Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 8 (1922)
- Issue
- 1 (6.1.1922)
- Date
- 1922-01-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 f 1 Grand Sanatorium Wasserheilanstalt Bratislava (Prepura) Erstklassige Heilanstalt für innere und Nervenkranke. Spezialbehandlung der Zucker-, Gallenstein-, Nieren-, Magen-. Darm-, Herzu. Blutgefäßkrankheiten. Mast- und Entfettungskuren. Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe. Urologie, Dermatologie, Ortopädie, Augen-, Ohren-, Nasen-und Kehlkopfkranke. Zimmer, Beheizung, Beleuchtung, Bedienung, Krankenpflege, ärztliche Behandlung u. 5 Mahlzeiten pro Tag von 100 Kc aufwärts. Leitender Chefarzt DR. SIGMUND ARANYI. Streng rituelle "KtfD Küche unter Aufsicht d.Preßb. Orth. Rabbinates übernehmen. Die darauf folgenden Tage wurden zu eingehenden Beratungen über die Einzelheiten der Durchführung dieser Unternehmungen benutzt Ein bekannter Agudafreund aus Deutschland war eigens nach Wien gekommen, um an den Beratungen teilzunehmen. Er stellte der Aguda für diesen Zweck ein großes Quantum Baumaterial im Werte von mehreren tausend Pfund Sterling zur Verfügung. Außerdem wurden bei dieser Gelegenheit einige Häuser gestiftet und für die Tabakpflanzung mehrere Aktien gezeichnet. Am Donnerstag abends vereinigte sich eine größere Anzahl von Agudisten im Agudaklub, um die Delegation zu begrüßen und in angezwungener Unterhaltung Anregungen über die weitere Arbeit auszutauschen. Nach den bisherigen Meldungen ist ein großer Erfolg der Unternehmungen zu erwarten, zumal auch in Deutschland und in Amerika bereits größere Zeichnungen erfolgt sind. Chanukafest des Jessod Hathora-Kindergarten. Am letzten Chanukatage fand im Kindergarten der Jessod Hathora-Schule ein schönes Kinderfest statt. Nach der Begrüßung der zahlreich erschienenen Gäste begann eine reizende Kinderakademie. Von der freudig erregten Schar der kleinen Mitwirkenden müssen besonders die Kleinen Zilli Kritzler, Felix Pollak, Walter Raab, Malvine Weinig, Edith Pappenheim, Ilse Pappenheim, Rosa Lederer u. a. hervorgehoben werden. Die Gelegenheitsgedichte des Fräulein Bondi erregten viel Bewunderung. Herr Rabbiner Neuwirth erklärte den Kindern die Bedeutung des Chanukafestes. Fr. Edith Steinhof dankte den Anwesenden für das Erscheinen, worauf Herr Lederer im Namen der Anwesenden Fräulein Bondi Dank und Anerkennung zollte für den schön gelungenen Abend. Sijumfeier im Bet-Hamidrasch Talmud - Thora, IL, Malzgasse 16. Sonntag, den 11. Dezember d. J., fanden sich in der stattlichen, festlich beleuchteten Synagoge der „Talmud-Thora" alle Mitglieder und zahlreiche Festgäste ein, um dem feierlichen Abschluß der Raschi-Vorträge über die Thora und der ganzen Mischna durch den gelehrten Vortragenden Ehrw. Herrn Rabbiner H. Schenk beizuwohnen, einer Feier, die unser Bet-Hamidrasch schon lange nicht begangen hatte. Feierliche Stille herrschte beim geistvollen Vortrage, nach welchem sich alle zum Festlokale begaben, in welchem nach alter Weise die »Suda schel mizwa" stattfand. Der Obmann der Talmud-Thora-Synagoge und des Bet- Hamidrasch, Herr Leopold Hirsch, begrüßte die große Zahl der Festgäste und die Mitglieder aufs wärmste, und wurde das Mahl durch geistvolle Vorträge gewürzt. Es . sprachen die Ehrw. Herren Rabbiner Schenk, Fürst, Flesch und Benedikt, Herr Kommerzialrat Sigmund Bondi in Vertretung der Wiener Kultusgemeinde, Herr Vorsteher Wolf Pappenheim, der im heurigen Jahre die Lehranstalten für Thora im hiesigen Lande besucht hatte, Prof. Antscherl und H. Benau. Die Reden wurden mit Spannung und lautem Beifall angehört. Herr Kantor Dukesz, ein anerkannter Spezialist im „Reimen", trug zur Erheiterung der Festgäste, die bis nahe an Mitternacht weilten, wesentlich bei. Zum Schlüsse wurde das „Benschen" versteigert und brachte frommen Zwecken eine stattliche Summe ein. Zum Schlüsse erstand es Herr Rudolf Kohn, der es Herrn Rabbiner Schenk verehrte. Schwer trennten sich alle nach Schluß des Tischgebetes, alle mit warmen Wünschen für das fernere Wirken und Gedeihen dieses auf echt jüdischer Basis aufgebauten frommen Thora-Vereines unserer großen Wiener Gemeinde. Um das Gelingen des Abends hatte sich das Komitee der Herren Jakob Weiß, Pick, Protter, Rud. Kohn, Gerstl usw. besonders verdient gemacht. Ungarn. Josef Kiss, der berühmte ungarische Lyriker, ist im Alter von 78 Jahren in Budapest gestorben. Seine jüdische Ballade „Judith Simon" ist als wirkungsvolle Nummer literarischer Veranstaltungen bekannt. Er bekannte sich mit Assimilantenstolz zum Judentum und in seiner Dichtung „Legenden vom Großvater8 rühmt er sich trotzig russischjüdischer Abstammung. Von der Jugend als überholt vergessen, bewies ihm die ältere Generation, besonders die jüdische Gesellschaft, alle Ehren des Repräsentanten einer Epoche, wo die Ansprüche an Judentum und üichtergeist noch bescheiden waren. Väzsonyi — als Kehilla-Mann. Wie „Egyenlöseg" berichtet, wird der gewesene Minister Wilhelm Vazsönyi sich persönlich an der nächsten Wahlbewegung der israelitischen Gemeinde beteiligen. Vorige Woche fand im Demokratenklub eine Besprechung der Leiter der einzelnen Budapestcr demokratischen Bezirksgruppen statt, bei welcher auch die demokratischen Parlamentsmitglieder. Wilhelm Väzsonyi und Ernst Brody anwesend waren. Es wurde beschlossen, bei der kommenden Gemeindewahl eine größere Aktion zu entfalten und Väzsonyi gebeten, sich an die Spitze der Bewegung zu stellen. Väzsonyi sagte zu und versprach bei allen Versammlungen persönlich mitzuwirken. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß Paul Sändor ebenfalls mit ihm gehen werde. Die demokratische Partei will freier gegen die Zurücksetzung der Juden auftreten, während die gegenwärtige Leitung der Gemeinde unter Sz6kely es offenbar für zweckmäßiger befunden hat, die Verhältnisse als gegeben zu betrachten. Jahrzeitfeier nach. Eabbi Eleazar Low s. z. 1. Am 14. Kislew, dem Jahrzeittag des geweseaen Ungvärer und Ujhelyer Raws, hielt der auf seinen Namen lautende Verein seine Sijumfeier. Nach dem formellen Beenden des Talmuds hielt der Präsident der Ujhelyer Gemeinde eine eindrucksvolle Rede. Hierauf folgten geistreiche Diwre Thora des Sohnes des Gefeierten, R. Wolf Low, der in bewegten Worten seines großen Vaters gedachte. Es sprachen noch R. Hermann Dick, Bankdirektor Alexander und Herr F. Groß. Es wurden bei ung. K 50.000 für Wohltätigkeitszwecke gesammelt. i Baron Bela Dirsztay gestorben. Ein Spioß der alten jüdischen Familie Fischl, die schon im 18. Jahrhundert unter den jüdischen Funktionären genannt wird, ist mit Baron Bela Dirsztay dahingegangen. Er war ein großherziger Förderer aller philanthropischen und kulturellen Institutionen des ungarischen Judentums. Seine Lieblingsschöpfung war die große Mensa. Von seinem Vater wurde erzählt, daß er, als die Pesfer israelitische Kulfcusgemeinde das Ersuchen ihrer Beamten um Erhöhung wegen Geldmangel zurückweisen mußte, die Differenz aus eigener Tasche bezahlt hat und so die Erhöhung durchsetzte. (Dem Wiener Kullusvorstand zur Nachahmung empfohlen.) Dieses Beispiel hat Baron Bela Dirsztay, der nicht nur vom hohen Piedestal des Groß- Philanthropen herab Almosen streute, sondern im brüderlichen Verkehr mit seinen. Schützlingen verkehrt, sein Leben lang befolgt. Der Orthodoxie stand er sympathisch gegenüber. Das angebliche Fiasko der amerikanischen Delegation- Aus einem Briefe des Rabbiners Dr. Adler aus Amerika, den „Egyenlöseg" veröffentlicht hat, soll hervorgehen, daß die in Amerika weilende Delegation der Budapester Gemeinde mit Mißerfolg arbeite. Es scheint dies aber gar nicht der Fall zu sein. So weit wir unterrichtet sind, würde der Erfolg, den die Delegation in Paris gehabt hat, schon allein das ganze Unternehmen lohnen. Ein großer Erfolg ist bei den zerfahrenen Verhältnissen der ungarischen Juden in Amerika, die nun wieder in drei Fraktionen zerfallen sind, nicht zu erwarten gewesen, zumal die Delegation zur unrechten Zeit und ohne jede Information in vollständiger Unkenntnis der Verhältnisse arrangiert wurde. Allein die ostentativ ausgegebene Nachricht vom Mißerfolge, den die Delegation selbst ausgibt, scheint eine — Vorsichtsmaßregel zu sein, um bei der Heimkunft sich des Ansturmes der Ansprüche zu erwehren. Deutschland. Dr. Ehrmann über seine Palästinareise, Am 8. Dezember hielt Dr. Salamon Ehrmann in der Frankfurter Agudagruppe einen Vortrag über den Aufbau Palästinas, auf Grund der Eindrücke, die er in Palästina gewonnen hat. Er beschäftigte sich inderHauptsachemitdenwirtschaftlichenMaßnahmen, die in Erez Jisroel von Seite der Agudas Jisroel zu treffen sind, um die dort bereits ansässige, arbeitsfähige und arbeitswillige thoratreue Bevölkerung ideal und materiell zu fördern. Er schilderte den kulturellen und geistigen Zustand des heiligen Landes und stellte zum Schlüsse die Forderung auf, daß das orthodoxe Judentum auf dem Gebiete des Erziehungswesens selbst unter den größten Opfern seine bisherige Stellung behaupten müsse. Er rief die Anwesenden auf, die wirtschaftlichen Unternehmungen der Aguda, wie die Häuserbaugesellschaft, die Tabakpflanzungsgesellschaft zu unterstützen und dafür zu sorgen, daß kapitalkräftige oder auch unbemittelte, aber einen Beruf ausübende orthodoxe Juden sich in Erez Jisroel niederlassen. Trauerfeier für Aron Kober. Die Agudas Jisroel- Ortsgruppe in Gemeinschaft mit der Jugendgruppe, dem Verein Machsikc Thora, der freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums und der Vereinigung jüdischer Akademiker veranstalteten am 15. Dezember im Lessingsaale zu Breslau eine große Gedenkfeier für den jüngst verschiedenen, verdienstvollen Vorkämpfer des orthodoxen Judentums Aron Kober. Es sprachen bei der Feier die Herren Georg Hermann Löwy, Rabbiner Dr. Hoffmann, Rabbiner Er. Simonsohn, Koppenheim und Dr. Artur Falk. Die Feier hielterließ einen tiefen Eindruck bei allen Anwesenden. Hilfsvorein der deutschen Juden. Am 6. Dezember 1921 fand in Berlin unter Leitung des Vorsitzenden des Hilfsvereins der deutschen Juden, Herrn Dr. James Simon, eine zahlreich besuchte Versammlung statt, in der die Notlage der südrussischen jüdischen Ackerbaukolonisten behandelt wurde. Herr Singalowsky, Vertreter der Gesellschaft „Ort", schilderte den Anteil der russischen Juden an der Landwirtschaft in der Vergangenheit und Gegenwart, zeigte, welch wichtiges Element die jüdischen Kolonien in' Süd-Rußland und in der Ukraine, die sich vor dem Kriege in blühendster Entwicklung befunden hätten, in den letzten Jahrzehnten bildeten und entwarf ein Bild von der furchtbaren Not, die über die Kolonisten durch die Pogrome und die diesjährige Mißernte gekommen ist, die sie aller Ackergeräte und Viehbestände beraubt und ihnen damit die Möglichkeit zur Weiterführung ihrer landwirtschaftlichen Betriebe aus eigenen Kräften völlig genommen haben. Die Herren Dr. James Simon und Dr. Paul Nathan, stellvertretender Vorsitzender des Hilfsvereines der deutschen Juden, gaben in großen Zügen einen Ueberblick über die außerordentliche Bedeutung der Teilnahme der Juden am landwirtschaftlichen Beruf, die über die individuellen Interessen der Kolonisten, für die jetzt ein Rettungswerk ins Leben gerufen werden müßte, hinausgehend, große soziale Interessen der jüdischen Gesamtheit tief berühre. Auch sie appellierten, wie der Vertreter des „Ort" an die Versammelten, nach Kräften dazu beizutragen, daß das jüdische Kolonisationswerk in Süd-Rußland und in der Ukraine erhalten bleibe. Die eindrucksvollen Ausführungen der Redner fanden den lebhaftesten Beifall der Versammelten, die einstimmig die folgende Resolution faßten: „Die vom Hilfsverein der deutschen Juden, der Großloge für Deutschland U. 0. B. B. und der Gesellschaft „Ort" zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden des früheren Russischen Reiches einberufene und unter dem Vorsitz des Herrn Dr. James Simon am 6. Dezember im Logenhause abgehaltene Versammlung, hat durch die Ausführungen des Vertreters der Gesellschaft „Ort" erneut Kenntnis von der tieftraurigen Lage erhalten, in welche die jüdischen Ackerbaukolonien in Südrußland durch die politischen und wirtschaftlichen Folgen des Krieges, insbesondere aber durch die unmenschlichen Pogrome und die herrschende Hungersnot, denen sie zum Opfer fielen, geraten sind. Sie spricht den schwer betroffenen Glaubensgenossen, die schuldlos an Leib und Leben bedroht und geschädigt und um die Früchte jahrzehntelanger mühvoller Arbeit gebracht wurden, ihre herzliche Anteilnahme aus und erachtete es als eine Ehrenpflicht der gesamten Judenheit, daß so schnell wie möglich durch einträchtiges Zusammenarbeiten der jüdischen Organisationen ein planmäßiger Wiederaufbau der ruinierten Wirtschaften ins Werk gesetzt wird, um vielen Tausenden von arbeitsfreudigen jüdischen Ackerbauern die Wiederbegründung ihrer Existenz zu ermöglichen." Herr Dr. James Simon, der in seiner Schlußrede auf die Notwendigkeit hinwies, das Hilfswerk durch Zusammenarbeit der großen Hilfsgesellschaften auf eine möglichst einheitliche und breite Grundlage zu stellen, gab bekannt, daß der Hilfsverein der deutschen Juden aus dem Ukraine-Fonds zu der Hilfsaktion für die jüdischen Kolonien beisteuern werde, und daß Spenden für dieselben an den „Ukraine-Fonds" des Hilfsvereins abgeführt werden können. Siebenbürgen. Die Rabbinerwahl in Cluj (Klausenbürg). Auf Wunsch des Oberrabbiners Moses Glasner, der sich ins Privatleben zurückzieht, hat die Klausenburger Gemeinde seinen Sohn Rabbi Akiba Glasner zum Oberrabbiner gewählt. Die Wahl fand Sonntag, den 25. Dezember, statt und der neugewählte Oberrabbiner hielt im Tempel seine Antrittsrede, nachdem ihn Herr Josef Boskowitz begrüßt hatte. Der frühere Präses der Gemeinde, Herr Jakob Schwarz, hatte einen Antrag auf Verschiebung der Wahl gestellt; später modifizierte er den Antrag dahin, daß Rabbi Akiba Glasner vorläufig nur zum Rabbinerstellvertreter gewählt werde, zog aber auch später diesen Antrag zurück. Der Antrag auf die sofortige Wahl wurde mit 245 gegen 15 Stimmen angenommen. (Der rechte Flügel der Orthodoxie in Cluj hat sich bekanntlich in einer besonderen [sephardischen] Gemeinde organisiert.) Polen. Der Sokolower Raw über die Warsehauer Jeschiba. In einem überaus warmen hebräischen Anerkennungsschreiben über die von der polnischen Aguda gegründeten Jeschiba in Warschau spricht sich der Sokolower Raw schl. sehr begeistert über die 160 Bachurim zählende Messiwta aus, und drückt den Leitern, dem Gerer Rabbi schl., R. Schlomo Joskowitsch, ferner den Meistern der Jeschiba selbst, En gros En detail Wasserdichte enmänte - BU1HMI-IHDUSTR1E ien, II., Taborstraße 39 Hotel Bayrischer Hof. Teleph. 40324