Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 1 (6.1.1922)
- Date
- 1922-01-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2629891-2629953-2629954--0479-2632113- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 1 Rabbi Menachem Sember-Praga, R. Meier Ankotow und R. Mendel Kascher, sowie Herrn Salomen Kleppisch seine Bewunderung aus. Das heißersehnte Ziel dar Diaspora-Nationalisten. In der Sitzung der Konstitutionskommission stellte Grünberg bei der Festsetzung der Anzahl der Ministerien den Antrag zur Schaffung eines Nationaiüätenministeriums mit Unterstaalssekretärstellcn (hinc illae lacrymae!) für die nationalen Minderheiten. Der Antrag wurde mit allen gegen die sozialistischen Stimmen und die Grünbaums verworfen. Minkowski geht. Die Hetze der antisemitischen Presse gegen den jüd. Vizekriegsminister, Minkovski, hat bewirkt, daß Minkowski seine Demission eingereicht hat, die vom Kriegsministerium und Finanzministerium angenommen wurde. Die Misrachi-Organisation für Ostgalizien wurde mittelst eines Reskriptes der Lemberger Wojewodschaft legalisiert. Die Landesversammlung der Agudas Jisroel in Polen. Der Delegiertentag der Agudas Jisroel in Polen findet am 15. Schwat und die kommenden Tage statt. Es werden außer den Delegierten der polnischen Ortsgruppen, auch Vertreter der Aguda- Ieitung aus anderen Ländern erwartet. Dieser Tagung wird in den weitesten Kreisen das größte Interesse entgegengebracht. Die Konstituierung der Sitzung des Rabbinischen Rates der Landesorganisalion findet bereits am Rosch Ghodesch Scbewadt statt. England. Prof. Dr. Bruzkus droht mit Austritt russischer Zionisten. Jn einem Interview mit der Londoner „Zeit" erklärte Prof. Dr. Bruzkus, der Führer der russischen Zionisten, daß Jabotinsky zurücktreten müsse, in anderem Falle würden die russischen Zionisten aus der zionistischen Organisation austreten. Die Folgen des Jabotinskyschen Vertrages erfüllen ihn mit Schrecken. Das Leben vieler zionistischer Führer und Funktionäre in Rußland, besonders der Ukraina, sei dadurch in Gefahr, und jede zionistische Arbeit in Rußland ist unmöglich gemacht. Dr. Rosenbaum in Kowno, der einen ähnlichen, aber ganz harmlosen Schritt ohne Wissen der Kollegen gemacht hatte, war einsichtig genug abzudanken. Christlicher Geistlicher belehrt Chiefrabbi. In die Diskussion, welche sich um die Erlaubnis des Chiefrabbi Herz in den jüdischen Schulen das neue Testament zu lehren handelt, mischt sich nun ein christlicher Geistlicher, der im „Jewisch Chronicle" ausführt, daß die Methode, den Kindern schon in der Schule die Ansichten Andersgläubiger zu lehren, dazu führen müßte, in den christlichen Schulen, gleich Voltaire, Feuerbach und andere Reügionsgegner zu lehren. Schweiz. Israelitische Kultusgemeinde Zürich. Die nahezu von 300 Mitgliedern besuchte Gemeindeversammlung vom 18. Dezember genehmigte nach einem einleitenden ausführlichen Referat durch Herrn Gemeindepräsident Dr. Charles Bollag sowie mündlicher Begutachtung durch den erbetenen Experten, Herrn Prof. Dr. Karl Moser, und nach reichlich benutzter Diskussion, mit großer Mehrheit den Ankauf eines Bauplatzes an derFreigntstraBe in Zürich 2. Allerdings wurde die Frage der Zweckbestimmung — Synagoge oder Gemeindehaus — nicht definitiv geregelt und bleibt diese Frage dem Beschluß einer späteren Versammlung vorbehalten. Als Lehrer und Kantor wurde gemäß dem Anfrage des Voislandes und der Schulpflege Herr M. Antmann einstimmig gewählt. Belgien. Rabbi Plotzki in Antwerpen. Auf der Durchreise aus Amerika nach Polen weilte der Gaon Rabbi Meir Don Plotzki in Antwerpen und wurde von der Aguda herzliehst begrüßt, fu einer Aguclasitzvmg erstattete er Bericht über seine Reise und seine Kind rücke in Amerika. Eine Jeschiwa in Antwerpen. Von der Agudas Jisroel wird in Antwerpen eine Jeschiwa gegründet. Demnächst konstituieren sich in Antwerpen eine Frauen- und eine Mädchengruppe der Agudas Jisroel. franKrtkl). Nordau und Marmorek gegen die Verwaltung des K. H. (JPZ) Eine Reihe franz. Zionisten, an der Spilzo Max Nordau und Prof. Marmorek voröffentlichen im „Peuple Juif* eine Deklaration, wonach die von der Zion. Org. begangen und ihr in gerechter Weise vorgeworfenen Fehler sich auch auf die Keren Hajessod-Aktion zu erstrecken beginnen. Sie seien daher nur bereit, nur unter folgenden Modalitäten für den Keren Hajessod zu arbeiten: Deponierung der in Frankreich gesammelten Fonds in einer Bank, Bildung eines beträchtlichen Fonds vor Verwendung der Gelder, die erreichte Minimalglobalsumme soll direkt nach Palästina überwiesen werden und einzig für Irnmobilarzwecke verwendet werden, Reduktion der Generalunkosten auf ein Minimum, nur die subalternen Beamten dürfen entlohnt werden, Gründung eines nicht bezahlten Komitees für Leitung und Kontrollierung der Operationen, vollständige Scheidung zwischen dem KH und dem speziellen Budget, der Zion. Org. Palästina. „Kol Jisrocd." Von der hebräischen Zeitschrift „Kol Jisroel", die von der Jerusalemer Aguda- Jugendgruppe herausgegeben wird, ist soeben die dritte Nummer erschienen. Sie zeichnet sich gleich den ersten Nummern durch Gediegenheit in Inhalt und Sprache aus. Rückzug der zionistischen Schule. Die organisierte Orthodoxie in Jerusalem eröffnete dieser Tage drei Töchterschulen, die von zirka 200 Schülerinnen besucht werden. — Das Zentralorgan der palästinensischen Agudas Jisroel „Kol-Jisroel" meldet, daß zufolge des Erfolges der Talmud Thora-Schule im Bucharcr-Viertel, die zionistische Organisation ihre dortige Schule schließen mußte. Eine Stipondiunistiftung. Wie das Organ der Palästinesischen Aguda, der „Kol Jisroel" mitteilt, stiftete ein gegenwärtig in Palästina weilendes Mitglied der Agudaloitung 50 Pfund Sterling, um den besten Schülern der Jerusalemer Talmud Thora- Schulen Preise zu vorleilen. Die Verteilung wird demnächst in Anwesenheit führender Persönlichkeiten stattfinden. Eine orthodoxe Mädchenschule in Jerusalem- Die Agudas Jisroel oröfTncfe vor kurzem unter Leitung hervorragender Rabbiner und unter der Aufsieht der Herren Oberrabbiner Ghaim Sonnenfeld und Diskin eine Mädchenschule, in drr einige hundoi 1 Mädchen eine sorgfältige Erziehung genießen sollen. Die Bautätigkeit in Jerusalem. (J. C. R.) Im Gegensatz zu anderen Städten Palästinas, hat die Bautätigkeit in Jerusalem bisher noch nicht eingesetzt. Nunmehr hat der Maboneh eine Gesellschaft gegründet, welche bei Jerusalem einen Sieiiibruch errichten wird. Mau hofft, daß dadurch die Baupreise in Jerusalem fallen werden. Der Ilaboneh hat den Hau der Jeschiwah Perath-Josef in Jerusalem übernommen. Maschinen für Herstellung von Sand aus den Steinen Jerusalems sind vom Haboneh bereits nach Jerusalem gebracht worden. Waad Haloumi ohnmächtig-. (JPZ) Anläßlich der letzten Sitzung des Waad Leumi kritisiert der bekannte hebräische Schriftsteller, A. M. Borochow, im „Haarelz* die bisherige Tätigkeit des Waad Leumi. Während des letzten Jahres habe die Regierung vielfach entscheidente Schritte in jüdische Angelegenheiten unternommen, ohne sich um die Meinung des durch den Waad Leumi vertretenen Jiselmb zu kümmern. Diese politische Machtlosigkeit des Waad Leumi stamme daher, daß die Regierung die Rechtsgrundlage in Assefath Haniwcharini nicht anerkannt habe. Der Waad Leumi wird so lange keinen Boden unter den Füßen haben, als die Regierung der Delegierten Versammlung nicht das Recht zuspricht, die inneren Angelegenheiten der Juden mit Genehmigung der Regierung zu regeln. Die Regierung ist gegenwärtig mit der Ausarbeitung der Verfassung beschäftigt, um so dringender ist es, daß für die Ghanukka einberufene Assefath Hauiwcharin das Recht der Juden auf innere Organisation nachdrücklichst fordere. Zementexport nach Palästina. (JPZ) „Manchester Guardian Gommercial" schreibt: Die Bautätigkeit in den palästiuesischen Städten, besonders in Jaffa, ist im Zunehmen begriffen. Große Mengen Zement und Baumaterialien werden aus Zentraleuropa eingeführt. Die beliebtesten Zementmarken sind Spalato, Dalmatiner und Heidelberg, Auch Polen beginnt mit dem Export von Zement, der gut und billiger ist als obenerwähnte Marken. Die Armenier. (JPZ) Ein Dampfer mit 280 armenischen Flüchtlingen, die vor den Türken geflohen sind, lief den Jaffaer Hafen an. Die Regierung hat die Landung von 106 Flüchttingen, die im Besitze von Dokumenten waren, gestattet. Bankhaus IL y. IL Friedman« & Co. Wie.') 1., Wippliii^erstrnßo Nr. 16 (EnigftHgSfihwortg.;J) Tel. Nr. öl-ü-22 mternrban übernimmt xur kulantesten Besorgung alle bankmäßägen Transaktionen. TSCHECHOSLOWAKEI. RabbinerwaM in Capokany. In Velke-Tapolcany wurde einstimmig der Oberrabbiner aus Steinamanger (Ungarn) Rabbi N, Mordechaj Bineter zum Oberrabbiner gewählt. Der vorige Oberrabbiner R. Nochern Schlesinger hatte in seiner edlen wahrhaftigen Frömmigkeit hinterlassen, daß keiner seiner Söhne oder Schwiegersöhne eine Rabbinerstelle annehmen dürfen, damit die Gemeinde in der Wahl des geistigen Oberhauptes freie Hand haben soll. Es muß . der Tapolcaner Gemeinde Anerkennung und Lob gezollt werden, daß sie trotz der bestehenden Differenzen sich über eine Person einigte, bei der vorwiegend das (Gadlos ßethora) ausschlaggebend war. Die Gemeinde hat mit dieser Wahl unzweideutig bekundet, daß sie treu zu den alten Traditionen das höchte Bestreben darin findet, die Gemeinde auch weiterhin als Mekom Thora zu erhalten. RabbinmvaM in Szcrüabclv. In Dunajska-Streda (Duna-Szerdahely) wurde R. Avrohom Einhorn, derzeit Dayan in Steinamanger (Ungarn), als Ros-Bezdin und R, Hilel Weinborger, Sohn des Oberrabbiners in Dunajska-Streda, als Dayan gewählt. — R. Avrohom Einhorn ist ein hervorragender Schüler der Hunsdorfer Jeschiva und hat als bekannter Talmnd-Ghochorn einen guten Namen. R. Hillel Weinberger hatte in Preßburg ein Talmud-Schuir geleitet, das zu den beslbesuchtesten gehörte. Mit dieser Wahl hat endlich die schon lang akut gewesene Besdin-Frage eine allgemeine befriedigende Lösung gefunden. Rabbinerwabl in Iftaaendorf. In Magendorf wurde Rabbi Eiieser Brach, Sohn des Oberrabbiners in Nagykdroly (Rumänien), der dort die Jeschiva seines Vaters leitete, zum Oberrabbiner gewählt. — Das interessante bei dieser Wahl ist, daß die Gemeinde an die Wahl die Bedingung knüpfte, daß der Nagykarolyer Rabbiner, der früher in Magendorf Rabbiner war, an den sie noch heute mit Ehrfurcht und Liebe denken, an dem Einzüge seines Sohnes persönlich teilnehmen muß, um den so heiß geliebten Rabbi als Gast begrüßen zu können. Jeschivaleben in Huszt, Aus Huszt wird gemeldet: Mit Oberrabbiner R. J. Dusehinsky ist auch eine große Anzahl junger Leute heute eingetroffen, um in der Jeschiva aufgenommen zu werden. Anfangs hatten sich Schwierigkeiten gezeigt, da durch die Mobilisierung die VVolmungsVerhältnisse bedeutend erschwert wurden, sogar das Bethamidrasch zu Militär/wecken requiriert war. Trotz der mißliehen Wohnungsschwierigkeilen zählt die Jeschiva 2501 förer, die mit Liebe und Begeisterung sich um ihren Meister scharen. Durch die reichlichen Hilfsmittel der Gemeinde dürfte sich die Zahl der Hörer bedeutend vermehren. Nachtrag. In dem Bericht über die Installierung in Galanta wurde irrtümlicherweise nicht erwähnt, daß zwischen den Deputationen der Gemeinden auch die Bösinger Gemeinde mit ihrem allgemein hochgeachteten Oherrabbiner Joschua Schill eingetroffen war. Verbreitung falscher Nachrichten. In einigen ausländischen jüdischen Blätter sind Schaudermären über die Verfolgung der zionistischen Funktionäre durch die tschechoslowakischen Behörden in Podkarpatska-Ruß verbreitet. Diese falschen Nachrichten, deren wahrer Sachverhalt das gerichtliche Verfahren wegen Vergehen privatrechUicher Natur gegen Personen, die zufällig Zionisten sind, ist, sind als Auszug des berüchtigten Artikels des „Zidovski zpravy", der anscheinend vom Redakteur des Blattes geschrieben ist, zu betrachten, Es ist vollständig erlogen, daß die zionistische Bewegung oder ihre Führer als solche irgendwelchen Ghicanen oder Beschränkungen unterworfen sind. Einstellung dos „Jüdischen Volksblattes". Das offizielle Organ der tschechoslowakischen Zionisten „J. V.rt, deren Leiter der K.-H.-Sekretär Herman ist, teilt mit, daß es das Erscheinen einstellt und sich mit der in Prag erscheinenden „Selbstwehr" fusioniert. Die „J. V." gab sich zum blinden Werkzeuge der zionistischen Exekutive her und befehdete nicht nur die Orthodoxie sondern auch unabhängige Zionisten in schrankenloser Weise. Wir buchen jedes Eingehen eines jüdischen, wenn auch gegnerischen Blattes als Verlust, wenn es nur irgendwie Mehrer unserer religiösen, sittlichen oder auch nur kulturellen Werte gewesen ist. In diesem Falle handelt es sich um keinen allgemeinen Verlust, sondern etwa nur um eine engere Familientrauer. Delegievtentatr dor Agadas Jisrool-Jugendorganisation in der Slowakei. Am 24. und 25. Kislew 5G82 fand in Freßbmg der dritte Delegiertentaj,' der Agudas Jisroel-Jugend statt. Es waren Oelegiertc aus allen Ueyenden der Slowakei erschienen. In Vertretung des Zenlralrutes und des Jugend-