Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 45 (23.12.1921)
- Date
- 1921-12-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45 JÜDISCHE PRESSE Seite 317 Land Sanatorium Wasserheilanstalt Bratislava (Prtßburg) Erstklassige Heilanstalt für innere und Nervenkranke. Spezialbehandlung der Zucker-, Gallenstein-, Nieren-, Magen-, Darm-, Herzu. Blutgefäßkrankheiten, Mast- und Entfettungskuren. Abteilungen für Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe. Urologie, Dermatologie, Ortopädie, Augen-, Ohren-, Nasen-und KenIkopfkranke. Zimmer, Beheizung, Beleuchtung, Bedienung, Krankenpflege, ärztliche Behandlung u. 5 Mahlzeiten pro Tag von 100 Kc aufwärts. Leitender Chefarzt DR. SIGMUND ARANYI. Streng rituelle "itiO Küche unter Aufsicht d. Preßt), Orth, Rabbinates verschiedenen Völker assimiliert. Ein deutscher frommer Jude wird in gewisser Hinsicht ia Rußland garnicht als fromm gelten und umgekehrt (?). Die Starrheit der deutschen Orthodoxie kennt man bei uns (?) nicht. Es macht den Eindruck, als ob das eine Wirkung der Assimilation an den deutschen Militarismus (oh, oh!) ist. Es gibt hier nur eine Uniformfrömmigkeit. Die Frömmigkeit des östlichen Judentums dagegen ist innerlich und lebendig. Sie nührt sich an den sprudelnden Quellen des Wissens der Thora und kann deshalb nicht erstarren. Es muß eine richtige Körperschaft entstehen, die das religiöse Leben erneuert (!) auf [nationaler (ausgerechnet!) Grundlage. — Wenn wir nach Erez Jisroel kommen, müssen wir unsere nationale. Religion von den Goluselementen läutern. Das Synhedrium soll in Jerusalem seinen Sitz haben, aber vom ganzen Judentum anerkannt sein." Die liebenswürdigen Aeußerungen und Anschauungen des Herrn Tschernowitz, des nachdenklich gewordenen Herrn Tschernownz über „extrem orthodox", „Trennungsorthodoxie", Agudas Jisroel, Prüfungs- und Läuterungs-Bedürftigkeit unserer „Golus-Religion", über sein geplantes Reform-Synhedrion und über vieles Andere, was er den deutschen Reformern abgelauscht und im Sinne Achad-Haams „nationalistisch" umzudeuten sich bemüht, interessieren uns herzlich wenig. Nachdenklich muß es aber stimmen, daß er in einer nachdenklich gewordenen Stimmung verrät, er und viele Seinesgleichen „besonders unter den Rabbinern" glaubten im „Misrachi" das geeignete Forum zur Verwirklichung seiner Bestrebungen gefunden zu haben. Der „Misrachi" ist durch die Veröffentlichung ihres bisherigen geistigen Führers und halachischen Wegweisers ein klein wenig in Verlegenheit geraten; aber behüte nicht — nachdenklich geworden. Sein Zentralorgan „Die Jüdische Pressein Berlin macht gute Miene zum bösen Spiel und hofft, daß „ein reibungsloseres Zusammenarbeiten mit ihm möglich sein wird, als wenn er in der Organisation geblieben wäre". Weshalb auch nicht! Der seit vielen Jahren hinlänglich bekannte und jetzt doch wahrlich deutlich genug dargelegte „religiöse Standpunkt" des Herrn Dr. Tschernowitz? Einer solchen Kleinigkeit zuliebe regt sich der Misrachi offiziell nicht auf. Djs Zentralorgan berichtet vielmehr: „In dieser Beziehung lag kein Hindernis für seihe Zugehörigkeit zum Misrachi, d e r ihm sogar an eine leitende Stelle in seiner Kulturarbeit berufen hatte". Der Misrachi müsse Menschen der „verschiedensten Richtungen umfassen". Jedes weitere Wort über die Elastizität der Gesinnung, die der offizielle Misrachi — wohlweislich erst nach abgeschlossener „Schekel"-Sammlung — bekundet, ist überflüssig. Es ist den Eingeweihten bekannt, daß es auch unter den misrachistischen Zionisten, „besonders unter den Rabbonim", sofern sie außer der der Agudas Jisroel eine zweite Thora mi-Sinai nicht anerkennen, welche giebt, die nachdenklich geworden sind. Der offizielle Misrachi ist es noch lange nicht. M a r 1 i m a r. Eine neue „Intrigue". (!) Die Assimilanten verlangen ebenfalls ihre „Jewish Agency", das heißt, daß der linke Flügel des Judentums der englischen Regierung nichts Schmeichelhaftes über die zionistischen Methoden zu sagen wußte und ernstliche Vorstellung über die totale Unfähigkeit der zionistischen Leitung gemacht zu haben scheint. Die Londoner zionistische „Zeit" erhebt ein Jammergeschrei darüber, daß die „Yahudim" (Assimilanten oder überhaupt patriotische Juden) bei Sir Samuel Vorstellung gemacht hätten, indem sie auf die aus völlig unpraktischen Menschen bestehende zionistische Leitung hingewiesen haben. Das genannte Blatt meint, daß es sich hiebei um ein Komplott gegen den Zionismus überhaupt handle; es seien dabei Kreise der französischen „Alliance" und der englischen „Anglo Jewish Association" beteiligt. Sir Samuel hätte das Anerbieten abgelehnt. Die „Zeit" fügt die Bemerkung hinzu, daß man diese Kreise wiederholt zur Mitarbeit eingeladen hätte! — Doch nicht mit der berühmten Parole Sokolows: „Wer sich am Rüsttag des Sabbat bemüht hat, darf am Sabbat essen", wobei wir einmal verraten wollen, daß Sokolow in den ersten fünf Jahren des Zionismus entschiedener Antizionist war, Herzl und Nordau bei ihrem ersten Auftreten bekämpft hat, trotzdem er sich an der fertigen Sabbattafel etwas derb auf den Platz Nordaus gesetzt. Die Rolle der zionistischen Organisation als Auserwählte des auserwählten Volkes verliert gänzlich an Rühmlichkeit, wenn man durch die letzten Erfahrungen belehrt, sich von der Ahnung beschlichen fühlt, daß die Männer der Jewish Agency sich auch außerhalb Palästinas, par exemple in der Ukraine gebrauchsfähig erweisen müssen. Soldschreiber. Nach einem guten, ehrlichen Sprichworte geht Scheker stets mit Schlemasel. So wagt sich die edle „Wiener Morgenzeitung" so schrecklich malapropos mit dem Vorwurf der Soldschreiberei in dem Momente an unser Blatt heran, wo wir den geheimen Bericht Slavinskys über die guten Dienste Jabotinsky an die Petljura-Regierung publizieren. In diesem Berichte erfahren wir zum ersten Male, daß Jabotinsky, der Chef der zionistischen Preßpropaganda ist und daß Jabotinsky dieses Amt hinter den Rücken des Kongresses, während des Kongresses an Pelljuras Regierung verhandelte. Wir erfahren, daß sich beide Teile dabei verpflichteten, in ihrer Einflußsphäre für den Plan,der Abmachung zu agitieren. Das geschah am 4. September während des Kongresses. Nun folgen wir den Spuren der Tätigkeit Jabotinskys und sehen wir, wie er der Aufgabe, „in seiner Einflußsphäre" für die Petljura-Regierung zu agitieren, gerecht wird. Jabotinsky kommt zuerst nach Wien, wird von Dr. Ghajes und Stricker in einer großen Versammlung gefeiert. Gleichzeitig hatte Jabotinsky in der „Neuen Freien Presse" in einem Aufruf alle jüdische Kriegsteilnehmer zu einer geschlossenen Versammlung in einem zionistischen Lokal einberufen. Man hielt diese von Jabotinsky einberufene Versammlung von jüdischen Kriegsteilnehmern damals für einen Versuch zur Gründung einer jüdischen Legion in Palästina. Hatte doch Jabotinsky auf den Kongreß mit allen Mitteln versucht, seinen Antrag auf Bildung einer jüdischen Legion durchzubringen. Was soll man aber von dieser „jüdischen Legion" denken, wenn man durch die berüchtigte Abmachung erfährt, daß sich Jabotinsky einige Tage vorher verpflichtet hat, in seiner »Einflußsphäre" für die Anwerbung jüdischer Truppen für die Ukraina zu wirken! Für welchen Zweck hat Jabotinsky in Wien die jüdischen Kriegsteilnehmer geworben? Soll der hiesigen zionistischen Leitung, die gleichzeitig das A—G, das allerdings nur eine untergeordnete Rolle spielt, leitet, entgangen sein, daß Jabotinsky in der „Neuen Freien Presse" eine Versammlung von jüdischen Kriegsteilnehmern in ein zionistisches Lokal einberufen hat? Wir bitten um Aufklärung! Da Jabotinsky (siehe vorige Nummer) öffentlich jeden gesunden und fähigen Juden für die ukrainische Armee wirbt, läßt sich der Gedanke nicht abweisen, daß Jabotinsky in Wien für die ukrainische Armee zu werben versucht hat. Eine nicht wegzuleugnende Tatsache ist der äußerst befremdende Umstand, daß die „Wiener Morgenzeitung" mit einem Male große „Privatberichte aus Rußland" publiziert hat und die Petljura-Regierung mit verzeihender Milde sanft vorwurfsvoll, mit freundschaftlichem Takte über ihre Fehler belehrt. (Siehe „Wiener Morgenzeitung" vom 6. Dezember.) Und Jabotinsky ist der Chef der zionistischen Preßpropaganda! Dieser Jabotinsky, den wir in dem Geheimberichte an Petljura mit seinem „alten Freunde Slavinsky" besorgt beraten sehen, wie man „die verdorbene öffentliche jüdische Meinung" über die Ukraina „verbessert". Und tatsächlich gelingt es, die „verdorbene öffentliche Meinung über die Ukraina" in der „Wiener Morgenzeitung" zu verbessern. Man muß kein Sherlock Holmes sein, um die Zusammenhänge zwischen all diesen Dingen zu entdecken. Und in der Woche, wo diese fürchterlichen Dinge publik werden, passiert der „W. M." das Malheur, von den „Soldschreibern" der Aguda zu sprechen. Wer für Sold schreibt, gravitiert nach dem Lande, wo das Pfund Sterling blüht und schwerlich nach einer Zentrale, die auf österreichischen Kronen gebettet ist. Für die Thora schrieb man seit Jahrtausenden nicht für Sold, aber mit dem ukrainischen Pressedienst vermählt man sich schwerlich aus Liebe. Wir würden an Stelle der „W. M." selbst die Partei um eine Disziplinaruntersuchung zur eigenen Rechfertigung bitten. Brief aus Karpatborussia. Uzhorod (Ungvär), Dezember 1921. Geehrter Herr Redakteur! Wenn ich seit meinem letzten Berichte Monate verstreichen ließ, so geschah es keinesfalls, weil etwa von mir nichts zu berichten wäre, das sich nicht der Mühe gelohnt häfte, Ihr gesch. Blatt zu informieren. In Wirklichkeit sind jedoch die Vorgänge im jüdisch-politischen Leben so widerwärtiger Natur, daß sich die Tätigkeit des Berichterstatters zu keiner angenehmen gestaltet. Seitdem im August dieses Jahres die „zu Wahlzwecken vereinigten jüdischen Parteien" aufgelöst und die „jüdisch-konservative Partei" konstituiert wurde — über welche Tatsachen das hiesige Gouvernement einen Akt ausfertigte, mittels welchem sie diese Aenderung offiziell zur Kenntnis nahm — hat ein von den Prager Zionisten unter Mithilfe der hiesigen Parteigänger geschürtes Kesseltreiben gegen die „jüdisch-konservative Partei" eingesetzt, welches vor kurzem ihren Höhepunkt erreicht hat, jedoch — wie ich gleich hinzufügen will — bereits seine Wirkungskraft wiederum vollkommen eingebüßt hat, nachdem es bei einigen Leuten, welche sich für diese „Propaganda" mißbrauchen ließen, denn doch zu dämmern anfängt und sie weitere Vorspnnndienste nicht zu leisten geneigt sind. Es ist nämlich das Typische an den Aktionen der hiesigen Zionisten, daß diese Herren, welche meistens keine hervorragend sozialen Stellungen oder angesehene Positionen in der Gemeinde einnehmen, sich hinter sogenannten . maßgebenden Persönlichkeiten stecken, die sie geschickt und im wahrsten Sinne des Wortes skruppellos für ihre Zwecke auszunützen und vorzuschieben wissen. So geschah es auch, daß dieselben Herren, welche ihre Vertreter aus der „zu Wahlzwecken Vereinigten" abberufen halfen, ein großes Geschrei erhoben, dahingehend, daß die „konservative Partei" ein Störenfried sei, der — einer der Herren sagte sogar öffentlich — selbst „um den Preis von Pogromen" vernichtet werden müßte. Die einzig berufene Führung der Jaden könne nur durch den Prager Nationalrat geschehen und die einzige Organisation, die eine Berechtigung habe, seien die über die ganze Republik verbreiteten „Vereinigten jüdischen Parteien"! Hauptsächlich auf die letztere Bezeichnung legen die Herren das größte Gewicht, indem sie den Wortlaut »Vereinigte" im Sinne einer „Einigkeit* unter der Judenschaft auslegen und keineswegs mit der Wahrheit herausrücken, daß bliese ,Vereinigten jüdischen Parteien" im Sinne einer tatsächlichen «Einigung" in Wirklichkeit nirgends existieren, sondern lediglich die nach dem Wahlgesetze vorgeschriebene „Wahlfirma" des zionistischen Nationalrates bilden und daß die ganze Sache absolut gar keinen anderen Zweck verfolgt als mit den Stimmen der hiesigen Juden, welche wohl ziffernmäßig Mandate ins Parlament entsenden können, die Herren Zionisten von Prag, Reichenberg, Eger, oder weiß woher, als Vertreter des „jüdischen Volkes" ins Parlament einziehen zu lassen, damit diese dort namens der Juden der Republik das Wort führen. Wenn ich von Eger (an der böhmisch-bayrischen Grenze) spreche, so muß ich mich daran erinnern, daß vor kurzem über Vorschlag der Zionisten von Prag aus die Statuten der Kultusgemeinde Eger dem Ungvärer Gouvernement vorgelegt wurden, damit nach dieser Vorlage ein einheitliches Statut für die Kultusgemeinden Russokarpathiena ausgearbeitet werde, und bereits für die Kultusgemeinden, welche diese Woche in Munkäcs stattfinden sollen, hätte eine Abänderung der Wahlordnung in dem Sinne Platz zu greifen gehabt, daß nicht nur alle „jüdischen Bürger" von 20 Jahren ab, sondern auch Frauen das Wahlrecht haben sollen. Ich glaube, daß dieses einzige Beispiel für viele genügen muß, um zu zeigen, wohin wir eigentlich mit Nationalrat und »Vereinigten jüdischen Parteien" steuern! Eine Episode der jüngsten Tage inzwischen belehrte uns hier, mit welchen Mitteln diese „edlen" Ziele der „Vereinigten jüdischen Parteien" taktisch erreicht werden sollen. Erscheint da vor kurzem ein Leitartikel im tschechischen Wochenblatte des Prager Nationalrats unter der Aufschrift „Regierung der Finsternis", der leider nur zu rasch hier verbreitet und später zu Abwehrzwecken im hiesigen Organ der jüdisch-konservativen Partei, dem „Ungväri Hirlap" auszugsweise wiedergegeben, geradezu unerhörte Angriffe gegen die hiesigen Verwaltungsbehörden enthält. Ungerechtfertigte Verhaftungen und hiebei Beeinflussung der Gerichtsbehörden durch die Administrative, Züchtung von politischem Schmutz innen und außen, weil er — einträglich sei (!) und dergleichen geschehe angeblich nur, um die Zionisten zu persekutieren und zu unterdrücken. Dabei werden einzelne Fälle beweisartig angeführt. Wenige Stunden später ist das vollkommen Erlogene des Artikels bewiesen, nachgewiesen, daß bei den angeführten Beispielen der Tatbestand entweder vollkommen erfunden ist oder, wo tatsächlich es zu Verhaftungen — und in einem Falle sogar zu einer mehrwöchentlichen Untersuchungshaft — der betreffenden „Zionisten" gekommen ist, es sich um ganz gewöhnliche, strafgesetzlich zu ahndende Fakten handelt. Gouverneur Dr. Ehrenfeld selbst bestätigte das Vorangeführte in einem Interview, das er dem Herausgeber des „Ungväri Hirlap" gewährte, und es gibt hier keine geteilte Meinung über die Niederträchtigkeit einer solchen Taktik, die durch künstliche Züchtung von — in solchem Falle berechtigtem — Antisemitismus die hiesige Judenschaft in eine sehr böse Lage bringeo kann. Nun kommt aber nach dem so unheilvollen „Revolverschuß" die zweite Szene. Es erscheint der Held, nämlich der Verfasser des Artikels im Prager Nationalratsorgan, höchstpersönlich hier. Den Herrn, welchen Ihr Korrespondent schon von seiner Tätigkeit beim Volksverband in Bratislava kennt, welch letzterer seinerzeit selbst für sein „Fortkommen" gesorgt hat und der durch wiederholte Denunziationen gegen die Orthodoxen wohlbekannt ist, begrüßte das hiesige Organ der „Magyar Jog-Part" als „einflußreichen und bedeutenden jüdischen Führer", im Nachsatz gleichzeitig Reklame für die zionistische Sammlung machend, die der gepriesene Held als Beamter des „Keren Hajessod" — wir bemerken bei dieser Gelegenheil, wozu „Keren Hajessod "-Stellen verwendet werden, dort vor hat. Gleichzeitig wird auch das Hinkommen des Prager Oberrabbiners Dr. Brody und des Präsidenten des Nationalratcs Dr. Singer in diesem Artikel avisiert. Es finden Versammlungen, Interventionen bei Behörden — bei welchen allerdings der Artikelschreiber begreiflicherweise sehr schlecht abschneidet — statt, und schließlich auch eine solche beim hiesigen Schulreferenten Peäek, als deren Resultat ich wenige Tage später im „Prager Tagblatt" eine Notiz lese, wo unter der Aufschrift „Die Juden Karpathorußlands" berichtet wird, es sei eine „jüdische Abordnung" beim Schulreferenten Peäek erschienen, welcher der letztere nach Vorbringen ihres Anliegens zugab, daß die Juden sich nicht gleich anderen Nationalitäten um ihre eigene Sprache 'kümmern und daß er in Zukunft die Bestrebungen der „Abordnung" aufs wärmste unterstützen wolle, die hebräische Unterrichtssprache an den jüdischen Schulen der Podkarpatskä Rus einzuführen. Wir fragen nun an Hand dieses Beispiels wiederum: Ist es erhört und muß man es sich gefallen lassen, daß so ein fremder „bezahlter Herr" hier in unserer Heimat so auftritt und über Wohl und Wehe unserer teuersten Kleinodien, unserer Kinder, entscheidet, und wie rechtfertigen es gewisse Herren, die sich mit so einem Jüngling an einen Beratungstisch setzen, wenn sie nicht zu den extremen Zionisten gehören, daß sie so etwas unterstützen?-- Einige Wochen vorher sahen wir hier bei beinahe zweimonatlicher intensiver Tätigkeit Marcus Ungar, der unter Aufopferung großer seelischer und materieller Energie die jüdischkonservative Partei, die trotz allem Kesseltreiben heute nach jeder Richtung achtunggebietend dasteht, weiter ausbauend, an der Arbeit. Aber nur klein war der Kreis seiner Mitarbeiter und desto größer der unter zionistischer Führung arbeitenden ■ Schmäher. mandatlüsterne Advokaten, Journalisten, deren Haupteinkomrnen Bezahlungen für sogenannte „Interventionen" bei den Behörden bildet, und ähnliche Edelgesinnte bemühten sich, ganze Mistkübel gegen den Mann herbeizuführen, der im wahrsten Sinne des Wortes Tag und Nacht in prinzipiellen Fragen für die Allgemeinheit und in unzähligen Einzelfällen — darunter auch solchen, die seine ausgesprochenen Feinde betrafen — intervenierte und Abhilfe schuf. Das von ihm in der Zeit seines hiesigen Aufenthaltes installierte Sekretariat und Rechtsschutzbureau — welches allerdings noch der Verbesserung sehr bedürftig ist — bildet den dauernden Erfolg seiner braven Arbeitsleistung. Ungar hat jedoch meiner Meinung nach sich auch hier gewisse taktische Fehler zuschulden kommen lassen. Denn wenn er einerseits, sich mit Recht über die Schmähungen niedriger Elemente hinwegsetzend, ruhig seinem Ziel entgegenarbeitete, so muß es meiner Ansicht nach andererseits als taktisch nicht richtig angesehen werden, wenn er sich über den konservativen Teil der hiesigen Juden hinaus überhaupt um nichts und niemand kümmerte. Es gibt de facto hier eine ziemliche Anzahl ehrlich jüdisch fühlender Männer, die sich schwer zur „konservativen Partei" bekennen können, von den zionistischen Reklamepolitikern nichts wissen wollen und um deren sicher sehr wertvolle Arbeitskraft für das Judentum unbedingt schade wäre, wenn es nicht jemand verstünde, sie in passender Weise zur Mitarbeit heranzuziehen. Diese Arbeit sollte bald geleistet werden! Zum-Schlüsse noch ein Wort über die jüngst in verschiedenen Zeitungsnotizen nach hier avisierten Prager Herren, obzwar wir glauben, daß sie es sich nach dem Erfolge ihres