Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 2 (13.1.1922)
- Date
- 1922-01-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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dr?7fyt JÜDISCHE /^^J^^^^^T?^, („JÜDISCHE KORRESPONDENZ") ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II.. Obere Donaustr. Ol. - Telephon 48.142. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag-. — Redaktionsschluß: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag-. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Österreich K1200, Ungarn K 2B0--, Tschechoslowakei Kc. 7Ö--, Deutschland Mk. 60--, Schweiz Frcs. 10* — , Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 10 Shilling, Rumänien 50 Lei, Jugoslawien 25 Dinar, Polen Mk. 800«—. Einzelnummer d.-ö. K 24 —, Kc. 1*50. Die 6 mal gespaltene Petitzeile d.-ö. E 30*- Fürs Ausland 100 Prozent Teuerung-szuschlag. Bei Wiederholungentsprechender Rabatt. Nr. 2 Wien-Bratislava, 13. Jänner 1922 ♦ri's-in rna T nnDojna " nri jtjjd | 8. Jahrg. Bilanz. (Nachdruck nicht vei boten.) Mit Abschluß des bürgerlichen Jahres pflegen die größeren und kleineren Geschäftshäuser Bilanz zu machen. Das ist gleichzeitig eine Art Valutaanmeldung vor dem Tribunal der Thora. Wir hatten im Vorjahre uns bei dieser Gelegenheit in dichterischer Form gestattet, nach den ßilanzziffern der Maaser zu fragen. Es ziemt sich wohl auch in diesem Jahre einige einleitende Worte zur. Biianzarbcit zu sagen und in diesem oder jenem Kontor einen Besuch abzustatten. Ob wir gern gesehen sind? Wir bezweifeln es. Aber das überhebt uns nicht der Aufgabe, den Finger auf eine sehr bedenkliche Wunde zu legen. Gewiß hat der Handel einen doppelten Zweck, zunächst für sich, dann für die Welt zu sorgen, für sich die Existenz zu schaffen und der Welt die Möglichkeit zu geben, sich die für die Lebensführung notwendigen Rohstoffe und Fabrikate zu erhalten. Ob der Handel im jüngsten Jahrfünft, diese beiden Funktionen in gleich gewissenhafter Weise erfüllt hat, ist Gegenstand eines eigenen Kapitels der Wirtschaftsgeschichte. Wir sind dessen sicher, daß sich alles das, was der seligen Weisen Mund an klarer Zeichnung über die mokre haschaar gesagt hat, über all diejenigen, die in unerlaubt selbstischer Weise die Preise der notwendigen Dinge in die Höhe getrieben haben, wortwörtlich erfüllt. Und nicht umsonst sprach König Salomo: Alhver des Wuchers willen zurückhält mit Lehensmitteln, dem flucht die Nation. Daß man nicht in jedem Kontor in Flammenschrift den Spruch sieht: „Ich stelle mir ständig den Ewigen vor", daß man berechtigt zu sein glaubt, zwischen JjtesiiäJ^ji^ ziehen, ist wieder ein eigenes Kapitel. Allein für unseren engeren Kreis hat der Handel noch eine andere, gleichfalls sehr wichtige Funktion. Da sind unzählige junge Leute, welche wirklich den Sabbat halten möchten. Mögen sich die Handelsherrn einmal ihr Personal ansehen und sich bei Anmeldung ihrer inneren Valuta vor dem Allmächtigen fragen, ob sie sich wirklich Mühe gegeben haben, bei jeder Neueinstellung nach solchen Kräften zu sudhen, die Geschäftstüchtigkeit mit Religionstreue verbinden. Und wenn auch die moderne Entwicklung das Verhältnis zwischen Chef und Angestellten fast unpersönlich gestaltet hat, so darf das doch nicht dazu führen, daß junge Leute unter Umständen bei nichtjüdischen Chefs mehr Verständnis für den Sabbat finden, als bei sabbathaltenden Häusern. Es ist einfach nicht wahr, daß orthodoxe junge Leute nicht so geschäftstüchtig sind, wie Sabbatentweiher und Heroen der Mischehe. So weit darf der Siegeszug der Chuzpa nicht gehen, daß man sich nun gar als Chef von derartigen Herren imponieren läßt und wähnt, daß diese Chuzpa gen das Heiligste auch im Kampfe mit der Konkurrenz, in der Behandlung der Kunden ein wertvolles Moment ist. Es ist eben unabweisbare Pflicht der Handelsherren, diejenigen, welche die erste Blüte der Jugend dem Lernen gewidmet haben, durch sebulonartige Hingabe in ihren Handelshäusern zu tüchtigen Geschäftsleuten zu erziehen und ihren Betrieb darauf einzustellen, daß nicht die frommen Angestellten als Objekte des Spottes und Hohnes derer dienen, die es weitergebracht haben, weil sie jenseits vom Sahbat leben. Mögen sich doch die Chefs, die doch ihren Kindern eine religiöse Zukunft wünschen, einmal kühl überlegen, welches Bureau sie diesen Kindern übergeben und ob diese Kinder dann noch die Macht haben, gegenüber einem ausschließlich geschäftlich orientierten Personal das Geschäft dem Sabbat zu erhalten. Eine ernste Frage noch an die Industriellen. Wenn auch eure Fabriken im Rahmen des Religionsgesetzes als Aktiengesellschaft oder dergleichen am Sabbat arbeiten, habt ihr euch an eure Pflicht gegen die sabbathaltenden Arbeiter erinnert? Und wenn man uns sagt, die Einstellung solcher Arbeiter störe den Betrieb, sei aus diesem oder jenem Grunde unmöglich, so gäbe es nur einen einigermaßen ausgleichenden Vorschlag. Es müßte in Erkenntnis, in klarer Erkenntnis diese Pflicht gegen die Allgemeinheit, vom Fabrikationsgewinn ein erklecklicher Teil abgezweigt werden. Davon müßte entweder eine Industrie mit strenger Beobachtung des Sabbat errichtet werden, die sabbathaltenden Arbeitern eine Stellung gewährt bei absolut einwandsfreiem Betrieb und kaufmännischer Führung, oder es müßte aus diesen Mitteln eine Gewerbeschule, eine Handwerkstätte erstellt werden, welche vom einfachsten Handgriff an bis zur Vollendung des Kunsthandwerks unsere Jugend ertüchtigt. Man möge sich einmal die besten Schulen in England ansehen; davon sind die meisten von Zünften und Industrien errichtet, die gründlicher als bei. uns bei jeder Bilanz an ihre Pflicht gegen die Oeffentlichkeit dachten. Möge man aus diesem Lande, dessen welteroberndes Wort lernen: Wo ein Wille ist, ist ein Weg. Oder, da wir doch als Jude zu Juden sprechen, ein ander Wort: Den Weg, den man gehen will, wird man geführt. Obiges als Geleitswort zur Bilanz von 1921. P. K. Die orthodoxe £andesftanzlei beim Ministerpräsidenten Benescb* Der Empfang der orthodoxen Leitung beim >MtllftfegS^^ dieser Gelegenheit wiederholten Versicherungen der Respektierung der Autonomie der Orthodoxie in allen das Judentum betreffenden Fragen, die Krönung der Bemühungen der Orthodoxie in ihrem Kampfe gegen die Versuche der Vergewaltigung durch andere jüdische Richtungen. Wenn auch die Aitoasi^^ gelegt war, so bedeutet die Versicherung des großen Staatsmannes, daß diese im Geiste wahrer Demokratie betrachtet und durchgeführt werde, eine Genugtuung für das glaubenstreue Judentum, das vermöge seines konservativen, seiner Verantwortlich- Bilder aus fllt-Pre&burg, Die BescDieftunu de$ Pre&burgcr Ghettos durch napokon im 3aDrc i$o$.1 Nach dem hebräischen Texte der Memoiren des Rabbi Moses Sofer (Ghassam-Sofer s. z. 1.). „ . . . Und so gingen die Wintertage vorüber," „dahin ging der Regen und verzog sich, die Blumen" „zeigten sich auf der Eide" (Hohelied) und der Schall des großen Wanderers (Napoleon. Wortspiel: Kol hatajor nischma) wurde in unserem Lande hörbar. Vor dem Dröhnen der Helden des Krieges erbebte die Erde, vom Kriege unseres Herrn des Kaisers von Oesterreich gegen den Kaiser der Franzosen. Was sie erlebt und was ihnen widerfahren ist, steht ja verzeichnet in der Kriegsgeschichte und ist bekannt im Volke und im Reiche. Wir aber haben vom Tage des Beginnes des Krieges gebetet für das Glück unseres Königs, täglich einige Psalmen und nachher ein Gebet, welches von vornherein für diesen Zweck verfaßt, wurde und mit. „Hanossen teschua" beginnt.2 Die Zeit währte nicht lange und man hörte bereits, daß sich die Franzosen näherten und sich anschickten, die Stadt Wien in Belagerung zu versetzen; da mehrten wir unsere Gebete und unser Flehen für unsere Brüder, die da belagert wurden. Um diese Zeit, an einem Mittwoch, den 32. Tag der Seflra, wo es Sitte ist, eine Moralpredigt zu 1 Im genannten Jahre ist das Preßburger Ghetto -bei der Beschießung der Stadt durch die Franzosen in Brand geraten. Die Brandstätte bat nach dem im Stadtmuseum befindlichen Plane beinahe die gleiche Ausdehnung gehabt, wie die vom 17. Mai 1913. - Das ältere Gebet für den Kaiser beginnt „Hoelokim ascher boro". halten vor den Mitgliedern der Chewra-Kadischa am Friedhofe, da bemüht ich mich und erbat mir von ihnen, daß sie es nicht vernachlässigen sollen auszubauen die Breschen der Mauern des Friedhofes3, denn wer wüßte, was der Tag gebiert im Sturine des Krieges, was nicht zu erklären ist. Wahrhaftig, mein Bitten hatte Erfolg, sie gehorchten mir und sammelten von einigen Hervorragenden der Gemeinde nahezu tausend Gulden; nichts destoweniger waren sie lässig und beeilten sich nicht Maurer und Steinarbeiter zu dingen, so sind (die Mauern) sie eingerissen bis zum heutigen Tage. Am Neumondstage des dritten Monates Siwan» wurde das Heer der Franzosen jenseits des Stromes Donau sichtbar und sie forderten die Stadt auf, ihnen die Brücke zu übergeben, ansonsten sie ihre Feuerrohre und Wurfgeschosse auffahren lassen würden. Die Stadtbewohner aber schenkten ihnen kein Ohr, hörten nicht auf ihre Stimme, es war wie ein Scherz in ihren Augen. Ich aber, „mein Herz kennt die Bitternisse meiner Seele", ich bebte und zitterte sehr. Das Volk jedoch und auch unsere Brüder in Israel verlachten sie. . . . .. . Sie dachten von mir, daß ich umsonst fürchtete. Jene standen drüben in ihrer Stellung und hatten noch keine Feindseligkeiten gezeigt. Und am Rüsttage des Sabbats am 4. Siwan zogen sie ab und verließen ihre Stellung und man wußte nicht, was ihnen geschehen war. Es herrschte große Freude in unserem Orte und es erfüllte sich; „Und du sollst dich freuen an deinem Feiertage". Und in diesen Tagen mein Herz sorgte in mir Tag für Tag, da rief ich meinen Freund den Tempel- 3 Die damals durch das Hochwasser, Friedhof verwüstete, zerstört wurden. welches auch den Vorsteher Moses Schreiber und bat ihn, er möge mir Almosengelder geben, an denen sich alle Gemeindemitglieder beteiligen sollen, und zwar 541 Gulden nach dem Zahlenwerte des Wortes „Israel" und ich würde eine „Seelenablösung" für die Gesamtheit auf den Namen Israel zelebrieren. Ich sagte es im Geheimen, damit die Sache nicht publik wurde, ich schloß mich mit zehn biederen Männern, zumeist meine treuen Schüler zusammen, damit sie die Sache nicht verbreiten sollen. Folgendes war die Ordnung des Gebetes, das wir verrichteten:... . . . Am Feiertage des Schwuot wurde bereits der Grund des Abzuges der Franzosen bekannt. Sie waren zu der großen Schlacht kommandiert, wo sich die Fürsten trafen und gegeneinander stießen. Nach dem Feiertag kam das Heer unseres Kaisers, zog über die Brücke und baute große Wälle auf, um den Franzosen keinen Raum zu geben, hieher zu kommen Kurz darauf kamen auch die Franzosen von Wien nach Kittsee und breiteten sich aus bis nahe zum kaiserlichen Heer. ... Freitag, den 18. Siwan, erdröhnte die Erde von Donnertönen, die ganze Stadt zitterte, es ward ein G-ttesschrecken. Es dauerte aber nicht lange, denn man erfuhr, daß man drüben gegeneinander kämpfe und daß sie nichts gegen die Stadt beabsichtigten. Nach zwei oder drei Stunden ruhte der Krieg. In dieser Nacht wich der Schlaf von der ganzen Stadt, aber G. s. d. hörte man nichts, bloß als es im Osten heller Ward, wurden wieder einige Schüsse hörbar. Wir genossen die Ruhe am Rüsttage des Sabbats und am heiligen Sabbat bis zur Minchazeit. Und als ich da Rechtsgläubigkeit predigte in meinem Lehrhause, trug ich folgende Gedanken über diese Ereignisse vor: . . . (F«rtsetütmK folgt.) Wie*!* I.Bez., Bauernmarkt Nr. 24 Ecke Fleischmarkt, Telephon «7.802 Detailverkaufs-Niederlage; L, Graben Nr. 28 Große Auswahl in Damenpelzmänteln, Füchsen, Herrenpelzen- Modernisierungen, Reparaturen in eigener Werkstätte. v^**'**hr°*r£ä$&li