Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 44 (16.12.1921)
- Date
- 1921-12-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2629891-2629906-2629951--0464-2632097- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 819 JÜDISCHE PRESSE Nr. 44 es jedoch wirken, daß der Chief Rabbi Dr. Herz hiezu seine Zustimmung gab, mit der Begründung, daß es angezeigt wäre, daß die Schüler über die Stellung des Judentums zum neuen Testament Aufschluß erlangen. Die Geula. (JPZ) Drei Juden, die beschuldigt wurden, am 2. November eine Bombe auf die arabischen Angreifer geworfen zu haben, wodurch ein Araber getötet und einer verwundet wurde, wurden zu elf, resp. zehn und sechs Jahren Kerker verurteilt, da diese Handlung nicht als Akt des Selbstschutzes zu betrachten sei. Die Verteidigung führte Advokat Sacher. Dies Urteil rief bei den Juden große Erregung hervor. — Am 19. November fand die Schlußverhandlung gegen den Mörder Feldhändlers und seines Sohnes statt. Der angeklagte Araber wurde für geisteskrank erklärt und zu lebenslänglicher Internierung im Irrenhaus verurteilt. — Wie „Doar Hajom" mitteilt, häufen sich in letzter Zeit die Anrempelungen der Juden durch Soldaten. Es kommen oft Fälle vor, wo einige Soldaten einzelne Juden verfolgen, sie mit Steinen bewerfen und ihnen „verfluchter Jude" nachrufen. Aburteilung des Mörders von Israel Fallhäntfler und seinem Sohne. (J. G. B.) Am 17. November wurde in Jaffa der Prozeß gegen den Araber zu Ende geführt, welcher im Mai 2 Juden, Vafer und Sohn, ermordet hat. Da der Verdacht wegen Geisteskrankheit bestand, wurden zwei ärztliche Sachverständige vorgeladen; der englische Arzt erklärte, daß der Angeklagte geisteskrank sei. Der jüdische Psychiater, Dr. Feigenbaum, erklärte, daß der Mörder während der Tat voll verantwortlich war und nur jetzt infolge seines Aufenthaltes im Kerker hysterisch sei. Der Gerichtshof erkannte, daß der Angeklagte einem Irrenhause zu übergeben ist. Konfiskation einer hebräischen Zeitschrift. (J. G. B.) Der junge, hebräische, aus Budapest stammende Dichter Awigdor Feuerstein, gibt in Jaffa seit einiger Zeit eine Zeitschrift, „Lew Chadasch", ein neues Herz heraus. Die letzte konfiszierte Nummer enthält einen sehr heftigen Angriff gegen die von Herbert Samuel zur Untersuchung der Vorfälle in Mai eingesetzten Kommission. Der Verfasser nennt diesen Bericht „den größten Pogrom" und greift Sir Herbert Samuel deswegen sehr heftig an, weil er seinen Namen auf das „schändliche Dokument" gesetzt hat. TSCHECHOSLOWAKEI. Die Rabbitterinstallierung in Galanta. Wie die \ „Jüdische Presse" bereits berichtete, wurde an Stelle des Rabbi J. Duschinski der berühmte Oberrabbiner von Magendorf, Rabbi Johuschaa Buchsbaum sch. 1. zum Oberrabbiner in Galanta gewählt. Oberrabbiner Buchsbaum leitete bisher eine musterhafte Jeschiwa in Magendorf, und sein segensreiches Wirken auf dem Gebiete des Ribuc-Hathora ist eine Gewähr, daß der berühmte Gaon Rabbi Duschinski einen würdigen Nachfolger und die weltbekannte Jeschiwa in Galanta einen würdigen Leiter gefunden hat. Selbstverständlich hat die glücklich getroffene Wahl in allen Kreisen der Gemeinde Genugtuung und Freude erweckt. Am Dienstag, den 5. Kislew, fand nun der feierliche Einzug des Rabbi Buchsbaum in seine neue Gemeinde statt, der für die Gemeinde geradezu ein jüdisches Freudenfest bildete. Aus allen Teilen der Slowakei kamen Gäste. Die orthodoxen Kultusgemeinden Preßburg, Nitra, Piestany, Komorn, Tyrnau, Duriaszerdahely, Groß-Tapolcsany, Verbo, Serde, Samorja, Galgoc, Joka, Valsellye, wie auch die Landesorganisationen der Aguda und die „Jüdische Presse" waren durch Deputationen vertreten. Zahlreiche Mitglieder der Magendorfer Gemeinde begleiteten ihren Rabbi bis Galanta. In Galanta wurde er am Bahnhofe von einer unübersehbaren Menge erwartet, die ihn mit begeisterten Ovationen begrüßten. Vom Bahnhofe bewegte sich der Zug zur Schule, wo der Rabbi vom Vorstand mit einer Ghupa empfangen und in die Schule begleitet wurde. Im Tempel begrüßte ihn Gemeindepräses R. Jizchak Kaiisch, worauf der Oberrabbiner eine schwungvolle Antrittsrede hielt. Er zitierte die Midraschstelle: Pne Mosche kachama, pne Jehuschua kahvana und verglich die segensreiche Tätigkeit seines großen Vorgängers zur Sonne, die selbst die belebende Wärme und den leuchtenden Glanz besitzt, sich selbst aber zum Mond, der der Abglanz der Sonne ist und nur durch die Sonne und mit Hilfe der Sterne eine Leuchtkraft hat. Er fühle sich den Anforderungen der Gemeinde und der Jeschiva nur dann gewachsen, wenn die Sonne ihre Strahlen dem Mond spendet und die Sterne, die die ganze Gemeinde symbolisieren, in seiner verantwortungsvollen Arbeit mithelfen. Nach der Rede empfing der Oberrabbiner die Deputationen der Gemeinden, darunter auch eine Deputation der Preßburger Gemeinde, deren Redner Rabbi Samuel Donath ihm die besten Glückwünsche des Rabbinates und der Gemeinde übermittelte. Abends 6 Uhr wurde in dem mit schönen Poroches und grünem Fichtenlaub geschmackvoll dekorierten Mensasaal die Sudasz-Mizwa abgehalten, wobei der Oberrabbiner eine faszinierende Rede mit entzückenden Midrasch-Auslegungen hielt. Es sprachen noch Rabbiner Reb Josef Müller, R. Beer Kaiisch im Namen sämtlicher Vereine, der mit beredten Worten die Aufgaben der Vereine skizzierte, ferner Herr Ehrenfeld Rosch-Kohal der Magendorfer Gemeinde, R. Arieh Leb Kaiser und R. Leb Ehrenwald. Die Feierlichkeit dauerte bis in die späten Abendstunden, worauf der Oberrabbiner jubelnd und freudig von der Gemeinde und Talmidim in seine Wohnung begleitet wurde. — K. En die orthodoxe 3ugend der Slowakei! Fast zwei Jahre sind es nunmehr, daß sich auf Anregung der Geonim und Gedolim schl. in jeder größeren Gemeinde der Slowakei Jugendgruppen konstituierten, welche bereits auf verschiedenen Gebieten, wie z. B. auf dem des „Limud Hathora", als auch auf sozialem Gebiete große Erfolge aufweisen können. Es dürfte sich während den zwei Jahren der unermüdlichen und aufopferungsvollen Arbeit die Erkenntnis in allen Kreisen durchgerungen haben, daß die Aguda-Jugend zufolge ihres eifrigen Strebens, auf jedem Gebiete ihrer Pflicht gerecht zu werden, derselben auch vollauf entsprochen hat. Am 24. Kislew (25. Dezember d. J.) werden die Vertreter der Agudas Jisroel-Jugendgruppen der Slowakei in Bratislava zusammentreten, um zu beraten, wie und auf welche Weise ihre zukünftige Arbeit einsetze, wie noch mehr und besser für den Klall geleistet werden könnte. Doch noch vor dem Delegiertentage gebietet es unser Gewissen, daß wir, um noch mehr und besser für den Klall leisten zu können, uns auch der Teilnahme der uns noch fernestehenden Jugend versichern. Eben deshalb treten wir an alle Jugen '.- vereine in allererster Reihe und an einzelne der Aguda sympathisch gegenüberstehenden jungen Leute, denen die Sache der Orthodoxie am Herzen liegt, mit der entschiedenen Forderung heran, ihren Anschluß an' die Zentralleitung noch vor dem Delegiertentage anzumelden. Wir erachten es äls gänzlich überflüssig, über die Notwendigkeit einer solchen Gruppe und über die -Vorteile, die eine solche.für das gesamte Gemeindewesen bedeutet, näher einzugehen, c|afür spricht die Entwicklung der Aguda. Wir hoffen, daß das eigene Gewissen jedem Einzelnen mit kategorischem Imperativ den Weg weisen wird, den er beschreiten möge. Die Zentralleitung. (Anmeldungen sind an die Agudas Jisroel, Bratislava, Turnergasse 14/16, zu richten.) Mewaksehe Thora-Verein in Bratislava. Die Schiurim werden von Rabb. Salman Unsdorfer n. h. abgehalten, und hauptsächlich seiner schönen und geistvollen Vortragsweise ist es zu danken, daß eine immer größere Schar sich dorthin versammelt, um Thora zu lernen. Mit Genugtuung kann heute konstatiert werden, daß das Gros der jüdischen Angestellten Preßburgs an den täglichen Schiurim teilnehmen und die Zahl der lernenden Mitglieder ist auf 125 gestiegen. Auch eine zweite Gruppe für jüngere Teilnehmer wurde eingeführt, die unter Leitung des bekannten tüchtigen Pädagogen Rabb. Moses Goldstein n. h. sich völlig bewährt. Leiter des Vereines ist Herr Josef Weis, der mit den ihm zur Seite stehenden Herren: Josef Dennebaum, Israel Weinreb, Isack Schönberger, Adolf Kohn, Sändor Schwartz, Mal. Jellinek, Mano Saniek, Max Kunstadt und David Iritzcr sein Bestmöglichstes zum Gedeihen desselben beiträgt, resp. seit Gründung desselben beigetragen hat. — Ghanuka wird bereits ein Sijumauf Pesachim veranstaltet werden. Szijum der Agudas Jisroel-Jugendgruppe Bratislava. Am 24. Kislew (25. Dezember d. J.) veranstaltet die Bratislavaer Jugendgruppe einen Sijum auf Mess. Kiduschin. Infolge der eingetretenen schwierigen Verhältnisse war die Jugendgruppe bemüssigt, den Sijum, der für den 28. Tischri anberaumt war, zu verschieben und findet nun derselbe an obgenanntem Tage, um 7 Uhr abends in den Lokalitäten der Mensa statt. Es wurde die Sugje Schliach naasse ed zur eingehenden Behandlung bestimmt. Generalversammlung des Sinai-Vereines zur Förderung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in Prag. Am 18. November hielt der Verein Sinai seine Generalversammlung ab. Im Geschäftsbericht hob der Obmann, Herr Dr. Isidor Jeiteles, hervor, daß nur durch das energische Eingreifen des Vereines während eines Schächterstreikes im Frühjahr die Weilerversorgung mit rituellem Fleisch ermöglicht wurde. An der Brünner Tagung, die einen Zusammenschluß aller Orthodoxen in den Sudetenländern bezweckte, nahmen die Delegierten des Vereines hervorragenden Anteil. Bei den Kultuswahlen verhielt sich der Verein, entsprechend der Zusammensetzung seiner Mitglieder, neutral. Mit Genugtuung darf festgestellt werden, daß der Verein in der neuen Kuftusgemeinde-Repräsentanz durch eine größere Anzahl von Mitgliedern vertreten ist. Weniger zufriedenstellend ist allerdings der Besuch der Lehrvorträge, der Schiurim. Die darauf folgende Debatte beschäftigte sich besonders mit der Frage 1 des Ueberhandnehmens der standesamtlichen Trauungen. Die nächste Mitgliederversammlung wird ein Referat mit Diskussion darüber bringen. ,Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder, Prof. Ehrenfeld, Rudolf Stransky und Prof. M. Lieben, wurden wieder gewählt. Bureau der Agudas Jisroel in "der Slowakei. Durch gütige Bewilligung des Kultus Vorstandes der orth. isr. Kultusgemeinde in Preßburg, wurde der Zentralleitung der Agudas Jisroel-Orts- und Jugendgruppen ein Bureau der Agudas Jisroel-Jugendgruppe Bratislava ein anschließender Saal zur Abhaltung von Vorträgen und für gesellige Zusammenkünfte der Aguda-Jugend überlassen. Leiter des Bureaus' ist Sekretär Siegfried Frommer. Organisationsfonds. Der Ausbau der Aguda- Organisation macht schöne Fortschritte. Da nun ein Lokal seitens der löbl. Kultusgemeinde in Bratislava, zwecks Einrichtung eines Bureaus und Ermöglichung der täglichen Vorträge und Zusammenkünfte überlassen wurde, sind wir nun energisch daran, dasselbe, entsprechend einzurichten. Wir bitten nun unsere Mitglieder und Gönner, uns hiebei finanziell zu unterstützen oder mit etwaigen Einrichtungsstücken auszuhelfen. (Spenden werden bei der Agudas Jisroel Bratislava, Turnergasse 14/15, entgegengenommen.) Bratislava. Herr Rabbiner Dr. P. Kohn, Leiter des Zentralbureaus der Aguda in Wien, und Herr Generalsekretär J. J. Braun, haben während ihrer Anwesenheit in Preßburg, wo .sie einige Stunden verweilten, mit der Leitung des Landesverbandes, welche Herr Dr. Karl Rosenbaum vertritt, über organisatorische Fragen eingehend beraten. Spendet für die Jugendgruppe! Rabbi Israel Frankl ^T. Vor Schluß des Blattes erreicht uns die traurige Nachricht von dem Ableben des greisen Rabbiners Israel Frankl in Schattmannsdorf. Zeit seines Lebens kannte und lebte er nur zwischen den vier Wänden des Beshamidrasch. In seinem kleinen Ort, dessen Ruhe ihn so anzog, daß er nie ein Amt in einer größeren Gemeinde annehmen wollte, oblag er unermüdlich seinem heiligen Studium und brachte es zu großem Lamdomus. Sein weiches Herz machte ihn zum Vater der Witwen, Waisen und Bedrückten, seine persönliche Liebenswürdigkeit und ungewöhnliche Bescheidenheit machten ihm alle Welt zum Freunde. Er hatte nur Verehrer. Die Kriegsereignisse, speziell deren härteste Wirkung auf seine Gemeinde, die ungeheuren Leiden, die die Judenschaft zehnfach erdulden mußte, erschütterten seine Gesundheit derart, daß sie sein Ende beschleunigten. Er hatte das Glück, seine Kinder, Dr. P. Frankl, Klausrabbiner in Halberstadt, Rabbiner Brodi in Miawa, Rabbiner Hirschler, den Vize-Präses der tschechoslowakischen Landeskanzlei, in seinem Sinne hervorragend wirken zu sehen. R. Hillel Meir Grosinger Aus Velke-Topolfcany wird uns geschrieben: Unsere Kehilla hat wiederum einen schweren Verlust zu verzeichnen. Vergangenen Sonntag verschied nach kurzem Leiden unser Schochet R. Hillel Meir Grosinger, der im strengsten Sinne des Wortes ein jüdischer Mann und wahrhafter Ben Thora war. Vor zwei Jahren gründete er die Chess-Chewra, wo er stets mit größter Hingebung und mit seinem Wissen selbstlos das „Vorlernen" besorgte. Selbst die kleinsten Ehrenbezeugungen wies er mit Entschiedenheit zurück. Die Lewaje fand unter Beteiligung der ganzen Gemeinde statt. Presov. Am 16. Tischri fand im Vereinslokale die Generalversammlung der hiesigen Jugendgruppe statt. Präses J. Holländer eröffnet die Sitzung und schildert die Tätigkeit der Jugendgruppe im ver-