Dem Drucke der öffentlichen Meinung Folge leistend, zieht England seine Garnison aus Palästina zurück. Einerseits hat die englische und besonders die antisemitische Presse fortwährend gegen die kostspielige „Judenschutztruppe" in Palästina gehetzt, anderseits haben die dortigen Mohammedaner, ebenso wie in Aegypten, die Zurückziehung der englischen Truppen gefordert. Die zionistische Organisation hat, trotzdem die jüdischeLegion nicht vomKongreß bewilligt wurde,dem Colonial-Offiee ein Memorandum über die Aufstellung jüdischer Regimenter eingereicht. (Wahrscheinlich haben die Mitglieder der Exekutive dieses Memorandum als „Privatmänner" eingereicht.) Natürlich wird England offiziell gegen diese Bildungen sein müssen, aber „kilachar jad" wird man eine Art jüdischen Bandenkrieg an allen englischen Fronten arrangieren und das Judentum gegen dessen Willen in einen Kampf gegen dasMohnmmedanertum hineintreiben. Oberst Patterson, den wir bei der Abmachung Slavinsky-Jaboünsky als Schadehen figurieren sahen, reist in drr Sokolow-Delegation als ,Propagandist für den Keren ha-jessod" mit. Bekanntlich muß ein Oberst zu solchen Reisen auch Urlaub erhalten, hingegen ist es unbekannt, daß Oberste in fremden Ländern spesenfrei reisen können. Daraus geht mit Evidenz hervor, daß die Exekutive — gewiß als Privatmänner — vollständig d'aecord mit Jabotinsky ist. und daß ihre Erklärung, daß sie nichts von der Affaire Jabotinskys wisse, eine artige Kriegslüge ist. So wird das Judentum, daß den Mohammedanern bisher warme Freundschaft entgegengebracht hat, deren brüderliche, vorurteilslose Aufnahme zur Zeit der Verfolgungen stets mit. Dankbarkeit verzeichnet hat, gewaltsam zu Konflikten mit denselben gedrängt. Es ist ungemein traurig, daß die heillose Indifferenz der jüdischen Massen es. einem kleinen Häuflein von kaum einen Dutzend Menschen möglich macht, den Krieg des Judentums an die Mohammedaner zu erklären. Wenn es wirklich 14 Millionen Juden gibt, so kann behauptet werden, daß von diesen keine 1000 den Kampf gegen die Mohammedaner wünschen. Wir machen nicht der englischen Propagandaabteilung den Vorwurf, daß sie die Juden und das edelste politische Werk, welches die Rekonstruktion Palästinas bedeuten rücksichtslos den Interessen Englands opfert. Jede Nation hat — solange das Prinzip des sacro egoismo die Welt regiert — alles ihren Volksinteressen aufzuopfern. Wir können es von Völkern, die ihre Kirchenglocken heruntergenommen, um daraus — trotz Jesaias — Mordmaschinen zu gießen, nicht erwarten, daß sie gerade vor unseren Heiligtümern Halt machen werden. Allein an zionistische Führer und besonders an diejenigen, die sich gar noch anmaßen, als Hüter der Thora gelten zu wollen, die um den Lohn eines Mandates oder einer Stellung gegen den Willen ihrer Wähler, das Judentum in blutige Abenteuer verwickeln lassen, die — möge es der Himmel verhüten — die Judenschaft des Ostens einem gleichen Schicksale wie das der Armenier zutreiben kann, sei nochmals der Appell des Gewissens und der Verantwortlichkeit gerichtet. Sie mögen darauf achten, daß sich ihre Kinder nicht einst ihrer Eltern schämen mögen. Dcutscböstcrrcicb. Besuch im Aguda-Waisenhaus, Baden. Oberrabbiner der Adaß Jisroel [Schiffschul] Se. Ehrw. Herr Rabbiner S. Fürst n. j. in Begleitung des Rabbiners Herrn Günsburg, Strozynec, Bukowina, stattete dieser Tage dem Waisenhaus einen längeren Besuch ab. Bei dieser Gelegenheit prüfte Herr Oberrabbiner Fürst die Zöglinge in Ghumesch und Raschi, wie auch die Schüler des neueingeführten Gemorokurses. Die Kinder antworteten treffend auf alle an sie gestellten Fragen und die Rabbiner waren sehr angenehm überrascht, in so kurzer Zeit des Unterrichtes, solche Fortschritte feststellen zu können. Auch dem profanen Unterricht, der im Hause selbst vorgenommen wird, wohnte Se. Ehrwürden eine längere Weile bei. Nach Besichtigung des Hauses, sprachen beide Rabbiner ihre Anerkennung über die tadellose Führung und Teilung des Hauses aus und verließen mit der befriedigenden Aeußerung das Haus; im Aguda-Waisenhaus ist Thora mit Derech Erez verbunden! Talmud-Thora. Sonntag, den 15. Jänner, um halb 6 Uhr abends, findet in der Vereinsvolksschule mit Oeffentlichkeitsrecht [Talmud-Thora-Volksschule], Wien, IL, Malzgasse 16, eine Elternkonferenz mit nachstehendem Programme statt: 1. Bericht des Obmannes, H. Wilhelm Toch. 2. Vortrag des Oberlehrers, H. Jakob Kohn, über das Thema »Die moderne Schule und wir." 3. Eventuelles. Ungarn. Talmud Thora in Nyiregyhdza. Am ersten Tage Ghanuka fand in Nyiregyhdza ein Festbankett zur Förderung der Talmud Thora statt, zum Zwecke, die Erweiterung des Institutes mit drei Sälen zu ermöglichen. Zweihundert Personen haben teilgenommen. Zuerst sprach Rabbiner R. Scholem NACHRICHTEN. über die Beziehung von Ghanuka zu Ghinuch. Hierauf sprach der Vizepräses der Gemeinde, Herr Ede Schwarz, über die Gründung und Entwicklung der Talmud Thora. Nun folgte die schöne Rede des Gemeindepräses Herrn Kupferstein. Ein ebenso interessanter als praktischer Programmpunkt, war die Lizitierüng der Blätter im Gedenkbuch der Talmud Thora. Das erste Blatt erzielte 20.000 u. K (R. Josua Freund), das zweite 17.000 [Sandor Nemethi], das dritte 18.000 [reserviert], das vierte 18.000 [Moritz Roth], das fünfte 17.000 [Fried]. Es wurden zusammen 21 Blätter im Betrage von 320.000 u. K (3 72 Millionen österreichische Kronen] verkauft. Das Fest dauerte bis 4 Uhr morgens. Die Talmud Thora in Nyiregyhdza ist ein wahres Musterinstitut, wo vier Melamdim mit zirka 100 Schülern lernen. Die wohlhabenden Schüler zahlen soviel, daß Minderbemittelte sich ohne Gebühren dem Limud Hathora widmen können. Am letzten Tage Ghanuka fand die Wahl des Präses der Talmud Thora statt, bei welcher Herr Sandor Nemethi gewählt wurde. Dem bisherigen Präses Ede Schwarz, der zu den Gründern zählt, wurde in herzlicher Weise Dank und Anerkennung gezollt. fiollanl Die holländischen Zionisten gegen die Leitung-. An der XX. Jahreskonferenz der Zionisten Hollands, hat Prof. Ornstein, einer der ältesten Zionistenführer, die zionistische Leitung scharf angegriffen. Die J Leitung — sagt Prof. Ornstein — ist auf eine unverantwortliche Weise zusammengekommen (!) Der Kampf gegen diese Leitung sei eine Pflicht der Demokratie, der jetzigen mangelt es an jeglichen System. Der Keren hajessod der als Aufbaufonds gedacht worden, ist vom Kongreß schon zu einem Viertel zur Deckung des Budgets bestimmt worden. (In der Praxis wohl noch mehr.) Die Debatte ergab eine allgemeine Stimme gegen die Leitung, gegen die jüdisch-nationale Landespolitik und gegen Jabotinsky. Pole«. Joint. (JPZ) Im Laufe des Oktobers verteilte die Flüchtlingsabteilung des J. D. G. in Polen an Unterstützungen 26,926.000 Mark, davon an Subventionen an die einzelnen Städte 15,750.000, für Kleidung und Schuhe 11,176.000. Außerdem wurden aus den Lagern des Joint verschiedene Artikel im Gesamtwerte von 6.604 Dollar verteilt. Rabbi Perlmutter — Ritter des Palavia-Ordens. Der orthodoxe Führer Sejm-Deputat Rabbi Perlmutter, hat in einer Parlamentsrede für die Steuervorlage gesprochen und die Herstellung guter Beziehungen zwischen Juden und Polen begrüßt. Der Sejm, selbst die Antisemiten applaudierten lebhaft. Die Regierung zeichnete Rabbi Perlmutter mit dem höchsten Orden der „Plavia restituta" aus. Landeskonferenz. Die Szlome Enmne Jisroel, die polnische Landesorganisation der A. J., hält ihre Landeskonferenz am 15., 16., 17. und 18. Schwat in Warschau ab. Die Leitung der Landesorganisation trifft umfassende Vorbereitungen, um angesichts der dritten Landeskonferenz den großartigen Fortschritt des organisatorischen Ausbaues der Landesorganisation um ihre politische und wirtschaftliche Bedeutung zu dokumentieren. Vorher rindet eine Distriktskonferenz in Krakau statt, an welcher auch j Herrr Rabbiner J. M. Lewin, der Schwiegersohn des Adinur aus Gerr, einer der erfolgreichsten Führer der Agudabewegung in Polen, teilnimmt. Ostgalizien. Nach dem Besuch des Großrabbiner aus Gzortkow hat die Agudabewegung in Ostgalizien einen großartigen Aufschwung genommen, um die Idee der A. J. weiter zu verbreiten und sie richtig organisatorisch zu erfassen, hat sich Herr Wolf Pappenheim, Präsident der österreichischen Landesorganisation und Mitglied des G. A. der A. J. in

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